kwerfeldein
29. April 2009 Lesezeit: ~4 Minuten

Status Quo – Auf Wiedersehen



Wie können zwei Fotografen mit 7 Panoramafotos die Welt zum Staunen bringen? Warum ist dieses Video mit Joe McNally unter Fotografen so beliebt? Warum sind ist die Strassenfotografie von Peter Funch so unverwechselbar?

Diese Fotografen haben etwas gemeinsam: Ja, sie sind technisch brilliant. Aber, da ist noch etwas Anderes und sehr Entscheidendes:

Sie haben „ihr Ding“ gemacht den Status Quo nicht akzeptiert.

Sie haben damit gebrochen und auf Wiedersehen gesagt. Sie haben sich nicht an die Regeln gehalten, sind nicht mit dem Strom geschwommen. Diese Fotografen heben sich von anderen herab. Und ich glaube nicht, dass das so einfach war, wie es aussieht.

Seit ein paar Wochen bin ich dabei, meine Landschaftsfotos nur noch im 1×1 Format und meistens in Schwarzweiss zu gestalten. Als ich davon hier geschrieben habe, wurde ich gefragt, ob das wirklich Sinn macht, sich festzulegen oder eher hinderlich ist. Obwohl ich diese Frage gut verstehe (und durchaus respektiere) möchte ich sagen:

Ja, es wäre einfacher, weiter wie bisher zu fotografieren. Ja, es ist manchmal schwierig und ein bisschen unbequem. Aber es lohnt sich.

Denn das ist mein erster Schritt, den Status Quo zu hinterfragen. Der erste Schritt auf dem Weg, mich abzusetzen von der grossen Masse und einen eigenen Stil zu entwickeln.

Ich habe nun 4 Jahre fotografiert, meine Techniken verfeinert und mein Auge geschult. Das war ein wichtiger Prozess. Meine Bilder kam ganz gut an, wenn ihr mir die Favouriten und Kommentare der letzten 12 Monate auf Flickr so ansehe. Doch wenn ich ehrlich bin, muss ich mir selbst eingestehen: Die Fotos sind gut. Ich bin zufrieden. Passt. Doch richtig „aussergewöhnlich“, merk-würdig sind die wenigsten. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, einen Schritt weiter zu gehen. 1×1 Format. Meistens Schwarzweiss. Bei jedem Naturfoto.

Ich habe das noch nie zuvor gemacht. Und ich weiss auch nicht, ob ich damit einen grossen Durchbruch erreichen werde oder nicht. Und manchmal fühlt es sich an, wie Höhenangst. Oft bin ich mir unsicher und denke darüber nach, wie wohl „die anderen“ darüber denken und ob sie mich belächeln – „der Martin mal wieder, tse!“. Doch das hält mich nicht davon ab, es für die nächsten Monate, wenn nicht Jahre auszutesten. Mich reinzubohren und weiter zu entwickeln.

Aber warum erzähle ich das alles?

Mit diesen Worten möchte ich Euch nicht sagen, dass ihr alle in 1×1 fotografieren sollt. Das wäre ja paradox zu meinem Vorhaben und würde auch nix bringen.

Ich möchte Euch herausfordern und einwenig anstubsen, zu träumen und das hinterfragen, „was man halt so macht“.

Fotografiert viel, feilt an Eurer Technik, ja übt, was das Zeug hält – das ist wichtig, braucht Zeit und bringt Euch auf ein neues Level.

In der ein oder anderen stillen Minute: Denkt weiter. Träumt. Verrückte Sachen. Komische Sachen. Fotos, die auffallen. Fotos, die so ganz Euer Ding sein könnten, mit denen ihr was verbindet. Fotos, bei denen ihr schweissige Hände bekommt, nur von dran denken. Gar nicht einfach, huh?

Und wenn ihr etwas gefunden habt, dann versucht Euch daran. Probiert es aus. Die ersten Versuche werden scheitern. Es ist höchstwarscheinlich, dass ihr nicht sofort die Ergebnisse erzielen werdet, von denen Ihr träumt das ist völlig in Ordnung. Doch bleibt dran. Habt den Mut es durchzuziehen. Es lohnt sich.

Status Quo - Auf Wiedersehen

Ähnliche Artikel