kwerfeldein
24. April 2009 Lesezeit: ~3 Minuten

Den Sweet Spot finden

„Mit dem Begriff Sweet Spot wird eine Art effektive Zone bezeichnet. Wenn sich etwas im Sweetspot befindet, hat es bzw. erhält es die optimale Wirkung.“ Wikipedia

Kennst Du das? Du fotografierst eine Szene, wanderst umher, änderst den Blickwinkel, mal von rechts, mal von links, oben, unten … und auf einmal machts Klick. Nicht nur in der Kamera sondern auch bei Dir. „Jetzt passt’s perfekt“ oder „Cool, so wollt ich’s haben“ oder „Ui, sieht gar nicht schlecht aus“ sind Gedanken, die in solchen Momenten durch den Kopf gehen. Und heute möchte ich aus meiner Sicht über diese Momente sprechen. Denn ich habe bemerkt, dass sie von grosser Bedeutung für mein Fotografieren sind.

Für mich ist die Fotografie eine ständige Suche nach dem Sweet Spot oder anders ausgedrückt: Dem optimalen Blickwinkel. Das Probieren, Bewegen, Komponieren ist für mich beim Fotografieren die spannendste Zeit. Das ist kreatives Arbeiten. Da bekomme ich Herzklopfen. Da bekomme ich schweissige Hände weil ich manchmal weiss …Jetzt… jetzt gleich.. gleich habe ich ihn, den Sweet Spot. In diesen Momenten bleibt die Zeit stehen. So vom Gefühl her. Alles dreht sich um den jetzigen Moment und um die Suche nach dem optimalen Blickwinkel.

Diesen Punkt zu finden, ihn zu erleben, kann manchmal mühsam sein. Und hey – das gehört (zumindest für mich) dazu. Dennoch habe ich auf meinem Weg mit der Kamera Strategien und Einstellungen entdeckt, die mir dabei helfen, ihn zu finden, den Sweet Spot. Und die kommen genau jetzt – obwohl halt.

Ich weiss, dass Tipps wie die Folgenden aufgeblasen, weit weg und vor allem sehr theoretisch wirken können. Und genau aus diesem Grund möchte ich dazu sagen, dass ich hier speziell aus meiner Sicht schreibe. Das Folgende ist also nicht die unumstrittene und alleingültige Wahrheit, die für jeden Fotografen in jeder Situation passt. Nope. Auch ich befinde mich auf einem Weg und habe es keineswegs „voll drauf“ oder „endgültig kapiert“.

Jetzt legen wir aber los.

Es muss fett sein
Bitte was? Das, was ich fotografiere muss mich begeistern. Ich muss eine Leidenschaft dafür haben. Ich habe bemerkt, dass ich ewig brauche, um den Sweet Spot zu finden, wenn ich etwas fotografiere, was ich grundlegend langweilig finde. Deshalb: Es muss fett sein. Bei mir sind das Landschaften, Bäume und Menschen.

Aktion
Ich muss mich Bewegen. Bei Bäumen haben ich mir angewöhnt, einmal drumherherum zu laufen und aus allen möglichen Perspektiven durch die Kamera zu schaun. Objektive wechseln, Perspektiven entdecken, zu unterschiedlichen Tageszeiten fotografieren.

Fit werden
Je mehr ich mich in ein Thema hinarbeite und somit darin „fit“ bin, umso besser kann ich einschätzen, aus welcher Entfernung mit welchem Objektiv mir die Szene am Besten gefällt. Ich bekomme Übung und Erfahrung. Aber Vorsicht:

Neu fotografieren
Übung und Erfahrung haben den Nachteil, dass man eingefahren wird. Dass man Dinge immer gleich macht, weil sie bisher so funktioniert haben. Da hilft nur eins: Raus aus den Gewohnheiten. Probieren, neu denken, anders machen.

Status Quo
Den Sweet Spot finden, dafür kann ich einiges tun, aber ich kann es nicht „machen“. Und auch, wenn ich nun entgegengestetzt der vorigen Punkte schreibe: Manchmal passts einfach. Kamera raus, abdrücken, fertig. Nicht immer. Aber manchmal.


Den Sweet Spot finden

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25 Kommentare

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  1. mal abgesehen davon, dass ich den Begriff „Sweet Spot“ noch nicht kannte, kann ich dem Artikel zu 100% zustimmen.

    Ich mache am Liebsten Langzeitbelichtungen und mein Lieblingsphoto ist an 4 Tagen á ganz viel Zeit entstanden.
    externer Link: Rheinbrücke

    Andere Photos sind vielmehr aus Zufall, teilweise als „Abfallprodukt“ eines misslungenen 360°-Panoramas entstanden; sie haben einzeln mehr Wirkung
    externener Link: Gas-O-Meter

    hinzukommt, dass man je nach Blickwinkel, Licht… etwas ganz anderes transportieren kann. Ein gelungenes Beispiel ist das Titelbild des folgenden Blog-Eintrages:
    externer Link: StyleSpion – Über den Blickwinkel

    p.s: ich hoffe die Links sind in Ordnung, ansonsten bitte kommentarlos löschen :)

  2. Da ist was wahres dran. Nur manchmal findet man den Sweet Spot auch gar nicht. Da heisst es nur – ab zum nächsten Motiv. Ich bin der Meinung wenn man die Perspektive oder den Bildausschnitt auch nach längerem Suchen am Motiv nicht findet, dann findet man ihn überhaupt nicht.

    Gruß

  3. Zu „Es muss fett sein“ fällt mir ein:
    Wenn mich Bekannten/Verwandten auf Feiern o.ä. mit meiner Kamera sehen, treten immer Anfragen in Form von „Unser Kleines liegt da auf dem Sofa und schläft…kannst du mal ein paar Fotos machen…ich zieh ihr auch hier dieses Mützchen vorher an“ oder „Kannst du mal nur ihre Augen fotografieren…oder nee, mach mal nur ihre Wimpern – die sind ja so schön lang“ o.ä. an mich heran.

    Da denk ich: „Ich steh nicht auf Makroaufnahmen von Wimpern oder so…“
    Bin dann trotzdem immer so nett, solche Wünsche dann doch zu erfüllen.
    Aber vom „Sweet Spot“ keine Spur! :-)

  4. Ehrlich gesagt, gibts bei mir den „WOW, das ist es“ Effekt erst zuhause am Computer. Vorher schiesse ich einfach alles mit meiner Kamera ab, das ich mir in etwa in einer art und weise als Interessant vorstellen kann.

    Allerdings Fotografiere ich auch noch nicht lange und das mit eher sehr geringer praktischer Erfahrung mit einer a200 von Sony.

    Aber sehr schöner Artikel. Ich mag solche Artikel, mit denen sich andere auch identifizieren können.

  5. Was mir noch einfällt, ist dass sich dieser „Wow-Effekt auch verändern kann.
    Es ist mir schon mehr als ein mal passiert, dass ich ein Photo was der „absolute Burner“ war – eine gewisse Zeit später als total langweilig wieder weg gelgt habe und selbst nicht verstehen konnte, was ich an diesem Photo so toll fand.

  6. Ich dachte immer der Sweet-Spot ist der Bereich, in dem ein Objektiv am schärfsten arbeitet. Also praktisch der Bereich zwischen der unteren Blende, ab dem das Objektiv auch am Rand scharf abbildet, und der oberen Blende an der es durch Diffraktion wieder unschärfen geben kann (auch Sensor bezogen). Oder verwechsle ich da was?

    -Horst

  7. So wahr dein Artikel > ich fotografiere zwar nicht wirklich oft Landschaften, sondern eher Menschen im Studio – aber da gilt eigentlich dasselbe. Man muss sich ersteinmal an das Model gewöhnen – sie „kennenlernen“ – wie sie sich bewegen kann, wie ihr Gesicht / Körper / ihr gesamtes Posing bei dem aktuellen Lichtsetup wirkt. Wie muss ich vielleicht mein Lichtsetup anpassen.

    Und auch die Leidenschaft – es muss mir Spaß machen. Kommunikation ist wichtig, sonst wird es schnell zum „stumpfen“ Geknipse und ich fühl mich selbst auch nicht motiviert zu experimentieren > sondern fotografiere 0815 – nixx neues.

    Gruß
    J-C ( http://www.jcphoto.de )

  8. Mal wieder ein guter Artikel von dir Martin ;))

    @ Julian, genau das gleiche passiert mir auch immer. Bei mir liegts denke ich daran, dass ich noch Anfänger bin und nach und nach mehr „Fehler“ auf den Bildern finde, die ich vorher nicht gesehen habe.
    Der WOW Effekt ist öfter bei mir, wenn ich eine leichte Steigerung in meinen Können sehe. Ein paar Wochen später sind dann natürlich die Bilder nicht mehr so schön, weil ich wieder mehr Erfahrungen gesammelt habe :)

  9. Kurz gesagt (aber ich mag deine ausführlichen Umschreibungen sehr gern!):

    Im Moment, in dem ich FÜR MICH den perfekten Sweet Spot gefunden habe, weiß ich wieder, warum ich das alles mache :)

  10. Wie genau „sucht“ ihr eigentlich?
    1000 Bilder machen, um dann ein paar davon besonders gut zu finden, oder eher 3 Bilder schießen, welche dann alle gut sind?

    Findet das Auslesen der Motive quasi vor oder nach dem Abdrücken der Kamera statt?

    Grüße
    andy

  11. so einen sweet spot hat meine freundin auch ;-) und da gehts mir auch so, brauch ewig bis ich ihn gefunden hab, bekomm schwitzige hände und wenn ich ihn dann hab …jetzt… jetzt gleich.. gleich habe ich ihn, den sweet spot. in diesen momenten bleibt die zeit stehen. ;-) …..

    so, ich hoffe der liebe martin markiert mich jetz nicht als spam und verbannt mich für ewig aus seinem wirklich wirklich lesenswertem blog. nein im ernst, mal wieder ein super artikel!!

  12. Oh, das ist aber jetzt sehr missverständlich, der Artikel, denn den Begriff „Sweet Spot“ gibt es in der Photographie eigentlich schon: Man bezeichnet damit den Abblendepunkt, an dem das Objektiv am schärfsten und besten bis in die Randbereiche abbildet. Das hier dürfte also zur Verwirrung der angehenden Photographen beitragen, vielleicht wäre ein anderer Begriff sinnvoller für das, was Du meinst… perfekte Bildkompositionserkenntnis ist wohl auch zu sperrig ;).

  13. @ Raventhird – Och .. ich denke, das kommt eher auf den „Blickpunkt“ an, was man als Sweetspot bezeichnet … der von die genannte (ich glaub, die „effektive Blende“) ist eher der technische Sweetspot – der, um den es hier geht – der fotografische =)

    Gruß
    J-C ( http://www.jcphoto.de )

  14. ich finde diesen eintrag mal wieder grandios, trifft sehr gut auch viele von mir gemacht erfahrungen.

    manchmal reicht es nicht zur richtigen zeit am richtigen ort zu sein, sondern die zwei zentimeter die man mehr ins knie geht oder den halben meter den man höher kletter als andere, das macht manchmal wirklich viel aus und lohnt sich im nachhinein!

    (zum commentthema verhältnis auslösungen : guten resultate; ich versuche das ganze in einem vernünftigen mittelmaße zu halten, nach möglichkeit sogar schon auf der cam auszusortieren. grob könnte man bei mir vielleicht ein 10:1 nach cam sortierung draus machen, eigentlich noch zu viel, jedoch bei den dateigrößen der D70 noch vertretbar ;) )

  15. Blogartikel dazu: Seinen Sweet Spot findet man ganz leicht, oder? | Shockmotion

  16. Für mich war der Begriff „Sweet Spot“ zwar noch gänzlich neu, aber das ändert nichts daran, dass ich dem nur zustimmen kann!

    Wobei ich sehr gut finde, dass Du den „Status Quo“ nicht außer acht gelassen hast, hierbei entstehen meist die natürlichsten Fotos (spontane Momentaufnahmen, Portraits etc.).

  17. Blogartikel dazu: Linktipps für den 23. Mai 2009 | Fotoholiker

  18. Den Begriff Sweet Spot kenne ich aus der Welt des Tennis-Sports. Hier bezeichnet er denjenigen Bereich der Schlagfläche des Tennisschlägers, der dem Ball beim Treffen die optimale Energie und den optimalen Effet mitgibt. Der Bereich ist normalerweise um einiges kleiner als die gesamte Schlägerfläche. Ein großer Sweet Spot erleichtert also das Spielen und ermöglicht einen guten Schlag auch dann, wenn man den Ball nicht absolut perfekt getroffen hat. Umgekehrt schmerzt der Arm, wenn man den Ball außerhalb des Sweet Spots trifft, und im Extremfall verreisst es den Schläger. Um Schläger mit recht großem Sweet Spot zu erzielen, entstanden in der Vergangenheit Formen, die gar nicht mehr an einen klassischen ovalen Schläger erinnerten, sondern teilweise fast schon rechteckig waren. Wie das heutzutage gelöst wird, weiß ich aber nicht; meine Tenniszeit ist lange her…