kwerfeldein
21. April 2009 Lesezeit: ~3 Minuten

Wer macht das Foto?

„Es ist nicht die Kamera, sondern wer dahinter steht.“ Autor unbekannt

Seit Wochen, nein Monaten denke ich über diesen einen Satz nach. Beim Autofahren, sprechen mit Fotofreunden und ja, beim Fotografieren selbst denke ich darüber nach. Warum? Weil er in mir mehr Fragen aufwirft als Antworten. Weil ich heute nicht mehr sosehr davon überzeugt bin wie vor vielleicht 2 Jahren. Ich habe ihn abgewägt, hin-und-her gedreht, aus 1000 verschiedenen Perspektiven gedacht und reflektiert. Doch eines setzt sich in mir fest: Ich würde ihn heute nicht mehr so „unterschreiben“.

Hören wir ihn uns doch nochmal an:
„Es ist nicht die Kamera, sondern wer dahinter steht.“ Autor unbekannt

Grundsätzlich stimmt ich ihm zu, dem unbekannten Autor. Und gerade in Zeiten, in denen uns die Industrie glauben machen will, dass wir mir der neuesten Kamera und den neuesten Gadgets die geilsten Fotos machen würden – genau in diesen Zeiten tut so ein Satz gut. Er tut uns allen gut, denn er führt uns vor Augen, dass es wichtig ist, „ein Auge“ zu haben. Selbst aktiv zu werden. Zu komponieren – ja, fotografieren zu lernen. Denn wir können die beste Kamera mit den besten Objektiven haben, doch ohne Leidenschaft für das Bild, ohne die Fähigkeit, Stimmungen einzufangen werden wir keine guten Fotos machen.

Aber (jetzt kommt der Teil, der mich seit Wochen beschäftigt)!
Aber!
Aber!

  • Es ist doch auch die Kamera, die das Foto macht und nicht nur, wer dahinter steht, oder?
  • Es ist doch auch das Objektiv, das das Foto macht und nicht nur, wer dahinter steht, nicht war?

Natürlich kann man auch mit dem Handy ein paar gute Fotos machen – klar. Das möchte ich gar nicht in Frage stellen.

Doch zwischen Handy und Kamera – zwischen Objektiv A und Objektiv B gibt es einen Unterschied. Einen Unterschied, den wir nicht ignorieren können.

Mit einem lichtstarken Objektiv habe ich mehr Möglichkeiten, als bei einem weniger lichtstarken. Mit einer Anfangsblende von 1,8 habe ich ein stärkere Unschärfe im Hintergrund als mit 3,5 – und das kann gerade bei Portraits einen gewaltigen Unterschied machen. Mit einer Kamera, die bei hohen ISO-Zahlen weniger rauscht, kann ich auch zu später Stunde noch ohne Blitz fotografieren, was mir bei einer anderen Kamera nicht mehr möglich ist.

Ja, diese Unterschiede werden tendenziell überbewertet und deshalb schreibe ich hier auf kwerfeldein.de so oft von den kreativen Prozessen, vom viel Fotografieren, vom vorwärtsgehen, vom Dranbleiben und nicht Aufgeben. Aber – es gibt auch die andere Seite, wo wir von Qualitätsunterschieden sprechen, die sich beim Fotografieren bemerkbar machen.

Ob ich der Meinung bin, dass wir alle die teuersten Kameras, Objektive und Zubehör brauchen?

Nein, mit Sicherheit nicht. Aber auf diese Frage gibt es meiner Meinung nach auch keine einfache Antwort ;)

Wie seht Ihr das?

Wer macht das Foto?

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