14. April 2009 Lesezeit: ~6 Minuten

Megapixel – darf‘s ein bisschen mehr sein?

Ob es nun um den Kauf einer neuen Kamera geht oder fachgesimple mit einem Kollegen ist. Früher oder später kommt die Frage: „Wie viele Megapixel hat die Kamera?“. Dabei dürfte sich langsam herumgesprochen haben, dass die Anzahl der Pixel leider keine Auskunft über die Qualität gibt.

Megapixel - darf‘s ein bisschen mehr sein?Aber woher kommt dieser Megapixelwahn?

Die Ursache liegt in den Anfängen der digitalen Kameras. Früher war die Auflösung tatsächlich so gering, dass man auf dem Bild jeden einzelnen Pixel erkennen konnte. Mehr Pixel bedeuteten damals tatsächlich schärfere und detailreichere Bilder.

Um die Jahrtausendwende haben die digitalen Kameras mit ihren analogen Konkurrenten gleichgezogen. Die Bildqualität der Sensoren hatte ein vergleichbar hohes Niveau erreicht. Jede weitere Steigerung der Pixelzahl brachte nur noch einen geringen Mehrwert.

Aber in den Köpfen der Konsumenten hatte sich festgesetzt, dass eine höhere Pixelzahl gleichbedeutend mit besserer Qualität ist. Und der Markt wollte diese Nachfrage befriedigen. Daher übertrumpften sich die Hersteller gegenseitig mit immer mehr Megapixeln, um den Kunden für sich zu gewinnen. Ein digitales Wettrüsten hatte begonnen.

Doch bald gab es ein Problem: die Megapixel-Boliden führten nicht unbedingt die Bestenlisten der Testlabore an.

Warum aber bedeuten mehr Megapixel nicht unbedingt eine bessere Qualität?

Dazu muss man verstehen, wie der Sensor in einer Kamera funktioniert. Keine Angst, das Grundprinzip ist relativ einfach: ein Sensor besteht aus vielen lichtempfindlichen Fotozellen. Fällt Licht auf so eine Fotozelle entsteht ein elektrischer Impuls. Dabei ist der Impuls umso stärker, je mehr Licht die Fotozelle abbekommt. Ein starker Impuls wird daher von der Kamera in einen hellen Pixel übersetzt, ein schwacher Impuls in einen dunklen Pixel. Jede Fotozelle auf dem Sensor steht für einen Pixel im späteren Bild.


Doch was hat das mit der Qualität zu tun? Nun, damit ein Pixel genügend Licht abbekommt braucht er eine bestimmte Mindestgröße. Und genau diese Größe ist das Problem.

Die Hersteller erhöhen zwar die Anzahl der Pixel, lassen aber den Sensor selbst genauso groß wie beim Vorgängermodel.

Das heißt, auf die gleiche Fläche quetschen sie nun mehr Pixel als zuvor. Jede einzelne Fotozelle muss also zwangsläufig kleiner werden.

Megapixel - darf‘s ein bisschen mehr sein?

Die Menge des Lichts, die bei einer Belichtung auf den Sensor fällt, bleibt jedoch unverändert. Jede Fotozelle bekommt davon nur weniger ab. Folglich ist ihr elektrischer Impuls geringer. Um dieser Tatsache entgegenzuwirken, werden die Impulse in der Kamera künstlich verstärkt. Leider arbeitet aber eine Fotozelle nie zu 100% exakt. Äußere Umstände, wie z.B. die Temperatur des Sensors oder die Impulse, die von benachbarten Fotozellen erzeugt werden, führen zu kleinen Fehlmessungen. Diese Fehler waren bis jetzt kein Problem, da der Impuls selbst stark genug war. Da der schwache Impuls nun aber verstärkt werden muss, werden auch die Fehlmessungen verstärkt.

Im Bild entsteht ein unschönes Rauschen. Das kann zwar softwaretechnisch etwas reduzieren, niemals aber ganz unterdrückt werden.

Das folgende Bild zeigt den Unterschied: Die 40D (links) hat weniger Pixel auf einem deutlich größeren Sensor als die G10 (rechts). In der 100% Ansicht (unten) sieht man den Unterschied in der Bildqualität der beiden Kameras deutlich.



Was bedeutet das nun?


Die Anzahl der Megapixel sagt nichts über die Qualität der Bilder aus.
Erst zusammen mit der Sensorgröße lässt sich überhaupt eine Aussage treffen. Es macht daher auch keinen Sinn, die Pixelanzahl von Kameras mit unterschiedlich großen Sensoren zu vergleichen.

8 Megapixel in einer Profikamera sehen anders aus als 8 Megapixel in einer Kompaktkamera und ganz anders als 8 Megapixel in einem Handy.

Nur eines stimmt immer: mehr Pixel bedeuten größere Dateien. Das kann zu längeren Bearbeitungszeiten führen und erfordert mehr Platz beim Speichern und im Backup.

Doch wie viele Pixel sind nun sinnvoll?

Die Frage lässt sich leider nicht ganz eindeutig beantworten, da viele weitere Komponenten wie z.B. der Bildprozessor oder das Objektiv einen großen Einfluss auf die Qualität haben. Als Richtlinie kann man sich aber merken:

Eine Kompaktkamera hat ihr Maximum bei 6 MP erreicht. Eine semiprofessionelle DSLRs liefert optimale Ergebnisse mit 8 bis 15 Megapixel. Bei den Highend Geräten mit Vollformatsensor liegt der Wert bei etwa 15 bis 25 MP.

Abzüge in Din A4 Größe sind übrigens mit 6-8 Megalpixel in bester Qualität möglich.

Wie schaut die Zukunft aus?

Genaues weiß ich natürlich auch nicht. Aber es spricht sich langsam rum, dass der Megapixelwahn ein Ende haben muss. Sowohl Canon als auch Nikon wetteifern mittlerweile um die beste Kamera im Hi-ISO Bereich. Die neusten Modelle der beiden Herstellen erzielen eine erstaunliche Bildqualität bei extremer Empfindlichkeit und schlechten Lichtverhältnissen. Endlich steht die Bildqualität im Vordergrund. Ich vermute, dass einer der beiden Hersteller bald den Mut haben wird, eine Kamera mit weniger, dafür aber qualitativ besseren Pixeln auf den Markt zu bringen. Ein Trend, von dem wir alle nur profitieren können.

Fazit

Am stärksten sind die Kompaktkameras vom Megapixelwahn betroffen, da sie den kleinsten Sensor haben. Bei den digitalen Spiegelreflexkameras sieht es noch gut aus. Wenn du dir also in den letzten Jahren eine DSLR gekauft hast, besitzt du definitiv eine gute Kamera. Es liegt an dir, damit fantastische Bilder zu machen!

megapixel - darf's ein bisschen mehr sein?

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