kwerfeldein
31. März 2009 Lesezeit: ~4 Minuten

Ich stelle ein Foto vor: Red Fire Fruit

Zu Beginn war es für mich etwas komisch, hier meine Bilder ausführlich vorzustellen, weil ich es immer ein wenig strange finde, viele Worte um meine Fotos zu machen. Das wirkt dann so aufgeblasen und „Eigenlob stinkt“ ja bekanntlich. Dennoch weiss ich, dass viele von Euch aus meinen Bildvorstellungen bisher etwas gezogen haben – und ich gebs ja zu: So langsam machts mir richtig Spass. Denn auch für mich ist so eine Reflexion guttuend und bringt mich in meinen eigenen Prozessen nach vorn.

Bildinformationen
Kamera:                Canon EOS 30D
Belichtungszeit:     0.004 sec (1/250)
Blende:                 f/3.5
Brennweite:          180 mm
ISO:                     125
Blitz:                    ausgelöst

Vorgeschichte

Ich liebe Äpfel seit meiner Kindheit. Zu meinen Bestzeiten habe ich am Tag 6-8 verdrückt – einfach weil sie mir so gut schmecken. Ausserdem liebe ich ihr Aussehen. Die Farben von Äpfeln (egal in welcher Farbe) haben mich schon immer irgendwie angezogen, weil sie so harmonisch sind. Deshalb fotografiere ich hin und wieder einen und dabei versuche ich, aussergewöhnliche Perspektiven zu finden. Eine Angelegenheit, die (wenn man man ein paar Apfel über einen längeren Zeitraum fotografiert hat) gar nicht so einfach zu meistern ist. Denn Apfelfotos gibts ja wie Sand am Meer.

Objektiv

Da ich gerade das 180mm f/3,5 Macroobjektiv von Tamron teste, habe ich die Gelegenheit genutzt, um einen Apfel mal mit dieser Linse zu fotografieren. Und das hat mir ausserordentlich Spass gemacht, denn ich konnte schon durch die Linse erspähen, dass hier ein interessantes Foto entstehen würde. Denn „gewöhnlichweise“ (was ist das?) macht „man“ ja keine Apfelfotos mit einem Macroobjektiv. Doch mir hat die starke Unschärfe gut gefallen und im Nachhinein würde ich es genau so wieder machen.

Orignialfoto

Was auf dem Original sofort auffällt ist, dass ich beim Fotografieren einen Blitz benutzt habe. Das recht kühle Licht stammt von meinem 430EX, welchen ich aufgesteckt hatte. Wie wir nachher sehen werden, musste ich da bei der Bildbearbeitung ordentlich gegenlenken, um die so markante Wärme nachzustellen.

Bildbearbeitung
Wie die meisten Leser schon wissen, habe ich mich gerade sehr auf das 1×1- Format eingeschossen. Ich weiss gar nicht, warum, aber das wirkt auf mich ganz besonders edel. Und eine der ersten Sachen, welche ich an diesem Foto verändert habe, war eben das Format. Und ich muss sagen, dass ich auch im Nachhinein von dieser Lösung überzeugt bin (manchmal macht man ja Sachen, einfach weil mans im Moment toll findet und Hinterher bereut, hier aber nicht).

Dieses mal zeige ich wirklich alles – und somit auch die Einstellungen, welche ich in Lightroom vorgenommen habe. Deshalb hier ein Screenshot von den Grundeinstellungen –>klick drauf zeigts in gross.

Wie oben schon angedeutet habe ich die Farbtemperatur ordentlich angezogen, um dem Apfelfoto Wärme zu verleihen. Helligkeit und Kontraste habe ich ebenfalls verstärkt eingesetzt, da mir das Foto so wie es war deutlich zu flach erschien. Im unteren Bereich sehen wir die „Präsenz“ des Fotos. Damit die Strukturen der Oberfläche deutlicher zum Vorschein kommen, habe ich auch hier an den Reglern gedreht. Die „Lebendigkeit“ des Fotos habe ich fast vollständig herausgenommen, um den Blauton des Bildes endgültig zu minimieren und nur noch minimale Farbinformationen zu behalten. Ausserdem hatten einige Strukturen des Apfels so einen komischen Lilaton, der mir gar nicht gefiel. Der musste definitv raus.

Jetzt werden sich ein paar Leute vielleicht fragen, woher nun die Farbe in das Bild kommt. Über die Teiltonung.

Um wieder Farbe ins Spiel zu bringen habe ich über die Teiltonung (ein wirklich feines Tool) die Schatten ordentlich gerötet, weil dies am meisten wirkte. Somit konnte ich die Strukturen, welche noch bläulich lila wirkten komplett einfärben ohne ein völlig entfremdetes Foto zu erhalten.

Wer mal einen Blick in die EXIFs gewagt hat, der weiss, dass ich bei diesem Bild 1/250s Belichtung echt gang hart an die Grenze des Möglichen gegangen bin. Und deshalb ist das Foto auch nicht wirklich so knackscharf, wie es wirklich sein könnte. Und so habe ich also kräftig nachgeschärft, was dem Foto letztendlich zu gute kam.

Hat Euch die Beschreibung gefallen? Konntet Ihr etwas daraus ziehen?

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22 Kommentare

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  1. Moin Martin,

    wie immer klasse Beschreibung deiner Vorgehensweise.
    An dem Bild stört mich allerdings ein Sache:
    Diese weißen Glanzlichter/Reflektionen an der vorderen „Kante“ des Apfels. Im Original waren sie kaum ausgeprägt sind aber dann durch die Bildbearbeitung ziemlich verstärkt worden. Ich hätte entweder mit weicherem Licht (oder Licht aus einer anderen Richtung) gearbeitet oder versucht sie in der Bildbearbeitung zu unterdrücken.

  2. danke für die bildvorstellung. gefällt mir wirklich super – sowohl das bild als auch die beschreibung. finds spitze auch die lightroom einstellungen zu sehen.
    angst, dass deine bildvorstellungen aufgeblasen wirken, brauchst du absolut keine zu haben. ist jedes mal wieder super interessant und macht spass zu lesen!
    finde auch, dass das 1:1 format perfekt zum bild passt. gerade der apfelstiel rückt so richtig gut in den fokus und man hat das gefühl, als würde er einen anschauen :)
    da bekomm ich richtig lust auch mal n paar macro-obst fotos zu probieren. bin ja nicht ganz so der apfelfan (nur beim obst); da wirds vielleicht auf eine birne hinauslaufen…

  3. super bildbeschreibung! vielen dank!
    ev. kannst du das mit der teiltonung mal erklären. ich habe noch nie damit garbeitet und wenn ich mal was ausprobiere, dann finde ich es immer schlecht ….

  4. Jetzt muss ich einmal was Generelles zu Kwerfeldein sagen.
    Ich denke, dass der Erfolg gerade darin liegt, dass Martin seine Erfahrungen teilt und seine Community auch an seiner Begeisterung teilhaben lässt. Nicht überheblich (seht, was für ein toller Hecht ich bin), nicht aufdringlich und sehr informativ. Man merkt ihm seine Arbeit im Sozialbereich an. Martin gibt den Leuten, was sie brauchen: positives Feedback. Er lässt andere Ansichten gelten und steht zu den seinigen. Ich glaube, die Leute kommen immer wieder hier her, weil hier das Klima wirklich wohltuend ist.
    Aus meiner Sicht: Danke Martin!
    Denn „Begeisterung ist der Anfang aller Wunder und der Atem der Seele“.

  5. Super Beschreibung!
    Ich habe gestern zum ersten Mal an Lightroom rumgespielt und bin total fasziniert was man mit dem Programm alles anstellen kann.
    Das Farben erinnern mich an ein leichtes Herbst/Winter-MitNerDeckeVormKaminHocken-Gefühl.
    Die Unschärfe gefällt mir an sich sehr gut aber der Stiel bzw. das Stielende könnte meiner Meinung nach etwas schärfer sein.

    Das mit dem 1×1 Format werde ich demnächst auch mal probieren, du hast mich dazu inspiriert.

    Ich liebe diesen Blog :D

  6. Vielen Dank – es ist immer faszinierend zu sehen, wie du aus einem „ganz normalen Foto“ etwas Besonderes machst. Und für mich irre motivierend, nicht aufzugeben, auch wenn die Ausbeute erstmal nicht so berauschend ist. Danke!

  7. Tolle Bildvorstellung, Martin! Wenn man das Originalbild sieht kann man nur sagen: Bildbearbeitungsprogramme sind schon eine tolle Sache. Das Original ist noch nicht so toll/ nichts besonderes. Die bearbeitete Variante hats aber in sich! Wirklich toll. Hätte so gar nicht gedacht, dass das Original so ausgesehen hat.

  8. Auch ich muss sagen, dass ich es fast schon erschreckend fand, wie das Originalbild aussah. Manchmal ist man dann doch froh, dass der Betrachter davon nichts wusste :)
    Deine Bearbeitung hat es aber echt in sich, sieht wunderbar aus.

  9. PS:
    Ich sehe hier gerade meinen realen Braeburn-Apfel auf meinem meinem Dell-Rechner liegen und frage mich: Hat Deine Begeisterung für Äpfel etwas mit Deiner Vorliebe für Rechner zu tun … oder sie gar beeinflusst?

    Es grüßt amüsiert,
    Christian.

  10. Hi, wirklich klasse, mir gefallen diese Bildvorstellungen und das vorher/nachher immer super! Weiter so. eine kurze Frage zu Deinem Text. du schreibst: „Wer mal einen Blick in die EXIFs gewagt hat, der weiss, dass ich bei diesem Bild 1/250s Belichtung echt gang hart an die Grenze des Möglichen gegangen bin.“ Woanders habe ich mal gelesen, dass man bei zB 60mm Brennweite auch mit 1/60 knippsen kann…also sollte doch 1/250 überhaupt kein Thema sein? Was für eine Belichtungszeit wäre denn angemessen?
    Grüße!

    • @Blue: Meine Faustregel ist die: 1/Brennweite*Cropfaktor = Belichtungszeit. Und jupp, das geht gerade noch so (wie gesagt, hart an der Grenze). Bei einem Cropfaktor von 1,6 habe ich für mich einfach festgehalten mindestens immer das Doppelte in …/stel zu benutzen um immer auf der „sicheren Seite“ zu sein. Und damit nix mehr schiefgehen kann…. Aber das ist auch nur meine Herangehensweise, da hat jeder so seine eigenen Ideen.

  11. Gegenüber von euch allen bin ich ein naiver Laie. Da mir das Bild so gut gefiel und ich öfters solche ausschnitte fotografiere habe ich alles gelesen und vielleicht noch nicht ganz kapiert aber schon einiges dazu gelernt. Ich lobe immer wieder das Internet. Also die Bildbearbeitung ist stark.

  12. einwandfrei, mehr davon. (: Ich hatte mich vor einer weile auch mal daran versucht ein Apfelbild zu machen, als ich deins gesehen hatte… Ist leider nicht annähernd so gut geworden, jetzt weiß ich warum (:

  13. Mich würde interessieren warum Du hier nicht auf den Einsatz eines Statives zurückgegriffen hast?
    Dann wäre die Geschichte mit der Schärfe doch überhaupt kein Thema gewesen…

    Wie auch immer, ich mag Deine Bildvorstellungen unheimlich und finde es immer wieder fazinierend, was man noch so alles aus einem urspünglich doch relativ „faden“ Foto herausholen kann!

  14. Blogartikel dazu: Visuelle Analyse einer Fotografie: Fallsprung in das Innere des Apfels | jorni.de