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26. März 2009 Lesezeit: ~7 Minuten

Auf Hochzeiten die Party fotografieren: Gerade mit geringsten Mitteln möglich

Als Hochzeitsfotograf echte Hingucker sichernUnd da sind wir mit dem (vorerst) letzten Gastartikel zur Hochzeitsfotografie von Martin Krolop. Gemeinsam mit Marc Gerst ist er selbst Hochzeitsfotograf und ihre Bilder können auf 4ever1.de besichtigt werden. Ausserdem haben die beiden auch ein englisches Blog zum Thema Fashion & Commercial Photography (–>deutsches Blog folgt bald).

Ein in fast 99% aller Hochzeiten unterschätztes Thema ist Partyfotografie. Logisch, wenn ich heiraten würde, dann wäre das ne höllische Party… aber nicht in der Kirche sondern später. Abends, wenn die Sonne untergegangen ist und der richtige Spaß beginnt. Tja und leider ist es so, dass eben diese 99% aller Fotografen garnicht so lange bleiben um zu Fotografieren.

Das ist also der ideale Zeitpunkt um beim Brautpaar richtig Eindruck zu machen. Wie wichtig ist das Thema ist, sieht man auch daran, dass wir einen eigenen Beitrag nur zu diesem Thema verfassen. Auf einer Hochzeit entstehen zwar tolle Szenen bei Ringübergabe, Küsschen hier und Handhalten da… aber abends fällt der Stress vom Brautpaar ab und die Party geht los.

Auf Hochzeiten die Party fotografieren: Gerade möglich mit geringsten Mitteln

Was ich heute daher klären möchte ist, dass ihr nach dem Lesen und Ausprobieren dieses Beitrages, die genialsten und faszinierendsten „Braut-feiert-ab-Fotos“ macht. Und es klingt komisch, aber gerade in der Situation in der die Lichtverhältnisse so schwierig werden, kann man mit einer Eos 450D mit Kitobjektiv und Aufsteckblitz richtig stark auftrumpfen.

Was haben wir denn fotografisch an einer Hochzeit für Gegebenheiten? Mit was müssen wir uns als Fotograf herumärgern?

Ganz einfach. Kerzenlicht, wenige Glühbirnen, farbige PAR-Strahler, Diskolichter. Übersetzt bedeutet dass: „verdammt wenig Licht zum Fotografieren“. Und das bedeutet, dass wir extrem teure Ausrüstung brauchen um Blenden bei 1.4 oder sogar 1.2 zu haben, Kameras mit verwendbaren ISO6400 und genialen AF-Sensoren, damit die sowieso wahnsinnig geringe Tiefenschärfe bei Blende 1.2 auch noch an der richtigen Stelle sitzt. Und wenn wir diese Übersetzung nochmals übersetzen, dann bedeutet dass, „Schweine viel Kohle“ für gute Fotos.

Auf Hochzeiten die Party fotografieren: Gerade möglich mit geringsten Mitteln

Was wir aber eigentlich brauchen sind Fotos, bei geringen ISO-Werten um 400, bei „günstigen“ Blendenwerten um 4.5 oder gar 5.6 und dazu noch sicheres Fokussieren in schierer Dunkelheit.

Das, was jede Fotokamera locker kann. Aber warum entstehen dann immer diese totgeblitzten Fotos mit pechschwarzem Hintergrund und weißen Gesichtern? Ganz einfach, die Kamera will auf Nummer sicher gehen und stellt daher die Einstellung dementsprechend sicher ein. Sicher heißt aber nicht gleich „toll“.

Auf Hochzeiten die Party fotografieren: Gerade möglich mit geringsten Mitteln

Was wollen wir eigentlich bildtechnisch umsetzen?

Wir brauchen Fotos, welche die Atmosphäre zeigen, sie müssen Ambiente zeigen.

Wir müssen einzelne Elemente herausnehmen und betonen können, wir brauchen Dynamik und Bewegung (auf einer Party wird garnicht so selten getanzt) und wir müssen diese ganzen Voraussetzungen mit den technischen Voraussetzungen kombinieren.

  • Kein Licht aber trotzdem nur mit Iso 400 fotografieren.
  • Kein Licht aber trotzdem günstige und verfügbare Objektive bei Blende 5.6 verwenden.
  • Kein Licht und nicht genügend Kontrast für sicheren Fokus, trotzdem aber scharfe Fotos.

Dann wollen wir jetzt das Rätsel einfach mal lösen.

Die Lösung ist sehr universell da die abendliche Belichtung ebenfalls sehr universell ist.

Auf Hochzeiten die Party fotografieren: Gerade möglich mit geringsten Mitteln

Es gibt zwar helle Glühbirnen, sehr helle Strahler oder funzelige Kerzen, diese ganzen Lichtquellen bewegen sich aber in einem Belichtungsspielraum von 0,5 bis 1,5 Blenden. Behaltet das im Hinterkopf. Die Belichtung spielt sich immer um die gleich genannten Werte ein.

Gehen wir doch einfach mal ganz logisch vor. Wir wissen, dass wir unverrauschte Fotos bei ISO 400 wollen und wir wollen das auch bei Blende 5,6. Dann nehmen wir doch einfach mal diese Werte und stellen sie in der Kamera im M-Modus ein. So, nun fehlt uns logischerweise nur noch die Belichtungszeit.

Mag man an dieser Stelle vielleicht sofort an 1/Brennweite*Cropfaktor denken, so wäre das hier komplett falsch. Denn dann würden wir bei gewöhnlichen Objektiven nur ein komplett schwarzes Bild bekommen. 1/50 oder 1/40 wäre viel zu kurz.

Wir wollen ja die Atmosphäre einfangen und müssen das Bild insoweit auch korrekt belichten. Meistens bedeutet das dann, dass wir bei einer Belichtungszeit von ca. 1/4 oder 1/6 rauskommen. Bei der Kombination aus ISO 400, f5,6 und 1/4s haben wir dann ein korrekt belichtetes Foto. Allerdings, und das ist unschwer zu erkennen, scharf da unverwackelt wird es sicherlich nicht sein.

Bei dieser Belichtungszeit bewegen sich die Personen auf dem Foto als auch die Kamera selbst. Das Bild wird zwar ausreichend belichtet, aber total verwackelt. Und da kann uns der Aufsteckblitz helfen.

Auf Hochzeiten die Party fotografieren: Gerade möglich mit geringsten Mitteln

Der Blitz brennt ja in einer viel kürzeren Zeit innerhalb der Belichtungszeit ab. Die Kamera belichtet also das Foto und innerhalb dieser Zeit blitzt es dann kurz.  Wir können also das Bild über den Blitz einfrieren.

Dafür müssen wir allerdings auch einige kleine Dinge beachten.

  • Wir können kein Foto mit einem Blitz befeuern was sowieso schon korrekt belichtet ist. Wenn als das Gesicht genug Licht abbekommt, dann würde der Blitz diese Stelle überbelichten. Daher müssen wir das Bild grundlegend etwas unterbelichten und gleichzeitig während des Fotografierens darauf achten, dass unser Motiv nicht direktes Licht abbekommt.
  • Fotografiert weiter im manuellen Modus der Kamera (M-Modus) und stellt den Aufsteckblitz einfach auf die volle Automatik. Ihr braucht nix am Blitz einstellen. Die Automatik macht alles.
  • Evtl. müsst ihr die Blitzbelichtung etwas herunterregeln. Stellt euch vor, dass der Blitz das Bild korrekt belichten will. Das gesamte Bild. Ihr wollt aber nur die beiden Köpfe im Vordergrund belichtet haben. Das weiß der Blitz ja nicht und diese Überbelichtung des Blitzes muss teilweise etwas korrigiert werden. Dann steht auf dem Blitzgerät hinten soetwas wie -2/3 etc.

Dann habt ihr alles eingestellt. Die Kamera im M-Modus um den Hintergrund einzufangen und den Blitz um euer Motiv einzufrieren. Jetzt kann die Party der Braut beginnen. Euer Foto sollte jetzt so ausschauen: Perfekt um Dynamik und Bewegung ins Foto zu bekommen. Also gerade beim Brautstraußwerfen oder beim Abtanzen ;)

Auf Hochzeiten die Party fotografieren: Gerade möglich mit geringsten Mitteln

Hier nur noch ein paar ganz generelle Tipps:

  • Fotografiert im Weitwinkel. Je weiter desto besser. Denn ohne Umgebung könnt ihr auch keine Atmosphäre einfangen.
  • Achtet auf direkte und helle Lichtquellen im Hintergrund. Damit bekommt ihr tolle Highlights in den Hintergrund
  • Wenn ihr trotz des AF-Hilfslicht des Blitzes Probleme mit dem Fokus habt, dann legt den Fokus manuell auf ca. 1-2m und schaut, dass ihr die Entfernung einfach ungefähr einhaltet.

Im Weitwinkel ist die Schärfentiefe bei f5.6 groß genug um scharfe Fotos zu bekommen.

Das ist dann aber auch die Zeit für den Fotografen so richtig kreativ und wild zu werden. Keine totgeblitzten Fotos sondern kreative Fotografie. Versucht auch einfach mal eure Kamera während der Belichtung zu drehen. Mit dem tanzenden Brautpaar mitzuziehen und auch zu zoomen. Daraus entstehen tolle und bezaubernde Effekte.

Hochzeiten fotografieren

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