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18. März 2009 Lesezeit: ~7 Minuten

Als Hochzeitsfotograf echte Hingucker sichern

Als Hochzeitsfotograf echte Hingucker sichernUnd da sind wir mit einem weiteren Gastartikel zur Hochzeitsfotografie von Martin Krolop. Gemeinsam mit Marc Gerst ist er selbst Hochzeitsfotograf und ihre Bilder können auf 4ever1.de besichtigt werden. Ausserdem haben die beiden auch ein englisches Blog zum Thema Fashion & Commercial Photography (–>deutsches Blog folgt bald, also im Auge behalten).


Natürlich kann ich hier nicht absolut strenge und omniverbindliche Regeln an den Tag legen. So und so muss man fotografieren. Das geht nicht, denn Hochzeitsfotografie ist Reportagefotografie und die ist einfach abhängig von der jeweiligen Situation. Ist ja klar, hell ist nicht dunkel und der eine hat das Objektiv, der andere wieder ein anderes.

http://www.4ever1.de/gallery-images/blackandwhite/27_klein.jpg

Deswegen will ich heute einfach mal einige Sachen ansprechen die sehr universell gelten und trotzdem gerade bei Hochzeiten echte Hingucker sichern.

M-Modus – Teufelswerk?

Für viele Hobbyfotografen ist der M-Modus ein absolutes Teufelswerk. Wobei der M-Modus an einer digitalen Spiegelreflexkamera ja nicht anders ist als an einer analogen Kamera. Und auch damit wurde jahrelang fotografiert und die tollsten Fotos gemacht.

Was ist also so toll am M-Modus? Naja, ganz einfach: Wenn man einmal die korrekte Belichtung hat, dann passt es und man kann sicher sein: Egal was man fotografiert, ob schwarzer Anzug oder heller Himmel, das Foto wird korrekt belichtet. Und damit wären wir auch schon direkt beim Thema. Verlässliche Fotos unabhängig von irgendwelchen Belichtungsautomatiken, welche sowieso nur versuchen die korrekte Belichtung zu „erraten“, die gibt es eben nur mit dem M-Modus.

Wir müssen also nur noch diese eine richtige Belichtung zu finden.


Und ohne jetzt total weit auszuholen und von irgendwelchem Fachchinesisch anzufangen kommt hier ein sehr einfacher Tipp: Man fotografiert doch sowieso die gesamte Zeit (manchmal im P-Modus, manchmal mit AV) und schaut sich die Fotos auf dem Display an. Einfach mal hergehen und die Einstellungen eines wirklich gelungenen Fotos nehmen und 1:1 übertragen in den M-Modus. Es muss kein Profi-Erfahrungs-Algorithmus dahinter stecken. Es genügt einfach ein tolles Foto als Beispiel zu nehmen. Ab da kann nix mehr schief gehen, egal ob schwarzer Anzug oder weißes Brautkleid. Außerdem habt ihr bei der anschließenden Bearbeitung eine absolut beständige Grundlage für alle Fotos.

http://www.4ever1.de/gallery-images/weddingreportage/24_klein.jpg

Natürlich ist diese Vorgehensweise nur sinnvoll, wenn die Lichtsituation in ihrer Helligkeit relativ konstant bleibt.

Wenn sich jede Sekunde eine andere Wolke vor die Sonne schiebt, Sonne und Wolke sich abwechseln, dann ist und bleibt der A-Modus die beste Wahl. Wenn wir auch direkt bei den Kameraeinstellungen sind, so kann ich auch folgenden Ratschlag wieder aufgreifen: In Situationen, die absolut nicht wiederholbar sind und zudem noch eine fotografische Brisanz haben, ich spreche jetzt z.B. vom Brautstraußwerfen, da bietet es sich förmlich an im P-Modus zu fotografieren. Keine Sorge, der Modus macht das Bild nicht schlecht solange Motiv und Perspektive stimmen. Ganz im Gegenteil: lieber ein guter Shot im P-Modus als ein verwackeltes Bild im A-Modus.

http://www.4ever1.de/gallery-images/weddingreportage/41_klein.jpg

Lange Brennweiten bei gutem Licht = Draussen

Vielleicht mag es banal klingen aber dem ist definitiv nicht so. Lange Brennweiten brauchen kurze Belichtungszeiten um die hohen Brennweiten nicht zu verwackeln. Oder aber man nutzt sehr teure Objektive mit hoher Lichtstärke und kombiniertem Bildstabilisator.

Eine hohe Brennweite, also ein sehr starkes Teleobjektiv, hat viele Vorteile. Auf einer Hochzeit gibt es oftmals  an allen Ecken und Enden tolle Momente. Man kann mit einem Normalobjektiv alle Gegebenheiten einfangen. Beamen kann man sich als Fotograf ja kaum. Wenn wir auf einer Hochzeit im Freien stehen, also z.B. vor der Kirche, nach der Kirche, beim Empfang oder auch beim Begrüßungssekt vor dem Essen, dann schnallen wir sofort ein Teleobjektiv vor die Kamera. Damit können wir den Gästen Freiraum bieten und trotzdem fotografieren. Wir können auch an einer Seite der Gesellschaft stehen und das komplette „Feld“ abdecken. Insoweit ist es auch eine strategisch sehr wichtige Entscheidung.

Zudem kommt dabei eben auch der Vorteil des Lichts im Freien dem Fotografen zu Gute. Wir brauchen keine Super-Duper-Sportfotografen-Objektive sondern können ohne Verwacklungsrisiko mit einem normalen Telezoomobjektiv arbeiten.  Das können wir aber nur bei den richtigen Lichtverhältnissen und die gibt es sicherlich nicht in einer kleinen und dunklen Kirche.

http://www.4ever1.de/gallery-images/blackandwhite/11_klein.jpg

Als Fotograf sollte man definitiv auch den Look des Teleobjektiv ausnutzen. Die hohe Brennweite vermittelt dem Bildbetrachter ja auch einen komplett anderen Look als z.B. ein Normal- oder ein Weitwinkelobjektiv. Als Fotograf kann man also nur mit einem Objektivwechsel Abwechslung in das Ergebnisportfolio der Hochzeit bringen und der Bildlook ist eben auch bestimmend. Bei Brennweiten ab 250mm kann man dem Brautpaar Fotos bieten, die Nähe zu den Personen zeigt, gleichzeitig aber eine Art Unberührtheit. Die Natürlichkeit erreicht man automatisch über die Distanz zu den fotografierten Personen.

Um das als Beispiel zu erklären: Wenn wir uns mit den Brautpaaren nach der Hochzeit treffen und die Ergebnisse zeigen und übergeben, dann bekommen wir bei vielen Fotos ganz „normale“ Kommentare. Toll, Wahnsinn, genial, krass… aber wenn es zu den Aufnahmen kommt, die mit starkem Teleobjektiv gemacht sind, dann bekommen wir in 80% der Fälle den Kommentar, dass die fotografierten Personen so natürlich abgebildet sind. Die Brautpaare sagen uns, dass auf diesen Fotos ihre Freunde und Bekannten so natürlich und so real wie keine anderen Fotos zeigen.

http://www.4ever1.de/gallery-images/behindthescenes/4_klein.jpg

Also, versucht doch gezielt mit möglichst hohen Brennweiten zu arbeiten. Momente in der Ferne so nah wie möglich aufzunehmen.

C-Modus – Mysterium hoch 10?

Einige Leser werden diesen ominösen Modus sicherlich gar nicht an der Kamera haben. Allerdings besitzt schon die Canon EOS 40D einen solchen Modus am Wahlrad.

Was ist das überhaupt? Um es kurz zu fassen: Auf diesen Modus am Wahlrad kann man komplett verschiedene Grundeinstellung speichern. Ich kann so zum Beispiel den A-Modus bei Blende 2.8 und ISO 1600 auf das C speichern und kann im normalen AV-Modus mit weniger hohen ISO-Zahlen fotografieren.

http://www.4ever1.de/gallery-images/behindthescenes/10_klein.jpg

Nützlich? Ja klar… auf jeder Hochzeit gehe ich vorher kurz in die Kirche, speichere mit die korrekten Einstellungen kurz auf die C Funktion und gehe dann wieder raus im normalen A oder M-Modus. Wenn ich nun mit dem Brautpaar die Kirche betrete, dann brauche ich lediglich das Wahlrad drehen und habe direkt die korrekten und völlig verschiedenen Einstellungen. Müsste ich diese Änderungen direkt vornehmen, würde mich das viel länger beschäftigen und mit dem C-Modus kann ich auch jederzeit zurückspringen. Die Einstellungen aller Modi bleiben gespeichert.

Der C-Modus ist der Schlüssel zu unfassbar schnellen Änderungen der Einstellungen. Ich kenne sogar Kollegen die mit einem 70-200mm Objektiv zwei unterschiedliche Modi nehmen. Einmal den C-Modus mit höheren ISOs und kürzeren Veschlusszeiten für die 200mm Ecke und dann den normalen Modus für niedrigere ISOs und längere Zeiten bei 70mm. Dabei können 1-2 Blenden ISO-Rauschen schon Welten ausmachen.

Hochzeitsfotograf

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18 Kommentare

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  1. Hmm, komplett neue Erkenntnisse für einen erklärten Fan des P-Modus wie mich. M gab es bisher nur bei Nachtaufnahmen. Ich glaube, ich habe da plötzlich ganz viel zu experimentieren. So als Hobbyfotograf… :-)

  2. Der Tipp mit den C-Modi ist gut. Ich nutze die zwar, aber hauptsächlich nur als Noteinstellung, wenn ich mal irgendeine Einstellung verstellt hab und im Eifer des Gefechts nicht drauf komme welche oder einfach keine Zeit hab alles auf „Standard“ zurückzustellen. Außerdem sind sie gut, wenn jemandem unerfahrenen die Kamera in die Hand drückt und er mit ein-zwei einfachen Einstellungen die meisten Situationen abdecken kann (z.B. C1 bei guten und C2 bei schlechten Lichtverhältnissen). Auf die Idee, die C Modi für den Wechsel z.B. von draußen nach drinnen zu verwenden, wäre ich aber wahrscheinlich nicht gekommen, danke!

    Den M Modus habe ich zwar schon hin und wieder verwendet, dann aber in Verbindung mit einem (TTL-)Blitz. Er könnte bei einer Hochzeit aber wirklich praktisch sein, z.B. in der Kirche bei Gegenlicht (helles Kirchenfenster im Hintergrund z.B.).

    Die richtige Belichtung kann man übrigens relativ leicht herausfinden, indem man mit der Spotmessung (o.ä.) das Kleid der Braut anmisst (vorausgesetzt es ist weiß/hell) und die gemessene Belichtung um ca. 2 Blendenstufen überbelichtet. So verhindert man eine vollständige Überbelichtung des Kleides, hat darin also immer noch Zeichnung. Dunkle Bereiche kann man in der Nachbearbeitung noch relativ leicht aufhellen.

  3. Wieder sehr hilfreich und super geschrieben. Vielen Dank! Meine Überlegung: Ich weiß ja nicht, aber in M wäre mir das Fotografieren im Freien zu heikel..schnell kann sich da durch Wolken oder Schatten die Belichtung verändern und man bemerkt es zu spät. Was genau soll der P-Modus z.B. beim Brautstraußwurf für Vorteile gegenüber A bringen?

  4. Hallo :) Der Artikel ist wie die davor wirklich super und ich überlege mir, ob ich nicht bekannten, die am Samstag heiraten, nicht meine „Dienste“ anbieten soll, um ein wenig zu üben.


    Vielleicht geht es nur mir so, aber ich als Nikonianer komme mit dem ganzen Av und A gedöns nicht so zurecht. Wäre es möglich, in Klammern oder so, noch Blendenautomatik oder Zeitautomatik rein zu schreiben? Nur so als Anregung ;)

    P.S.: Bitte noch mehr Hochzeitsbeiträge ;)

  5. Vielen Dank für die tollen Tipps. Denke, man kann sie auch auf viele andere Gelegenheiten übertragen.
    Die C-Funktionen an meiner 40D habe ich noch nie ausprobiert *schäm*

  6. Zur „M“-Einstellung: besonders bei Fotos in der Kirche gibt es oft hohe Kontrastunterschiede. Hier bietet es sich an, ich meine sogar, es ist ein Muss, dass man die Belichtung vorab festlegt und manuell einstellt. Einzig das Vorhandensein einer Spotbelichtungsmessung könnte da noch gegen sprechen, aber ich fotografiere bei solchen Verhältnissen immer manuell.

  7. Noch was zu den C-Modi: Man sollte beachten, dass in den C-Modi wirklich sämtliche Einstellungen, inkl. Dateiformat, Custom Funktionen, Autofokuspunkte (?) usw. gespeichert werden. Und man kann zwar in den C-Modi alle Einstellungen ganz normal verändern, aber sobald man den Modus verlässt (z.B. auf Av umschaltet) und wieder auf den C-Modus zurückschaltet, werden wieder die gespeicherten Standardwerte wiederhergestellt.

    Dieses Verhalten kann sowohl Vorteil als auch Nachteil sein, man sollte sich dessen aber auf jeden Fall bewusst sein!

  8. Blogartikel dazu: Video: Kate und James heiraten auf den Caymans | Shockmotion

  9. Sehr guter Artikel zum Thema richtig belichten.
    Bisher habe ich bei Reportagen doch eher dem Av Modus meiner Canons vertraut, aber z.B. beim Einzug der Braut vor der hell erleuchteten Kirchentür auch immer wieder mal den manuellen Modus verwendet. Bei mir ist das Faulheit und weil ich bisher immer recht gut damit gefahren bin. Allerdings nutze ich die Belichtungskorrektur auch sehr intensiv und habe da mittlerweile ein sehr gutes Gefühl für viele Situationen bekommen.