kwerfeldein
17. März 2009 Lesezeit: ~7 Minuten

Auf Hochzeiten macht das Motiv das Foto

hochzeitsfotografieWie letzte Woche angekündigt wird uns Martin Krolop nun viele praktische Tipps zum Fotografieren auf Hochzeiten geben. Gemeinsam mit Marc Gerst ist er selbst Hochzeitsfotograf und ihre Bilder können auf 4ever1.de besichtigt werden (hinschauen!).

Ich bin mir sicher, dass wir von Martin noch einiges lernen können und bin gespannt auf einen regen Austausch in den Kommentaren.

Viel Spass beim Lesen!


An erster Stelle, vor dem wie steht das was.
Eine Hochzeit ist gespickt mit tollen Motiven, tollen Gegebenheiten und einzigartigen Momenten. Fast schon eine Qual der Wahl also. Der Inhalt entscheidet über die Qualität des Fotografen. Das ist bei Hochzeiten mehr als sonst wo der Fall.

http://www.4ever1.de/gallery-images/weddingreportage/3_klein.jpg

Brautpaare bestehen nicht auf 200% technisch perfekte Fotos.

Wenn ich von einer Hochzeit nach Hause komme, die Fotos auf den Rechner kopiere und mit dem Löschen beginne, dann würde ich für einen gewerblichen Auftrag sicherlich 95% der Fotos löschen. Das wäre Blödsinn. Brautpaare wollen keine Werbung an Litfasssäulen machen, sie brauchen keine 25MP Fotos und sie schauen auch nicht nur nach der Farbtreue oder dem Weißabgleich.

Die technischen Aspekte verschwinden hinter dem Motiv. Es geht dem Brautpaar in 99% der Hochzeiten darum, keine gestellten Fotos zu bekommen. Man muss das Leben und die Situation einfangen und für den Fotografen bedeutet das, gerade nicht die Leute auf das Fotografieren aufmerksam zu machen. Möglichst unauffällig zu agieren und die Augen immer offen zu halten. Am Besten auch die beiden Äugelein im Hinterkopf.

Hochzeit = Tausende kleinster Momente ohne Repeat-Taste.

http://www.4ever1.de/gallery-images/completecoverage/6_klein.jpg

Viele Motive einer Hochzeit sind temporär sehr kurzweilig… Das war jetzt schön verpackt. Auf gut Deutsch bedeutet das, dass das Foto entweder in der Sekunde im Kasten ist, oder niemals da drin sein wird. Ich rate daher auch jedem Fotografen auf einer Hochzeit nur noch intuitiv zu fotografieren. Was toll anmutet, das muss sofort und spontan fotografiert werden.

http://www.4ever1.de/gallery-images/completecoverage/9_klein.jpg

An dieser Stelle haben wir jetzt schon zwei Punkte besprochen. Wir wissen, dass wir gar nicht immer technisch perfekt fotografieren müssen (auch wenn wir es könnten und sollten) und wir wissen ebenfalls, dass die tollen Fotos Momentfotos sind. Das bringt uns auf das Ergebnis, dass wir als Fotografen auf einer Hochzeit hauptsächlich schnell sein, den Moment direkt erkennen müssen und die Qualität des Fotos ausschließlich über das Motiv und den Inhalt hervorbringen können.

Ich möchte aber auch mit ein paar „greifbareren“ Punkten fortfahren. Aus der Erfahrung heraus kann ich absolut bestätigen, dass alles was offenblendig und unscharf ist, „total genial ausschaut“. Bei Brautpaaren kann es gar nicht offenblendig genug sein. Auch wenn ein Foto bei F9 viel schärfer ist und genauso toll aussehen kann. Solche Fotos kennen ungeübte Augen allerdings schon genug von Kompaktkameras oder ähnlichem. Offenblendig zu fotografieren ist immer schon ein Garant. Klingt komisch, auch für uns, ist aber wirklich so.

Viel Unschärfe ist „viel gut“ weil besonders.

http://www.4ever1.de/gallery-images/detailsandmoments/16_klein.jpg

Und sollte jemand kein so richtig offenes Objektiv haben, dann bedeutet das eben mit möglichst hohen Brennweiten zu arbeiten und so nah wie möglich an das Objekt heranzugehen. Dadurch kann man auch mit f5.6 große Unschärfe bekommen.

Für alle diejenigen, für die der „Tipp“ gerade etwas zu banal war, für die gibt hier eine kleine Auflistung von verschiedenen Motiven, die man als Hochzeitsfotograf besser nicht verpassen sollte. Schaut dass ihr so eine kleine gedankliche Liste im Kopf abhakt.

  • ALLE! wichtigen Personen (Wenn da viel fehlt, dann ist die Hölle los :-) – Eltern, Geschwister und andere nahe Verwandte, Trauzeugen, Kinder, Großeltern)
  • Situationen (Begrüßung, Braut in Kirche, Ringübergabe, Kuss, Brautstrauß, Brautgeschenke, Torte, Spiele)
  • Besondere Requisiten, Accessoires (die Strechlimo, den Strauß, besondere Deko…)

http://www.4ever1.de/gallery-images/completecoverage/14_klein.jpg

Schaut dazu auch einfach mal in die gängigen Brautmagazine. Was da fotografiert wird und da an Bildern drin steht, das wandert per Gedankenkontrolle direkt in die Köpfe der Bräute. Da seid sicher!

Die Planung – leger und locker.

Um die oben aufgezählten Motive auch ja nicht zu verpassen, bietet sich ein ausführliches Gespräch an. Klar, ihr sprecht sicherlich mit dem Brautpaar aber redet doch einfach mal einen Abend lang über die Planung und den Inhalt. Nicht förmlich und stichpunkthaltig sondern ganz leger und locker. Da bekommt ihr dann wirklich heraus, was dem Paar wichtig ist und was wann wo geplant ist. Nur eine Tabelle wird euch zwar die Daten nennen, ist aber eben kein Garant für fotografische Nähe und Intimität. Und gerade das müsst ihr versuchen zu bekommen.

Gewöhnt es euch direkt an, einen Ansprechpartner in der Verwandtschaft zu sichern. Das Brautpaar sollte feiern und den Tag genießen. Glaubt mir, es gibt genügend Stress für die Beiden an dem Tag. Geradezu genial ist es daher, wenn ihr schon vorher eine „Kontaktperson“ habt. Am Besten ihr fragt nach jemandem mit Kenntnissen über die anwesenden Verwandten und mit ein wenig Autorität. So einen Insider, der euch die Infos und die Emotionen geradezu zuschasst, der ist wichtiger als 5 Assistenten…

Motive bieten sich oftmals im Detail…

http://www.4ever1.de/gallery-images/home/37_klein.jpg

Als „End-Motiv-Tipp“ kann ich auch nur mitgeben: Extrem denken, extrem fotografieren. Sucht eure Motive extrem heraus. Das heißt übersetzt, dass ihr Details auch wirklich im Detail suchen müsst. Beispiel: Wenn ihr einen Tisch mit verschiedenen handgefertigten Besonderheiten habt, dann fotografiert jede Sache einzeln und nicht nur einfach „den besonderen Tisch“. Geht auch wirklich ins Detail und keine Sorge, zu nah gibt es dabei nicht. Zu weit weg allerdings schon.

http://www.4ever1.de/gallery-images/detailsandmoments/2_klein.jpg

Anderes Beispiel: Wenn ihr Emotionen einfangen wollt, dann achtet darauf, dass es auch wirklich nur die Emotionen sind und nicht durch einen Weitwinkelshot die gefühlsneutralen Gesichter im Hintergrund mit der weinenden Brautmama im Vordergrund das Bild teilen. Probiert auf der nächsten Hochzeit einfach mal etwas mehr „schwarz-weiß“ zu denken, ohne Grausstufen dazwischen.

http://www.4ever1.de/gallery-images/detailsandmoments/23_klein.jpg

Wichtig: Wir gehen bei den gesamten Hochzeitsbeiträgen hier bei Kwerfeldein ja von der Situation aus, dass ihr eine Hochzeit „mitfotografiert“ und nicht allein für alle Fotos verantwortlich seid. Gerade als Anfänger sollte man die Aufgabe niemals unterschätzen. Aber versucht doch auch schon bei euren „Probehochzeiten“ als Zweitfotograf zu schauen, dass ihr neben der Kür auch das Pflichtprogramm abdeckt. Wenn ihr dann die ersten Hochzeiten fotografiert habt, dann habt ihr auch gleich die Erfahrung gemacht wie es ist, Kreativität und Pflichtfotos unter einen Hut zu bekommen. Denn als einziger Fotograf auf einer Hochzeit sich nur auf ganz besondere Momente zu konzentrieren geht definitiv schief.

Auf Hochzeiten macht das Motiv das Foto

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