kwerfeldein
13. März 2009 Lesezeit: ~7 Minuten

Hochzeiten fotografieren – Kann ich das als Hobbyfotograf?

Hochzeiten fotografieren - Kann ich das als Hobbyfotograf?

Die zwei netten Herren hier im oberen Foto sind Martin Krolop (links) und Marc Gerst (rechts), deren Hochzeitsfotos man auf 4ever1.de einsehen kann. Martin Krolop hat sich angeboten, hier auf kwerfeldein.de eine Reihe Gastartikel zum Thema Hochzeitsfotografie zu veröffentlichen, welche wir nächste Woche fortsetzen werden. Er ist Jurastudent und fotografiert seit 2,5 Jahren. Na dann mal viel Spass mit seinen Tipps!

Wirklich jeder mit einer DSLR wird ohne Zweifel gefragt werden, die Hochzeit des Freundes, der Schwester oder des Bruder zu fotografieren. Glaubt mir, das kommt! Meine Antwort auf die Frage ob ein Amateur eine Hochzeit fotografieren darf und kann? Natürlich ein schallendes JA! Vielleicht sogar viel besser als der „Profifotograf“ welcher für 2 Stunden in die Kirche kommt und ein paar schnelle Schüsse abgibt, kaum erwarten kann endlich sein Wochenende zu haben und sich gleich seinen Sekundenlohn ausrechnet.

Oftmals sehe ich, dass Hobbyfotografen allein aufgrund ihrer Begeisterung und ihres Engagements schönere und ausgefallenere Fotos erschaffen als der auf einer Hochzeit anwesende Profi.

Man muss kein Profi sein um tolle Hochzeitsfotos zu machen.

http://www.4ever1.de/gallery-images/behindthescenes/12_klein.jpg

Da wären wir aber auch schon mitten im Thema….

Wenn man in der Verantwortung steht, Fotos für das Brautpaar abliefern zu müssen, befindet man sich in einer komplett neuen Situation.

Mein Vorschlag daher: einfach mal ein oder zwei Hochzeiten neben einem engagierten Fotografen „mit fotografieren“. Dabei kann man sich dann ganz besonders auf die Motivsuche konzentrieren. Und das Brautpaar freut sich immer über tolle Fotos. Man braucht nicht alles und jeden abzulichten, nur weil man Angst hat, das Brautpaar würde diese Fotos dann vermissen. Auf einigen Hochzeiten fotografieren wir zu zweit. Dann wird vorher unter uns ausgemacht wer die „Safe-Shots“ macht und wer absolute Freiheit hat. Der zweite Fotograf kann sich dann austoben und muss nix im Hinterkopf behalten. Macht das auch so. Vielleicht fotografiert ihr nicht gerade im Team aber behaltet euch trotzdem die Freiheit ohne Druck und Erwartungen zu fotografieren. Evtl. ist ein engagierter Fotograf vor Ort und ihr seid das geniale Extra :-)

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Ihr braucht sonst plötzlich gleich eine Ersatzkamera, Ersatzobjektiv, ihr braucht mehr Planung, ihr müsst viel mehr Fotos machen, weil sie dazugehören und nicht weil ihr sie so toll findet. Und ein Fakt wird oftmals vergessen. Man kann nie Gast und Fotograf sein. Man kann beides machen, aber nix davon 100%.

Entweder oder – Gast oder Fotograf

Etwas korrigieren müssen wir dieses Credo allerdings. Der teilweise fotografierende Gast, der geht sehr wohl sehr gut. Aber dann lasst euch keine Versprechungen entlocken. Die schönsten Sachen entstehen ohne Druck. Sollte es dazu kommen, dass ihr alleine für die Fotos auch wirklich verantwortlich seid, dann geben wir euch mal einige Ratschläge, deren Befolgung unserer Ansicht nach, absolut bedeutsam sind.

Kamera, Zoomobjektiv bei f2.8 und lichtstarke Festbrennweite und und und…

Das fängt an bei der Ausrüstung. Viele Dinge sollte man einfach haben. Die Kamera und ein Zoomobjektiv am Besten bei guter Blende 2.8. Damit habt ihr die größten Freiheiten. Dann solltet ihr euch auch eine 50er Festbrennweite einpacken. Mit Blende 1.8 gibt es die schon für 100 Euro. Damit bekommt ihr die schönen freigestellten Aufnahmen hin und habt die Möglichkeit den Blitz in der Kirche zu minimieren.

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Tja, was brauch ich denn noch an Ausrüstung? Unverzichtbar sollte auch ein guter Aufsteckblitz sein. Damit könnt ihr z.B. indirekt über die Decke beleuchten, ohne das Bild totzublitzen.

Denkt auch mal daran, dass ihr auf einem kompletten Tag viele Aufnahmen macht. Kontrolliert wie lange eure Akkus halten, ob das auch reichen mag, wie viel Speicherkarten ihr dabei habt. Lieber 2GB zu viel als keine Fotos mehr machen können. Und der vielleicht wichtigste Tipp bzgl. Ausrüstung: nehmt eure leisesten Sohlen mit. Also keine Ledersohlen sondern Gummisohlen. Wenn ihr das erste Mal in der Kirche steht und den Standort wechsel wollt, dann könnt ihr damit absolut geräuschlos bleiben.

Lang lebe die Kreativität

Es gibt selten Momente und Gegebenheiten, welche kreativer sind, als eine Hochzeit zu fotografieren. Darin liegt auch gleichzeitig der Knackpunkt vieler Fotografen. Fotografie ist oftmals sehr techniklastig und techniklastig ist nicht der große Bruder von kreativ. Ganz im Gegenteil. Ausrüstung ist unter anderem der Punkt Nr. uno, welcher gegen die Kreativität des Fotografen arbeitet.

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Ich möchte hier auch nicht viel mehr schreiben als ein kleines Beispiel, ein Schmankerl aus der Vergangenheit.

Auf einer Hochzeit vor ungefähr zwei Jahren waren 3 Hobbyfotografen zusätzlich zu uns auf der Hochzeit. Kein Problem, ich freue mich wenn noch mehr tolle Fotos für das Brautpaar enstehen und ich muss auch zugeben, dass 10 Augen eben mehr sehen als nur 4. Alle haben sehr engagiert fotografiert und wir kamen am Abend auch sofort ins Gespräch. Sie versprachen mir allesamt die Fotos des Tages zu schicken. Mich interessiert immer, was andere aus der gleichen Situation fotografisch machen. Deswegen hatte ich auch nach den Fotos gefragt. Und sie hielten alle drei ihr Wort, einige Wochen später trudelten die CDs mit den Fotos ein.  Und eine der drei CDs die ich bekam, die hob sich von allen anderen Ergebnissen deutlich ab.

Nach dem Blick auf das Etikett des Versenders dieser CD stellte sich sofort heraus, dass dies die einzige Hobbyfotografin der Hochzeit war.

Mit ihr hatte ich am Abend auch gesprochen. Sie fotografierte die gesamte Zeit mit ihrer damals brandneuen 400D im Vollautomatikmodus. Beide anderen Fotografen hatten sich technisch erkünstelt, verwackelt, überbelichtet und sehr viele Aufnahmen versemmelt aber allesamt mit „besserer Ausrüstung“. Das ist einfach ein geniales Beispiel dafür, was oftmals wirklich zählt. Nämlich das Auge und die Kreativität. Und gerade bei einer Hochzeit lohnt es sich das eine oder andere Objektiv zuhause zu lassen, einfach um gar nicht in die Versuchung zu kommen.

Seit diesem Tag hat es sich bei uns eingeführt, dass wir jedesmal am Morgen vor der Hochzeit uns (nur!) zwei Objektive pro Fotograf heraussuchen und die gesamte Hochzeit nur mit diesen beiden Objektiven fotografieren. Natürlich kann ich ohne richtiges Teleobjektiv keine langen Teleaufnahmen machen. Ich bin dann aber auch mehr gezwungen uns nach Motiven zu richten und die Situation zu verfolgen. Kreativer zu arbeiten und weniger auf die Technik zu achten. Absolut empfehlenswert ist es auch einmal nur zwei Festbrennweiten zu nehmen. Eine längere und eine kürzere! Und voila… die Kreativität ist gefordert!

ERGO: Habt keine Angst vor Herausforderungen. Natürlich ist eine Hochzeit schwierig und nicht Alltag. Aber bleibt locker, lastet euch keine zu großen Aufgaben auf und seid kreativ. Spaß an der Fotografie ist der beste Garant für gute Fotos.

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Übrigens, Martin und Marc führen auch ein englisches Blog zum Thema Licht und Blitzen– welches es bald auch auf deutsch geben wird. Schaut mal rein!

Hochzeiten fotografieren

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