kwerfeldein
03. März 2009 Lesezeit: ~4 Minuten

Entfesselt Blitzen: Erste Schritte

Entfesselt Blitzen: Erste Schritte

Den Standpunkt bestimmen

Nun kann es losgehen. Der Blitz kann unabhängig vom Standpunkt der Kamera ausgelöst werden. Doch was nun? Wo stelle ich den Blitz hin? Hier ist etwas Übung und Erfahrung gefragt. Es gelten die altbekannten physikalischen Grundregeln (je größer die Lichtquelle, desto weicher das Licht, je näher die Lichtquelle, desto heller das Licht). Mit einer kleinen Taschenlampe kann gut geübt werden, wie die Schatten fallen würden, wenn aus einer bestimmten Richtung der Blitz kommen würde. Bei Portraits empfiehlt sich für den Anfang ein Winkel von 45° zur Kamera.

Wer seinem Motiv einen „Haarkranz“ verpassen will, also das der Rand der Haare hell leuchtet, stellt einfach einen Blitz hinter das Model und richtet ihn auf den Kopf aus. In dem „Light Cage“ von Photoworkshop.com kann man virtuell mit Licht aus unterschiedlichen Richtungen spielen.

Die Leistung drosseln

Bis jetzt powert unser Blitz mit voller Leistung. Dabei ist das gar nicht immer gewollt, vor allem, wenn wir den Blitz nur zum Aufhellen der Schattenpartien bei starkem Sonnenlicht nutzen wollen. Hier regeln wir einfach die Blitz manuell runter. In Zeiten der Digitalkameras kann das Ergebnis schnell am Monitor kontrolliert werden. Nach einer Weile bekommt man auch Übung und merkt, bei welchem Licht wie viel Blitzleistung nötig ist. Je nach „Entfesselungsmethode“ (z.B. mit E-TTL) macht das die Belichtungssteuerung der Kamera sogar automatisch.

Es geht aber auch umgekehrt. Wer will, kann bei hellichtem Tage Dunkelheit simulieren, indem der Blitz sehr dicht an das Motiv und auf volle Leistung gestellt wird. Dadurch wird die passende Belichtungszeit der Kamera so kurz, dass der Hintergrund vollkommen im Dunkeln verschwindet. Hier ein Beispielfoto, wie so etwas (mit zwei Blitzen) aussehen kann.

Das Licht formen

Auf Dauer wird einem anspruchsvollen Fotografen der harte Schatten des Blitzes leid. Dafür gibt es nun diverse Lichtformer, welche das Blitzlicht verändern. Dazu gehören z.B. Reflektor- oder Diffusorschirme oder Softboxen, welche das Licht des Blitzes weicher machen. Für die Schirme wird dann eine zusätzliche Schirmhalterung benötigt, z.B. der Manfrotto Schirmneiger MF6830. Dieser kann zusätzlich den Schirm neigen und akzeptiert auch die 3/8-Zoll-Gewinde des Mikrofonständers.

Wer mit so einem Diffusorschirm (auch Durchlichtschirm) den Blitz möglichst dicht an das Motiv stellt, bekommt ein sehr weich ausgeleuchtetes Bild, was eventuell vorhandene Fältchen im Gesicht gut abschwächt.

Wer einen dramatischen Look erzielen will, bündelt das Licht meistens. Dafür gibt es entsprächende zylinderförmige Aufsätze, die man sich aber auch schnell selbst basteln kann. Schwarzes Papier und Klebeband genügt. Das Papier in Zylinderform (mit der kleineren Spitze Richtung Motiv) um den Blitzkopf kleben, fertig.

Mehrere Blitze benutzen

Wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, kann versuchen, mit mehreren Blitzen das Licht auch draußen ganz nach Belieben zu steuern. Schon mit zwei kleinen entfesselten Systemblitzen sind Fotos möglich, die den Fotostrecken der Modemagazine Konkurrenz machen. Einen coolen Effekt erzielt man unter anderem, indem zwei Blitze jeweils scharf links und rechts vom Motiv gestellt werden, und so beide Gesichtshälften separat vom Blitz beleuchtet werden. Im obigen „Light Cage“-Link ist das Testen von zwei Lichtquellen (einem entfesselten Hauptlicht und einem Fülllicht von vorne) möglich.

Viele gute Übungen zum Lernen des entfesselten Blitzens gibt es auch bei Radeldudel.

Viel Spaß mit dem befreiten Blitzlicht!

_____________

robert_kneschke_small_2008-12

Dies ist ein Gastartikel von Robert Kneschke. Er arbeitet als freier Fotoproduzent in Köln für verschiedene Bildagenturen. Sein Schwerpunkt liegt auf Stockfotos in den Bereichen Beauty, Business und Emotionen. Er hat eine Webseite und betreibt den Blog “Alltag eines Fotoproduzenten“.

Achja, zum Thema Blitzen habe ich auf meinem Blog das Buch von Dirk Wächter „Heute schon geblitzt?“ besprochen.

Ähnliche Artikel

14 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Sieht doch ganz gut aus. Das verlinkte Model zum Lichtaufbau find ich ja auch echt cool. Schade das man da net mehr Lichter aufeinmal anknipsen kann.

    @Robert: Wie lange hast du überhaupt so gebraucht bevor das so geklappt hat wie du es wolltest, mit dem enfesseltem Blitzen?

  2. @ mahom: Licht funktioniert ja additiv, insofern musst Du Dir bei dem „Light Cage“ einfach nur mehrere Lichtsituationen zusammen vorstellen. Und für den Anfang ist weniger auch mehr.

    Wie lange ich gebraucht habe? Schwer zu sagen. Meist lese ich mich etwas theoretisch ein, nehme mir ein Model und teste alle möglichen Sachen durch und merke mir die gelungendsten.

  3. Blogartikel dazu: Kaufempfehlung externer Blitz - Nissin DI-622 oder Nikon SB-900 | hombertho.de

  4. Blogartikel dazu: 10 Tipps zur Hochzeitsfotografie | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel

  5. Blogartikel dazu: suessmichael.de

  6. Blogartikel dazu: Ein Blitzgerät für die Canon EOS 450D « René*sein*Weblog