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02. März 2009 Lesezeit: ~5 Minuten

Entfesselt Blitzen – Eine Einleitung

Entfesselt Blitzen - Eine Einleitung

Totgeblitzt. So heißt das berüchtigte Wort, wenn der Frontalblitz mit voller Leistung jegliche feine Schatten-Details im Motiv verschwinden lässt. Sieht nicht gut aus. Abhilfe schafft da neben anderen Möglichkeiten das „entfesselte Blitzen“.

Es gibt auch andere Gründe, „entfesselt“ zu blitzen. Wer schon mal im Studio fotografiert hat, weiß, wie bequem und hilfreich es für die Lichtstimmung sein kann, die Lichtquellen dort hin zu verschieben, wo der Fotograf sie haben möchte. Genau das ist beim entfesselten Blitzen möglich.

Den Blitz entfesseln

Entfesselt Blitzen bedeutet, den Blitz von seiner Fessel, der Kamera, zu befreien. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten.

1. Entfesseln mit dem Kabel

Es gibt Verlängerungskabel, die auf der einen Seite auf den Blitzschuh der Kamera gesteckt werden und auf der anderen an die Buchse des Blitzes. Es gibt auch Kameras, bei denen das Kabel statt auf den Blitzschuh an eine Blitz-Buchse gesteckt werden kann. In beiden Fällen muss darauf geachtet werden, dass sowohl beim Blitzschuh als auch beim Blitz die Halterungen passen.

Der Vorteil dieser Methode ist, dass diese Kabel im Vergleich zu den anderen Methoden wenig kosten. Der Nachteil ist, dass die Reichweite der Kabel naturgemäß begrenzt ist.

2. Entfesseln mit Funkauslösern

Unter Profis ist das die meistgenutzte Art, entfesselt zu blitzen, da sie die größte Flexibilität erlaubt. Dafür wird ein Funksender auf den Blitzschuh der Kamera gesteckt und ein Funksender am Blitz befestigt. Ein sehr zuverlässiges, aber teueres System sind Pocket Wizards, billigere Varianten gibt es z.B. unter dem Stichwort Funkauslöser bei Ebay.

Der Vorteil dieser Methode ist, dass je nach Funkauslöser auch komplexe Lichtaufbauten in großer Entfernung realisiert werden können. Der Nachteil ist der hohe Preis und bei vielen Funkauslösern die Tatsache, dass der Blitzschuh blockiert wird und so von vorne kein Aufhellblitz genutzt werden kann.

3. Entfesseln mit Infrarotauslöser

Von Canon gibt es z.B. die Möglichkeit, mit dem Speedlite Transmitter ST-E2 die Canon Speedlite-Blitze via Infrarot auszulösen. Bei Nikon wäre das der Nikon SU-800. Das funktioniert ähnlich wie bei den Funkauslösern. Der Nachteil ist, dass auch dieser Auslöser relativ teuer ist, ebenfalls den Blitzschuh blockiert und die Entfernung nicht so weit reicht wie bei Funkauslösern. Der Vorteil ist, dass das E-TTL-Messsystem der Blitze mit genutzt werden kann.

4. Entfesseln mit Fotozellen

Viele Blitze (leider nicht die von Canon) haben eingebaute Fotozellen, welche denn Blitz automatisch dann auslösen, wenn ein starker Lichtreiz wahrgenommen wird. Das ist in der Regel der Hauptblitz, kann manchmal aber auch die Sonne sein, wenn sie hinter Wolken hervorkommt.

Der Vorteil beim Auslösen mit Fotozellen ist, dass es relativ günstig ist, der Nachteil ist, dass so immer ein zusätzlicher Hauptblitz auf der Kamera benötigt wird.

Den Blitz befestigen

Wer seinen Blitz nun ohne die Kamera auslösen will, merkt auf einmal, dass die Teile nicht in der Luft schweben. Es muss eine Befestigung her. Das wird meist ein Stativ sein. Geeignet sind alle Stative, so lange oben ein 1/4-Zoll-Gewinde ist bzw. es sich aufschrauben lässt. Dann braucht der Fotograf nur einen Blitzschuh-Adapter. Das ist ein Stück Plastik, welches unten ein 1/4-Zoll-Loch hat und oben einen Blitzfuss. Bei Canon werden diese Adapter gleich mitgeliefert und bleiben auf einer glatten Oberfläche (Tisch, Stuhl, Schrank) notfalls auch von alleine stehen.

Da Fotostative sehr teuer sind, hier ein Spartipp: Bei Thomann gibt es ein Mikrofon-Stativ für ca. 10 Euro (MILLENIUM MS-2005) mit einem 3/8-Zoll-Gewinde. Da wird ein Adapter von 3/8-Zoll auf 1/4-Zoll von Manfrotto (MA 066) für ca. 4 Euro raufgeschraubt. Nun wird nur noch der Blitzschuh-Adapter Manfrotto 143S für ca. 10 Euro benötigt und alles mit einer weiblichen 1/4-Zoll-Schraube verbunden. Das macht zusammen ca. 25 Euro. Wer den Canon-Blitzfuss hat, kann sich den Adapter 143s sogar sparen. Eine Übersicht über meinen Lieblingsaufbau findet ihr im Artikel „Blitzaufbau für das entfesselte Blitzen“ in meinem Blog „Alltag eines Fotoproduzenten“.

Alternativ gibt es auch Exoten wie den Gorillapod, mit dem der Blitz auch an Bäumen, Zäunen oder anderen Gegenständen befestigt werden kann.
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Dies ist ein Gastartikel von Robert Kneschke. Er arbeitet als freier Fotoproduzent in Köln für verschiedene Bildagenturen. Sein Schwerpunkt liegt auf Stockfotos in den Bereichen Beauty, Business und Emotionen. Er hat eine Webseite und betreibt den Blog “Alltag eines Fotoproduzenten“.


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