kwerfeldein
06. Februar 2009 Lesezeit: ~4 Minuten

Ich stelle ein Foto vor: Between The Worlds

Okay, so langsam komm ich rein in den Groove, hier immer wieder mal Bilder von mir vorzustellen. Zudem möchte ich mit den Bildern das unterstreichen, wovon ich hier jeden Tag spreche. Bringt ja nix, wenn ich hier Tipps predige und sie nicht mit Bildern belegen kann. Klar, das ist ja alles Geschmacksfrage, aber ich glaube ihr wisst, was ich meine.

EXIF

Aufnahmedatum: 12.12.2008
Zeit: 11:46 Uhr
Belichtung: 1/320s bei f/8.0
Brennweite: 43 mm
Empfindlichkeit: ISO 200
Modell: Canon EOS 30D
Objektiv: 18mm – 50mm

Vorgeschichte und Bildentstehung

Between The Worlds entstand zu einem untypischen Zeitpunkt. Mit Matthias Pabst war ich an diesem Tag wieder mal auf Fotosafari gewesen und wir wollten den Winter mit so viel Schnee wie möglich einfangen. Zielstrebig fuhren wir an einen Ort, den wir letztes Jahr schon einmal besucht hatten. Dort stehen viele einzelne Hütten herum und wir nahmen uns genügend Zeit, um alle zu fotografieren.

Als wir „fertig“ waren und schon in Richtung Auto liefen drehte ich mich nochmal um und scannte die Szene. Da fiel mir auf, dass die Hütte sehr gut vor die vielen Bäume passte und drückte noch ein paar Mal ab.

Erst zuhause am Rechner bemerkte ich dann, wie sehr es sich gelohnt hatte, sich noch einmal umzudrehen.

Postprocessing

Hier erstmal das Originalbild, so wie es aus der Kamera (natürlich in RAW) kam:

Als ich mir das Bild dann in Lightroom für das erste Bearbeiten vornahm, gefiel mir der leichte Farbkontrast von Hütte und Umgebung überhaupt nicht. Das beisst sich schon, nicht war?
Wenn mir die Farben eines Bildes nicht gefallen, dann ist das Erste, was ich tue: Alle Farben rausdrehen. So kann ich mich ohne gestört zu werden auf die Formen konzentrieren, die in einem Bild zu sehen sind. Und wie man hier nun sieht, wirkt das gleich viel brillianter.

Was man auch erkennen kann, ist, dass ich an den Kontrasten gedreht habe. Das mache ich übrigens bei allen meinen Fotos. Denn viele Bilder bekommen häufig eine stärkere Dramatik, wenn man gezielt den Kontrast erhöht.

Zusätzlich habe ich zwei Verläufe in Lightroom eingebaut. Einen von oben nach unten um die Bäume im Hintergrund leicht abzudunkeln. Damit fällt das Auge eher auf die Hütte, und um die gehts jam schliesslich. Den anderen Verlauf habe ich – und ich weiss nicht, ob ich das heute auch noch so machen würde – von unten nach oben hinzugefügt. Sieht man ja auch, ist ziehmlich auffällig.

So. Dat Janze Foto hab ich dann in Photoshop gezogen und dort nocheinmal ganz fein hier und da ein paar Kontraste angehoben. Abschliessend nochmal kräftig nachgeschärft. Fertig.

Das Schwarzweiss schien seine Wirkung nun voll entfaltet zu haben. Edel aber nicht zu kitschig. So mag ich das.

Zum Schluss kam mir noch die Idee, das Bild mit einem kühlen Blau einzufärben. Doch ich konnte mich nicht wirklich entscheiden, ob das nun besser war. Also mal zwei Versionen erstellt. Eine in Schwarzweiss und eine mit leichtem Blau.

Und dann kam mir das kwerfeldein Forum zugute. Ich loggte mich in den Chat ein, und nach ein paar Minuten waren auch schon drei, vier andere Leute da. Beide Bilder in den Chat geladen fragte ich nach, was sie mir empfehlen würden. Farblos oder blau. Die Meinung war einstimmig blau.

Naja, und da ich mich eh nicht entscheiden konnte, nahm ich dann Blau.

Fazit

Jedesmal, wenn ich dieses Bild sehe, dann denke ich an die coole Zeit mit Matze, das Umdrehen und auch daran, dass mir heute der Verlauf von unten nach oben nicht mehr gefällt. Aber gut. So ist es eben jetzt, basta.

Ich hoffe, meine Bildbeschreibung hat Euch einen kleinen Einblick in meine Arbeit gegeben und konnte Euch einwenig inspirieren. Wenn ja, dann freue ich mich auf Eure Kommentare. Danke schonmal ;)

WE ARE SLEEPING GIANTS
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29 Kommentare

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  1. Hi Martin,

    Deine Bildvorstellungen gefallen mir richtig gut. Ich finde es sehr interessant mal auch die Wege vom Original zum Endprodukt verfolgen zu können.

    Gruß
    lammy

  2. Find ich klasse, dass Du jetzt öfters in die Step-by-Step Kiste einsteigst. Und was mich besonders beruhigt, dass Du auch noch ab und an an Deinen Bildern zweifelst und im Nachhinein Dinge anders machen würdest. Das gibt mir auf alle Fälle wieder Auftrieb auf meiner Reise…

  3. Das Bild gefällt mir. Obwohl, es gefiel mir. Jetzt wo ich mal ein paar Vergleichsbilder gesehen habe, muss ich sagen dass mir das Ergebnis zu kontrastreich ist.

    Ich find auch garnicht, dass sich das Originalbild zu sehr beisst, die Farben sind nur ein bisschen… fade. Hier gefällt mir vor allem, dass die Kontraste nicht zu heftig sind. Ich meine, hier kann man wenigstens die Bäume im Hintergrund noch gut als solche erkennen.

    Die graue Version gefällt mir auch bissel besser als die blaue. Die ist irgendwie wärmer, erdiger und passt für mich besser zu Holzhütte und Wald. Der Schnee wirkt wie eine schützende Decke für den Boden, anstatt einfach nur superkalt zu wirken.

    Aber das ist ja alles Geschmackssache ;-)

  4. Schöner Beitrag, allerdings finde ich das Bild nicht so berauschend wenn ich ehrlich bin. Da hattest du schon ganz andere Knaller. Aber das ist halt Geschmackssache.
    Wenn man den Verlauf unten einmal gesehen hat wird er immer schlimmer ;-)

  5. hi martin,
    danke für die bildvorstellung. gerade ich als anfänger sauge sowas richtig auf und lerne gern von leuten, die es richtig können!
    mir gefällt die blaue variante auch besser, auch wenn das hier gezeigte s/w bild noch nicht ganz fertig ist, aber ich hab da das gefühl es ist nicht so „klar“ wie das finale bild! irgendwie spür ich da richtig die kalte klare luft, die man einatmet :-)

  6. Oh gut, sehr gut beschrieben, da kann ich noch viel lernen… ich dachte erst, das Foto wäre in den Weinbergen entstanden, da gibts einige solcher Hütten … nur ist ja der gegenüberliegende Wald nicht so hoch… ich sollte mich wirklich mal mit RAW auseinandersetzen glaube ich. Bisher habe ich mich gesträubt. Also wenn ich das richtig verstehe, bearbeitest du das RAW Bild nur mit Lightroom? Also nicht mit Photoshop? (wenn ich mich richtig entsinne, gibts ja da ein RAW-Plugin)

    • Mit beidem, aber manchmal reicht auch Lightroom, das kommt ganz aufs Bild drauf an. Mit Photoshop’s Bridge hab ich bisher gearbeitet bei den Raws, aber seit LR nutze ich nur das für die Verwaltung und dat Grobe ;)

  7. Ich finde das Bild gut. Vor allem wenn man es mit dem Original vergleicht. Es ist immer interessant Einblick zu haben, wie man zu einem fertigen Bild kommt. Les ich gerne, da man da denke ich auch noch eine Menge lernen kann.
    Aber es stimmt, wenn man den Verlauf betrachtet stört er doch ein bisschen. Man denkt sich wie das Bild ohne aussieht.

  8. Also ich zeige oft ungern das Original. Warum? Weil dann jeder kommt und meint, das er das anders gemacht hätte.
    Wenn ich das reine Endergebnis zeige meinen die meisten, das es gut aussieht. Warum ist das nur so?
    Is halt auch meine Interpretation. Aber gut ist daran immer das ich wieder weiß, daß Geschmäcker verschieden sind.

    Finde gut, dass du eine Geschichte zum Bild schreibst. Bilder sind ja Erinnerungen. So soll es auch sein!

  9. Hey Martin

    finde es interessant wie du deine Bilder bearbeitest und was du aus den Originalen rausholst. Gefällt mir richtig. Auch die Beschreibung wie du vorgehst und dass du zugibst dass du was ändern würdest (würde nicht jeder tun).

    Das mit dem Umdrehen hat mich gleich an Joe McNally: der entscheidende Moment erinnert.

    Ich sehe auch immer wieder ich muss noch soo viel lernen.

  10. Hey,
    genau solch ein Artikel hat mir bisher gefehlt!
    Über so eine Step-by-Step Beschreibung kann man prima der Bildidee folgen.
    (Und ich als Anfängere noch viel lernen :)

  11. Das Bild ist meiner Meinung nach nicht eins Deiner „Reinhauer“, aber Deine Beschreibung der ganzen Situation vom shooting bis zum fertigen Bild ist mal wieder kurz und knackig und super!Du zeigst mal wieder ,dass Du Dir selbst gegenüber sehr kritikfähig bist!(Das mit dem unteren Verlauf überzeugt mich auch nicht…)

  12. Blogartikel dazu: Websafari: 2. - 8. Februar 2009 | visuelleGedanken.de - Fotografie und Gezeichnetes

  13. wie du sagst, diese bearbeitungen sind geschmackssache! das war auch so im labor, das ist im digitalen bereich so! mir gefallen die „spielereien“ mit den bildern: das optimum herausholen hingegen sehe ich gar nicht als spielerei an – das kann unter umständen richtige „knochenarbeit“ sein!
    schön ist – was gefällt!
    greetz from emmental