kwerfeldein
22. Januar 2009 Lesezeit: ~4 Minuten

Einfacher Fotografieren

„Dies ist ein Gastartikel von Florian Oehrlein. Autodidakt im Bereich der Fotografie, Schwerpunkte seiner Arbeit liegen im Bereich Portrait und Street Fotografie. Seine fotografischen Arbeiten können auf www.flickr.com/photos/urline besichtigt werden.“

Zu den Top Fragen die man wohl am häufigsten gestellt bekommt sobald man sich mit dem Thema Fotografie beschäftigt gehört wohl „Ey… was für eine Kamera benutzt du denn?“ , „Och, du machst das bestimmt doch schon länger, ne?! Ist bestimmt kompliziert“ wobei die 2. Aussage wohl eher als Kompliment gewertet werden kann.

Aus diesem Grund kam ich irgendwann dazu mich zu fragen: „Ist es wirklich nötig die Fotografie als „komplizierte Sache“ zu sehen?“ Mein Fazit war – Nein!

Dennoch zerbrechen sich viele Leute, die Spaß daran gefunden haben den Kopf darüber, wieso ihre Bilder unterm Strich nicht wirken, ideenlos aussehen oder es ihnen einfach an Leben fehlt.
Irgendwann musste ich dann feststellen: Diese Zweifel kommen auch in mir hoch, logische Schlussfolgerung – das liegt am Equipment! An mir kann es ja nicht liegen!
Und da setzt wohl das Problem an, anstatt sich in Equipment und Zahlen zu verstricken, jedem neuen Kameramodell hinterher zu rennen, fing ich an mir mehr Gedanken zum Motiv zu machen d.h. „Gedanken machen“ sind wohl die falschen Worte, ich fing an mich mehr auf mein Gefühl zu verlassen.

Gefällt es mir? Sieht es stimmig aus? Ist es schlicht und einfach schön…?
Ein gutes Anzeichen dafür das mir ein Bild gelungen ist, ist das nervöse Gefühl das ich bekomme weil ich es nicht abwarten kann das Bild auf großem Monitor zu sehen. Dennoch ist es meiner Erfahrung nach schon fast verpönt Dinge simple zu gestalten.

Ein gutes Beispiel hierfür war ein Erlebnis das ich hatte, während ich ein Konzert in Bildern festhalten sollte. Ich traf dort einen Gleichgesinnten, mit damals funkelnagelneuem 40D Body, einem Fisheye, dass er mir mit einem leichten Grinsen und den Worten „Muss ich aber noch abbezahlen…“ zeigte und und und… sein Equipment im Wert eines Kleinwagens versetzte mich in leichtes Staunen .

Ihm gegenüber stand ich mit meinem popeligem 50mm 1,8… „Na gut, wenn ich schon mal hier bin, fotografiere ich auch…“ waren meine Gedanken, als ich mir zerfressen vor Neid, im Kopf schon die schönsten Bilder ausmalte, die er wohl mit all dem Zeugs machen könnte.

Nach dem Konzert unterhielt ich mich noch kurz mit meinem Mitstreiter und wir verglichen unsere Ergebnisse. Zu meinem Erstaunen konnte ich feststellen das er trotz oder gerade wegen zu vielem technischen Geplänkel völlig das Auge verloren hatte, es fehlten Köpfe, der Bildaufbau war nicht harmonisch, unterm Strich waren die Bilder der Sache einfach nicht gerecht geworden… was mich in 2 Dingen bekräftigte…

1.„Keep it simple!“ – einfache, gute Bilder sind mehr wert als kompliziert gemachte schlechte…


2. Wenn das Foto nicht gut genug ist, bist du nicht nah genug dran (Robert Capa). Das Motiv ist schließlich dazu da, dass man es festhält… also geh ran!

Da ich generell einfach so wenig wie möglich Einstellungen vornehmen möchte, um den Kopf frei zu haben, verzichte ich auch zu 99% auf Blitzlicht. Nutze soweit es geht nur natürliches Licht, was meiner Meinung nach der Stimmung nur gut tun kann. Die Kamera als 3. Auge zu sehen und nicht als technisches Gerät an dem man diverse Einstellungen vornehmen kann, ist dabei meiner Meinung nach essentiell…

Ich möchte hiermit niemandem den Spaß an technischen Spielereien nehmen, ich lass mich auch gern von neuem begeistern und könnte Stunden im Laden meines Vertrauens verbringen, möchte eher Mut machen sich Dinge nicht zu kompliziert zu machen…

Also „keep it simple…“ sonst tut es ein anderer.

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