kwerfeldein
21. Januar 2009 Lesezeit: ~2 Minuten

Der Effekt eines Reflektorschirms auf das Licht

robert_kneschke_small_2008-12Dies ist ein Gastartikel von Robert Kneschke. Er arbeitet als freier Fotoproduzent in Köln für verschiedene Bildagenturen. Sein Schwerpunkt liegt auf Stockfotos in den Bereichen Beauty, Business und Emotionen. Er hat eine Webseite und betreibt den Blog “Alltag eines Fotoproduzenten“.

Wer einen Reflektorschirm für seinen Blitz kauft, möchte damit in der Regel das Licht formen. Je nach Schirm gibt es aber verschiedene Möglichkeiten.

Ich habe einen kleinen Test veranstaltet. Als Model musste ein alter Kleiderständer herhalten, der ca. 15 cm von der Wand entfernt war.

Der Blitz steht auf einem Stativ leicht rechts von der Kamera. Zum Verständnis ein Foto von der Schirmmontage. Der Schaft des Schirms kann mit einem Rädchen verschoben werden. Über die weiße Haut kann die reflektierende Silberhaut befestigt werden.

14

Zuerst ein Foto ohne den Schirm als Ausgangsbasis. Der Blitz (Speedlight 580 II) ist auf 1/4 Leistung gestellt, das Foto mit 1/160 Sekunde und Blende 14 aufgenommen. Ergebnis: Unschöne, harte Schatten und sehr ungleichmäßige Lichtverteilung.

blitztest_02_no_schirm_6261

Für das zweite Foto habe ich den Blitz vom Kleiderständer weggedreht und in die Reflektorinnenseite des Schirms blitzen lassen. Gleiche Blitzleistung, aber diesmal nur 1/80 Sekunde und Blende 8. Ergebnis: Weiche Schatten und eine gleichmäßigere Lichtverteilung.

blitztest_03_reflektor_schirm_6257

Beim dritten Foto schaut der Blitz wieder zum Kleiderständer. Die Reflektorfläche habe ich vom Schirm entfernt. Nun kann ich durch die weiße Fläche durchblitzen und den Schirm damit als Diffusor benutzen. Der Abstand zwischen Blitz und Schirm ist sehr gering. Die Einstellungen sind mit denen des zweiten Fotos identisch.
Ergebnis: Die Schatten ist etwas härter als beim Reflektor, jedoch ist das Foto insgesamt heller und am rechten Haken ist erkennbar, dass dort der Schatten besser aufgehellt wird.

blitztest_04_diffusor_schirm_dicht_6269

Das letzte Foto hat den gleichen Aufbau wie das dritte, mit dem Unterschied, dass der Schirm ca. 20 cm weiter vom Blitz weggeschoben wird.
Ergebnis: Die Schatten sind fast vollständig verschwunden und das Foto ist das hellste von allen. Wir haben nun ein sehr weiches Licht, was der Haut vor allem bei Portraits schmeichelt.

blitztest_05_diffusor_schirm_fern_6270

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26 Kommentare

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  1. wow- vielen dank für diese tolle, bildliche erklärung- damit kann frau etwas anfangen ;o)
    eine ähnliche versuchsreihe würde mich auch mit softboxen interessieren, denn auch da gibt es ja manchmal unschöne schatten…

  2. Jana, es lohnt sich, das mit der Softbox selber auszuprobieren.

    Ansonsten gelten ein paar einfache Regeln:

    je größer die Lichtquelle, desto weicher die Schatten.
    je kleiner die Lichtquelle, desto härter die Schatten.

    Je näher dran die Lichtquelle ist, desto größer wirkt sie (für das Motiv).
    Je weiter weg die Lichtquelle ist, desto kleiner wirkt sie.

    Beispiel Sonne: riesige Lichtquelle, aber ewig weit weg, daher wirkt sie wie eine kleine Lichtquelle und wirft harte Schatten.

    Softbox genauso. Eine Softbox nah am Motiv wirft weiche Schatten, je weiter weg sie steht, desto härter die Schatten.
    Problem ist, wenn die Softbox zu klein ist und nah dran nicht das ganze Motiv ausleuchten kann. => Bigger is better?

  3. Toller Praxisartikel! Verringert sich mit der Entfernung des Blitzes vom Schirm auch dessen Lichtleistung? Sieht ein wenig so aus, als hättest Du für das unterste Bild die Blende weiter öffnen müssen (Unschärfe des mittleren Hakens) – stimmt das?
    Grüße Blue

  4. @Blendentanz, Halter und Schirm kannst du in ziemlich jedem Fotofachhandel bestellen. Oder such mal bei ebay nach „Schirmhalter“ und „Reflexschirm“.

    @Blue, die Stärke des Lichts fällt quadratisch zum Abstand zwischen Licht und Motiv. Sprich, ja, das Licht wird dunkler je weiter der Weg ist, den es zurücklegen muss.

    @Eric, danke für die Blumen ;)

  5. @ Blue,

    nein, die Belichtungsdaten sind für die letzen beiden Bilder identisch, der Fokus liegt nur geringfügig anders. Also der mittlere Haken ist bei dem einen unschärfer, dafür ist der vordere Haken schärfer.

    @ blendentanz: Ich habe den Schirm mit Halterung von Calumet, die gibt es aber auch bei den üblichen Fotohändlern (Stichwort Fotoschirm, Reflektorschirm o.ä.)

  6. Wenn du das schon am Montag veröffentlicht hättest wäre ich um eine Std testen herum gekommen ;).
    Was mich am meisten verblüfft hat war das er Abstand vom Schirm zum Blitz so eine große Auswirkung hat.
    Schöne Effekte habe ich auch noch erzielt, als ich den Blitz auf einen Reflektor gerichtet habe.

  7. Gute Studie! – Aber zwei Anmerkungen:

    Wichtig wäre natürlich, nicht mehrere Parameter gleichzeitig zu verstellen. Die Lichtmenge, die aufs Motiv trifft, sollte schon gleich gehalten werden, um vergleichbare Bilder zu erhalten.

    Beim zweiten Bild wundern mich die mehrfachen Schlagschatten.

  8. Interessant.

    Was etwas verwirrt ist, das es bei dieser Testreihe keinen festen Parameter gibt? Entweder die Entfernung bleibt gleich oder die Belichtung. Wenn sich aber beide innerhalb der Bildserien verändern kann kein vernünftiger Vergleich angestellt werden.
    Oder geht es hier nur um den Schirm als Diffusor, dann währe es klar?

  9. Blogartikel dazu: BLENDENTANZ » SB800 mit Durchlichtschirm verwenden

  10. Blogartikel dazu: Entfesselt Blitzen: Erste Schritte | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel

  11. Blogartikel dazu: Fotografieren mit einem Blitz: Entfesselt › kwerfeldein - Fotografie Magazin

  12. Hallo, dass mit der Veränderung der Verschlusszeit finde ich didaktisch etwas irreführend (sie ändert ja nichts am angeblitzten Motiv). Beim ersten Foto ist schön ersichtlich, wie der Blitz gar nicht in der Lage ist, den Schirm in dessen vollem Volumen auszufüllen. Ich nutze hierzu immer einen Aufsteck-Diffusor. Nur an dieser Stelle will sich mir der Sinn hinter so einem Teil ergeben, um das Licht gleich „an der Quelle“ so zu streuen, dass eine Schirmfläche ausgeleuchtet werden kann. Schirme nutze ich auch bevorzugt, da sie eben schnell aufgebaut- und transportabel sind.