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19. Januar 2009 Lesezeit: ~4 Minuten

Sei ein Hochzeitsfotograf: Tipps und Hinweise für blutige Anfänger

Olaf BathkeDas ist ein Gastartikel von Olaf Bathke. Er ist professioneller Fotograf  aus Kiel und  schreibt regelmäßig über die Landschafts- und die Portraitfotografie in seinem Blog.

Irgendwann trifft es jeden ambitionierten Hobbyfotografen. Ein Freund oder ein guter Bekannter kommt auf Dich zu und fragt, ob Du nicht seine Hochzeit fotografieren könntest. So eine Anfrage ehrt einen natürlich, sie bringt aber auch ein hohes Maß an Verantwortung mit sich. So eine Hochzeit ist sehr dynamisch und lässt sich nicht noch einmal wiederholen

Ich habe mal ein paar einfach zu befolgende und sehr praxisbezogene Tipps und Hinweise aus meiner Arbeit als Hochzeitsfotograf in Hamburg und Kiel zusammengetragen. Die Tipps und Hinweise werden Dir helfen, Dich in Deiner Rolle als Hochzeitsfotograf wohl zu fühlen:

Ein Hochzeitsfotograf bleibt gelassen

Hochzeitsfotograf Hamburg

Sofern Du als Gefälligkeits- Hochzeitsfotograf nicht eine hohe Honorarforderung stellst, bleib zunächst ruhig und gelassen. Das Brautpaar kann unmöglich von Dir verlangen, dass Du die gleiche Leistung, wie ein professioneller Hochzeitsfotograf bringst. Die kriegen von Dir ein hohes Maß an Engagement. Dieses Engagement ist ein guter Grundstein für tolle Hochzeitsfotos. Auch wenn Du es wahrscheinlich nicht machen wirst, aber Du dürftest Fehler machen.

Ein Hochzeitsfotograf arbeitet mit dem, was er hat

Es ist nicht unbedingt erforderlich, sich gleich ein neues Objektiv für so eine Anfrage anzuschaffen. Man kann eigentlich mit jedem Standardobjektiv tolle Fotos machen. Manchmal ist es das Denken in Einschränkungen, was die guten Fotos verhindert. Ein guter Hochzeitsfotograf denkt positiv und an die Fotos, die er machen kann und nicht an die Fotos, die er nicht machen kann.

Motiviere das Brautpaar zum Mitmachen

Hochzeitsfotograf Hamburg

Entwickel Bildideen nur zusammen mit dem Brautpaar! Das ist gar nicht so schwer, wie es auf den ersten Blick erscheint. Deine Aufgabe als Hochzeitsfotograf ist es, die Bildideen von dem Brautpaar aufzugreifen und weit zu entwickeln. Die beiden haben meistens schon eine Idee oder Vorstellung von dem, was sie gerne möchten und von dem, was sie überhaupt nicht mögen. Ein guter Hochzeitsfotograf orientiert sich an den Wünschen und Vorstellungen des Brautpaares. Es ist wichtig, dass das Brautpaar mitmacht.

Sei ein Hochzeitsfotograf „under cover“

Trage angemessen Kleidung: Egal, wie aufgetakelt oder wie schrill Du normalerweise auf Hochzeiten erscheinen könntest. Auf dieser Hochzeitsfeier ist nicht der richtige Zeitpunkt fürs Auffallen. Entscheide Dich für ein schlichtes Outfit. Je weniger Du auffällst, desto besser wirst Du fotografieren können.

Schaffe Vertrauen

Wenn sich jemand von Dir beim Fotografieren ertappt fühlt, dann lächle ihn offen an und schau nicht weg. Sollte er nicht sofort zurücklächeln, so gehe freundlich auf ihn zu und zeige ihm Deine Fotos. Das schafft nicht nur bei der fotografierten Person Vertrauen. Sei Dir sicher, dass Du beobachtet wirst und die gesamte Hochzeitsgesellschaft Dein Verhalten mitbekommt.

Gute Fotos benötigen Zeit

Hochzeitsfotograf Hamburg

Nehmt Euch ausreichend Zeit für die Brautpaarfotos. Ich würde immer dazu raten, Brautpaarfotos mit mind. 2h einzuplanen. Wenn ihr früher fertig seid, um so besser. Brautpaare sind in diesem Punkt nicht immer einsichtig. Deine Aufgabe als Hochzeitsfotograf ist es, sie von der Größe dieses Zeitfensters zu überzeugen.

Nur ein aufmerksamer Hochzeitsfotograf fotografiert alle Gäste

Halte immer Ausschau nach den Mauerblümchen. Mit Mauerblümchen auf Hochzeiten meine ich Menschen, die nicht gerne fotografiert werden. Wenn Du nicht aufpasst, dann gehst Du ohne ein Foto von diesen Mauerblümchen nach Hause.

Vergesse das Feiern nicht: Auch als Hochzeitsfotograf hast Du es Dir verdient!

Die Besucher würden Dich sogar eher komisch anschauen, wenn Du Dich die ganze Zeit hinter Deiner Kamera versteckst. Und komische Gesichter sollen ja auf den Fotos nicht zu sehen sein.

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26 Kommentare

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  1. Das sind mal richtig gute und vor allem realistische Tipps. In anderen Blogs liest man häufig, dass ohne eine Kamera aus der Oberliga, L-Objektive und einen Zweit-Body gar nichts geht. Dein Artikel macht dagegen Mut, sich auch mal an eine Hochzeit zu wagen. Vielen Dank dafür!

  2. Für „blutige Einsteiger“ möchte ich noch zwei essentiell wichtige Dinge ergänzen:

    Arbeite (sofern irgendwie möglich) nicht allein
    Murphy sagt: Dinge gehen schief, besonders, wenn’s wirklich wichtig ist. Der übliche Rat ist, von allem ein Backup dabei zu haben: Kameraequipment, Speichermedien, etc. Noch besser ist es, einen Fotografen-Kollegen mit am Start zu haben. Erstens hat man damit das Backup-Problem komplett erschlagen, ohne selber zwei Ausrüstungen besitzen zu müssen („Ausrüstung leihen“ ist übrigens nur eine bedingt gute Idee, wenn man mit dem Equipment nicht vertraut ist, langt man im Eifer des Gefechts garantiert an die falsche Stelle). Zweitens sehen vier Augen mehr als zwei. Drittens kann man sich strategisch verteilen (z.B. während der eine den Auszug aus der Kirche fotografiert, erwartet der andere das Brautpaar bereits vor dem Kirchenportal). Und viertens macht die Arbeit zu zweit Spaß und reduziert den Streßpegel.

    Vorbereitung ist die halbe Miete
    „Entwickel Bildideen nur zusammen mit dem Brautpaar“ ist ein Teil davon. Viel grundlegender aber ist die Frage: Was sollst Du alles fotografieren? Standesamt, Kirche, Feier? Auch das Hochzeitsbild?
    Wann finden diese Ereignisse statt? Sei pünktlich, am besten vor dem Brautpaar am Ort; das Paar hat ohnehin einen aufregenden Tag, da sollten sie sich nicht auch noch um den Fotografen sorgen müssen. Die Zeit davor kann man zur Vorbereitung und zum Location Scouting nutzen.
    Sei über den Ablauf informiert – und rede vorher mit den „Zeremonienmeistern“. Der Standesbeamte kann Dir sagen, wie die Prozedur abläuft und wo Du als Fotograf am besten stehst. In der Kirche liegen Liederzettel aus? Ab in die Hosentasche, das ist der grobe Ablauf des Gottesdienstes, und Herumlaufen während der Lieder stört meist am wenigsten! Mit dem Pfarrer vereinbarst Du, wo Du Dich bewegst und wann (bzw. wann nicht) Du Fotos machst – da gehen die Einstellungen meilenweit auseinander, das klärt man sogar besser über das Brautpaar ein paar Wochen im Voraus (trotzdem gehört das Shake-Hands und die Vorstellung beim Pfarrer für den Fotografen mit dazu). Der Moderator der Feier (traditionell meist einer der Trauzeugen) hat einen Überblick über die Programmpunkte und kann Dir diskret sagen, wann der nächste Programmpunkt ansteht und was da grob zu erwarten ist – dementsprechend kann man die Kamera mit geeigenter Linse bestücken und sich in Position bringen.

  3. Der Artikel kommt für mich gerade zur rechten Zeit. Ich sage nur DANKE, das gibt einem etwas mehr Gelassenheit :-)
    Wobei es bei mir erstmal darum geht, Fotos für die Hochzeitseinladungen zu schießen, aber das Thema deckt sich in großen Teilen.

  4. Vielen Dank!
    Auch für mich wirds dieses Jahr das erste Mal, dass ich ein Hochzeit fotografieren werde. Eigentlich werden es sogar drei.

    Mit der richtigen Einstellung wirds schon.. hoffentlich *bibber* ;-)

  5. Schöner Artikel! Noch dazu ein Tipp von mir, der zwar mit zur Vorbereitung gehört, aber den ich doch konkretisieren möchte: Speicherkarten!Speicherkarten!Speicherkarten! Man muss sich für eine Hochzeit kein neues Objektiv kaufen, aber man sollte sich sicher sein, dass die Speicherkapazität mehr als ausreichend vorhanden ist! Gerade wenns um den Auszug aus der Kirche geht, Anstoßen mit Sekt, Gratulationen…dann fliegen die Bilder nur so auf den Chip- sorgt vor, dass ihr sorgenlos draufhalten könnt, ohne ständig während des Events Bilder löschen zu müssen…ähnliches gilt für die Stromversorgung..heute würde ich ohne Zweitaccu auf keine Hochzeit mehr gehen…
    Grüße Blue

  6. danke! endlich mal aussagen, die nicht jeden hobbyfotografen gleich abschrecken, damit die branche auch unter sich bleibt. ich konnte alle punkte gut nachvollziehen – danke für diesen tollen artikel!

  7. Oh ja den Tips kann ich nur zustimmen…
    Mit dem Paar arbeiten und sich auf die Personen einlassen.
    Es müssen nicht unbedingt die Standard-Paarfotos sein wenn sie nicht zum Brautpaar passen…Am besten vorher schon mal treffen. Einfach zu Kennenlernen und zum Ideen austausch….
    Jede Menge Speicherplatz mitnehmen und für volle Akkus sorgen…
    dann klappt das schon.

  8. sehr gute tipps, besonders für anfänger sinnvoll, da man doch einen ziemlich verantwortungsvollen job übernimmt. bei meinem ersten hochzeitsshooting letztes jahr habe ich die meisten davon intuitiv berücksichtigt. trotzdem gibt es im nachhinein immer tausend sachen, die man beim nächsten mal anders oder besser machen würde. den zweiten versuch gibts aber leider erst bei der silberhochzeit. :)

  9. Toller Artikel…als „wir“ geheiratet haben, wollten wir, dass Freunde die Bilder machen – es waren mehrere Personen, so dass alle mitfeiern konnten und wir im Anschluss bei der Vielzahl von Aufnahmen uns eine tolle Auswahl machen konnten. „Quatschfotos“ sind auch immer gut und sind für später eine tolle Erinnerung. Eine Braut, die die Zunge rausstreckt, ein schielender Bräutigam und schon sind Lacher garantiert…. :)

  10. Schließe mich den Vorrednern an, viel Speicherplatz, ausreichend Ersatzakkus (was helfen dir 100GB Speicher wenn dein Akku nach 2h leer ist).

    Was man sich sparen kann: essende Menschen braucht man nicht zu fotografieren, das sieht immer unvorteilhaft aus. Lieber das Essen selber auf dem Teller ablichten, solange es noch hübsch und unberührt ist.

  11. Noch ein kleiner Tipp am Rande: Stativ nicht vergessen und falls vorhanden Fernauslöser (im Zweifel geht bestimmt auch der „ich lös in 10 Sekunden aus“-Knopf aber Fernauslöser ist praktischer) – denn nicht immer findet sich ein Bauarbeiter, der mal eben das fotografieren übernehmen kann, wenn man selber mit auf’s Bild soll/muß… So viele Ersatzkameras, Speicherkarten und Batterien nimmt nämlich wahrscheinlich keiner mit, dass man darauf die entsprechende Kamera stellen kann die dann das Bild machen soll, auf das man selber mit drauf soll… (zumal wenn es ein Gruppenfoto werden soll, auf dem alle drauf sein sollen)

  12. Blogartikel dazu: Hochzeitsfotografie - Kamera in die Luft werfen (Video) -Seite 2 - Fotos verkaufen - Geld verdienen mit digitalen Bildern!

  13. Ich habe auch schon Hochzeiten fotografiert und kann nur bestätigen was du hier schreibst. Trotzdem lohnt es sich ein lichtstarkes Objektiv zu benutzen. Es gibt einige Situationen, in denen man die Stimmung sicherlich nicht tot blitzen will z.B. der Kerzentanz. Leider besitze ich so ein Objektiv nicht und die ISO Werte der EOS 400D sind ja auch nicht die höchsten. Deshalb mußte ich mich entscheiden zwischen verschwommenem Brautpaar in toller Lichtstimmung oder Totblitzen.

  14. Gebe dem Autor deises Beitrages absolut recht. Der Hochzeitsfotograf ist vor allem ein „Seher“, erst in der zweiten Linie ein macher. Wenn der „Seher“ versagt hilft GAR KEINE Technik mehr. Tausend mal dieses beobachten können auf Hochzeiten, wo die Amateure mit derart teuerer Technik unterwegs waren, dass ich mir mit meiner Fuji S2 und 1,8/50 Nikkor eher als unbedarfter Anfänger vorgekommen bin. Später das traurige Ergebnis dieser Technikfixierten Blindshooter mit Mühltonnen im Hintergrund und verpassten Highlites des Tages (Ringetausch, Tauben, letzter Walzer, Brautstrauß werfen), weil grad die Batterie leer war.

  15. Nun möchte ich doch ein paar Anmerkungen los werden.
    Grundsätzlich ganz wichtig: Die Chemie zwischen Brautpaar und Fotograf muss stimmen.
    Genauso wichtig ist eine hervorragende Optik. Klar steht das Motiv an erster Stelle, aber um ein professionelles Produkt abzugeben, reichen die Knipskisten einfach nicht aus. Schlecht aufgenommene Bilder lassen sich auch am PC nicht reparieren.

    Man sollte nicht dem Fehler verfallen und seine Ergebnisse auf dem Display wärend der Feier anschauen oder gar anderen zeigen. So etwas stört einfach nur.
    Profis nehmen ihre Aufnahmen erst zuhause in Augenschein.

    Mit Schrecken habe ich hier die Worte „draufhalten“ gelesen, also so viel wie möglich an Bildern machen, sozusagen ein Abscannen anstatt zu fotografieren.
    Nein, es kommt nicht auf die Masse der Bilder an, sondern auf gute Bilder. Wer meint, nur über die Masse zu guten Bildern zu kommen, sollte die Kamera beerdigen.

    Auch sollte in der Kirche und auch ansonsten möglichst ohne Blitz gearbeitet werden, denn es stört.
    Vorher die Lichtverhältnisse klären und sich darauf einstellen.
    Auch mal die Kamera und nur ein Normalobjektiv konsequent einsetzen, anstatt mit diversen Brennweiten zu hantieren.

    Eine Handvoll guter Einwegkameras mitnehmen und auf den Tischen verteilen.
    Wer einen guten Draht zu Kindern hat, sie mit der Kamera „spielen“ lassen, so bekommt man garantiert einen Zugang zu den Erwachsenen.
    Vor der Präsentation gnadenlos die Bilder aussortieren und nicht glauben, man könne langweilige Aufnahmen durch Bearbeiten noch retten.
    Wenn man noch nie eine Hochzeit fotografiert hat, nie als einziger Fotograf zu sagen, die Ansprüche sind hoch. Und ein Wiederholen gibt es nicht. Lieber zugeben, dass man keine Erfahrung hat und ausser Konkurenz fotografieren.

  16. Hi, bin sehr begeistert von vilen Kommentaren. Herrlich direkt und unverblühmt. Mein Tipp: Schau ruhig einmal auf die Bilder in einer „ruhigen Minute“. Gerne auch wenn du kannst mit dem Computer, vor allem wenn du morgens ein Shooting hattest und dann Pause ist, da es vorkommt, das etwas mit deiner Kamera oder Objektiv nicht stimmt (Schmutzfleck auf Linse). Oder, wie mir passiert ein Grasshalm den ich übersah und einige meiner besten Shots ruinierte (Photoshop kann – muss aber nicht helfen).

  17. Vielen Dank für diesen Artikel und die Kommentare!!

    Ich habe bereits mehrere Hochzeiten fotografiert aber weder mein Anspruch noch meine Ausrüstung entsprechen der eines Profis. Ebenso wie meine Preise…ich kann verstehen wenn gelernte Hochzeitsfotografen die teilweise tausende Euro bekommen gerne unter sich bleiben. Nach Aufweichen der Berufsbeschränkung ist es für „Gelernte“ nicht mehr leicht davon zu leben…Es ist aber wie in jeder anderen Branche: Qualität setzt sich durch. Und ich kann nur sagen: Meine ISO Werte stimmen nicht immer, meine Bilder sind nicht die eines Profi Fotografen, aber wie der Artikel so schön erwähnt: Manchmal ist es das Denken in Einschränkungen, was die guten Fotos verhindert.
    Das Brautpaar sollte das Vermögen des Fotografen einschätzen können und genug Bilder gesehen haben. Dann verspricht man nichts was man nicht halten kann…Gewissen Sicherheit in Belichtung (vor allem in der Kirche) sollte da sein, aber das kann man ja ein paar Wochen vorher üben…
    ZumThema Equipment: Zweitkamera als alleiniger Fotograf tut Not, kann man ja aber dem Brautpaar sagen und die Kosten für’s Mieten weiterreichen.