Kwerfeldein
16. Januar 2009 Lesezeit: ~ 5 Minuten

Die Verwendung von GND Filtern Teil 1

Dies ist ein Gastartikel von Sven Seebeck. Er arbeitet als Jazz-Musiker in Oulu/Finland und fotografiert, wann immer der Zeitplan es zulässt, die Landschaft um ihn herum. Seine Arbeiten können auf From 10 to 300mm besichtigt werden.

Auf meinem Blog habe ich des öfteren Fragen bezüglich der Verwendung von GND oder Verlaufsfiltern erhalten. Das brachte mich auf die Idee einen kleinen Artikel über sie zu schreiben. In dem ersten Teil werde ich die Filter beschreiben, was sie sind und warum ich sie fast immer benutze.

Warum verwende ich GND Filter?

Obwohl ich mich noch nicht allzulange ernsthaft mit Landschafts-Fotografie beschäftige, stieß ich doch relativ schnell an die Grenzen dessen, was mit einer Kamera einzufangen möglich ist. Schnell waren Himmel über- oder Vordergründe unterbelichtet oder das Foto war generell blah. Das war schon etwas frustrierend, und meine Ergebnisse oft nicht mal in der Nähe von dem was ich in dem Augenblick sah, weil einfach der Kamera-Sensor nicht den ganzen dynamischen Umfang der Szene einzufangen vermochte.

Ich lernte dann über HDR und ähnliche Techniken und experimentierte damit für eine Weile und obwohl diese Methoden eine größere Flexibilität als die Verwendung von Filtern erlauben, war dies nicht so richtig was für mich. Das Endresultat ist nicht an Ort und Stelle vorhersehbar und ich wollte lieber alles, oder zumindest soviel wie möglich in der Kamera schon richtig machen.

Da fast alle meiner Lieblingsfotografen Filter, speziell Graduated Neutral Density Filter, oder Verlaufsfilter benutzen, wollte ich sie auch mal probieren und mir bestellen.

Leider klingt das zunächst einfacher als es ist. Diese Filter liegen nicht einfach mal so in den Fotogeschäften rum und man kann sie sich nicht mal angucken und/oder ausprobieren. Das macht es nicht gerade einfacher sich zu entscheiden, was man denn eigentlich will, braucht, oder besser, was man bekommt wenn man sie sich bestellt. Es gibt Filterhalter, Adapterringe, die Filter und davon auch gleich ‘ne ganze Menge. Ich fand schon eine Menge Informationen im Netz, aber keine war so richtig das wonach ich gesucht habe. Weil ich dachte das es anderen wahrscheinlich ähnlich geht, dachte ich fasse das alles in einem, oder besser zwei Artikeln, zusammen.

Klingt ja alles ganz dufte, aber wie sehen die nun aus und was machen die?

Bei diesen Filtern handelt es sich um sogenannte Einsteckfilter. Sie sind 10x15cm groß und bestehen aus einem plastikartigen Material, genannt Resin.

Auf diesen Bildern seht ihr 3 Stop GND-Filter Hard und Soft von der Firma Lee. Wie man schön sehen kann ist die obere Hälfte des Filters dunkler als die untere, um genau zu sein, besteht in diesem ein Unterschied von 3 Stops. Diese Filter gibt es in zwei Variationen, in einem “harten” (hard) und einer weichen (soft) Verlauf. Der Unterschied ist der, das bei einem weichen Verlauf der Übergang von den drei Stops länger/grösser ist.

Die Aufgabe dieser Filter ist es einen Teil des Motivs abzudunkeln, in diesem Fall 3 Stops. Für gewöhnlich wäre dies der Himmel, kann aber auch z.B. im Winter der Schnee im Vordergrund sein.

Die Farbe in diesen Filtern ist neutrales Grau, welches auf den Fotos nicht zu sehen ist und auch keine Verfärbungen erzeugt. Es gibt auch reine Grau-Filter von anderen Firmen, hier habe ich aber gehört das diese eine Farbverzerrung erzeugen können. Da ich diese aber nicht selber besitze, kann ich dies nicht belegen.

Diese Filter gibt es in Stärken beginnend von 1 Stop bis 3 Stops, auf Anfrage geht es bis 4 Stops. Benötigt man dennoch einen größeren Umfang kann man zwei Filter kombinieren, zum Beispiel einen 3 Stop und einen 2 Stop Filter. Verwirrenderweise sind die Bezeichnungen bei verschiedenen Firmen unterschiedlich, bei Lee bedeuted 0.3 gleich 1 Stop und 0.6 entspricht 2 und 0.9 entspricht 3 Stops.

Was man noch alles braucht:

Die Filter müssen natürlich irgendwie an den Objektiv befestigt werden will man sie nich einfach vor die Kamera halten.
Zum Befestigen der Filter, benötigt man einen Filterhalter und einen Adapterring.

Zunächst wird der Adapterring wie jeder andere Filter auch an das Objektiv geschraubt.

Die Adapterringe gibt es in zwei Ausführungen, eine für “normale” Brennweiten und eine für Weitwinkel Objektive. Die Weitwinkel-Version ist etwas flacher und aus Metall um Vignettierung zu vermeiden.

Auf diesen Adapterring wird dann der eigentliche Einsteck-Filterhalter aufgeklemmt.

Diesen Filterhalter gibt es in verschiedenen Ausführungen, wobei der Unterschied lediglich darin besteht, wieviele Filter eingesteckt werden können. Das Starter oder “Foundation-Kit” hat zwei Einschübe und kann mittels des “Expansion-Kits” auf vier oder mehr Einschübe erweitert werden. Auch ein Zirkular Polariser kann mittels eines sepeziellen Adapters angebracht werden.

Zum Abschluss wird dann natürlich noch der Filter eingeschoben.

Für mich besteht der Vorteil eines solchen Systems darin, daß man leicht verschiedene Objektive verwenden kann, und sich ggfs. nur einen passenden Adapterring für sein Objektiv besorgen muss.

In dem nächsten Post werde ich anhand einiger Beispiele zeigen wie die Filter verwendet werden.

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15 Kommentare

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  1. Servus Sven, Danke für Deinen informativen Bericht. Ich bin mir nicht im klaren, welche Lösung – die von Dir gewählte: Filter + Halterung – oder nachbearbeiten mit Software effizienter ist.

    Ich habe bei der Filtermethode die Angst, dass der Filter mit der Zeit zerkratzt und die Fotoqualität durch den Filter etwas leidet (Lichtbrechung).

    Wie ist den Deine Erfahrung dazu?
    LG Alexander

  2. Sehr interessantes Thema. Vielen Dank. Was mich in diesem Zusammenhang besonders interessiert: Leidet die Bildqualität sichtbar, wenn ich vor eine recht hochwertige Linse eine Plastikscheibe schnalle? Oder ist das vernachlässigbar?
    Diese Überlegung hat mich bisher von der Anschaffung eines GND-Filtersystems abgehalten. Vor allem, weil es das eher preiswerte Cokin-System werden würde, was qualitativ – nach allem was man so hört – noch deutlich hinter das Lee-System zurückfällt.

  3. Freut mich zu hören das Euch mein Artikel gefällt. Hab’ schon seit Ewigkeiten nichts mehr auf Deutsch geschrieben.
    Zu Euren Fragen:
    @Alexander: Welche Methode hier effizienter lässt sich schwer sagen, und ist letztenendes Geschmackssache und ist vom Motiv abhängig. Das Zusammenführen verschiedener Belichtungen, würde ich in Szenen wählen wo der hellste Punkt mehr in der Mitte des Bildes ist, wie z.B. wenn man aus einem Tunnel heraus fotografiert, weil man hier mit Filtern nicht sehr weit kommen würde.
    Für die Fotos die ich mache, sind die Filter ideal. Die Nachbearbeitung geht relativ schnell, da schon fast alles in der Kamera hingehauen hat. Normalerweise dauert es länger die ganzen Staubflecken von meinem verdreckten Sensor zu entfernen.
    Mit den Filtern, bin ich genauso vorsichtig, wie mit dem rest meines Equipments, und mache mir nicht sonderlich Sorgen das sie zerkratzen. Kann natürlich passieren, muss aber nicht.
    Die Lee Filter sind von sehr hoher Qualität, und erzeugen keinerlei Farbverzerrungen etc. und werden von den Namhaftesten Landschaftsfotografen verwendet. Auch wenn sie teurer als andere Produkte sind, macht sich Qualität letzen endes immer bezahlt.

    @Chris: Danke für den Hinweis, ist mir selber so nicht aufgefallen. Ich spreche seit Jahren nur noch Englisch oder ein wenig Finnisch, und meine ganze fotografische Entwicklung hat in Englisch stattgefunden. Ich hab’ nichtmal die Handbücher der Kameras auf Deutsch und hab’ deshalb auch keine Ahnung wie die Dinger auf Deutsch heissen.

  4. Blogartikel dazu: Im Blickwinkel: Ein melancholischer Morgen, Verlaufsfilter und ein Screencast » von Besim Mazhiqi » photoappar.at

  5. Blogartikel dazu: The guest-blogging-me « Too Much Lattè

  6. Sehr interessanter Artikel.
    Ich würde keine billigen Filter mehr kaufen, vor allem nicht die aus China. Hatte selber mal einen zu einem Cokinfiltersystem dazu bekommen und der war echt bescheiden.
    Cokin an sich ist ein preisgünstiger Einstieg um den Umgang mit Filtern zu erlernen. Nutzt man diese sehr oft kommt man früher oder später nicht drumrum sich hochwertigere zu kaufen. Warum? Da wäre zum Beispiel die Farbverschiebung beim kombinieren mehrerer Filter.
    Als Alternative zwischen Cokin und Lee kann ich aus eigener Erfahrung die Filter der Firma Formatt Hitech empfehlen.