kwerfeldein
07. Januar 2009 Lesezeit: ~4 Minuten

Brotkrümel & krumme Nasen oder: Fotografieren im Alltag

*** by kwadratGestern habe ich ja gesagt: Die Kamera immer dabei haben find ich gut. Ist auch so. Übrigens danke für die zahlreichen Kommentare und Wortmeldungen. Echt cool zu lesen, wie ihr das seht.* In den letzten Tagen habe ich mal wieder öfter die Kamera mitgenommen, wenn Elena und ich unterwegs zu Freunden waren. Auch bei uns zuhause hab ich mal hier mal da ein paar Fotos gemacht. Das hat mir einfach Spass gemacht und dabei sind mir ein paar Gedanken gekommen, welche ich nun mit Dir teilen möchte.

(Info) Ich hätte auch einen Artikel schreiben können „199 Gründe, warum Du Deine Kamera immer dabei haben solltest“ – aber ehrlich gesagt ist mir das zu flach. Ich möchte nicht aus allem, was ich fototechnisch erlebe so ne Riesenblase machen. Deshalb teile ich nun mit Euch ein paar Gedankenkrümel, welche mir beim Fotografieren so gekommen sind.

# Fotografieren im Alltag, das mag ich einfach. Da wo ich gerade stehe die Kamera ziehen und abdrücken, das ist irgendwie cool. Entspannt Situationen, so wie sind einfangen. Freunde ab und zu fotografieren, ohne sie dabei zu stressen. Teetassen und Winterstiefel, Augen und Bücher, Grimassen und die Strassenbahn, alles darf fotografiert werden. Das hat einfach was.

*** by kwadrat# Bei geplanten Shootings (sei es nun in der Natur oder mit Menschen) bin ich immer hochkonzentriert. Da muss alles stimmen. Lange Vorbereitungszeit und dann volle Kraft vorraus. Da tut es mir richtig gut, einfach mal die Kamera dabei zu haben und abzudrücken. Ohne Vorbereitung. Ohne Deadline. Und ohne Druck.

# Ich nehme meine Ersatzkamera für die Alltagssachen. Die tu ich in meine schwarze Umhängetasche, welche innen sauber und relativ gut gepolstert ist. Ausser dem Geldbeutel, Handy und Schlüssel ist da eh nix drin, und die Sachen sind in anderen Fächern. Ist halt einfach. Reissverschluss auf, Kamera raus, abdrücken.

# Ich liebe es, so eine Art Foto-Tagebuch zu haben, welches quasi nebenher entsteht. Es macht einfach Spass, Bilder von vor einem Jahr anzuschaun und dabei den ganzen Allesmussperfektsitzen-Krimskrams-IdealesFoto zu vergessen bzw. drauf zu sch*****, ob das Bild etwas zu dunkel oder komisch komponiert ist. Einfach Bilder vom Du und ich. So wie wir sind. Mit Pickeln. Und krummer Nase. Und Brotkrümeln aufm Tisch.

# Für die Alltagsfotos habe ich mir vor Jahren einen extra flickr-Account zugelegt, damit ich das Alltagszeug separat hochladen und zeigen kann. Somit kann alles rein und vermischt sich nicht mit meinem Landschaftszeugs. Wenn aber ein richtig gutes dabei ist, dann kann ich es ja immer noch auf beiden Accounts hochladen.

# Wenn ich die Kamera dabei habe, fotografiere ich meistens auch. Ist mir bisher noch nie passiert, dass ich wo unterwegs war und ohne Foto nach Hause kam. Allein das ist schon echt geil.

*** by kwadrat# Als ideal hat sich meine 50mm Festbrennweite herausgestellt. Mit der kann ich einfach nix falsch machen. Sie ist klein, war günstig, einigermassen scharf und lichtstark. Genau das, was ich für den Alltag brauche. Denn gerade, wenn ich Abends mal bei Leuten zu Besuch bin, bin ich eh schon auf ISO 1600. Da will ich wenigstens noch einigermassen helle Fotos haben.

# Meine Freunde und Familie freuen sich (meistens) über die Fotos, die ich von ihnen gemacht habe. Dabei weiss ich meistens, dass die Leute, die ich fotografiert habe, nix dagegen haben, auf meinem Kwadrat-Stream zu landen. Falls doch, nehme ich das jeweilige Bild natürlich sofort wieder raus.

*Achso und: Damit wollte ich nicht sagen, dass jeder nun immer die Kamera dabei haben muss und alles andere doof ist. Ich wollte damit auch keinen Druck machen oder so. Das ist kein neuer Trend – jeder fotografiert, wie er mag. Wem das zu stressig, die Kamera zu gross oder schwer ist – hey kein Problem.

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30 Kommentare

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  1. Kann ich nur zustimmen! Persoenlich nehme ich meine Kamera auch immer oefter einfach mal mit. a la „Mal gucken, vielleicht ergibt sich ja was cooles“. Mir ging es naemlich schon zu oft so, dass ich ein tolles Motiv entdeckt habe und leider keine Kamera zur Hand hatte. Sehr aergerlich! Mit meiner Handykamera kann ich mich irgendwie nicht anfreunden. Zuecke sie zwar immer oefters, aber trotzdem nicht ganz mein Fall.

    Draufhalten und ab gehts. Muss ja nicht immer alles perfekt sein, wa? ;)

  2. yeah, gutes statement! ich finde das besonders der entspannte umgang mit der kamera wichtig ist und es einfach nicht in stress ausarten darf. für mich das größte: die kamera dabei haben, nach hause kommen ohne fotos und trotzdem das gefühl haben, dass es gut so ist.

  3. hi martin,
    ich finde auch, dass gerade fotos aus alltagssituationen oft nen hohen persönlichen wert haben. da können die auch verwackelt, überbelichtet oder sonst was sein. rein die erinnerung an den moment, wenn man sich später wieder das foto anschaut ist da für mich wichtig.
    auch wenn ich abends mit freunden weggeh oder man bei jmd geburtstag feiert is zumindest meine kompakte dabei. und danach ein paar fotos und evtl. kleine clips zu nem kurzen video mit bisschen musik zusammenzustellen is immer wieder ne schöne sache.

  4. Ich hab mir das auch schon öfters überlegt einen zweiten flickr Account einzurichten. Weil die „Privat Fotos“ gammeln meist nur auf dem eigenen rechner rum. Und dafür sind die eigentlich viel zu schade.

  5. Hallo Herr Kwerfeldein,
    das ist wirklich ein sehr schöner Artikel. Ich bin im Moment an allerlei interessanten Plätzen unterwegs und ärgere mich sehr oft, dass ich meine Kamera nicht dabei habe. Gerne würde ich das auch praktizieren, wie du es oben beschreibst. Aber ich bin mir sehr unsicher, wie es wirkt, wenn ich im Berufsalltag unterwegs bin und dann vor den Kollegen meine Kamera zücke und 1-2 Fotos zu machen. Vielleicht ist das aber auch nur unnötige Unsicherheit und eigentlich würde es niemanden stören. Hat jemand damit schon Erfahrungen gemacht?
    Ein 2. interessanter Punkt ist der 2. Flickr-Account. Nachdem du vor einigen Wochen meinen Fotostream auf Flickr näher unter die Lupe genommen hattest, hab ich natürlich auch über deine Anmerkungen nachgedacht und auch den Schluss daraus gezogen und mir einen 2. Account zugelegt. Ich finde das ist eine tolle Lösung und auch diese Fotos kann ich ja ohne Probleme in meinen Blog einbauen.
    Vielen Dank für deine oftmals erleuchtenden Beiträge!

  6. @jana
    „für mich das größte: die kamera dabei haben, nach hause kommen ohne fotos und trotzdem das gefühl haben, dass es gut so ist.“
    Du Glückliche! Ich wünschte es wäre bei mir genauso! Aber ich befinde mich wohl noch in der Lernphase und mit etwas Geduld werde ich auch bald so weit sein, hoffentlich ;)
    Ich führe meine Kamera nur sehr selten und gezielt bei mir, sie einfach so die ganze Zeit bei mir zu haben, wäre zumindest Werktags absolut überflüssig und auf unserem Betriebsgelände sogar verboten. Was mich dabei allerdings tierisch nervt, ist, dass ich dadurch schon die schönsten Motive auf meiner Heimreise ohne ein Foto an mir vorbeiziehen lassen mußte :(

  7. Hab grad die Funktion „Guest Pass“ auf Flickr entdeckt, damit kann man ja ziemlich einfach private Sets und Fotos Freunden zeigen, ohne nen zweiten öffentlichten Account.

    Die Kamera jeden Tag mit in die Schule nehmen will ich jetzt zwar nicht direkt, aber ich denke ich werd immer mal wieder ein paar „schlechte“ Fotos mehr hochladen und in ein Set packen.

    Wer will, ja sich ja mal hier umsehen.

  8. Hm, Datenschutz ist auch Sache jedes einzelnen, sagt Hr. Papier.
    Seit ich im Flüchtlingsbereich ehrenamtlich tätig war und die Einrichutng für die ich gearbeitet habe über ein Jahr von rechten Kameraden beobachtet wurde (was ich aus dem Fernsehen erfahren habe und ziemlich erschrocken bin) bin ich um jedes Foto von mir, das nicht im Netz rumgeistert, echt froh!
    Denn löschen lassen sich diese Spuren nie wieder, und wer weiss wann es Zeit wird im Untergrund zu leben…
    Im Ernst, diesen beinahe fahrlässigen Umgang mit dem Recht am eigenen Bild anderer finde ich bedenklich, umso mehr als er im privaten Umfeld, mithin also in einer Schutzzone und komplett unreflektiert erfolgt.
    Sorry für die Einwände aber ich weiss wovon ich rede, in meinem ehemlaigen Umfeld sind Leute sowohl von Nazis wie vom Staatsschutz überwacht worden und das macht keinen Spass. Und wir reden hier von völlig legalen, demokratietauglichen Geschichten (Demos, Flugis etc.)

  9. Ich stimme Michael vollkommen zu und finde es beispielsweise erschreckend, wieviele Menschen jeden Pups ihres Nachwuchses in Blogs, auf Flickr und anderswo dokumentieren. Privatfotos hochladen… Nun ja, die Versuchung ist groß, weil es so einfach und schnell geht.

    Aber gibt man der Versuchung nach, führt das dazu, dass Schäuble und Co. mit dem Finger auf Partyfoto-Communities und ähnliche Webphänomene zeigen und der Meinung sind, „Wenn die Leute sowieso keine Privatsphäre wollen, warum sollen wir uns dann nicht auch auf deren Festplatten umschauen dürfen?“

    (Manche ‚Rechtsexperten‘ betrachten ans Internet angeschlossene Rechner sogar als Teil des öffentlichen Raumes.)

  10. Das würd mich jetzt auch mal interessieren, Martin – holst Du Dir vorab immer die Genehmigung Deiner Bekannten, wenn Du ein Foto veröffentlichst, oder haben die schon verinnerlicht: Martin = Fotos = wird vielleicht ins Netz gestellt?

  11. Die Kamera immer dabei haben find ich… langweilig
    Na ja, Alltag ist immer irgendwie langweilig :)
    Besonders, wenn man eine neue Kamera erworben (bekommen oder wie auch immer…) hat, verspürt man den Wunsch alles irgendwie zu Fotografieren; tolle Stimmungen in Bild zu fassen, großartige Momente festzuhalten u.s.w. Eine tolle Winterlandschaft – knips, Wartende auf der Bushaltestelle – knips, spielende Kinder – knips… Nach zwei Tage (Wochen, Monate, je nach Ausdauer) hat man dieses Spiel satt und die Kamera bleibt zu Hause. Irgendwie hat das Ganze mit dem „Jäger und Sammler“ Mentalität zu tun – gar nichts verpassen, alles mitnehmen…
    Nein, das ist nicht meine Art zu fotografieren. Lieber gezielt 2 Stunden sich eine Thema widmen – das bringt mich persönlich viel mehr als ziellos um sich fotografieren. Und wenn ich vor habe z.B. „meine Umgebung“ oder „meinen Alltag“ zu dokumentieren, dann habe ich (eine Zeit lang) meine Kamera immer dabei.
    Auch wenn ich in Urlaub bin oder mit meine Familie spazieren gehe habe ich meine Kamera dabei. Die Bilder, die ich dann mache sind eine andere Art. Da hast Du recht – bei diesen Fotos muss nicht alles stimmen. Das sind dann Erinnerungsfotos – nicht mehr und nicht weniger.
    Gute Bilder entstehen im Kopf und mein Kopf ist meistens nicht 100% frei. Deswegen nehme ich mir Zeit um zu fotografieren und nicht so einfach neben bei.
    Hiermit möchte ich aber auch nicht bestreiten, dass es auch Leute gibt die die Kamera immer dabei haben und gute Bilder machen. Beispiele gibt es in der Geschichte der Fotografie genug, ich nenne hier nur einer meinen Lieblingsfotografen – Gary Winogrand.
    Du hast Recht, Martin – jeder fotografiert, wie er mag

  12. Ganz genau so isses! Die Kamera muss immer dabei sein – und wenns nur ne kleine compact-knipse ist. Denn was uns heute noch als normaler Alltag und ganz banal, langweilig und unwichtig erscheint, ist in 10 Jahren (oder mehr) was besonderes, denn man vergisst erheblich mehr als man denkt! Dabei gehts nicht um fotografische Perfektion, sondern mehr um Dokumentation. Auch wenns schon mal schief und ein bischen verwackelt ist. Was zählt ist die eingefangene Stimmung des Augenblicks. Die Welt oder das Umfeld in dem man lebt ändern sich permanent. Wenn man ein altes Foto sieht erinnert man sich an Szenen, die zwar irgendwo in Hirn vergraben waren, aber ohne dieses Foto sicher nie wieder den Weg ins Bewusstsein gefunden hätten. Und dank der Digitalisierung kann man kostenlos so viele Fotos machen wie man will. Wir sollten uns bewusst machen, wie priviligiert wir gegenüber 99.999% aller Menschen sind die jemals gelebt haben, und zwar in der Hinsicht, das wir unser Leben in Bildern festhalten können und auch in hohem Alter (wenn man Backups macht, bischen technisch Ahnung hat und wenn nötig konvertiert…haha! ) eine schöne Retrospektive halten können was damals war.

  13. Jau, da hast Du wieder mal was Wahres geschrieben. Was mich im Moment stört ist meine derzeitige Fotounlust. Es will sich keine so rechte Idee einstellen. Vielleicht sollte ich dann doch mal die Kamera einfach mitnehmen und irgendwas ablichten. Einfach mal schauen, was dabei rauskommt.
    Eine Frage ausserhalb des Beitrags: ist es bei flickr.de zwingend notwendig, einen (Mail-) Account bei Yahoo einzurichten? Ich bin bisher von solchen Communities nicht sonderlich begeistert und das wäre dann auch ein Killerkriterium für mich.

  14. Da möchteich ein Veto zu einrichten. Vielleicht haben sich die Leute in deinem Umfeld schon darauf eingestellt, aber meistens verbreitet der „Typ mit der Kamera“ ja doch eher einen großen Nervfaktor – besonders bei einer digitalen Spiegelreflex kann man sich ja kaum unauffällig verhalten. Die Soundkulisse erinnert halt jeden an ein Model- oder Presseshooting.

    Ich habe mir auch angewöhnt, geradezu geselligen Zusammenkünften die Kamera entweder nur „stoßweise“ zu nutzen oder komplett zu Hause zu lassen. Denn meine Theorie lautet, man kann ein Ereignis nicht gleichzeitig erleben und festhalten. Man wird mental unweigerlich vom Teil des Geschehens zum Beobachter.

    Zur Sicherheit eine Knipse in der Tasche zu haben, finde ich allerdings eine gute Sache. Gerade beim aktuellen Schneeeinbruch habe ich so manche schöne Motiv verpasst. Eine DSLR wäre mir dazu aber wirklich zu wuchtig. Eine Canon Powershot ist von der Qualität auch nicht zu verachten und passt in eine große Hosentasche oder Jackentasche wirklich noch hinein.

  15. @Michael: Ja, ich gebe Dir in diesem Punkt recht, dass ein Dauerfeuer Leuten irgendwann auf die Nerven geht. Und ich denke, dass man da schon vorsichtig sein sollte, um sich die Leute nicht zu „vergraulen“. Wie ich schon geschrieben habe, geht es auch darum, sich selbst nicht zu stressen, sondern einfach ab und zu bissken zu fotografieren.Denke auch, dass das sehr auf die Gruppe von Leuten ankommt und ich gehe davon aus, dass die Leser dafür auch selbst ein Gefühl entwickeln werden (wenn sie es nicht schon haben)…

  16. Das 50mm von Canon ist in meinen Augen eine Eierlegende Wollmilchsau. Das hat mich so überzeugt, dass ich mir den nächst größeren Bruder mit f/1.4 Blende zugelegt habe.

    Mein Objektiv mit f/1.8 Blende und Gegelichtlblende sucht gerade einen neuen Besitzer.
    Wer sich noch ein verspätetes Weihnachsgeschenk machen will, nur zu. :-)

  17. Blogartikel dazu: pictureArtist » Lightroom

  18. Blogartikel dazu: Projekt 365 - Ein Foto pro Tag || PixelGalerie Weblog

  19. wohl wahr! allerdings ist meine bisher auch handlich genug für die handtasche. wenn es dann für eine gute reicht, wird diese wohl nicht mehr so oft mit mir gehen, denn dafür ist sie dann (leider) sicher zu schwer.
    ansonsten habe ich mich fast verschluckt beim lesen, was deine ersatzkamera ist. sowas hätt ich gern überhaupt als hauptcam :p
    aber ich hoffe das kommt bald!