kwerfeldein
02. Dezember 2008 Lesezeit: ~6 Minuten

Es ist gut, wieder daheim zu sein

Vor fast 2 Wochen packten Elena und ich die Sachen, um möglichst schnell in Krankenhaus zu fahren, da ich mal wieder starke Schmerzen in der Magengegend hatte. Nach einer Woche Aufenthalt und vielen Untersuchungen wurde mir dann am Donnerstag die Gallenblase herausoperiert.

Nun bin ich aus dem Krankenhaus entlassen worden. Ich sitze bequem eingemummelt auf unserer neuen Couch neben der „Dame des Herzens“ und geniesse unser Zuhause. Und : Ich freue mich unheimlich darüber, wieder bloggen und somit mit Dir, liebem Leser (und lieber Leserin) in Kontakt zu sein.

Im Krankenhaus habe ich viele Erfahrungen gemacht, welche ich in Form von kurzen Absätzen mit Dir teilen möchte. Wäre doch etwas holprig, heute einfach mit nem knallharten, sachlichen Foto-Artikel weiterzumachen, als ob nix gewesen wäre, oder ? Nee, das passt nicht zu mir und somit nicht zu kwerfeldein.de. Also dann mal los.

In den ersten 6 Tagen habe ich gar nichts gegessen und meine Energie direkt in die Vene bekommen. Die Ärzte wollten die Galle auf keinen Fall reizen und so war der einzige Geschmack in meinem Mund der von Fenchel- oder Pfefferminztee. Das hat dazu geführt, dass ich weitere 2,5 Kilogramm abgenommen habe. Was ja ganz meinem bisherigen Fahrplan entspricht und mir den letzten Kick zu meinem Zielgewicht von 86 Kilos gegeben hat. Rocknroll!

Wenn ich so drüber nachdenke, dann hat die Zeit im Krankenhaus unheimlich viele positive Seiten.
Ich wurde für 12 Tage aus meinem „normalen“ Leben genommen. All das, was so bekannt und gewöhnlich war wie Internet, Fotografieren, neben meiner Elena einschlafen und viele andere Sachen wurden mit einem Mal ausgeknipst. Was dadran gut ist ? Nun ich habe eben genau diese Sachen wieder ganz neu schätzen gelernt und mir wurde mit jedem Tag mehr bewusst, wie reich und beschenkt ich doch eigentlich bin.

Was ich überhaupt nicht erwartet hätte war, dass ich immer wieder Seiten an mir entdeckt hätte, die nicht so schön sind. Ein Beispiel ? Nach der Operation hatte ich eine Drainage am Bauch. Dies ist ein Schlauch, der bis dorthin führt, wo vorher die Galle war und der das restliche Blut nach draussen abführt und in einem kleinen Säckchen, welches an meinem Bauch hing sammelt. Nichts so schön, gelle. Naja. Ich hatte jedenfalls eine Riesenangst vor dem Moment, an dem der Schlauch gezogen werden würde. Als mir dann gesagt wurde : „So Herr Gommel, morgen kommmt die Drainage raus“, war es aus mit mir. Ich stellte mir immer wieder das Worst Case Szenario vor und konnte schon sehen, wie ich mich am nächsten Tag schreiend und blutend im Bett verkrümmt umherwälzte. Selbst als mir die Schwester und der Arzt versicherten, dass es überhaupt nicht weh tun würde, glaubte ich ihnen kein Wort und dachte, das sei eine Methode, um mich zu beruhigen. Ja und dann war es soweit. Der Arzt zog das Säckchen vom Bauch ab – kein Problem. Dann löste er die Fäden, mit der die Drainage festgemacht war – auch kein Problem. Und dann zog er den Schlauch heraus und ich hatte gar nichts, wirklicht überhaupt nichts davon gespürt. Ich sag nur : Drama Queen.

Da es im Krankenhaus kein Internet gab, habe ich auf meinem Macbook stundenlang Tetris gezockt. Ich sags Dir, jetzt bin ich unbesiegbar, harhar.

Ein sehr guter Freund von mir drückte mir letzte Woche ein Fotobuch in die Hand und das hat mich sprichwörtlich so was von geflashed, dass ich sehr bald darüber hier eine Rezension schreiben werde. Nein, der Titel wird nicht heute verraten, das wäre ja langweilig. Ich verrate nur eins : Landschaftsfotografie, wie ich sie bisher (fast) noch nie gesehen habe.

Eine weitere Sache, die mir wirklich gutgetan hat war zu wissen, dass die Welt sich auch ohne mich weiterdreht. Dank Steffen & Hannes musste ich mich nicht eine einzige Sekunde um
das Blog sorgen und konnte in aller Ruhe die Aufgabe „kwerfeldein.de“
abgeben. Es gibt nichts Besseres als ein Team, auf das man zählen kann. Auch das ist
nicht selbstverständlich.

Nach über 10 Jahren Abstinenz habe ich mir mal wieder einen Metal Hammer gegönnt (eine Zeitschrift über Heavy Metal Bands). Früher war der ja was von im Abo, dat kann ich Dir sagen. Nun, ich habe mich teilweise über die Fratzen amüsiert und hier und da ein paar schicke Artikel gefunden (wie zum Beispiel über Guns ‚N Roses Album, dessen Titel seit 2001 feststeht und welches an meinem Geburtstag erschien). Teilweise finde ich den angesagten Schreibstil ala „Bier, Moschen und drauf auffe 12“ ja eher peinlich, aber das ist wohl ein Klischee, dem auch der Metal Hammer treu bleiben muss.

Ich gestehe : Kein einziges Wort über Fotografie ist in mein kleines Hirnchen gekommen während dieser Zeit. Ich hatte zwar jede Menge Bücher und mir es ganz fest vorgenommen aber letztendlich hatte ich einfach keinen Nerv dafür. Aber auch das hat mir mal gut getan.

So, ich könnte nun noch weiter ausholen und Dir Geschichten über Geschichten erzählen, aber ich möchte Deine wertvolle Zeit nicht unnötig vollballern. Vielen Dank, dass Du bis hierher gelesen hast. Ich freue mich auf die nächsten Wochen – und bald werd ich ja Pahaaaapa ! Hachja, es ist gut, wieder daheim zu sein.

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