kwerfeldein
22. November 2008 Lesezeit: ~5 Minuten

Eine Kamera unter 10 €

Hannes Trapp

Dies ist ein Gastartikel von Hannes Trapp. Wer mag, kann gerne auf seiner Seite potograf.de vorbeischauen.

Digitale Fotografie lernen – so lautet das eindeutige Motto dieser Seite. Deswegen habe ich etwas gezögert, ob ich dieses Motto mit einem Gastbeitrag brechen kann. Denn es schließt die klassische Fotografie, die nichts mit Digital zu tun hat, per se aus. Allerdings sollte man, um von einer Seite reden zu können, auch die „andere Seite“ kennen. Deswegen schreibe ich diesen Artikel trotzdem. Glücklicherweise ist alte, analoge Technik in diesem digitalen Zeitalter für einen Apfel und ein Ei zu haben, so dass jeder die Möglichkeit hat, sich selbst für schmales Geld mit dem Thema auseinandersetzen kann.

Viele Leser werden bis vor ein paar Jahren analog Fotografiert haben, so dass für sie möglicherweise nichts neues in diesem Artikel steht. Um vielleicht auch diese Leute anzusprechen werde ich dafür einen Schritt weiter nach hinten gehen. Die Kameras der 60er und 70er Jahre machen in meinen Augen ohnehin mehr Spaß als die der 90er.

Was darfs sein?

Um die analoge Fotografie einfach auszuprobieren, muss erstmal eine Kamera her. Aber was für eine? Die Wahl der Klasse ist relativ einfach. Die Kameraklassen haben sich in den letzten 50 Jahren kaum verändert. Damals kamen die ersten Kameras mit Automatik auf den Markt, die jedem dass Fotografieren ohne Fachwissen ermöglichen sollten. Zuvor gab es zwar schon kompakte Kameras, zunächst meist als Klappkameras mit Faltenbalg, später dann mit festem Objektiv, aber da musste man sich noch mit den Grundregeln der Fotografie auseinandersetzen. 1959 brachte Agfa die Optima heraus, die erste Kamera mit Automatik. Seitdem hat sich wie gesagt vom Prinzip her nichts mehr verändert, die erste Kaufentscheidung ist genau wie bei der Digitalen zu treffen. Soll es eine Kompakte mit überwiegend automatischer Belichtung sein? Oder lieber ein semi- oder professionelles Modell, was über bessere Optiken verfügt aber in der Regel deutlich größer und schwerer ist und erst mit manueller Steuerung wirklich ausgenutzt wird?

Das Filmformat

Was heute die Sensorgröße ist, war damals das Filmformat. Hier möchte ich zwei Formate erwähnen; das eine ist das Mittelformat, das andere das Kleinbildformat. Mittelformat ist eher für den professionellen Einsatz geeignet. Auch sind Mittelformatkameras in der Regel deutlich teurer und schwerer zu Handhaben als Kleinbildkameras. Nicht teuer, aber dafür besonders heikel im Umgang ist hier die Holga als große Ausnahme der Mittelformatkameras zu nennen.

Das Kleinbild ist für den Einsteiger die erste Wahl. Kleinbildfilme sind überall erhältlich (in jeder Drogerie, in jedem Supermarkt und in vielen Kiosken) und sind im Vergleich zu Mittelformatfilmen sehr unempfindlich gegen Licht und Hitze, da sie im Gegensatz zu diesen über ein Metallgehäuse verfügen. Nach der Belichtung wird der Film wieder in dieses Gehäuse zurückgerollt, so das der Film einfach zur Entwicklung gebracht werden kann. Kleinbildfilme können außerdem nahezu überall entwickelt werden, die meisten Drogerien und Supermärkte bieten die Entwicklung kostengünstig an, in vielen Fotoläden gibt es sogar 1-Stunden-Entwicklungen, so dass man die entwickelten Filme nach einem Einkaufsbummel gleich wieder abholen kann.

Wie war das mit den 10€?

Eine Kamera aus den 60er oder 70er Jahren für unter 10€ zu bekommen ist sehr einfach. Ich habe z.B. vor einigen Monaten im Internet „eine Kiste Kameraschrott“ für 2€ zzgl. Versand ersteigert. Darin waren 3 Kameras, Drahtauslöser, 5 Blitze, Objektive und noch mehr. Einiges darin war wirklich Schrott, anderes funktionierte sofort und wird heute fleißig von mir durch Städte getragen. Ein Schmuckstück aus dieser Kiste war beispielsweise die Agfa Optima 500 Sensor, von der dieses Bild stammt.

1969 Chevy Malibu

Eine weitere gute Quelle für alte Kameras für wenig Geld sind Flohmärkte. Hier muss man zwar hin und wieder handeln oder auch mal akzeptieren dass es zu teuer ist und „nein“ sagen, aber auch Schnäppchen sind hier zu machen. Mit 27€ zwar kein Schnäppchen, aber dafür irgendwie zum lieb haben habe ich mir auf einem Flohmarkt in Amsterdam mal eine Praktica L „gebastelt“. Die Geschichte dazu steht in meinem Blog. Fotos von dieser Kamera finden sich in dieser Suche.

Welches Modell?

Eine spezielle Kamera werde ich hier nicht empfehlen, denn man ist hier auf das, was man „findet“ angewiesen, und was in einem funktionsfähigen Zustand zu einem akzeptablen Preis zu haben ist. Weiterhin ist bei einer alten Kamera der persönliche Geschmack und – so albern das klingt – „der Charakter“ wichtig. Gefällt mir die Kamera? Mag ich sie anfassen und benutzen? Oder ist sie mir zu wider? Solche Dinge sieht man sofort wenn man die Kamera vor sich hat. Allerdings haben diese Kameras auch einen echten Charakter. Bilder von alten Kameras haben oft „Fehler“, die dem Bild einen Charakter verleihen, den wir heute als „rauschen“ und „Aberration“ bezeichnen würden, und den man entweder mag oder nicht. Hier muss man einfach ausprobieren und selbst entscheiden.

Aber Achtung: Wenn man damit ein mal angefangen hat, hört man so schnell nicht mehr damit auf…

Morgen: Fotografieren mit der Alten.

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