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01. November 2008 Lesezeit: ~3 Minuten

Der Lab-Farbraum für Fotografen

Dies ist ein Gastartikel von Andreas Levers. Er ist Mediengestalter und fotografiert in seiner Freizeit meistens Architektur und Stilleben. Seine Fotos und einige Video-Tutorials sind auf 96dpi.de zu
finden.

In der Praxis ist der Lab-Farbraum für viele Hobbyfotografen so unwichtig wie unbekannt. Dabei bietet er Vorteile, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Zuerst möchte ich dazu den Lab-Farbraum vereinfacht und kurz beschreiben.

Graue und bunte Theorie

Während sich die Farbe und Helligkeit eines Pixels in RGB aus den Bestandteilen Rot, Grün und Blau zusammensetzen, beschreibt man eine Farbe in Lab in Luminanz (=Helligkeit) und den Koordinaten auf den Farbachsen a und b. Dabei steht a für eine Achse zwischen den Komplementärfarben Rot und Grün und b für die Achse zwischen Blau und Gelb.  Der Farbraum kann jede wahrnehmbare Farbe erfassen, entspricht mehr als andere Modelle der menschlichen Wahrnehmung und ist geräteunabhängig. Eine sehr viel detaillierte Beschreibung gibt es bei der Wikipedia.

Wo ist der Nutzen in der Praxis?

Anders als bei RGB kann man die Farbigkeit unabhängig von der Helligkeit beeinflussen. Damit kann man z.B. farblich flaue Aufnahmen deutlich besser sättigen, als mit der Einstellung Farbton/Sättigung. Die folgenden Beispiele beziehen sich auf Photoshop.

Um in diesem Bild die Sättigung zu erhöhen kopiere ich zunächst den gesamten Bildinhalt in die Zwischenablage und füge diesen in ein neues Dokument ein. Den Farbmodus des neuen Bilds ändere ich im Menü Bild / Modus auf Lab-Farbe. Als nächstes erstelle ich eine Einstellungsebene vom Typ Gradationskurven. In dem Dialog wähle ich zunächst den Kanal a und verschiebe den linken unteren Punkt nach rechts und den oberen rechten Punkt nach links. Beide Punkte sollten in etwa gleich weit verschoben werden, z.B. um jeweils 20%. Um das zu erleichtern kann man in den Anzeigeoptionen das detaillierte Raster auswählen. Diesen Schritt wiederhole ich auch für den b-Kanal.

Nach dem Bestätigen der Auswahl mit OK wird nun das deutlich sattere Bild sichtbar. Die Stärke des Effekts kann ich nun auch über die Deckkraft der gerade eingestellten Ebene steuern. Durch eine asymmetrische Verschiebung des linken und rechten Punkts kann ich dem ganzen auch einen Farbstich verpassen. Hier ist experimentieren gefragt.

Wenn ich mit dem Ergebnis zufrieden bin, wähle ich den gesamten Bildinhalt aus und kopiere diesen mit dem Menübefehl Bearbeiten / Auf eine Ebene reduziert kopieren in die Zwischenablage. Danach wechsle
ich zum Ausgangsbild und füge den Inhalt als oberste Ebene ein.

Warum der lästige Umweg über ein neues Dokument?

Oft ändere ich die Farben erst als einen der letzten Schritte in meiner Bildbearbeitung. Zu diesem Zeitpunkt habe ich möglicherweise schon viele Ebenen mit Einstellungen, Retuschen und Effekten erstellt.
Wenn ich dieses Originaldokument nach Lab wandele, werden diese Ebenen auf den Hintergrund reduziert. Um alle Einstellungen zu behandeln gehe ich den Umweg über ein neues Dokument.

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