kwerfeldein
06. Oktober 2008 Lesezeit: ~4 Minuten

Die Belichtungsautomatiken verstehen

Die Belichtungsautomatiken verstehen

Belichtungsautomatiken sind eine sehr coole Sache. Sie können Dir – wie schon im Wortlaut erkennbar – dabei helfen, die bestmögliche Belichtung für Dein Objekt zu finden. „Belichtungsautomatiken! Ja, das habe ich schon einmal gehört! Oder .. Was war das noch einmal ?“ Wenn Du Dir diese Frage stellst, lade ich Dich ein, an dieser Stelle weiterzulesen. Ich werde versuchen, Dir so einfach wie möglich zu erklären, was es damit auf sich hat. Mal schaun, ob es mir gelingt ;)

Bevor ich Dich an dieser Stelle mit unnötigen Fremdwörten zuschwalle gibt es erst einmal 2 Videos. Nummer eins ist für Canon Fotografen, Nummer 2 für die Nikonleute. Wer es richtig drauf haben will : Beide anschaun.

Video 1 (Canon)


Video 2  (Nikon)

Da verschiedene Kamerahersteller teilweise unterschiedliche Bezeichnungen für die Belichtungsautomatiken haben, habe ich 2 Videos herausgesucht, um zumindest Canon und Nikon abzudecken. Ich hoffe, dass das für Fotografen, die mit anderen Herstellern fotografieren kein Problem darstellt (ggf. Bedienungsanleitung zur Hand nehmen).


Grundlage

Um das Ganze einwenig besser zu verstehen, folgendes :

Normalerweise musst Du bei Deiner Kamera beim fotografieren ISO, Belichtungszeit und Blende selbst einstellen, um ein Objekt richtig zu belichten (ein externe Belichtungsmesser ist dazu nötig).  Da das teilweise umständlich sein kann, gibt es bei den digitalen DSLRs Belichtungsautomatiken, die sich (wie eine Art Assistent) um die korrekte Einstellung von Blende & Belichtungszeit kümmert. Hierbei ist der Belichtungsmesser in der Kamera.

Du kannst jetzt entscheiden, welche Du nutzen möchtest und findest die Einstellungen auf einem Drehrad rechts oder links von Deinem Blitzschuh.


Jetzt geht’s los

Da jeder Kamerahersteller eigene Programme hat, konzentrieren wir uns auf die Wichtigsten, die die meisten Kameras haben und welche meistens mit einem Grossbuchstaben (P, M, usw.) bezeichnet werden. Diese werde ich Dir nun am Beispiel einer Canon EOS 350D vorstellen. In Klammern wird die Bezeichnung auf Nikon Kameras stehen.

M (M) :  Manuell
Die Belichtungsautomatiken verstehen
Dieses Programm stellt überhaupt nichts ein. Du musst Belichtungszeit und Blende selbst einstellen.

Av (A) : Blendenpriorität
Die Belichtungsautomatiken verstehen
Diese Automatik erlaubt Dir, die Blende fest einzustellen. Der Belichtungsmesser der Kamera stellt die Belichtungszeit ein.

Tv (S) : Belichtungspriorität
Die Belichtungsautomatiken verstehen
Hier stellst Du die Belichtungszeit fest ein und die Kamera kümmert sich um die Blende, was Auswirkung auf die Schärfentiefe haben wird. Tipp : Nicht bei Macroaufnahmen nutzen, da Du da meistens die volle Kontrolle über die Schärfentiefe haben möchtest.

P (P) : Vollautomatik
Die Belichtungsautomatiken verstehen
Die Kamera stellt Blende und Belichtungszeit ein. Dabei wird sie bei dunklen Lichtverhältnissen die grösste Blendenöffnung wählen, die möglich ist.

Meine Vorlieben
Ich selbst habe für mich bestimmte Bereiche festgelegt, in welchen ich auf die Programme zurückgreife. Bei Langzeitbelichtungen nutze ich immer „M“, da alle anderen Programme bei max. 30 Sekunden aufhören zu belichten. Für Portraits im Freien nutze ich gerne Av, im Studio wiederum bleibe ich bei „M“, da ich alles voll kontrollieren möchte. Um ganz ehrlich zu sein habe ich noch nie „Tv“ und „P“benutzt. Denn P steuert ja alles – und damit kann ich einfach nicht arbeiten.

Deine Vorlieben
Die verschiedenen Belichtungsautomatiken sollen Dir das Fotografieren erleichtern. Prinzipiell ist es egal, welche der genannten Funktion für Dich am Besten passt. Es gibt keine „besseren“ oder „schlechteren“ Belichtungsautomatiken. Wichtig ist, dass Du Dich erst einmal wohl fühlst. Um das herauszufinden, empfehle ich Dir, einfach mal mit den unterschiedlichen Automatiken herumzuspielen und dann fürs erste bei einer zu bleiben.

Weiter empfehle ich Dir, in verschiedenen Genren (Landschaftsfotografie, Portraitfotografie usw.) alle Programme durchzuchecken. Du wirst dann sehr schnell von alleine merken, welche Automatik zu welchem Genre am Besten passt. Schliesslich wirst Du so am Besten lernen mit den Belichtungsautomatiken umzugehen.

Für die Fortgeschrittenen : Mit welcher Belichtungsautomatik fotografierst Du ?


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36 Kommentare

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  1. Ich benutze hauptsächlich M, Tv und P. Av führt gerade bei schlechtem Licht immer zu langen Belichtungszeiten was ich für spontane Portraits nicht gebrauchen kann. Vielleicht sollte ich aber mal Av zusammen mit einem Blitz ausprobieren.

    Aber M gefällt mir am besten, da man wirklich die volle Kontrolle hat.

  2. Für spontane Aufnahmen steht die Kamera immer auf P, was bei der 400D auch einigermaßen schlau funktioniert. Möchte ich dann doch einmal mehr/weniger Schärfentiefe/Belichtungszeit, kann ich zudem mit dem Wahlrad noch weitere Kombinationen auswählen.

    Bei Makro oder Portrait ist Av meiner Meinung nach fast schon Pflicht, Tv benutz ich nur bei Available Light, um Verwacklungen zu vermeiden. M benutz ich sehr selten, entweder bei absoluter Dunkelheit, oder, sollte es einmal vorkommen, dass ich gut blitzen will.

  3. Ich arbeite bei dem ganzen Konzertkrams und auch eigentlich sonst meistens mit Av, weil alles andere als völlig offene Blende kann man da meist eh nicht nutzen. Wenn AV völlig versagt bzw. der Belichtungsmesser einem total blöde Belichtungszeiten gibt kann man die Belichtungsautomatik ja immer noch um 3 Blendenstufen hoch/runter regulieren was mir meist ausreicht.

    Und wenn selbst das nicht reicht nutze ich M. Tv hab ich glaub ich noch nie bewusst genutzt, ist vielleicht für Sportfotografie interessant im Zusammenspiel mit Auto-ISO.

  4. Sehr schöne Erklärung und Einführung in die verschiedenen Modies. Für Makros bin ich immer im manuellen Modus. Da brauch ich Einfluss auf alles, oft ist ein gezielt unterbelichtetes Bild viel kontrastreicher und schöner, manchmal will ich ein highkey Foto und dann soll es etwas heller sein. Was die Blende angeht gibts da keine Diskussion: die muss bei Makro manuell gesteuert werden (am besten kombiniert mit der Abblendtaste).

    Für Landschaftsbilder nutze ich den P Modus. Da will ich mir nicht so viel Gedanken um die Einstellungen machen und mich stärker auf die Bildkomposition und den Blickwinkel konzentrieren. Daher sind auch nur kleinere Korrekturen (Über und Unterbelichtung) oder Schärfebereich nötig (letzteres eher selten bei meist 28mm Brennweite).

  5. also ich nutze auch meist den A Modus. (Nikon D70)
    Wenn ich allerdings in schlechter belichteten Gegenden unterwegs bin auch schonmal das S, denn ansonsten müsste ich das ISO zu hoch schrauben um die automatisch eingestellte Belichtungszeit nicht zu verwackeltn. Außerdem war ich neulich auf der Motodrone(meine Pics sind dort auch verlinkt) und dabei fand ich beim photographieren der Quadrocopter den S Modus ebenfalls empfehlenswert.

    M nutze ich derzeit nur wenn ich für ein Photo genügend Zeit habe – aber vielleicht hilft mir da ein wenig mehr Praxiserfahrung weiter ;)

  6. Die meiste Zeit fotografiere ich im Manuellen Modus. Sehr selten stelle ich auf Automatik, eigentlich nur wenn es wirklich sehr schnell gehen soll und ich so gut wie keine Zeit habe Einstellungen vorzunehmen!

  7. Ich wechsle auch immer zwischen M und AV. Wenn ich genügend Zeit habe, dann nehme ich immer gern M um auch wirklich jede Einstellung selbst durchzuführen. So macht mir fotografieren am meisten Spaß.

    Wenn es schnell gehen muss, dann weiche ich aber auch gern auf Tv aus, da ich meistens ungefähr weiß wie ich das Bild wirken lassen will und welche Blende ich dazu brauche. Darin bin ich zwar noch lange nicht perfekt, aber Tv hilft einem sehr schnell seine Objektiv gut kennenzulernen.

  8. Meistens steht meine R1 auf A. Denn ich liebe es, die Tiefenschärfe bestimmen zu können. M nutze ich ebenfalls bei Langzeitaufnahmen und im Studio. S, was den Tv bei Canon entspricht, benutze ich selten. P und die Motivprogramme…. ähm, keine Ahnung ob die bei meiner Kamera überhaupt funktionieren, da blieb der Wahlschalter noch nie stehen :-D

  9. In der Regel nutzte ich AV, bei schwierigen Lichtverhältnissen und wenn es schnell gehen muß, kommt dann auch gerne mal TV zum Einsatz. Sofern ich unter keinem zeitlichen Druck stehe, greife ich auch gerne mal auf M zurück und bei Langzeitbelichtungen hat man sowieso keine Wahl…

  10. Die meiste Zeit und am Liebsten steht meine Kamera wohl im Av Modus. Tv nutze ich bei genügend Licht für Sportfotografie. Die 40D besitzt für beide Modi eine Shift-Funktion, die den Festwert korrigiert, wenn die Automatik nichteinstellbare Werte ermittelt. Sicher nichts für Puristen, aber ich findes es unheimlich praktisch, wenn es mal schnell gehen muss und man mehr das Motiv und nicht die Einstellungen im Blick hat.
    Ansonsten P für „Schnappschüsse“ und M bei konstanten Lichtverhältnissen und Panoramen.

  11. Meine bevorzugte Einstellung ist „Av“ und im Studio und bei viel Zeit fürs Motiv „M“. Wenn es schnell gehen muss und ich keine Zeit für lange Messungen habe, dass kommt auch mal „P ins Spiel.
    Was ich an keiner Kamera brauche sind diese unsäglichen Motivprogramme. (Ebenso wie der eingebaute Funzelblitz. Aber das ist eine andere Baustelle.)

  12. Für Tieraufnahmen oder rennende Kinder ist TV zumindest im Augenblick optimal, denn da muss man schnell sein und es bleibt oft wenig Zeit, sich um alles zu kümmern. Tv also eher für den (schlecht planbaren) „Actionmodus“. Ansonsten mit mehr Zeit oder wenn geplanter inzwischen lieber gleich ganz händisch.

    Grüße von jemanden, der sehr glücklich ist mit seiner Pentax K10D.

  13. > Weiter empfehle ich Dir, in verschiedenen Genren (Landschaftsfotografie, Portraitfotografie usw.) alle Programme durchzuchecken.
    …und wenn Du verstanden hast wie Belichtung und Belichtungsautomatik funktioniert, wirst Du für immer auf M umschalten und nie wieder diese Einstellung ändern. :)
    Ja, ich gebe zu – ich bin Gegner der Belichtungsautomatik. Ich weiß, die Kamerahersteller stecken gerne viele Entwicklugsjahre in die Kameras um die automatische Funktionen (dazu gehört auch das Autofokus) zu verbessern. Ich behaupte aber, dass ich immer noch Intelligenter als so eine hochentwickelte Kamera bin und selber besser weiß was und wie ich belichten will. Ich möchte, dass mein Hund auf die Fotos schwarz und nicht grau aussieht, dass die Braut eine weißes und nicht eine graues Klein trägt. Und woher soll die Automatik wissen wie ich ein Gegenlichtportrait belichten will.
    Also, erforsche deine Gefühle und nutze der Laser-Schwert, emmmm… die M-Einstellung :)

  14. krass, wie viele hier wirklich M benutzen.
    bei einem shooting mit wechselnden Motiven, Lichtverhältnissen (etwa bei Veranstaltungen oder größeren Sets) müsste ich ständig korrigieren und wenn man sich nur ein bisschen ins Licht dreht ist es schon zu hell…
    …deshalb, bei lichtstarken Objektiven, stehe ich immer auf Av und gebe die Schärfentiefe dadurch vor, den Rest macht meine Canon sehr zuverlässig.

  15. Komisch, gerade bei Veranstaltungen mit wechselnden Lichtverhältnissen halte ich M für die einzig richtige Einstellung – die Belichtungsautomatik kommt so gar nicht damit klar wenn mal nur der Spot aufs Gesicht des Künstlers ist, und mal die ganze Bühne im grellen Licht ist, die belichtet dann entweder beim Spot das Gesicht völlig über, oder beim komplettlicht die Bühne unter.

  16. Also irgendwie wird doch klar, was eigentlich schon vorher klar war, nämlich dass die Belichtungsautomatik, sofern man sie denn nutzt, extrem von dem abhängt, was man fotografiert und unter welchen (Licht-)Bedingungen. Ohne Hund und Kind hätte ich wahrscheinlich weniger bewegte Motive und mehr Verwendung für Av. So switche ich eben so hin und her. Und umgekehrt gibt es für viele, die sich auf irgendwas „Statischeres“ spezialisieren, wahrscheinlich weniger Verwendung für Tv.
    Und wenn das Licht diffus ist, bleibt eigentlich wirklich nichts anderes als die manuelle Variante.
    Also wäre die Frage doch eigentlich noch zu ergänzen um „was fotografiert ihr vorwiegend?“ – oder nicht?

    Hm, aber ich bin nur eine „fortgeschrittene, aber ambitionierte Anfängerin“, die irgendwann mutig, aber mit viel Spaß den manuellen Modus entdeckt hat.

  17. So nebenher, vielleicht ist von euch noch jemand alt genug um die ersten Pocket Kamera mit dem sog. Pocket 110 Film zu kennen?
    Die hatten nämlich anfangs nicht nur eine feste Brennweite und einen festen Fokus, sondern auch eine feste Blende und eine feste Belichtungszeit (ich glaube es war Blende 8 und 1/60s).
    Die ersten Modelle hatten schlicht gar keine Automatik, und auch das hat irgendwie funktioniert. Und der Blitzwürfel dazu kannte auch nur genau eine Leistungsstufe: abbrennen, fertig.

    Erst später kamen Modelle wo evtl. zwischen Belichtungszeiten von 1/45s-1/90s gewählt werden konnte (Agfamatik oder wie die noch hießen).

  18. @Sam: Ja, ich bin wohl alt genug. Hatte auch so ein Teil und besitze die Fotos noch immer. Das Einzige was man neben dem Auslöser betätigen konnte, war das Rädchen für den Filmtransport, sonst war alles fest vorgegeben und die Blitzwürfel hatten einen mechanischen Zünder!! Aber wie Du schon schreibst, es hat (meistens) funktioniert.

  19. Ich benutze eigentlich nie absolute Automatiken.

    Meistens A=Zeitautomatik
    Die Blende ein bisschen zu, wenn das Licht reicht.

    S=Blendenautomatik
    Für Sport, wenn die Geschwindigkeit optimal sein soll. Vielleicht 1/400 für Turner…

    M-Manuell
    Für Blitzfotografie. Manuell stelle ich ein, was ich möchte, der Blitz gibt dann das Licht, was es noch braucht.
    Für Parties sind 1/3 bis 1/20 bei Blende 4, ISO 400, Blitz auf den 2. Vorhang interessant, weil die Bewegung dezent reinkommt, der Hintergrund mit aufgenommen wird und das Objekt der Begierde am Schluss eingefroren im Bild erscheint.

    L. G. Dante

  20. Hab grad die technischen Daten der ersten Pocketkameras wiedergefunden:
    Das waren ganz simple Kameras, meist mit Kunststofflinsen, fest eingestellter Blende 11, 30mm Brennweite mit festem Fokus und einer fest auf 1/60s eingestellten Verschlusszeit.

  21. Ich fange üblicherweise mit AV oder TV (je nach Situation) an und schau mir an, was die Kamera an Zeit oder Blende vorschlägt. Wenn ich mit dem Ergebnis nicht glücklich bin, wechsle ich auf M, um dort die von mir gewünschten Einstellungskorrekturen vorzunehmen.
    Aber so habe ich zumindest eine relativ nahe Ausgangsposition. Auch ohne zusätzlichen Belichtungsmesser.

  22. Blogartikel dazu: Wie ich Hochzeiten in der Kirche fotografiere | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel

  23. Blogartikel dazu: Low Key Fotografie: Eine Einführung | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel

  24. Hallo! Ich fotografiere (hobbymässig) seit Jahren im Bereich Konzertfotografie. Und seit ca 6 Jahren parallel dazu Naturfotografie, Schwerpunkt Vögel und Makro. Fast alle Fotos unter „TV“. Aufgrund des Artikels werde ich zumindest im Makrobereich auf AV umstellen und bin gespannt auf den Vergleich bzw. die Ergebnisse. Besten Dank.