kwerfeldein
28. September 2008 Lesezeit: ~6 Minuten

RAW-Konverter für schmales Geld

RAW-Konverter für schmales GeldDies ist ein Gastartikel von Alexander Koch. Er ist Landschaftsgärtner und Landschaftsarchitekt und arbeitet in Baden Baden. Der Hobbyfotograf hat ein Auge für kühle Stadtansichten, fotografiert aber auch hin und wieder Hochzeiten. Leider sind seine Werke (fast) nicht im Netz zu finden.

Ich bin einer derer, die (noch) kein Photoshop CSsoundso haben. In der Ära von PS 7 bin ich zunächst wegen einiger angenehmerer Features auf Corel Photopaint 11 umgestiegen, und da hänge ich immer noch und stelle Tag für Tag fest, dass dieses Programm auch heute noch Fotos bearbeiten kann, auch wenn es nicht die Adobe’sche Popularität genießt. Aber wenn mal endlich wieder Geld da sein sollte, werde ich sicherlich auch zurück zum Photoshop gehen. Dann heißt er aber sicher schon CS10… Lange Rede, kurzer Sinn: Meine Tools haben noch nicht die Möglichkeit, RAW-Dateien zu lesen bzw. zu konvertieren.

Früher habe ich immer direkt in JPG geschossen, aber die Vorzüge von RAW sind unterm Strich frappierend genug, dass man sich die Mehrarbeit ruhig leisten sollte. Die Profianwendungen wie der Lightroom von Adobe oder Apple Aperture halten sich leider oft im 3stelligen Kostenrahmen auf, aber dennoch habe ich mich ein wenig auf die Suche gemacht, um kostenlose und trotzdem gute Konvertierungsprogramme zu finden.

Zuerst bin ich auf RAW Shooter essentials 2006 gestoßen. Dies ist ein relativ einfaches Programm, welches die wichtigsten Möglichkeiten wie Weißabgleich, nachträgliche Belichtungskorrektur, Helligkeit, Kontrast (getrennte Regelung der hellen und dunklen Bildanteile), Sättigung, Schärfe und verschiedene Rauschunterdrückungen anbietet. Die Einstellungen erfolgen über Schieberegler oder manuell numerisch. Das Interface zeigt stets ein in die RGB-Farben aufgelöstes Echtzeithistogramm, d.h. man kann jederzeit die Helligkeitsverteilung der drei Hauptfarben in Augenschein nehmen. Ganz nett ist die Funktion, in der Bildauswahlleiste einzelne Bilder mit Ziffern zu indexieren, um so schon mal geschmeidig vorsortieren zu können.

Die Ansicht des Bearbeitungsbildes kann stufenlos von 1-800% eingestellt werden. Das Ausgabeformat ist zwischen JPG und TIFF wählbar, Batch-Export ist natürlich möglich. Das Programm funktioniert auf Englisch, aber dessen sollte ja jeder, der sich in einem gesunden Alter und im 21. Jh. befindet, mächtig sein. Fazit: Ein funktionstüchtiges Tool, das sowohl im Umfang als auch in der Bedienung einfach ist.

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Danach habe ich mir das weit verbreitete RAWTherapee runtergeladen
. Es ist genauso kostenlos, kann aber einiges mehr. Viele Funktionen sind gegenüber RAW Shooter essentials weitaus detaillierter regelbar, z. B. kann man außer der generellen Helligkeit noch gezielt eine Lichter- oder Schatten-Kompression vollziehen und über einen „schwarz“-Regler die Helligkeit sozusagen von unten her steuern. Für diejenigen, die bei Helligkeits- oder Kontrasteinstellungen im Eifer der Betriebsblindheit die Kurbel zu weit drehen, gibt es eine Warnung vor zu hellen bzw. zu dunklen Bereichen. Therapee hat über die Ausstattung des zuerst besprochenen Konverters hinaus noch einen Kanalmixer (keine Ahnung, wer den wann braucht), Farbverschiebung (diese grün-magenta- und blau-gelb-Waage) usw…

Alle Regler sind einzeln zurücksetzbar, manche Einstellungen sind ein-/ausschaltbar, so dass man ohne immer wieder neu zu regeln, einen Vorher-/Nachhervergleich anstellen kann. All diese Funktionen spielen sich unter einer Registerkarte ab. Wechselt man zur nächsten (Verändern), so findet man noch einige weitere nützliche Hilfsmittel zur Bildoptimierung: Man kann einen beliebigen oder mit voreingestelltem Seitenverhältnis ausgestatteten Ausschnitt wählen, dem man zusätzlich Hilfslinien zuweisen kann, die diesen Ausschnitt in eine Drittelung, diagonal oder den Goldenen Schnitt (die Terminologie dort ist etwas anders und leider falsch gewählt) teilen.

Ich habe es nie ausprobiert, aber nehme an, dass dann später nur der gewählte Ausschnitt als Bild exportiert wird. Auch Kissen- oder Tonnenverzerrungen können in diesem Programm ausgeglichen werden, ebenso leidige Farbsäume und Randvignettierungen. Auch nicht schlecht: Man kann sog. Varianten wählen, was hier bedeutet, dass im Verlaufsprotokoll ein Kontrollpunkt gesetzt wird, den man ganz leicht wieder anwählen kann, um nach missglücktem Procedere ganz leicht an die gewählte Stelle zurückspringen kann. Diese Varianten können auch noch nachträglich an jede beliebige Stelle des Protokolls gelegt werden.

Neben der normalen (auch zoombaren) Bearbeitungsansicht kann man sich ein Detail durch einfachen Mausklick auf den Monitor holen, welches einen kleinen Ausschnitt extra betrachtet und auch bis 800% zoombar ist. Außer JPG und TIFF kann auch in PNG exportiert werden. Das einzige, was fehlt (oder was ich einfach noch nicht gefunden habe), ist ein Stapelexport von gleichzeitig mehreren fertig bearbeiteten Dateien.

Fazit: Umfangreich, vielleicht das beste Tool, das es kostenlos gibt.

Auf meiner Suche bin ich schließlich auf RAW PhotoStudio gestoßen.
Eigentlich ist es objektiv kaum besser als RAWTherapee, aber mir persönlich hat der Workflow einfach zugesagt. Neben den Möglichkeiten, die Therapee bietet, kommen hier noch ein paar mehr hinzu, z. B. automatisches oder manuelles Entfernen von roten Augen, Flecken und Makel entfernen, perspektivische Entzerrungen.

Was fehlt, ist die Einbindung von Hilfslinien, um einen Ausschnitt möglichst harmonisch wählen zu können, die einzigen Zoomstufen liegen bei 1:1, 1:4 und Fenstergröße (die man durch Ein- oder Ausblendung des Bildbrowsers noch etwas variieren kann), und es mangelt an einem Verlaufsprotokoll. Schön wiederum ist, dass man sowohl Stapelexport als auch –verarbeitung durchführen kann, aber auch für nur einzeln selektierte Bilder kann man eine zuvor gespeicherte Rezeptur anwenden, was Sinn macht, wenn man eine Reihe ähnlicher Bilder unter gleichen Lichtverhältnissen geschossen hat und die Bearbeitung schnell über die Bühne bringen will.

Was ich auch immer wieder ganz attraktiv finde, ist, dass man über einen Button jederzeit die wichtigsten EXIF-Daten des aktuellen Bildes aufrufen kann. Manko: Die Hersteller wollen nach 15 Tagen voll funktionsfähiger Testversion ca. 68,- € haben. Ich habe sie berappt und arbeite jetzt nur noch mit diesem Programm. Bis ich irgendwann Photoshop CSxxx habe.

Weitere links zu Listen und Diskussionen:

http://www.fotocommunity.de/info/RAW-Konverter#Apple_Aperture

http://www.cybercom.net/~dcoffin/dcraw/ (bisschen scrollen, dann kommt eine lange Liste)

Sammlung von Threads zum Thema RAW im Leicaforum.

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6 Kommentare

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  1. Danke für die gute Darstellung der Tools. Ist immer hilfreich von anderen Programmen berichtet zu bekommen.
    Verwendet einer von euch Bibble? Hier würde mich auch ein Erfahrungsbericht interessieren. ;)

  2. Mhh ich bin der Meinung, dass man für die direkte RAW-Konvertierung am besten auf ein vom Kamerahersteller entwickeltes oder empfohlenes Programm zurückgreift, da nur hier gewährleistet ist, dass alle Informationen richtig interpretiert werden, weil die meistne Kamerahersteller nicht alles über ihre Rohdatenformate und deren Codierung verraten.

  3. Erstmal was die „mitgelieferten RAW-Tools vom Kamerahersteller angeht“:

    Stimmt zwar alles, aber leider gehen die Tools ja dann oft auch nur unter einem Betriebssystem, maximal 2… und sind manchmal auch recht beschränkt. RawTherapee hat schon recht viel Funktionen und läuft sowohl unter Windows als auch Linux… was für „Dual-Booter“ wie mich der Himmel auf Erden ist, und genialerweise kann es die Einstellungen pro Bild dann auch auf beiden Plattformen lesen, d.h. einmal getätigte Einstellungen für ein Bild auf Windows werden dann genau so auch wieder übernommen, wenn ich auf Linux RawTherapee mit diesem Bild öffne.

    Was die Qualität angeht.. Jeder kann ja mal die Tools mit den „Originalen“ vergleichen, und dann selbst entscheiden, ob die Qualität akzeptabel (oder sogar besser ist).

    RawTherapee hat momentan in meinen Augen nur noch ein paar Schwächen, schön wäre es, wenn wenigstens grundlegende Dateifunktionen (umbenennen, löschen) integriert wären, für diese Aktionen separat im Dateiexplorer zu gehen geht natürlich, nervt aber etwas.. soll aber in der nächsten Verison kommen (ebenso Stapelverarbeitung, also Batch).

    Und leider hat der aktuelle Beta-Release 2.4m1 einen blöden Bug, wenn man manche RAW-Files nach Tiff entwickelt.. wobei es die Tiffs zerhaut.. PNG geht dagegen immer einwandfrei, aber natürgemäß verliert man hier die EXIF-Informationen.. oder halt eben die letzte „stabile“ Version 2.3 nehmen.

  4. Einen weiteren Vorteil haben aber „hauseigene Konverter“. Diese übernehmen das Setup von der Kamera. D.h. im Klartext, der Weißabgleich, die Schärfung, Farbrauf usw. wird so angezeigt wie in der Kamera eingestellt. So kann ich aus RAWs schnell Jepg erstellen, ohne Bearbeitung. (Wenn es mal schnell gehen muss)

  5. Ich habe früher häufiger mit „RAW Shooter essentials 2006“ gearbeitet und war mit der Sofware eigentlich sehr zufrieden. Das Problem ist nur, dass diese Software nicht mehr weiterentwickelt wird und somit die neuen RAW-Formate nicht mehr unterstützt werden…