Kwerfeldein
18. September 2008 Lesezeit: ~ 5 Minuten

The Gimp : Eine freie Bildbearbeitungssoftware

TheDies ist ein Gastartikel von Katrin Krieger. Sie ist verheiratet, hat einen kleinen Sohn und promoviert in Informatik. In ihrer Freizeit fotografiert sie gern. Dabei hat sie sich (noch) nicht auf eine bestimmte Richtung festgelegt. Einige ihrer Werke sind bei Flickr und in ihrem Blog zu sehen.

Software zur Bearbeitung von Fotos gibt es wie Sand am Meer. Einige Programme sind sehr einfach gehalten, andere sind sehr komplex und mächtig und es benötigt etwas Einarbeitungszeit, diese zu verstehen und zu bedienen. In diesem Artikel wird die freie und plattformunabhängige Bildbearbeitungssoftware The GIMP vorgestellt.

The GIMP ist ein freies Bildbearbeitungsprogramm (free as in beer and as in freedom), das sowohl in der Unix-Welt (Linux, *BSD, Mac OSX) als auch auf der Windowsplattform lauffähig ist. GIMP steht für “GNU Image Manipulation Program” und sein Maskottchen ist Wilber, ein kleiner Hund, der dich freundlich begrüßt, wenn du GIMP startest (nur als Splashscreen, nicht wie der schwanzwedelnde MS Word-Hund ;-)).

GIMP ist vornehmlich eine Software zur Fotoretusche sowie zu Erstellung und Bearbeitung von Grafiken. Es unterstützt eine Vielzahl von Grafikformaten (bmp, gif, jpeg, mng, pcx, pdf, png, ps, psd, svg, tiff, tga, xpm und viele andere) und seine Funktionalität kann sehr einfach mit Hilfe von Plugins und Skripten, die man Internet herunterladen kann (oder die man selbst schreibt ;-)), erweitert werden. Es gibt sogar ein Plugin, mit dem man Photoshop-Filter in GIMP benutzen kann.

GIMP besitzt viele Features und es würde wohl den Rahmen dieses Artikels sprengen, alle aufzuzählen und zu erklären (und wahrscheinlich wäre es auch einfach nur langweilig). Deswegen gibt es hier nur einen kurzen Abriss der Hauptfeatures:


Die Bearbeitungsfunktionen enthalten Pinsel
, Filter sowie Umwandlungs-, Auswahl-, Ebenen- und Maskierungsfunktionen. Standardmäßig sind 48 verschiedene Pinsel enthalten, die jeweils individuell veränderbar sind (z.B. hinsichtlich Deckkraft oder Kantenschärfe). Weiter Pinsel kann man selbst erzeugen und abspeichern. Andere Malwerkzeuge sind Bürsten, Airbrush oder das Clone-Tool.
Die Transformationswerkzeuge beinhalten rotieren, skalieren, scheren und spiegeln.
GIMP unterstützt Alpha-Kanäle sowie Ebenen und Masken. Es hat eine großartige History-Funktion, so dass man auf frühere Bearbeitungsschritte zurückgreifen kann, ohne dass Zwischenschritte verloren gehen.

Besondere Highlights in der Feature-Liste sind die Implementation von SIOX, einem Algorithmus zum halbautomatischen Freistellen von Objekten,ein Werkzeug zum perspektivenkorrigierten Klonen sowie viele andere Erweiterungen wie das automatische Entfernen von roten Augen, Linsenkorrektur oder der Heilen-Pinsel.

Die Website von GIMP oder auch die entsprechende Wikipedia-Seite liefern noch viel mehr informationen zu den Features, wer es also ganz genau wissen will, ist nur einen Klick weit von den Antworten entfernt.

Wenn man GIMP startet, fällt zuallererst die ungewöhnliche Bedienoberfläche auf. Anstelle eines großen Fensters, das mehrere kleine Fenster beherbergt, gibt es bei GIMP nur die kleinen Fenster – die GIMP-Toolbox als Hauptfenster, das Bildfenster, in dem das zu bearbeitende Bild zu sehen ist sowie eventuell andere Werkzeugfenster. Das mag im ersten Moment irritieren, ist aber sehr praktisch. So kann man beispielsweise das Bildfenster maximieren, so dass es den ganzen Bildschirm einnimmt, mit einem Druck auf die TAB-Taste die Werkzeugfenster und die GIMP-Toolbox ein- und ausblenden und für die Bearbeitung des Bilds den ganzen Bildschirm nutzen.

Wer sich mit dieser Philosophie der Nutzeroberfläche partout nicht anfreunden kann, kann sich GIMPshop von Scott Moschella installieren, eine modifierte Version von GIMP, die das Look and Feel von Photoshop nachahmt und so GIMP auch Photoshop-Nutzern als freie Alternative schmackhaft machen soll. Neben GIMPshop gibt es noch CinePaint, eine weitere Modifikation von GIMP, die sich als professionelle Grafikbearbeitungssoftware versteht und unter anderem auch in der Filmbranche eingesetzt wird – CinePaint wurde unter anderem in den Harry Potter-Filmen, in 2 Fast 2 Furious oder Planet der Affen eingesetzt.

Auch diese Version ist frei verfügbar und zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass man komplette Bildserien auf einmal bearbeiten kann. Weiterhin unterstützt es eine größere Farbtiefe als GIMP (16bit / Kanal).

Für alle, die jetzt Lust bekommen haben, GIMP einmal auszuprobieren, noch ein Tip am Schluss: Rolf Steinort veröffentlicht auf meetthegimp.org jede Woche einen Videopodcast zu GIMP mit Tutorials und Anleitung zur Bearbeitung von Fotos mit GIMP. Sehr unterhaltsam und informativ und unbedingt zu empfehlen!

Links:

[1] Homepage von The GIMP – http://www.gimp.org
[2] Wikipedia-Seite zu GIMP – http://de.wikipedia.org/wiki/Gimp
[3] Meet the Gimp Videopodcasts – http://meetthegimp.org
[4] User Filter – Plugin zur Nutzung von Photoshop-Filtern in GIMP – http://sourceforge.net/projects/gimpuserfilter/
[5] GIMPshop – http://www.gimpshop.com/
[6] CinePaint – http://www.cinepaint.org/
[7] GIMP-Plugins – http://gimp-registry.fargonauten.de/

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23 Kommentare

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  1. Leichte Kritik erlaubt? :-)

    Leider wird auch in diesem Blogbeitrag (wie in so vielen anderen, vergleichbaren) über GIMP auf einige Sachen nicht eingegangen oder nur am Rande, wie…

    – GIMP unterstützt immer noch nicht 16-Bit Farbtiefe !!
    Das heisst, es zerreisst einen bei vielen Sachen immer noch
    fröhlich die Tonwerte.. Das ist heutzutage für eine Software zur Fotobearbeitung fast schon ein K.O. Kriterium.
    Ausser bei diesem “CinePaint” – Gimp-Derivat, das kann schon 16-Bit, aber das ist nicht doch noch arg “in Development”..
    Zukünftige GIMP-Versionen sollen das unterstützen, die Umstellung läuft schon wird aber frühestens in 2.8 kommen, in 2.6 wird wohl erstmal der notwendige “Unterbau” soweit sein, aber noch nicht in der vollen Pracht implementiert werden. Und wer die Entwicklungsgeschwindigkeit kennt, weiß, dass das noch etwas dauern kann.

    – Es MUSS mehr darauf hingewiesen werden, dass Windows-User von GIMP auf alle Fälle eine Desktop Erweiterung wie “AlwaysOnTop” (hab gerade keinen Link zur Hand) installieren sollten, damit lassen sich einzelne Fenster auf dem Desktop so festpinnen, dass sie immer zuoberst aufliegen.. das ist bei GIMP überlebenswichtig, viele schmeissen GIMP in die Ecke weil sie von den laufend verschwindenen Fenstern genervt sind!
    Unter Linux ist das bei den dortigen Oberflächen Standard, dass man bei den Fenstern dieses Feature hat, vermutlich wird deswegen das GIMP Fensterkonzept auch weniger kritisch gesehen.

    – GIMP ist nicht Photoshop! Eine auf den ersten Blick wohl etwas überflüssige Aussage.. aber das betrifft nicht nur die abweichende Bedienung, sondern auch die Leistungsfähigkeit.. es gibt keine Einstellungsebenen (leider, sollen aber mal kommen..) und ähnliches, was man oft kaum missen will, wenn man mal mit Photoshop oder auch Photoline (das hats nämlich auch, und kostet nur kleines Geld..) gearbeitet hat. Es ist nicht so, dass man hier “mal eben” ein vollwertiges Photoshop “für lau” bekommt, so einfach ist es dann doch nicht.

    Damit mich keiner falsch versteht, auch ich benutze GIMP regelmäßig, viele Features sind auch Klasse (Programmierung wie Script-Fu oder Python-Fu usw.), aber man sollte auch nicht mit zu hohen Erwartungen rangehen.

  2. Oha, das ist ein Kojote und kein Hund? Naja, ein Hund ist ja auch so eine Art Kojote :-D
    DerNikki, danke für die ergänzenden Links!
    Bastian, wenn du konkrete Fragen hast, die dir graue Haare verursachen, kannst du die gern loswerden, z.B. bei Martin im Forum oder gern auch an mich, Kontaktdaten stehen hier.

  3. Dogwatcher, natürlich ist Kritik erlaubt, sogar erwünscht!
    Ich versuche mal, auf deine Kommentare einzugehen, ohne mich zu viel zu rechtfertigen.
    Du hast Recht, GIMP ist nicht Photoshop, das habe ich auch nicht behauptet – GIMP ist auch ein Programm, mit dem man Fotos bearbeiten kann, von solchen Programmen gibt es einige, die sich in ihren Funktionen und Bedienung unterscheiden. GIMP kann noch keine 16 Bit Farbtiefe pro Kanal, auch richtig – die Aussage ist sogar im Artikel implizit enthalten (“Weiterhin unterstützt [CinePaint] eine größere Farbtiefe als GIMP (16bit / Kanal).”)
    Danke für den Hinweis auf “Always On Top Maker” – unter Windows bin ich so gut wie nie unterwegs, aber unter Linux, das dieses Fensterverhalten von Hause aus unterstützt, nutze ich das sehr oft – wenn auch nicht so oft unter GIMP. Da docke ich mir alle Tools in das Werkzeugfenster und blende mir das nach Lust und Laune mit TAB ein.
    Unter Linux ist GIMP für mich _das_ Bildbearbeitungswerkzeug schlechthin und Linux ist nun mal das OS, mit dem ich am meisten arbeite – aber das ist jetzt eine ganz subjektive Aussage. GIMP bietet mir (bisher) das was ich brauche.
    Danke, dass du dir so viel Zeit genommen hast, einen langen Kommentar zu schreiben und danke für das Feedback zum Artikel.

  4. Blogartikel dazu: Linkpackung Nr. 11 | Webzeugkoffer Webdesign

  5. Blogartikel dazu: MissM@rple's Blog

  6. Richtig, aber wie schon gesagt, wird der erstmal unmittelbar für den User nicht so viel bringen, ist quasi erstmal die vorbereitende Version um später auf 16-Bit und mal irgendwann auf Einstellungsebenen umzustellen… Bis die “fertigen” Installer (Windows) und Pakete (Linux) kommen, dauerts wohl noch ein paar Tage.

  7. Ich habe GIMP installiert und versucht all das zu machen, was ich sonst in PS gemacht habe. Das ist eine recht breite Palette an Funktionen und reicht von kleineren Verbesserungen an Fotos bis hin zur Gestaltung von Webseiten etc.
    Anfangs, wie das bei neuer Software immer so ist, ging alles eher holprig und langsam. Nach einer kurzen Einarbeitungszeit aber spürt man keinen Unterschied mehr zu PS oder vergleichbarer Software. Es ist eben immer die Einstiegshürde die es zu nehmen gilt (und aus der Sicht war GIMP nicht ganz kostenlos) aber wenn man sich an eine gute Software gewöhnt hat will man sie nicht mehr missen. Ich kann nur jeden empfehlen diese hervorragende, kostenlose Software zu testen.

  8. Hallo erstmal,

    der Artikel ist super – ich gebrauche Gimp schon einige Jahre und bin voll überzeugter “Gimpianer” – seit kurzem haben ein paar Experten ein neues Forum bzw. eine Webseite aufgemacht. Dort findet man vieles Interessantes über Gimp, Pyhton-Fu oder ganz einfach auch um Gimp zu lernen.

    Vielleicht schaut der eine oder andere mal vorbeit.

    http://www.gimp-atelier.org

    Lieben Gruß

    Avarra