kwerfeldein
31. August 2008 Lesezeit: ~5 Minuten

Zurück zur Fotografie

Glow by you.

Prolog

Ganz am Anfang, dann wenn man mit dem Fotografieren beginnt ist es wunderschön. Unvergleichlich sind die Momente, in denen Du die Kamera und das Abdrücken entdeckst. Du merkst, wieviel Spass es macht, alle möglichen Dinge zu fotografieren. Du spürst den Drive, gehst mit und hast einfach eine gute Zeit. Am Rechner kannst Du dann Dein Bild entweder völlig verfremden, leicht korrigieren oder einfach nur ins Netz stellen – Deine erste Veröffentlichung. Wow ! Dazulernen, neue Techniken ausprobieren. Fehler machen. Scheinbar zeitlos wirkt es, am Auslöser zu sein. Den guten Winkel suchen und dann tatsächlich finden. Sich aber auch ärgern. Wieder die Freude spüren, wenn das erste tolle Bild entstanden ist – und Du selbst erstaunt bist, dass es geklappt hat.

Die Fotografie kam zu Dir, sie hat Dir viel gegeben und Du hast etwas daraus gemacht. Hast Dich von ihr tragen lassen.

Und dann das Aus. Keine Lust mehr auf die bisher so attraktiven Motive. Sie scheinen ganz und gar Farbe verloren zu haben, blass und gähnend schauen sie Dich an. Das, was vor Monaten noch glänzend, intensiv und voller Ausdruck erschien ist irgendwie zusammengefallen. Die Kamera wird schwerer, der Aufwand des Fotografierens fühlt sich an wie trockene Arbeit.

Ich selbst könnte darüber gar nicht so schreiben, wenn ich es nicht aus erster Hand erlebt hätte. Und da es mir schon X-Mal so ergangen ist, habe ich eine kleine Strategie entwickelt, damit umzugehen. Und bisher hat das ganz gut funktioniert, auch wenn ich noch „am Lernen“ bin. Wenn Du Dich in diesem Text wiedergefunden hast, bist Du eingeladen, weiterzulesen. Wenn Du Dich nicht darin findest, natürlich auch.

Überspringen
Für mich sind solche Zeiten schrecklich. Da erlebe ich einen Teil von mir, den ich überhaupt nicht mag und ihn am liebsten löschen würde. Es ist eine Phase, die ich schon kenne, aber jedes mal gerne „skippen“ oder überspringen würde.

Annahme
Dann ist es für mich Zeit, erst einmal anzunehmen, was gerade passiert ist. Die eigene Leere wegzuschieben und die Langeweile zu verdrängen macht keinen Sinn. Das wäre ein Kampf gegen mich selbst. Deshalb versuche ich diesen Zustand anzunehmen. „Ja, es ist so. Ich bin gelangweilt von der Fotografie. Und das darf ich auch. Es ist okay.“ Keine Schönmalerei, kein Friede-Freude-Eierkuchen, keine Etikette. Einfach so, wie es ist. Zulassen, Annehmen.

Abstand
Sich dessen bewusst zu sein, wo man gerade steht ist eine grosse Hilfe. Es anzunehmen macht es leicht. Doch eine kurze Zeit Abstand zu halten, sich die Ruhe zu gönnen und diese klar als solche zu definieren bringt Entspannung. Ich geniesse es dann, einfach mal etwas anderes zu machen. Bei mir ist das Freunde treffen, Musik machen, Spazieren gehen.*

Zurück zur Fotografie


Nach einer Weile „nicht mehr fotografieren gehen“, nach einer unbestimmten Pausezeit versuche ich dann das Spiel herumzudrehen. Zu Beginn kam die Fotografie zu mir – vieles war einfach und ich war (wie oben beschrieben) von der Leidenschaft fürs Knipsen getrieben. Jetzt muss ich zur Fotografie – ein Weg, der genauso ungewöhnlich ist, wie er klingt. Das ist auch schwer zu beschreiben, aber es geht ungefähr so : Die Augen wieder öffnen. Die Dinge, die immmer so gerne fotografiert habe „neu sehen“ lernen.

Ganz praktisch : Sonnenuntergänge. Wenn Du einmal sehr viele Sonnenuntergänge fotografiert hast, dann kannst Du sie irgendwann nicht mehr sehen. Und das meine ich buchstäblich so, wie ich es geschrieben habe. Du kannst die Schönheit eines Sonnenuntergang nicht mehr sehen, Du wirst irgendwann so etwas wie blind dafür. Sich nach einer Zeit der Annahme und des Abstandes wieder neu darauf einzulassen, sich hineinzufühlen, -denken, -fotografieren, das bringt mich dann wieder in die Spur.

Es ist wie ein „sich wieder finden“ – die Fotografie und ich.

Zurück zur Fotografie.

* Die Tatsache, dass ich hier (so gut es geht) jeden Tag einen Artikel veröffentliche hilft mir dabei, nicht ganz den roten Faden zu verlieren und „dranzubleiben“. Dazu kommen Jobs, die ich auch dann machen muss, wenn ich gerade keine Lust habe. So ist Business und ich trenne das von meiner freien Zeit, vom freiwilligen Fotografieren – wovon hier die Rede ist.

Falls Du irgendwie aus der Puste gekommen bist und das Gefühl hast, nicht mehr wirklich hineinzukommen, könnte dieser Artikel auch für Dich interessant sein : Wie Du Deine Leidenschaft fürs fotografieren wieder finden kannst.

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