Kwerfeldein
19. August 2008 Lesezeit: ~3 Minuten

Die Abblendtaste nutzen

Die Abblendtaste nutzenBeim Stöbern durch verschiedenste Fotoforen stösst man des öfteren auf diese eine Frage. „Abblendtaste ? Was ist das ? Ich habe da mal etwas in meinem Handbuch zur Kamera gelesen, aber ich versteh gar nix ! Was soll diese Taste denn bringen ? Und wo ist die denn?“ Falls es Dir heute ähnlich geht oder Du noch nicht weisst, was man mit der Abblendtaste machen kann – nur hereinspaziert.

Bevor ich Dir nun irgendeinen krummen Satz an den Kopf werfe, kurz ein kleiner Abriss zum Thema Blende. Das Wort steckt ja schliesslich in „Abblendtaste“, daher wird das wohl auch etwas damit zu tun haben.

Wenn Du durch Deinen Sucher in die Spiegelreflexkamera* schaust, dann erscheint da ein Bild. Und das ist – egal bei welcher Belichtungszeit – immer gleich hell. Es ist auch egal, welche Blende eingestellt ist, denn Spiegelreflexkameras verwenden eine so genannte „Offenblendmessung“. Die ermöglicht Dir immer das hellstmögliche Sucherbild. Immer und zu jederzeit.

Das ganze hat aber auch einen kleinen Nachteil. Wenn Du durch den Sucher schaust, siehst Du dann immer das Bild, bei dem die Schärfentiefe der grössten Blende entspricht. Nicht verstanden ? Probier’s mal aus : Nimm die Kamera, stelle auf 50mm oder höher ein und fokussiere auf einem Blatt die vorderste Spitze mit der grösstmöglichen Blende (z.B. f/ 2,8). Mache ein Foto. Nun verstell die Blende um eine Stufe (z.B. f/3,5). Wenn Du nun wieder abdrückst, wird in Deinem geschossenen Foto mehr im scharfen Bereich liegen als bei f/2,8 – ist ja logisch. Doch in Deinem Sucherbild siehst Du diesen Unterschied nicht – es bleibt immer der gleiche Bereich scharf / unscharf.

Und jetzt kommt endlich die Abblendtaste ins Spiel. Die wird übrigens auch „Schärfentiefe-Prüftaste“ genannt. Mit der kannst Du nämlich jederzeit überprüfen, wie sich die unterschiedlichsten Blenden auf Dein Bild auswirken.

Gut – aber wo ist denn die Abblendtaste ?
Bei den meisten Canon Spiegelreflexkameras sitzt die Taste unterhalb der Objektiventriegelungs-Taste, bei der Nikon D80 unterhalb des Objektives angebracht, bei der D200 kann Du sie hier finden. Hier ein Bild meiner Canon EOS 350D.

Die Abblendtaste nutzen

Wenn Du nun beim nächsten mal etwas fotografierst und genau wissen willst, welche Bereiche nun mit Deiner gewählten Blende scharf sind, dann benutze die Abblendtaste. Du wirst dabei bemerken dass (je nach eingestellter Blende) Dein Sucherbild nicht nur die korrekte Schärfentiefe darstellt sondern auch etwas dunkler wird. Das hängt nun eben damit zusammen, dass Du dann das Bild mit der so genannten „Arbeitsblende“ sehen kannst. Dabei verändert die Blende nicht erst beim Fotografieren, sondern schon beim Durchschauen die Schärfentiefe.

*Zum Schluss sei angemerkt, dass gewisse Nikon Modelle leider keine Abblendtaste haben.

Ich hoffe, dass Dir dieser Artikel geholfen hat, die Abblendtaste zu verstehen. Falls Du immer noch Fragen hast, nur her damit !

42 Kommentare

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  1. Ich wusste zwar bisher ebenfalls, was die Abblendtaste macht, habe diese aber bisher nie verwendet.
    Gerade habe ich aber bemerkt, dass die Abblendtaste auch funktioniert, während man die Blende einstellt (bei der EOS). Man kann also an der Blende so lange „rumschrauben“, bis einem der Schärfentiefen-Bereich visuell gefällt, toll!

  2. Bei wem die Schärfentiefekontrolle im Sucher trotz Abblendtaste nicht mit den Bildergebnissen übereinstimmen mag: wie gut das in der Praxis hinhaut kann stark von der Größe des Suchers und der Struktur der Mattscheibe abhängen.
    Auf einem größeren Sucherbild ist der Effekt viel besser zu sehen und manche Mattscheibe gaukelt deutlich mehr Schärfentiefe vor als später im Bild erkennbar ist.

    Freunde von schnellem Glas kennen beim arbeiten mit Offenblende vielleicht den Effekt das die Schärfentiefe im Sucher deutlich größer wirkt als im späteren Bild. Erfahrung kann hier (preisgünstig) weiterhelfen, Mattscheiben mit besonderer Struktur erleichtern die realistische Betrachtung auch (teilweise teuer und geht mit den wenigsten Consumer-Kameras).

  3. Toller Bericht! Da ich meine Kamera erst seit wenigen Wochen besitze, wusste ich mit dieser Taste noch garnichts an zu fangen. Werde es gleich morgen mal ausprobieren.
    Vielen Dank!!!

  4. Tolle Erklärung!
    Wie Uwe Meyer treffend bemerkt hat, die Beurteilung der Schärfentiefe auf die Matscheibe ist sehr subjektiv (und dadurch auch ungenau). Vor 20 Jahren (ja, damals war alles besser) hatten die Objektive eine sog. Schärfentiefe-Scala, wo man (objektiv) die Schärfentiefe einstellen konnte. Heute kann ich auf meine Nikon G-Linsen nicht mal die Blende per Hand einstellen…
    Einige Kameras von Canon bieten die Möglichkeit an, zuerst den vorderen und dann den hinteren Punkt des gewünschten Schärfebereiches mit dem Auslöser zu markieren. Die Kamera berechnet dann die dafür benötigte Blende und stellt den Fokus so ein, dass die Schärfe genau dem markierten Bereich entspricht. Ob das funktioniert… weiß ich nicht, hatte nie eine Kanone :)

  5. ein guter artikel. wenn auch für mich nichts neues.
    etwas möchte ich noch anfügen: besonders nützlich ist diese taste im macrobereich, da je kürzer distanz zwischen motiv und frontlinse die schärfentiefe immer knapper wird.

    man liest sich…

  6. Schöner Artikel, gut verständlich!

    Falls ich nicht der einzige mit einer Pentax-Kamera bin: Bei meiner K110D und vermutlich auch bei den anderen Modellen ist das eher ein Abblendschalter, der leider mit dem An-Aus-Schalter kombiniert ist (Das ist ein 3-Wege-Drehschalter).
    Dadurch läuft man leicht Gefahr, die Kamere auszuschalten, statt abzublenden.. :-/

  7. besten dank für den tipp. hab die taste ehrlichgesagt noch nie benutzt, weil lange zeit garnicht erst bemerkt und dann noch nicht nachgelesen wozu sie da ist. aber sehr nützlich. werde ich garantiert öfter benutzen.

  8. Die Abblendtaste wird offensichtlich doch häufiger genutzt als man sich das bei den Herstellern so gedacht hat, warum sonst ist die Taste bei allen(!) Canons und den kleinen Nikons so bescheuert angebracht. Wenn ich eine Hand am Griff und eine am (Tele-)Objektiv habe, kann ich jedenfalls nicht mehr noch die Abblendtaste drücken, ohne den Ausschnitt zu verrücken oder das Objektiv loszulassen.
    Die Taste wie bei den großen Nikons in der Reichweite des Mittelfingers anzubringen, ist der eindeutig bessere Weg.

  9. Eine sehr gute, leichtverständliche Erklärung. Vielen Dank dafür! ;)
    Ich selbst habe dieser Taste bisher auch nur sehr wenig Beachtung geschenkt und das obwohl sie ein sehr gutes Hilfsmittel darstellt.

  10. Die Abblendtaste ist ein super Luxus. Im Alltagsgebrauch (Landschaftsfotografie oder beim Geburtstag) hab ich sie allerdings noch nie genutzt. Aber für Makros ist sie unerlässlich. Ein wichtiger Tipp: während man durch den Sucher guckt langsam abblenden, dann gewöhnt sich das Auge besser an das dunkler werdende Bild und man erkennt die scharfen Bereiche besser.

  11. Blogartikel dazu: So fotografiere ich (m)ein Kind | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel

  12. Blogartikel dazu: Martin Gommels Weblog: Grundlagen der Fotografie | Nikon-BLOG

  13. Hi,

    danke für diese Erklärung, aber leider habe ich das so nicht wirklich gerafft, was !! mir die Taste an Nutzen bringen soll.

    Ich habe es mit der Bücherecke ausprobiert und bei einer großen Blende (kleine Blendenzahl) ist das Bild nur auf der Bücherecke scharf, hebt sich vom Hintergrund ab und der Rest dahinter verschwimmt. Die Ablendtaste bringt mir im Sucher keinen Vor/Nachteil.
    Bei einer kleinen Blende (große Blendenzahl) ist das Bild überall scharf und die Ablendtaste graut das Bild im Sucher enorm aus, so das kaum Details erkennbar sind.
    Also, nach deinem Artikel hatte ich verstanden das ich das im Sucher meiner Kamera sehe, was sie aus dem Bild (mit kleiner oder großer Blende) macht. Aber das konnte ich im Sucher nicht sehen …
    Wo ist mein Denkfehler? Was habe ich falsch verstanden?

    Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.

    bye, Daniel.

  14. genau das Problem wir Daniel(18.02.2010)
    wollte ich auch grade schildern.

    Habe auch schon so viel über diese Taste gelesen und frag mich auch, was ich falsch machen.

    Durch drücken der Tast wird das Bild im Sucher einfach nur dunkler bis ganz dunkel. Aber ich seh nicht was schaf ist und was nicht.

  15. Super erklärt, danke! Hab mich zuerst gewundert, warum die Taste bei 1.8 keinen Effekt hatte. Klar, dabei schaut man durch die gleiche Blende, wie die Kamera auch fotografiert – die größte. Stellt man aber mal auf 22, ja dann… die Abblendtaste halt. ;o)

  16. endlich mal einer, der es einem einfach und verständlich erklärt. Für mich war die Abblendtaste immer ein „großes“ Geheimnis.
    Nun weiß ich sie zu schätzen.
    DANKE!!!!

  17. Blogartikel dazu: Dein Freund, die Abblendtaste › blendstufe.de

  18. Blogartikel dazu: Grundlagen der Fotografie: Eine Übersicht - kwerfeldein - Fotografie Magazin

  19. Blogartikel dazu: Wofür ist die Abblendtaste? • Digipixblog

  20. Hallo,
    Danke, dass mir als Rookie das mal leicht verständlich erklärt. Ich sah nur die Taste, guckte durch den Sucher und „es ward Nacht“, also dunkel.
    Wenn Du Alles so schreibst, kommst Du in meine Oberguru-Lesezeichenliste. :o)

    Gruß von der Spree, der MotiveHunter

  21. Ich habe gerade wirklich etwas neues über meine Kamera gelernt. Ich bin erst vor drei Tagen auf diesen blg hier gestoßen und das wo ich schon ein paar Wochen länger Fotografiere. Ich abe auch die 350D und fragte mich immer „was ist das für ein Boppel unter der Objektiventriegelung – von der Haptik her muss es eine funktion haben“ Dank Dir weiss ich das nun. Vielen Dank dafüür !! (und ich hab die Kamera gebraucht gekaupft und deswegen leider keine Bedienungsanleitung. ich konnte also vorher nicht nachschlagen – und in google fragen „was ist das für ein boppel hätte nichts gutes ergeben) Dieser Blog hilft mir unglaublich gut bessere Fotos zu machen. Danke dafür und auch für die super einfachen erklärungen

  22. Man sollte in diesem Zusammenhang ggf. noch erwähnen, dass man bei einer Vergrößerung der Tiefeschärfe das dunkler werdende Bild auch mit der ISO Empfindlichkeit wieder „ausgleichen“ kann. So sollte bei einer gewünschten hohen Tiefenschärfe die Abblendtaste genutzt werden und wenn das Bild beim der gewünschten Tiefenschärfe zu dunkel ist, kann man versuchen den ISO Wert zu erhöhen und erreicht wieder ein gutes Ergebnis. Für mich steht die Blendenzahl bei der Makrofotografie unweigerlich auch im Zusammenhang mit der ISO Empfindlichkeit.