kwerfeldein
07. August 2008 Lesezeit: ~4 Minuten

Homo Photographicus

Dies ist ein Gastartikel von Boris Weishaupt. Er lebt und arbeitet in der Schweiz und betreibt als Hobbyfotograf den Blog photographie.in. Boris legt sich nach eigenen Angaben auf keinen fotografischen Bereich fest, sondern beschäftigt sich nach Lust und Laune mit sämtlichen Genres, von Food über Landschaften zur Personenfotografie . Auszüge seiner Arbeiten finden sich auch auf flickr und ipernity.

Du kennst sie bestimmt, diese possierlichen Gestalten, die mal mit grösseren, mal mit kleineren Apparaten vor ihren Augen durch Stadt und Land rennen, mal wild gestikulierend auf andere einredend, mal bedächtig und scheinbar in sich versunken. Sie alle haben nur ein Ziel. Das ultimative Bild zu schiessen. In der Wissenschaft reden wir hier vom Homo Photographicus. Er ist nicht eindeutig in Gattungen abgrenzbar. Wir kennen einige Mischformen und auch unterschiedlichste Entwicklungsstufen, die wir wie folgt unterscheiden:

Zunächst wäre hier der Homo Photographicus Novus zu nennen. Er ist der Frischling unter den Fotografen. Scheu und zögerlich nähert er sich dem Objekt seiner fotografischen Begierde und nestelt unsicher an den viel zu vielen Knöpfen und Schaltern seiner Kamera herum. Hat der H.P. Novis sich dabei ein lebendes und auch noch weibliches (für den weiblichen H.P. Novus vice versa –männliches -) Objekt ausgesucht hat, gipfelt dies schnell in starker Gesichtdurchblutung, gepaart mit Schweißausbrüchen und zittrigen Händen, die dem Ergebnis nicht zwangsläufig zuträglich sind. Kameraautomatiken retten im Regelfall den H.P. Novus in seiner frühen Phase des Ausprobierens.

Dem gegenüber steht der Homo Photographicus Litteratus. Souverän ruft er in jeder Situation sein komplexes Wissen ab. Ihn kann nichts erschüttern. Von sämtlichen technischen Details seiner Kamera, über Kompositionstechniken bis hin zur Geschichte der Fotografie ist er bestens belesen und brilliert mit fachlichem Wissen. Seine Ergebnisse sind technisch einwandfrei, die B-Note nicht zwangsläufig hochklassig. Nennenswert in diesem Zusammenhang sind die beiden weit verbreiteten Untergattungen des H.P. Litteratus. Der Homo Photographicus Litteratus Largum, der großzügig sein Wissen teilt und Freude am Lehren hat (von ihm profitiert in hohem Masse der Homo Photographicus Novus) und der Homo Photographicus Litteratus Avarus. Er geizt mit der Preisgabe seines Wissens, lässt sich im Zweifelsfall gerne bitten, um dann fadenscheinige Ausreden zu finden, warum er nicht helfen kann. Für ihn ist Wissen Macht und Macht teilt man nicht.

Eine weitere Entwicklungsstufe des Homo Photographicus ist der Homo Photographicus Comploro. Er ist ständig unzufrieden. Schlechte Ausrüstung, mieses Licht, das Model hat sich bewegt, und überhaupt… All das muss der Umwelt mitgeteilt werden und dies geschieht auch gerne, bevorzugt auf den diversen Balzplätzen des Homo Photographicus. Beispielhaft sei hier Flickr genannt. Der Homo Photographicus Comploro kann eine unproblematische Zwischenstufe zum H.P. Litteratus sein, in die man auch immer wieder zurückfallen kann. Im negativen Fall erfolgt jedoch die Ausprägung zum Homo Photographicus Miserabilis.

Stetiger Missmut, Beratungsresitenz und allergische Reaktionen gegen konstruktive Kritik münden in maximal erinnerungsfototaugliche Bilder des H.P. Miserabilis. Er erholt sich von dieser Daseinsform nur noch selten und fristet sein Dasein schließlich als simpler Homo Non Photographicus oder umgangssprachlich auch „Knipser“ genannt.

Welcher Homo Photographicus bist Du? Schon auf dem Weg zum Homo Photographicus Genius?

Dieser hochseriöse Artikel ist 100% ernst gemeint, wissentschaftlich fundiert, mit lang angelegten Studien hinterlegt und hält selbstverständlich jeglicher Prüfung auf korrekt angewandtes Latein stand.

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