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28. Juli 2008 Lesezeit: ~9 Minuten

Faszination Ringlicht – Licht in der Dunkelkammer

Dies ist ein Gastartikel von Sebastian Kemmer. Sebastianist im echten Leben Ingenieur für Verfahrenstechnik im Anlagenbau und lebt und arbeitet derzeit in Herrsching am Ammersee. Bis vor kurzem begeisterten ihn vor allem Landschafts- und Reisefotografie, seit einigen Monaten widmet er sich aber zunehmend den Menschen. Seine Arbeiten kann man auf seiner Webseite malter.de sehen.

https://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/gastposts/F/Sebastian_Kemmer_Profilbild.jpg 5. Grundlegende Bildbearbeitung für Ringlichtportraits

Im dritten und letzten Teil geht es um die Nachbearbeitung der Ringlichtbilder. Werkzeug der Wahl ist hierbei Photoshop CS3 und viele der Tipps werden auch nur in dieser Version funktionieren. Teilweise lassen sie sich auch mit anderen Bildbearbeitungsprogrammen und älteren Photoshop Versionen realisieren, den Weg dorthin muss jedoch leider jeder für sich finden. Die Nachbearbeitung beschäftigt sich zudem nur mit den klassischen Portraits im Ringlicht mit schwarzem Hintergrund und erhebt keinen Anspruch auf alle Details einzugehen. Ich möchte hier nur die wichtigsten Schritte erläutern und eine allgemeine Hilfestellung zur Nachbearbeitung geben.

5.1 Der RAW Prozess

Vorausgesetzt die Bilder wurden im RAW Format gemacht ist der erste Schritt eine grundlegende RAW-Bearbeitung. Im Adobe Camera Raw Konverter (oder in Adobe Photoshop Lightroom) werden daher zunächst die Basiseinstellungen angepasst und anschließend ein wenig Feintuning betrieben. Man sollte sich dabei sowohl die Clippings für Schwarz, als auch für Weiß anzeigen lassen.

Grundeinstellungen

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Workflow Options: ProPhoto RGB bei 16bit
Farbtemperatur: 6500 K für echtes 5500 K für kaltes Licht
Tint: Nach Bildeindruck, das Licht ist leicht grünlich, ich verwende oft +20 bis +30
Exposure: Bis erstes Clipping entsteht, dann etwas weniger.
Recovery: Bis alle Clipping Bereiche aus dem Gesicht verschwunden sind.
Fill Light: Lasse ich meist unberührt.
Blacks: Bis der Hintergrund um das Portrait mit Clipping beginnt.
Brightness, Contrast, Clarity, Vibrance, Saturation: Lasse ich meist unberührt.

Tone Curve

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Im Point Reiter verwende ich meist die Einstellung »Strong Contrast«.
Evtl. verstärke ich das noch im Parametric Reiter mit +20, +10, -10, -20.

Detail

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Sharpening Amount und Noise Reduction je nach Gusto. Ich selbst benutze nur die Farbrauschen Option auf ca. 15-30.

HSL

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Hier muss man spielen. Es gibt keine Einstellungen für jedes Bild. Am besten sieht man, was passiert, wenn man jeden Slider ins Extreme zieht. Dann muss man selbst entscheiden, was einem Gefällt.

Alle anderen Reiter sind erstmal nicht weiter wichtig. Wer sich besser auskennt darf sich natürlich austoben. Das Bild kann in Photoshop übernommen werden.

5.2 Haut

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In vielen meiner Bilder habe ich nach dem dem RAW Prozess immer noch überstrahlte Hautpartien. Diese lassen sich recht einfach durch eine Einstellungsebene beheben. Dazu legt man eine neue Einstellungsebene »Selective Color« oder »Selektive Farbkorrektur« an. Hier kann man nach Belieben jeden einzelnen Farbton variieren, für die Überstrahlten Bereiche ist aber vor allem »Lightness« oder »Lichter« interessant. Durch Verstärken von Schwarz dämpft man die überstrahlten Bereiche und erhält ein ausgewogeneres Bild.

5.3 Zähne, Nägel, Glanzlichter

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Von Natur aus haben das Weiß der Augäpfel, Zähne und Nägel eine leicht gelbliche Färbung. Auf Portraits wirkt diese Färbung unvorteilhaft und sollte daher bearbeitet werden. Dazu legt man eine neue Einstellungseben »Hue / Saturation« oder »Farbton / Sättigung« an, invertiert die Ebenmaske und malt die betroffenen Bereiche mit einem weichen, weißen Pinsel wieder hervor. Jetzt senkt man die Sättigung von Gelb auf -100. Mit »Helligkeit« kann man sowohl bei Gelb, als auch bei Master variieren, bis die gewünschte Helligkeit erreicht ist. Sie sollte so ausfallen, dass es schön aber nicht unnatürlich wirkt.

Auf den Lippen und auf den Nägeln kann man vorsichtig mit einem weißen, mittelweichen Pinsel Glanzlichter malen. Diese sollten auf eine getrennte Ebene mit Ebenenmodus »Luminosity« oder »Helligkeit« gemalt werden und die Ebene dann über die Deckkraft so abgeschwächt werden, bis der Glanz natürlich erscheint.

5.4 Augen

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Um die Augen zum Leuchten zu bringen benutzt man die Einstellungsebene »Levels« oder »Tonwertkorrektur«, invertiert die Ebenenmaske und malt die Iris mit einem weichen, weißen Pinsel wieder hervor. Jetzt variiert man mit den Schiebern im »Levels« oder »Tonwertkorrektur« Dialog, bis die Iris aufgehellt, kontrastreich und nicht unnatürlich aussieht.

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Um den Ring im Auge zu platzieren ( in den meisten Fällen wir er nicht exakt zwischen Iris und Pupille liegen ) kopieren wir das Auge zunächste auf eine neue Ebene, Stempeln dann den Ring auf der Grundeben weg und legen anschließend den Ring im Modus »Lighten« oder »Lichter« wieder darüber. Durch rotieren/kopieren, sowie den geschickten Einsatz des Radiergummis sollte bald ein korrekt platzierter Ring um das Auge erscheinen.

5.5 Flecken, Falten, Schatten

Wenn man kein Interesse daran hat der Perfektion Nachhilfe zu leisten kann man ihn auch auslassen. Er ist etwas aufwändiger und benötigt Geduld und etwas Zeit. Um das Originalbild nicht zu überschreiben sollte man eine Kopie der Hintergrundebene machen und dort die Arbeiten ausführen.

Flecken, Pickel, Härchen, Narben, kleine Falten, ausgerissene Haut, Spitzenlichter, Fäden, ausgerissene Bündchen, Staub und ähnliche ‚Ä∫Makel‚Äπ lassen sich am besten mit den Werkzeugen »Patch Tool« oder »Ausbessern-Werkzeug« und »Healing Brush« oder »Reparatur-Pinsel« beseitigen. Das geht schnell und schmerzlos, man muss sich nur die Mühe machen das ganze Bild danach abzusuchen.

Etwas Feingefühl hingegen bedarf es Falten zu mindern. Ich würde nicht soweit gehen jede Falte rigoros zu entfernen, sondern ihre Tiefe etwas abzuschwächen. Dies geht mit dem Stempelwerkzeug wenn man hierzu den Modus auf »Lighten« oder »Aufhellen« stellt. Jetzt kann man mit einer weichen Werkzeugspitze von benachbarten Hautpartien über die Falten malen und diese so aufhellen und damit abschwächen. Dies wird auch auf die Lippen angewandt.

Bei Schatten, also z.B. Tränensäcken geht man genauso vor, nur mit einer größeren Werkzeugspitze und etwas mehr Feingefühl. Hier sollte man sich Zeit nehmen, damit das Ergebnis nicht künstlich aussieht. Alternativ kann man auch mit den Tools »Dodge« oder »Abwedler« und »Burn« oder »Nachbelichter« arbeiten, was schwieriger ist, die ursprüngliche Hautstruktur aber erhält. Zum Arbeiten mit diesen Werkzeugen hilft es die Deckkraft auf 10-20 % zu stellen und vorsichtig zu arbeiten.

5.6 Seidenhaut

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Abermals liegt es im Ermessen des Bearbeiters, ob man der Perfektion Nachhilfe leisten möchte. Bevorzugt man natürliche Portraits kann man diesen Schritt gerne auslassen. Das Anlegen des Schrittes ist recht komplex und erfordert einiges an Rechenleistung. Ich empfehle dafür eine Aktion zu erstellen.

Kopiere die gerade retouchierte Ebene und wandelt sie in ein »Smart Objects« oder »Smart Objekt«.
Wende den Filter »Other->High Pass« oder »Sonstige Filter->Hochpass« an mit einem Radius von 4. Wende den Filter »Blur->Surface Blur« oder »Weichzeichnungsfilter->Feld weichzeichnen« mit einem Radius von 6 und einem Threshold von 5 an. Lege eine Enstellungsebene »Invert« oder »Umkehren« über das Smart Objekt. Wähle beide Ebenen aus und erstelle ein neue Gruppe über das Ebenen Menü »New->Group from Layers (« oder »Neu->Gruppe aus Ebenen )«. Ändere den Ebenenmodus der Gruppe zu »Linear Light« oder »Lineares Licht«. Erstelle eine Ebenenmaske für die Gruppe und invertiere diese.

Nun malt man mit einem weichen, weißen Pinsel alle Hautpartien hervor. An den Rändern und bei Kanten muss man aufpassen, dass diese nicht doppelt erscheinen. Sollte dies der Fall sein, so kann man das mit einem schwarzen Pinsel wieder rückgängig machen. So können auch die Falten der Lippen noch etwas gemindert werden. Mit dem Deckkraft Schieber der Ebene stellt man nun den gewünschten Grad der Hautglättung ein. Am besten beginnt man bei 0 % und tastet sich langsam vor. Meiner Erfahrung nach stellen sich zwischen 30 und 50 % die besten Ergebnisse ein.

5.7 S/W Umsetzung

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Wer ein Freund von S/W Portraits ist der kann nun das fertige Bild in S/W konvertieren. Dies ist am besten über die Einstellungsebene »Black & White« oder »Schwarz & Weiß« zu realisieren. Für schnelle Ergebnisse würde ich den Einstellung »Yellow Filter« oder »Gelbfilter« wählen und anschließend einzeln an den Schiebern korrigieren, bis das gewünschte S/W Bild erreicht ist. Anschließend wird eine weitere Einstellungsebene »Levels« oder »Tonwertkorrektur« erzeugt und dort die »Output Levels« oder »Ausgabe Tonwertkorrektur« um jeweils 5 bis 10 zurückgenommen. Dies mindert den Kontrast in den extremen Schwarz- bzw. Weißtönen und schafft ein ausgewogeneres S/W Bild.

5.8 Tipp für das Bearbeiten mehrere Bilder

Bilder die im selben Setup entstanden sind, sind grundsätzlich gleich. Man kann daher alle ACR Einstellungen übertragen und auch die Einstellungsebenen von Bild zu Bild kopieren um annähernd gleiche Ergebnisse zu erhalten. Einzig die Ebenenmasken, Smart Objects und spezifische Anpassungen wie die Ringe in den Augen, Hautunreinheiten, etc. müssen abgepasst werden. Dadurch spart man sich einiges an Arbeit.


Damit ist der Dreiteiler zum Ringlicht abgeschlossen. Ich bin gespannt eure Ideen und Ergebnisse in der flickr Gruppe zu sehen!

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