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27. Juli 2008 Lesezeit: ~7 Minuten

Faszination Ringlicht – Jetzt geht’s rund

Dies ist ein Gastartikel von Sebastian Kemmer. Sebastianist im echten Leben Ingenieur für Verfahrenstechnik im Anlagenbau und lebt und arbeitet derzeit in Herrsching am Ammersee. Bis vor kurzem begeisterten ihn vor allem Landschafts- und Reisefotografie, seit einigen Monaten widmet er sich aber zunehmend den Menschen. Seine Arbeiten kann man auf seiner Webseite malter.de sehen.

https://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/gastposts/F/Sebastian_Kemmer_Profilbild.jpg3. Das Ringlicht im Einsatz

Im zweiten Teil geht es um einige grundlegende Dinge die man bei der Nutzung des Ringlichtes beachten sollte. Das Ringlicht lädt zum Spielen ein und ich empfehle jedem damit zu experimentieren, es gibt viel zu entdecken. Um aber einen guten Einstieg zu haben, sollte man sich über paar Dinge im Klaren sein.

3.1 Licht aus!

Der Grund für die Wahl der teuren T5 Komponenten war, dass diese nahezu flimmerfrei sind und eine konstante Farbtemperatur haben. Letztere kann natürlich beim Einsatz sekundärer Lichtquellen zerstört werden. Daher sollte man in einem abgedunkelten Raum ohne weitere Lichtquellen Fotografieren. Licht aus, Fenster und Türen zu!

3.2 Objektivwahl

Vorausgesetzt man nutzt eine Kamera mit Wechselobjektiven (das ist kein Muss!) lohnen sich besonders Aufnahmen mit Normal und Extremweitwinkelobjektiven. Experimentierfreudigen sind jedoch keine Grenzen gesetzt. Für alle eingesetzten Objektive empfehle ich eine Streulichtblende zu benutzen.

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Normalobjektive ( wie z.B. eine 50 mm Festbrennweite ) bilden am natürlichsten ab und lassen durch die große Blendenöffnung bei Offenblende viel Spielraum für das Setzen der Schärfentiefe. Ich empfinde das günstige 50 mm f1.8 als optimal für Portraits im Ringlicht. Auch Zoomobjektive wie z.B. ein 24-70 mm f2.8 liefern schöne Ergebnisse.

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Extremweitwinkelobjektive mit Anfangsbrennweiten um die 12 mm oder gar Fischaugenoptiken haben hingegen ihren Reiz im Verzerren der Abbildung. Um besonders beeindruckende Bilder zu erzeugen sollte man hier die Naheinstellgrenze voll ausschöpfen und so nah wie möglich an das Model heran.

3.3 Kameraeinstellungen

Willkommen in der Welt der manuellen Fotografie. Auch wenn die Kamera verschiedene Modi anbietet um Blende und Verschlusszeit zu kontrollieren liefert eine manuelle Bedienung die besten Ergebnisse. Schnell hat man die richtige Kombination aus Blende und Verschlusszeit gefunden und kann sich auf das Bild konzentrieren mit dem Wissen, dass jedes Bild grundsätzlich gleich gut aufgenommen wird.

Für die spätere Nachbearbeitung ist es von Vorteil, wenn man alle Aufnahmen in RAW macht. Besonders zur Kontrolle des Weißabgleiches und der Farben aber auch wegen des Dynamikumfanges ist das RAW dem JPG vorzuziehen. Bei Aufnahmen in JPG sollte man zumindest den Weißabgleich manuell auf ca. 6500 K einstellen. Kann man nur Vorgaben wählen würde ich »Bewölkt« oder »Blitz« versuchen und nur als letzte Möglichkeit »Auto«, da dies zu unregelmäßigen Ergebnissen und dadurch zu unnötiger Mehrarbeit führt. Es empfiehlt sich in jedem Fall mit einer Graukarte zu arbeiten!

3.4 Der Hintergrund

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Der Hintergrund lädt natürlich zum Experimentieren ein. Alte Tapeten können genauso reizvoll sein wie ausgefallene Farbtöne. Dabei ist aber zu beachten, dass das Licht nicht all zu weit in die Tiefe vordringt. Der Hintergrund sollte sich daher unmittelbar hinter dem Model befinden. Reizvoll sind auch Portraits vor schwarzem oder weißem Hintergrund. Hierfür eignen sich Molton Stoffe, die etwas weiter hinter das Model gehängt werden um auf dem Bild unscharf und damit gleichmäßiger zu erscheinen. Wenn kein Stoff zur Hand ist können auch schwarze (weiße) Kleidungsstücke als Hintergrund herhalten. Optimal aber auch ein bisschen Teurer wären natürlich Fotokartons.

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Befestigen kann man den Hintergrund z. B. mit Reiszwecken an der Wand oder ihn über eine Leiter oder einen Stuhl legen. Für Portraits darf das Model ruhig sitzen oder knien obwohl das Stehen mehr Flexibilität zuläßt.

3.5 Ran ans Licht!

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Hierbei gilt der Grundsatz: je näher das Model ans Licht kommt, desto größer wird der Ring im Auge. Tatsächlich muss das Model sehr nahe an den Ring heran, dass dieser genau zwischen Iris und Pupille erscheint, der Stelle an der die meiste Wirkung erzielt wird. Dabei schaut das Model zur Mitte des Ringes bzw. in das Objektiv der Kamera aber ohne dieses zu fokussieren und damit zu Schielen, um den Ring exakt im Auge zu platzieren.

3.6 Mehr Licht!

Durch die frontale Beleuchtung des Ringlichtes wirkt das Model weniger dreidimensional als bei einem klassischen Portraitsetting mit Softboxen. Die geringe Lichttiefe kann dies zum Teil kompensieren aber um zusätzliche Bildtiefe zu erzeugen muss ein weiteres Licht eingesetzt werden. Dabei ist es ratsam ein weiteres Leuchtmittel des Types T5 mit einer Farbtemperatur von 6500 K zu benutzen! Am einfachsten wäre also ein weiteres Ringlicht.

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Dieses kann an beliebigen Positionen eingesetzt werden, man muss nur daran denken, dass die Lichtstärke einzig über die Entfernung zum Model eingestellt werden kann. Eine empfohlene Position für ein zweites Licht ist z. B. links oder rechts des Gesichtes, auf den Hintergrund oder als Haarlicht schräg hinter dem Model. Hier sollte man sich die Zeit nehmen verschiedene Lichtpositionen auszuprobieren.

4. Kreativ werden

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Ein Ringlicht muss nicht zwangsläufig als Portraitlicht für Aufnahmen mit Ring im Auge eingesetzt werden. Es kann ebenso die klassische Softbox simulieren und seitlich als Beleuchtung eingesetzt werden. Das Model schaut dabei an ihm vorbei und nicht hindurch. Hierfür kann man das Ringlicht durch eine Abschirmung zur Seite ergänzen um den Lichteinfall ins Objektiv zu verhindern.

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Man kann das Model auch vor das Ringlicht setzen um so eine Korona um den Kopf und Körper zu erzeugen. Mit einem zweiten Ringlicht hellt man dabei das Gesicht auf. Oder man bestrahlt eine helle Fläche hinter dem Model und lässt das Models im Dunkeln um einen Scherenschnitt zu erzeugen.

In der Nacht sollte man auch mal versuchen das Model z.B. auf eine Wiese oder einfach auf die Straße zu stellen und von oben mit einem abgeschirmten Ringlicht zu beleuchten. Der notwendige Strom kann durch ein Verlängerungskabel oder einen kleinen Dieselgenerator bezogen werden. Hierfür werden allerdings längere Belichtungszeiten benötigt, ein Stativ ist daher Pflicht. Wie schaut das Bild aus, wenn dazu auf den letzten Vorhang geblitzt wird?

Und es muss ja nicht immer ein Mensch im Mittelpunkt stehen. Gerade das kleine Licht eignet sich auch als Makroleuchte, die man am Stativgewinde der Kamera befestigen kann.

Und was passiert, stellt man das Licht z.B. an ein Seeufer und nimmt bei großer Blende über einen Zeitraum von mehreren Sekunden auf?

Ihr habt sicher weitere Ideen, schreibt sie als Kommentar!

Über das Model

Die bezaubernde Krystal kommt aus Garmisch-Partenkirchen und modelt seit 2007. Sie hat schon an vielen Fotoshootings, sowie zahlreichen Werbeaufnahmen und Gastauftritten im TV mitgewirkt. Demnächst wird sie in einer Dokumentation von Pro7 zu sehen sein.

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3 Kommentare

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  1. Von Kreativität ist bei diesen Fotos aber nicht viel zu sehen.
    Das blonde Mädchen hat vier mal den fast gleichen Gesichtsausdruck.
    Da fehlt einfach jegliche Spannung !
    Bei einem schwarzen Hintergrund würdest du wohl mit einer schwarzhaarigen Probleme bekommen !

    Gruß Sabs

  2. @Sabine Latorre

    Daher wählte der Autor/Fotograf wohl auch eine blonde Person für diesen nun mal schwarzen Hintergrund. Wieso man sich diesbezüglich also echauffiert, dass eine schwarzhaarige Person dort wohl Probleme bereiten würde, ist mir nicht ganz klar.

    Kreativität liegt immer im Auge des Betrachters und ich denke mal dass der Artikel lediglich Denkanstöße zu dieser Technik mit sich bringen sollte als groß zu Beeindrucken. Ich sehe es viel mehr als einen Anstoß zu eigener Kreativität.