kwerfeldein
24. Juli 2008 Lesezeit: ~6 Minuten

Stative – Ruhepol für die Kamera, flexible und schwere Begleiter ?!

Dies ist ein Gastbeitrag von Sebastian Aust. Er ist Vermessungsingenieur und fotografiert ausschließlich in seiner Freizeit. Der Fokus liegt dabei auf der Landschafts- und Architekturfotografie, sowie der bildlichen Dokumentation der Hobbys THW und neuerdings Fußball. Einen Blick auf die Bilder von Sebastian kann man bei flickr riskieren oder in seinem Blog mehr über Ihn erfahren.

„Ein Stativ ist schwer und unbeweglich. Bis ich es aufgebaut habe ist das Motiv schon
lange Geschichte und wenn es mal wieder länger dauert, dann öffne ich eben die Blende,
oder mein IS bügelt das schon weg.“ – Unbekannter Fotograf

Es gibt eine Vielzahl verschiedener Stative auf dem Markt, bald für jede Gelegenheit ein Modell,für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel eines. Warum man Stative benutzen sollte, hat Martinschon beschrieben. Der Minitip zum Thema Erst komponieren und dann Stativ aufbauen sollte in Fleisch und Blut übergehen. Das spart richtig Zeit.

Ein Stativ hat die grundlegende Funktion, die Kamera ruhig zu halten. Dies ermöglicht zum einen längere Belichtungszeiten und vermindert zum anderen den Einfluss von verwackelten Aufnahmen.
Das Resultat sind schärfere Bilder.

Drei Anforderungen stelle ich persönlich an ein Stativ:
* Es muss stabil sein, damit Windeinflüsse oder fließendes Wasser das Stativ nicht, oder nur sehr
wenig, in Schwingungen versetzen
* Es muss robust und flexibel sein, handlich und schnell aufzubauen. Funktionalität steht im Vordergrund.
* Es muss tragbar sein, leicht aber kein Fliegengewicht.

Der Kopf – alles beginnt oben!

Als Zubehör zu einem Stativ ist ein Stativkopf zwingend erforderlich. Ich bevorzuge Kugelköpfe um die Kamera schnell und effektiv zu positionieren. Genauso gut kann man aber auch einen Dreiwege- oder Getriebeneiger einsetzen. Für besondere Anwendungen gibt es auch spezielle Ausrüstung. Genannt seien hier einmal Panoramaköpfe oder Makro- oder Verschiebeschlitten.

Der Klassiker – das Dreibeinstativ

Das Dreibeinstativ ist quasi die Grundausstattung. Ein gutes Modell trägt die Kamera samt Objektiv sicher und zuverlässig in jeder Lage, lässt sich schnell und sicher verstellen und ist dabei robust. Zusätzlich verfügt es über eine ausziehbare Mittelsäule, damit lässt sich die Kamera flexibel in der Höhe verstellen. Wenn es tiefer runter gehen soll, vielleicht sogar ganz nah an den Boden, dann kann das Stativ die Beine weit spreizen und im Idealfall noch die Mittelsäule mit wenigen Handgriffen in eine horizontale Position bringen.
Für einen Fotorucksack und zum immer-dabei-haben ist das Dreibeinstativ zu groß und schwer.

Abgespeckt – das Einbeinstativ

Gerade für Sport- und Tierfotografie, bzw. an Orten an denen der Aufbau eines Dreibeinstatives schwer möglich ist, empfiehlt sich der Einsatz eines Einbeinstatives, oder auch Monopod genannt. Ein robustes Modell, dass sich bis auf Augenhöhe ausziehen lässt, sollte es schon sein. Für eine freie Positionierung der Kamera empfiehlt sich auch hier der Einsatz eines Stativkopfes, mindestens mal eines Seitenneigers, damit Hochkantbilder problemlos realisiert werden können. Das Einbeinstativ passt dank seiner Größe und dem Gewicht problemlos in fast jede Fototasche.

Minimalistisch – der Bohnensack

Der Bohnensack ist quasi kein richtiges Stativ, sondern viel mehr eine stabile und formbare Unterlagefläche für die Kamera. Man kann ihn immer dann einsetzen, wenn eine Auflagefläche, bspw. eine Mauer oder ein Stein vorhanden ist. Der Sack ist aus rutschfestem Material und mit der richtigen Füllung, lässt er sich prima formen, so dass die Kamera positioniert werden kann. Keinesfalls ein Ersatz für ein Stativ, aber vom Gewicht und von der Größe in jeder Fototasche leicht unterzubringen.

Erfinderisch – Klemmstative, Saugnäpfe und mehr

Es gibt viele futuristisch anmutende Lösungen für Klemmstative. Solche die sich an Autoscheiben festsaugen, andere werden einfach auf Flaschen gesetzt, manche stehen auf dem Tisch. Beinahe für jeden Zweck gibt es eine gute Idee. Der Nachteil liegt klar darin, dass sich diese kleinen „Wunderdinger“ gut für Kompakt- oder Taschenkameras, keinesfalls für eine Digitale Spiegelreflexkamera, eignen.

Futuristisch – GorillaPod

Bisher habe ich noch keine Markennamen genannt, jedoch ist mir für das flexible Stativ von GorillaPod kein Oberbegriff eingefallen. Es gibt die Stative von GorillaPod in drei Größen, je nach Kameragewicht. Sie haben gemeinsam, Dreibeinstative zu sein, die biegsame „Kugelbeine“ haben, mit dessen Hilfe man sie an Laternen, Zäunen, Rohren und anderen Gegenständen befestigen kann. Eine Empfehlung für jede Fototasche.

Persönliche Erfahrungen & Fazit

Ein gutes Stativ kauft man nur einmal, ein schlechtes hingegen wird wahrscheinlich schnell ersetzt werden. Carbon und andere Hightech-Materialien treiben den Preis eines Stativs schnell in astronomische Höhen, ob man diesen Mehrwert benötigt, muss der Geldbeutel entscheiden. Wie hoch ein Stativ aufbaubar sein muss, entspricht den eigenen Vorlieben und der eigenen Körpergröße. Bei einer Körpergröße von zwei Meter, möchte man sich nicht permanent auf 1,60 m bücken, umgekehrt braucht man mit 1,70 m nicht ein auf zwei Meter ausziehbares Einbeinstativ. Der Stativkopf erhöht das ganze dann schnell einmal um 15 cm, dazu die Kamerahöhe, dann reicht vielleicht auch ein kleineres Stativ. Ein Einbeinstativ, Bohnensack oder GorillaPod hat mir schon ein paar mal ein tolles Foto ermöglicht. Oftmals ergeben sich in unterschiedlichen Situationen interessante Motive, die auch bei Tageslicht plötzlich eine Belichtungszeit von 1/25 Sekunde oder länger erfordern. Zu jedem Stativ gehört ein guter Kopf, der stabil ist, sich schnell bewegen lässt und die eigenen Ideen nicht einschränkt. Wer an diesem Punkt spart, wird keinen Spaß mit einem Stativ haben. Grundsätzlich gilt das gleiche wie bei der Kamera. Wer ein Stativ nicht gerne in der Hand hat, den sicheren Umgang damit beherrscht, der wird das Stativ eher zu Hause lassen, als es zu benutzen.

Gerne freue ich mich über Kommentare und Ideen zu diesem Thema.

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