kwerfeldein
23. Juli 2008 Lesezeit: ~5 Minuten

Haben Fotografen andere Sichtweisen wie Otto-Normal?

Dies ist ein Gastartikel von Kerstin Wagner. Sie ist nebenberuflich als Fotografin tätig und versucht gerade ihren Traum, das Hobby zum Beruf zu machen 100%ig in die Realität um zu setzen. Ihre Schwerpunkte möchte sie dabei auf die Baby- und Kinderfotografie legen. Trotzdem ist sie immer für andere Sichtweisen und Projekte offen, denn sie schaut gern auch einmal über den Tellerrand hinaus. Ihre fotografischen Arbeiten können auf KerstinWagner-Photography.com und hier besichtigt werden.

Bin ganz spontan dem Aufruf von Martin zu einem Gastbeitrag auf KWERFELDEIN gefolgt. Ich habe vor einigen Jahren mit einer kleinen Digiknipse angefangen zu fotografieren und habe alles, was nicht bei 3 auf den Bäumen war abgelichtet. Ein Fotograf und Grafiker aus Frankfurt am Main, den ich über eine Bildagentur kennen gelernt habe, bin ich dann zur Fotografie und Bildbearbeitung gebracht worden. Vor 2,5 Jahren habe ich mir dann die Canon 350D gekauft und im Frühjahr dieses Jahres die Canon 40D, ohne die ich selten aus dem Haus gehe und die ich auch nicht mehr missen möchte.

Haben Fotografen andere Sichtweisen, wie Otto-Normal?

https://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/gastposts/E/Kerstin%20W%20IIa%20%20CAF%20Klassentreffen.jpgDiese Frage hat sich mir schon so oft gestellt, wenn ich in meinem Bekanntenkreis Bilder von hervorragenden Fotografen zeige, wo ich ins Koma falle, weil ich sage: Wow und phantastisch! So möchte ich auch mal fotografieren können und mein Gegenüber schaut mich nur an und schüttelt den Kopf, weil das Bild eine grobe Körnung, eine gekonnt eingesetzte Bewegungsunschärfe, einen genialen Bildausschnitt u.s.w. zeigt, was er für Pfusch hält.

Für mich ist das eine gekonnte Bildkomposition und dann frag ich mich immer wieder:
Wie überzeugst Du Dein Gegenüber, damit er nicht Knipsebildchen bekommt?

Mir selbst, hat es mächtige Kopfschmerzen eingebracht, wie ich im Frühjahr meine erste Hochzeit fotografiert habe.

Dazu muss ich kurz vorher anbringen, das ich ein begeisterter Fan von Jeff Ascough http://www.jeffascough.net bin. Er ist einer der 10 weltbesten Hochzeitsfotografen und das zu recht, denn seine Art und Weise diesen Tag zu dokumentieren, ist einfach genial.
Ich selbst kann mir seine Bilder stundenlang anschauen und finde es phantastisch, wie gefühlvoll, romantisch und natürlich er seine Bilder mit fotografischen Stilmittel komponiert. Da kann sogar eine verregnete Hochzeit Spaß machen, wenn man sich diese Bilder betrachtet. Hier in Deutschland würden wahrscheinlich nur lange Gesichter zu sehen sein… Vielleicht ist es aber auch die Mentalität der Engländer, die mit Regen anders umgehen, oder man weis nicht, was Herr Ascogh hinter der Kamera veranstaltet, das die Hochzeitspaare strahlen, wie bei Sonnenschein! ;-)

Bei der Hochzeit, die ich dokumentiert habe, war dieser Stil überhaupt nicht erwünscht.
Nein … nur keine b/w Aufnahmen … keine so kleinen feinen Detailaufnahmen, die zeigen, mit wie viel Liebe die Hochzeit arrangiert wurde. Schon im Vorgespräch wurde mir klar, das ich hier auch nicht im Ansatz, diesen Stil zu fotografieren, mit einbringen kann. Hier hieß es nur…recht viel der ganzen Verwandtschaft auf ein Bild mit drauf quetschen und immer schön bunt. :-(

Der Tag kam und ich hab mich frisch ans Werk gemacht. Hab es so abgehandelt, wie erwünscht, obwohl sich oft der Auslöser nicht drücken lassen wollte, weil ich mir gesagt habe: Das ist nicht das, was Du an Hochzeitsfotografie machen möchtest, aber: „Der Kunde ist König!“ Trotzdem habe ich für mich, soweit es ging, versucht, ein wenig diese Art der Fotografie um zu setzen. Wie ich die Bilder dann fertig bearbeitet hatte, hab ich auch ein paar dieser Aufnahmen zur Auswahl gestellt und wie erwartet, wurden diese als misslungene Aufnahmen abgehandelt und man schaute mich mit entsetzten Augen an, wie ich so etwas anbieten könne.

Habe in einem Forum, in dem ich bin, diese Aufnahmen einigen Hobby- wie auch Berufsfotografen zur Diskussion frei gegeben und hier kam eine völlig andere Resonanz rüber. Klar, wurde auch Kritik geübt, wo ich mit umgehen kann, aber es war auch meine erste Hochzeit und niemand ist perfekt, ich stehe noch am Anfang und lerne jeden Tag dazu, aber da stellte sich mir, wie am Anfang meines Gastartikels die Frage:

„Haben Fotografen andere Sichtweisen, wie Otto-Normal?“

Würde mich brennend interessieren, was für Erfahrungen Ihr bisher gemacht habt? Wie reagieren die Profis unter den Lesern von KWERFELDEIN, wenn der Kunde komplett andere Vorstellungen hat, von dem, wie Ihr es machen möchtet, wie Eure Art und Weise ist, zu fotografieren? Wie überzeugt Ihr den Kunden, von Eurem Stil und bis zu welchem Maß weicht Ihr von diesem ab? Ich glaube, das ist ein Problem was nicht so leicht zu händeln ist und darum bin ich auf Eure Antworten und Tipps gespannt?

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