Kwerfeldein
14. Juli 2008 Lesezeit: ~ 4 Minuten

Die Blende verstehen (Teil 2) : Schärfentiefe

Wenn man die Schärfentiefe einmal verstanden hat, ist man einen grossen Schritt weiter. Als ich dieses Prinzip einmal verstanden hatte, begann das Fotografieren von Menschen und Objekten richtig Spass zu machen. Ich wusste auf einmal, wie das mit dem verschwommenen Hintergrund richtig funktioniert und wie man alles im Bild scharf erscheinen lassen kann.

Heute werde ich versuchen, Dir die Schärfentiefe zu erkären. Dabei werde ich so einfach wie möglich formulieren und unnötige Erklärungen beiseite lassen. Mir ist wichtig, dass Du den Kern der Sache verstanden hast und das dann auch anwenden kannst. Entspanne Dich und lese Schritt für Schritt diesen Text durch.

Dann legen wir mal los und zu Beginn schauen wir uns wieder ein nettes kleines Video an. Hier ist die Mitte des Films am interessantesten.

Übersetzungshilfe : Aperture = Blende ; Depth of field = Schärfentiefe

Die Schärfentiefe ist ein Wort für den Bereich, der auf Deinem Foto als scharf wiedergegeben wird.

Mit der Wahl der Blende kannst Du ganz einfach beeinflussen, wieviel Dinge im Bild scharf sein werden. Wählst Du eine grosse Blende (f/1,8 oder f/3,5) dann werden nur anfokussierte Teile des Bildes 100% scharf sein. Wählst Du eine kleine Blende (f/8, f/16), dann werden viel mehr Teile des Bildes im Bereich der Schärfe liegen.

Um dies zu verdeutlichen habe ich 3 Bilder mit unterschiedlicher Blende gemacht.

Die Blende verstehen (Teil 2) : Schärfentiefe
f/2.8 : Nur sehr wenige Buchstaben sind auf dem Foto zu erkennen. Beim Fotografieren habe ich die Worte “Then he said..” anfokussiert.


f/7,1 : Nun kann man schon mehr lesen. Die Schärfentiefe hat sich nach vorne und nach hinten deutlich ausgeweitet. Dennoch sind im vorderen und hinteren Beich Worte nicht zu erkennen und immer noch unscharf.


f/22,0 : Dies ist die kleinste Blende, die ich bei meinem Objektiv ansteuern kann. Das heisst, dass mehr Schärfe aus dieser Perspektive und mit dieser Brennweite nicht erzielt werden kann. Schärfer geht nicht.

Anwendungsbereiche
In der Landschaftsfotografie möchte man meistens, dass alle Bereiche des Bildes scharf zu erkennen sind. Somit wird in diesem Genre mit kleinen Blenden fotografiert. Hierbei werden bevorzugt weitwinklige Objektive benutzt, da diese auch die grosse Schärfentiefen gewährleisten.*

Hingegen benutzt man in der Portraitfotografie auch gerne einmal grosse Blendenöffnungen, um den Menschen von Hintergrund abzuheben. Mit lichtstarken Objektiven, die eine lange Brennweite haben (z.b. 80mm) können sehr kleine Tiefenschärfen erreicht werden.*

Besonders in der Macrofotografie entdeckt man den Umgang mit grossen Blenden (z.B. 1,4) um einen Salamander scharf, den Rest aber unscharf erscheinen zu lassen.*

*In allen Bereichen gibt es auch Ausnahmen – die von mir aufgeführten Vorgehensweisen sind keine Regeln.

Selektive Schärfe / Unschärfe
Wikipedia verrät uns noch etwas wichtiges :

“Der gezielte Einsatz der Schärfentiefe durch Einstellen der Blende, der
Entfernung und der Brennweite ermöglicht es, den Blick des Betrachters
auf das Hauptmotiv zu lenken. Dazu schränkt der Fotograf die
Schärfentiefe so eng wie möglich um die Ebene ein, auf der sich das
Hauptmotiv befindet. Der Vorder- und Hintergrund wird dadurch unscharf
abgebildet. Diese selektive Unschärfe lenkt weniger vom Hauptmotiv ab, das durch die selektive Schärfe akzentuiert wird.”

Praxistipp
Bei fast jeder digitalen Kamera gibt es eine Einstellung, bei welcher Du nur die Blende bestimmen kannst und die Kamera von selbst die Belichtungszeit einstellt. Das nennt man dann Zeitautomatik oder Blendenvorwahl und ist bei Canon Kameras als “Av” gekennzeichnet. Dadurch hast Du die Freiheit, Dich voll und ganz auf die Bildkomposition und die Schärfentiefe zu konzentrieren. Fotografiere das nächste Mal Dein Objekt in unterschiedlichsten Blendenstufen und vergleiche anschliessend die Schärfentiefe.

Aber vorsicht : Bei “Av” musst Du immer die von der Kamera gewählte Belichtungszeit im Auge behalten !

Noch Fragen ? Ruhig stellen !

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40 Kommentare

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  1. Hi Martin,

    noch ein Abschnitt bezüglich sinnvoller Blenden und ein Verweis auf die Schärfentiefe, bzw. DOF wären gut, sonst laufen morgen alle mit Blende 22 rum, weil der Martin gesagt, hat, damit ist das Bidl von vorne bis hinten scharf.

    Dies ist ja Abstandsabhänging…

    Gruß,

    Sebastian

  2. Ein paar Faustregeln (oder eigene Vorlieben), was verwendete Blenden für verschiedene Motive und Situationen betrifft, fände ich ebenfalls sehr interessant – gerade in Sachen Landschaftsfotografie tappe ich dabei häufig im Dunkeln, aber auch, wenn ich einfach mit offenem Auge durch die Stadt wandere. Da ist oft auch Kommissar Zufall im Spiel, was ich eigentlich recht unbefriedigend finde.

    Klar, dass das nicht allgemeingültig geht, aber ein paar “Best Practice”-Erfahrungen habt ihr doch bestimtt?

    Ansonsten: Vielen Dank für Deine Serie, Martin. Ich lese Dein Blog mittlerweile sehr gerne, weil gerade auch für Anfänger wie mich viele wertvolle Tips hier zu finden sind.

  3. Eine wirklich tolle Serie! Hätte es die vor einigen Jahren gegeben, ich hätte mir viel Try-and-Error erspart…

    Eine Frage bezüglich der Blende habe ich noch: Es heißt ja immer, dass es bei besonders offenen (?) Blenden zu Verzerrungen kommt oder zu leichter Unschärfe. Warum eigentlich? Das frag ich mich schon länger.

  4. @Martin: Mist, unklar ausgedrückt. Ich meine nicht den “normalen” Schärfebereich, also die Schärfentiefe. Sondern die Tatsache, dass bei besonders offener Blende auch der scharfe Bereich nicht ganz scharf ist bzw. es da Verzerrungen geben soll. Dieser Effekt tritt nur bei digitalen Spiegelreflexkameras auf, darum komme ich da mit meinem analogen Wissen nicht weiter. Hab es nur schon ein paarmal wo aufgeschnappt, dass es sowas gibt. Weißt du, was ich meine?

  5. @Georg : Kleine Blende = Grosse Blendenzahl ; Grosse Blende = Kleine Blendenzahl. Ich weiss, das ist kontrainuitiv und leicht zu verwechseln ;)
    @bee : Hm, mir ist so etwas nocht nicht begegnet und ich habe bisher davon auch noch nicht davon gehört. Das heisst aber nicht, dass es sowas nicht geben kann. Hast Du Fotos, wo sowas zu erkennen ist ?

  6. Ich möchte an dieser Stelle noch einstreuen, dass die Beugung einen begrenzenden Faktor für das Gesamtergebnis darstellt.
    Hab grad mal danach gesucht und
    http://www.colorfoto.de/Themenspezial/Beugung-bei-kleinen-Blenden_1505844.html
    gefunden wo der Zusammenhang gut erklärt wird.
    Deshalb muss die Frage nach dem schärfsten Bild meiner Meinung nach doch wieder mit “kommt darauf an” beantwortet werden, bei NikonD80+Tamron17-50/2.8 z.B. ca Blende 11.
    Aber deshalb macht Fotografie ja auch so viel Spaß ;-)

  7. Ja, Daniel, genau das war’s: “Beugung” (ups sorry, ich hatte in Erinnerung, das würde bei großen Blenden auftreten, nicht bei kleinen.) Dankesehr für den Link, schaut ja etwas kompliziert aus auf den ersten Blick, aber ich werd’s mir mal anschauen.

    @Martin: Das meinte ich ;)

  8. Was bei der Tiefenschärfe auf jeden Fall noch noch erwähnt werden sollte, ist der Abstand zum Motiv. Eine Landschaftsaufnahme mif f4.0, wie sie meist von Kompaktkameras bei Programmautomatik angeboten wird, kann durchaus ein kommplett (relativ) scharfes Abbild der Landschaft ergeben. Fokussiere ich jedoch einen nahestehenden Baum an, so wird die Landschaft dahinter unscharf. Verstärkt wird es noch je mehr ich zoome.

  9. @bee: So verkehrt war das mit der offenen Blende auch nicht.. Objektive neigen dazu, bei “Offenblende” auch im scharfen Bereich nicht mehr so gut abzubilden, wie sie es abgeblendet machen…

    Deswegen spricht man ja auch von einem “sweet spot”, der idealen Blende quasi wo das Objektiv seine beste Leistung entfaltet…

    Man korrigiere mich, wenn ich mich irre…

  10. @Bee : Aaah jetzt versteh ichs erst – cool. Na dann werd ich mal das mit der Beugung lesen. Schön, so aufmerksame Leser wie Dich zu haben, da kann man ne Menge dazulernen !

    @Dogwatcher : Yap, das macht (im Zusammenhang mit der Beugung) durchaus Sinn !

  11. Blogartikel dazu: Die Abblendtaste nutzen | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel

  12. Blogartikel dazu: Blendenwerte – einmal dargestellt | RahmenHandlung

  13. Vorher habe ich nur gewusst dass eine grosse Blende eine geringe Schärfentiefe hat. Doch ich konnte mit beiden Begriffen nichts anfangen. Die Fotos haben sehr zum Verständnis beigetragen.

  14. ich werde die Tipps aufjeden Fall bei meinem nächsten Shooting bei den Portraits umsetzten. Bisher habe ich als “Einsteiger” immer auf gutglück die Blende etc eingestellt, das hier hilft mir ein großes Stück weiter!

  15. Blogartikel dazu: Schärfentiefe vs. Tiefenschärfe | MonoStep

  16. Hätte ich diese Reihe nicht (durch Zufall) gefunden, so wäre wohl nun mein Urlaub hinüber.
    Und alles hat “nur” damit angefangen das ich wissen wollte, wie man gescheit fließende Gewässer fotografiert bzw. dieses “Verwischte” hinbekommt. :)

    Ne klasse Sache hier, einfach und sehr verständlich.

  17. Blogartikel dazu: Fotografische Basics: Tiefenschärfe | Das offizielle video2brain-Blog

  18. hallo :))
    wir haben am montag eine fotoabgabe und das thema dieser mappe ist schärfentiefe.
    ich komme gerade einfach nicht weiter. ich soll die schärfentiefe erklären (das kabe ich hin bekommen).
    wie sollen auch bezug darauf nehmen: Schärfentiefe: Abhängigkeit von der Blende
    Abhängigkeit vom Abstand
    Abhängigkeit von der Brennweite.
    Ich habe da schon so einiges im internet mehr oder weniger zu gefunden.
    Doch irgendwie bleib ich stecken.

    würde mich freuen wenn du mir helfen könntest.

    Liebe Grüße

  19. Hallo Martin,
    ich habe keine Ahnung, ob diese Seite überhaupt noch “aktuell” ist, denn ich lese hier Kommentare aus dem Jahre 2008. Von meiner Seite aus jedenfalls lieber spät als gar nicht ein “Danke” für Deinen wirklich guten Beitrag.
    “Sebastian” hat meine Frage, weshalb ich für deren Beantwortung gerade im www. unterwegs bin, schon grob angerissen. Ich besitze seit einigen Jahren u. a. Tamron 17-50 f 2,8 und Tamron 28-75 f 2,8. M. E. wirklich ganz herausragend gute Objektive, mit denen ich aus voller Überzeugung bestimmt noch in 10 Jahren unterwegs sein werde! Heute Abend bin ich eher zufällig auf ein Review zu diesen beiden Objektive bei ePhotozine gestossen. Noch mehr als beim 28-75 fällt für das 17-50 in den dort dargestellten Grafiken auf, dass die “Resolution” ab f 11 (hin zu f 32) kontinuierlich (bis “haar-sträubend”) abnimmt. Die “optimalste Blende” für Tamron 17-50 f 2,8 scheint nach der Grafik dort jedenfalls 5,6 zu sein (“by the way”: Ein Tamron 28-75 2,8 “sprengt'” dort bei f 4 sogar noch die Marke “Excellent”!).
    Mein Frage – auf die ich im www. eine Antwort zu finden hoffe – war und ist: “Bleibt der Hintergrund bei optimalem Fokus auch bei Bester “Resolution” (= f 5,6) vollkommen scharf”?
    Mit meiner jetzt fast 82jährigen Mutter war ich am vergangenen Wochenende bei herrlichstem Wetter in der Eifel unterwegs. Diese alte Frau – meine Mutter – in freier Natur in einem riesigen Kornfeld bei bestem Abend-Licht vor einem nicht endend wollenden Rapsfeld zu fotografieren – das war für mich ein Erlebnis! Unendlich viele Möglichkeiten zu einer solchen Wiederholung wird es nicht mehr geben. – “Technische Frage”: Das Rapsfeld sollte auf gar keinen Fall “unscharf” werden und in einem “platten Gelb” verlaufen; vielmehr sollte der Hintergrund aus zig-tausenden Raps-Blüten “bis in die Unendlichkeit” erkennbar bleiben. War es jetzt ein “Fehler” von mir, hier mit f 11 zu fotografieren? “f 11” ist nach der Grafik zwar immer noch “Good”, aber keinesfalls mehr “Excellent”, und schon gar nicht darüber hinausragend (wie Tamron 28-75 bei f 4). – Eine zugegebenermaßen fast “akademische Frage”: Hätte ich in dieser Situation mit f 5,6 statt mit f 11 (im beschriebenen Sinne) “bessere” Fotos gemacht?
    Ganz so leicht scheint es mit “Blende und Schärfentiefe” im Detail dann leider doch nicht zu sein. Und diese “Blösse der Unwissenheit” erlaube ich mir sogar nach 40 (!) Jahren Fotografie!

  20. Blogartikel dazu: Fotografieren bei schlechtem Wetter | fotobeam

  21. Blogartikel dazu: Das Bahnvelo aus einer etwas anderen Perspektive | PictureThis

  22. Hallo,
    Zunächst mal danke für die Beiträge.
    Aber irgendwie verstehe ich den 2.Teil hier mit den Beispielbildern nicht.
    Ein Widerspruch für mich (zum Teil 1).

    Blende weit offen = große F-Zahl
    Sollte jetzt hier nicht mehr Bereiche im Buch scharf abgebildet sein.?

    Gruß
    Selahattin

    • Eine Blende ist immer gleich gross. Es gibt nur eine Blende im Kasten und diese ist auch nicht austauschbar oder so. Aber diese Blende verstellt sich(!!!) bei der Blendenwahl und das “Loch” in der Mitte der Blende wird kleiner oder grösser. Wenn beim Fotoapparat eine grosse “Blendenzahl” eingestellt ist, z.B. f16, dann ist die Blende fast zu, besagtes “Loch” ist also nur noch sehr klein… Und umgekehrt; heisst, wenn beim Rad bei dem man die Blende einstellt eine kleine Zahl wählt, z.B. f1.8 geht die Blende fast ganz auf. Zusammengefasst: Wenn Du beim Einstellen der Blende eine grosse Zahl wählst, wird die Blendenöffnung (das Loch in der Mitte der Blende, sehr klein und lässt folglich nur wenig Licht durch. Wenn Du aber eine kleine Zahl wählst wird die Blendenöffnung gross (das Loch in der Mitte der Blende wird weitet sich und lässt so natürlich mehr Licht durch.
      So.
      Wenn Du die Blende gross einstellst (also eine kleine Zahl gewählt hast) hast Du eine kleine Tiefenschärfe. Heisst, nur ein kleiner Bereich, vor allem in der Tiefe wird scharf. Beispiel: Willst Du genau eine einzelne Blume in einer Blumenwiese fotografieren, dann soll ja möglichst nur genau diese scharf sein und der Rest der Wiese und die anderen Blumen sollen “zurücktreten”, also unscharf werden, so dass allein “deine Blume” scharf wird und “im Mittelpunkt” steht. Dazu ist eine kleine Schärfentiefe nötig. Zack, tiefe Zahl einstellen, Blendenöffnung wird automatisch gross und “deine” Blume wird mit Abstand am schärfsten, während der Rest unscharf ist was im Extremfall schon fast wie verschwommen wirkt. Super!!!.

      PS Weisst Du wie eine Blende aussieht? Sonst mal schlau machen. Auch was der Begriff grosse Schärfentiefe oder eben kleine Schärfentiefe verinnerlichen, ist ja oben mit den Bilder der Schrift im Buch bestens illustriert. Ich habe jetzt das selbe einfach zigmal wiederholt. Aber wenn es hilft, super! Hatte am Anfang natürlich auch Mühe mit den Gegensätzlichen Bezeichnungen, resp. Wirkungen. Grosse Blendenzahl ergibt kleine Blende usw. Viel Glück falls Du das noch liest. Aber auch wenn nicht, Glück wünschen kann nicht schaden… ;-)