kwerfeldein
08. Juli 2008 Lesezeit: ~5 Minuten

Gib niemals auf – ich meine niemals



Ich höre immer wieder Hobbyfotografen die verzweifelt sind mit sich selbst. Sie kommen einfach nicht weiter, fühlen sich fehl am Platz in der Welt der Fotos und bekommen dann obendrauf eine harsche Kritik, die sie völlig fertig macht. Dabei wollen sie nur eins : Besser werden und Fotos machen, die ihnen selbst gefallen. Doch sie haben das Gefühl, niemals dort anzukommen, denn es gibt immer jemanden, der noch was an den Fotos auszusetzen hat – manchmal sind sie es sogar selbst. Wenn Du Dich damit identifizieren kannst, dann ist dieser Post für Dich.

Ich kenne diese Situation gut und habe in meiner Laufbahn auch mit diesen Problemen gekämpft. Und auch heute ist es nicht so easy funky, wie sich das manch einer so vorstellen mag. Doch auf meinem Weg mit der Kamera habe ich Gründe gefunden und aufgehoben, die bestätigen warum es sich lohnt, niemals aufzugeben. Diese Gründe sind keine Alltime Sofortmedizin, aber sie haben mir hier und da geholfen erhobenen Hauptes weiterzumachen. Auch oder gerade dann, wenn man meint, es geht überhaupt nicht mehr weiter.

Du bist nicht alleine. Auch wenn Du glaubst, dass Du der / die Einzige bist, dem / der es so geht stimmt das zum Teil, denn niemand fühlt so wie Du. Doch ich kann Dir versprechen : Es gibt mehr Menschen da draussen, die manchmal an sich und der Kamera verzweifeln als Du denkst. Nur die Wenigsten trauen sich, offen darüber zu reden, vor Angst mal wieder eins drauf zubekommen oder ausgelacht zu werden. Doch es ist bei Weitem nicht so wie es manchmal scheint, denn jeder von uns trägt seine Lasten mit sich rum. Du bist nicht alleine.

Sprich mit Buddies darüber. In harten Zeiten habe ich mit die besten Erlebnisse gehabt, wenn ich meine Probleme offen und ehrlich mit Menschen geteilt habe, denen ich vertrauen kann. Auch Fotokollegen habe ich schon das ein oder andere Mal zugemutet, mein „wahres“ ich zu sehen – und ich war überrascht über viele Reaktionen. Viele meinten dann „Oh ja – das kenn ich. Das ist mir da und da auch schon so gegangen“ – andere meinten „Halt durch, Digger Du schaffst das – so ist das Leben“. Natürlich musst Du mit ein bisschen Feingefühl die Sachen erzählen – Deine Freunde sollen ja nicht in Deinen Tränen ertrinken ;)

Fehler sind erlaubt. Daneben gegriffen ? Mit ISO 10000000 fotografiert und ordentlich Salz in der Suppe ? Derbe unterbelichtet ? Schlecht komponiert ? Ja, das ist doof und verdammt ärgerlich. Aber eins muss Dir klar sein : Fehler sind okay. Sie gehören zum Weg. Klar, wir wollen sie vermeiden und am Besten aus unserer Geschichte streichen. Doch im Leben gibt es kein Delete – da passieren Fehler und die sind okay. Schau Dir mal das Portfolio vom derbsten Fotografen an, den Du kennst. Was siehst Du ? Die guten Fotos. Was siehst Du nicht ? Die zigtausend schlechten Fotos, die nix können. Und ohne die der Fotograf nie soweit gekommen wäre. Sie gehören dazu. Nur wer Fehler macht, kann aus ihnen lernen.


Analysiere heftige Kritiken sachlich. Das ist schwer, nicht war ? Aber wichtig. Im ersten Moment würden wir gerne zurückkommentieren, dem anderen eins auswischen, „was hat der denn das Recht dazu“ usw. Wir reagieren erst einmal emotional – klar (da bin ich besonders anfällig). Doch wenn der erste Frust mal vorbei ist, dann ist der Zeitpunkt auf den es ankommt. Setze Dich konzentriert und entspannt nochmal dran und denke über die Worte nach. Und dann gilt es auszusortieren : Wo hat der Kritiker wohlmöglich recht ? Spricht er evtl. einen wunden Punkt an, an welchem ich empfindlich bin ? Und wo liegt er 100 % daneben, weil seine Worte verallgemeinernd, beleidigend oder einfach nur daneben sind ? Wenn Du Dir ganz unsicher bist, dann lese die Kritik mal einer/m guten FreundIn vor und bitte ihn/sie nach einem Feedback. Jemand von aussen kann vieles entspannter und objektiver beurteilen und das kann Dich weiterbringen.

Fotografiere wie gehabt. Lass Dich von Enttäuschungen nicht davon abhalten, zu fotografieren. Kurs halten. Bleibe bei Deinem Plan und fotografiere in aller Ruhe weiter. Mit dieser Hingabe und dem nögigen Biss dranzubleiben wird Dich so schnell nichts umhauen. Weiter gehts, Du packst das.

Befreie Dich von jeglichem Druck. Solange Du keine Auftragsarbeit zu erledigen hast, brauchst Du Dich nicht unter Druck setzen lassen. Nicht von anderen und nicht von Dir selbst. Ja, besser werden wollen wir alle und am besten gestern. Doch Wachstum braucht Hingabe UND Zeit. Es bringt nichts, Jeden Tag hunderttausende Fotos zu machen und nach 3 Wochen völlig erschöpft die Kamera ins „Korn“ zu werfen. Lieber langsam ins Ziel als gar nicht.

Betone Deine Erfolge. Wenn Du Deine Bilder betrachtest, was geht Dir dann durch den Kopf ? Welche Gedanken spielen sich bei Dir ab ? Siehst Du nur die scheinbar misslungenen Bilder oder auch die Guten ? Beides ist wichtig. Um aus Fehlern zu lernen, muss man sie erkennen. Doch auch die guten Bilder müssen gefeiert werden. Das sind diejenigen, die Dich am stärksten ermutigen können. Sie sind der Beweiss – schwarz auf weis – für Dein Können. Trau Dich, auf diese Fotos stolz zu sein.

Gib niemals auf. Ich meine NIEMALS.

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