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04. Juli 2008 Lesezeit: ~ 4 Minuten

Die Belichtungszeit verstehen

Wie war das nochmal mit der Belichtungszeit? Was bedeutet das mit den Sekunden? Diese Fragen sind wichtig – und wie wir alle wissen gibt es keine dummen Fragen sondern nur dumme Antworten.

Ich werde aber heute versuchen, möglichst schlaue Antworten zu geben, ohne es besonders kompliziert zu machen. Wie beim letzten Post zum Histogramm schauen wir uns auch dieses mal zu allererst ein kurzes Video an. Bitte sehr.

Um ein Foto zu machen, muss Licht auf den Film oder Chip in die Kamera durch eine Öffnung fallen. Nun muss das ja reguliert werden. Dafür sorgen die Blende (wie weit wird geöffnet)* und die Belichtungszeit (wie lange).

Das Beispiel mit der Tür.

Der nette Herr im Video hat das ganz gut erklärt. Es können nur soviele Leute einen Raum betreten, wie weit und wie lange die Tür offen ist. Das kann man sich gut merken, finde ich.

Kurze Belichtungszeiten

Wenn Du einen kurzen Moment in Deiner Kamera festhalten möchtest, dann sind möglichst kurze Belichtungszeiten wichtig, logisch. Das untere Foto habe ich mit einem zweihundert-fünfzigstel oder 1/250s fotografiert. Hätte ich hier mit 1/50s Sekunde fotografiert, wäre der Florian grösstenteils verwischt. Deswegen ist es in der Sportfotografie so wichtig, möglichst kurze Belichtungszeiten einzustellen, denn gerade da werden häufig schnelle Sportler “eingfroren”.

Die Belichtungszeit verstehen
Achte also bei schnellen Abläufen darauf, dass Du so kurz wie möglich belichtest, damit man keine Verwische auf den Fotos sieht. Meine Zeit von 1/250s ist hier auch schon hart an der Grenze, denn wenn man etwas heranzoomd, sieht man am rechten Schuh eine leichte Bewegungsunschärfe.

Wikipedia drückt das Ganze so aus :

Sie bestimmt ob der Propeller eines Flugzeuges als verschwommener Kreis (längere Belichtungszeit) oder als scheinbar stehender Propeller (kurze Belichtungszeit) abgebildet wird (siehe auch Bewegungsunschärfe

Lange Belichtungszeiten

Die Belichtungszeit verstehen

Je länger Du die Belichtungszeit in Deiner Kamera einstellst umso verwischter und unschärfer werden Deine Fotos. Dieses Foto wurde mit 60 Sekunden belichtet. Hierbei wollte ich den ganzen Fahrtweg des Autos in ein Bild bannen. Hätte ich hier nur 1 Sekunde gewählt, wäre nur ein kurzes Stück “Licht” auf dem Fotos zu sehen gewesen.

Die Belichtungszeit verstehen

Möchtest Du also absichtlich einen Verwischeffekt haben, kannst Du lange Belichtungszeiten einstellen. Achte dabei aber darauf, Deine Kamera auf einem Stativ zu befestigen, wenn Du bestimmte Elemente (wie hier die Steine”) scharf und andere (Wasser) verwischt haben möchtest. Es gibt auch Situationen, in denen das nicht so ist siehe unteres Foto) :

Die Belichtungszeit verstehen

Diese verschiedenen Bilder sind in einem gif komprimiert und zeigen ganz gut die Wirkung unterschiedlicher Verschlusszeiten. Dabei kann man gut erkennen, dass das Wasser komplett unterschiedlich aussieht – je nach dem, wie lange belichtet wurde. Beim 1/800s ist das Wasser superscharf, bei 1/3s wird es so schön milchig und verschwommen, wie wir es haben wollen.

Brennweite und Belichtungszeit

Da sich Deine Hand beim Halten der Kamera minimal bewegt, sorgt das für Verwackelungen. Die hast Du bestimmt schon einmal auf Deinen Fotos festgestellt (falls nicht, dann schau mal bei 200mm auf ein ruhiges Objekt). Und um so länger Deine Brennweite ist, umso stärker siehst Du das auch im Sucher bzw. in Deinen Fotos.

Somit musst Du darauf achten , dass die Belichtungszeit so kurz ist, dass man das auf dem Foto einfach nicht merkt. Meine Regel diesbezüglich lautet wie folgt :

Brennweite = Minimum der Belichtungszeit als Bruchteil der Sekunde.

10 mm = Minimum 1/10s oder kürzer (1/20s)
50 mm = Mimimum 1/50s oder kürzer (1/80s)
200 mm = Minimum 1/200s oder kürzer (1/250s)

Achtung ! Belichtungszeit und Blende hängen eng miteinander zusammen. Sie sind quasi Bruder und Schwester. Aber machen wir doch eins nach dem anderen, uns drängt ja niemand. Und den Zusammenhang zwischen Blende und Belichtungszeit, können wir ja dann noch angehen, wenn wir auch die Blende erklärt haben. Aber :

*Das mit der Blende machen wir dann das nächste Mal.

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46 Kommentare

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  1. Zu der Faustregel mit 1/Brennweite hätte ich grad mal noch eine Frage auf die ich bislang nur unterschiedliche Antworten bekommen habe: 1/Brennweite oder 1/Brennweite*Cropfaktor?

    Also für 50 mm nur 1/50 Sekunde Belichten oder 1/80 weil Cropfaktor 1,6? ;)

  2. @Ole : LOL
    @Bastian : Gute Frage ! Das müsste man mal testen – ich fahre mit der gecroppten 30D zwar auch gern “schneller”, weil ich dann noch sicherer bin , aber das ist ein guter Gedanke.. Hm…

  3. Bastian: die Regel muss lauten: 1/(Brennweite * Cropfaktor), also 1/80.

    Begründung: natürlich wackelt man nicht mehr, nur weil der Sensor kleiner ist. Aber die Bilder eines Cropsensors müssen für die gleiche Ausgabegröße wie die eines Vollformatsensors stärker vergrößert werden und entsprechend vergrößert man auch jede Verwacklungsunschärfe.

  4. Verdammt! Warum fang ich nicht jetzt erst mit dem Fotografieren an? So einen schönen Einstieg hab ich bis jetzt kaum gelesen ;-) Besser als jede staubigen Lehrbücher – Super Sache!

  5. Blogartikel dazu: Schwarzweiss : When Darkness Falls | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel

  6. Blogartikel dazu: [Quick]Picks vom 31.07.08 - fotos.neuweger.com - … best viewed with open eyes …

  7. Wenn ich eine kurze Belichtungszeit einstelle, ist zwar der gewünschte Effekt, die exakte Momentaufnahme, vorhanden, nur ist das Bild viel zu dunkel.
    Stelle ich eine längere Belichtungszeit ein, ist das Bild gut belichtet, aber das bewegte Objekt verschwommen. Die ISO-Werte sind richtig eingestellt.
    Was muss ich tun um eine scharfe aber dennoch gut belichtete Momentaufnahme zu bekommen?

  8. @Christine : Hallo ! Du hast 3 Elemente, mit denen Du die Helligkeit im Bild steuern kannst : Belichtungszeit, Blende und ISO. Möchtest Du nun ISO und Belichtungszeit nicht mehr ändern, dann bleibt Dir die Blende übrig, welche nicht nur die Helligkeit, sondern auch die Schärfe des Bildes bestimmt.

  9. Blogartikel dazu: Die Abblendtaste nutzen | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel

  10. Blogartikel dazu: fotografie ist mehr» Blogarchiv » das hat gerockt

  11. Tolle Reihe deine … verstehen. Ich hätte einen Vorschlag. Ich fotografiere viel mit externen Blitzen mit i-TTL Steuerung, bin aber noch nicht so ganz fit mit der Bedienung. Speziell die Blitzsynchronisierung macht noch Verständnisprobleme. Vielleicht postest Du ja mal was.

  12. Blogartikel dazu: Anal og voll-strecker

  13. Blogartikel dazu: In der Schärfe liegt die Kraft | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel

  14. Blogartikel dazu: Das erste Objektiv: Eine Empfehlung | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel

  15. Moin.

    Also ich verstehe das mit dem Minimum bei der Belichtungszeit nicht ganz. Soltte es es nicht heißen, dass bei 10mm die Belichtung 1/10 oder 1/20 die maximal längste Belichtung sein darf und alles was darunter ist, also 1/8 oder länger, nicht mehr verwendet werden sollte. Mich irritiert diese Wort Minimum total…

    Hätte noch eine ander Sache. Wenn ich eine längere Belichtungszeit wähle um z. B. den Verwischeffekt zubekommen, würde das Foto dann nicht stark überbelichtet? Dann würden doch Details verschwinden oder was wäre der Effekt? Wäre für Antworten sehr dankbar, da dies alles Neuland ist für mich. Wenn ich z. B. bei gutem Wetter bei 18mm Blende F8 wähle und dann die Belichtungszeit auf meiner Skala in den optimalen Bereich schiebe (nur als Beispiel 1/160), möchte aber gern eine längere Belichtung machen und verschiebe die Skala, dann bekäme ich doch ein Bild was stärker unterbelichtet wäre. Oder?

    Danke für die Hilfe

    MfG Adrian

    • minimum bedeutet du solltest es als grenze sehen also bei 50mm brennweite 1/50 mit cropfaktor z.b. 1,6 1/80 (ob nun richtig oder falsch rechne den cropfaktor lieber mit rein) du kannst dann die belichtungszeit natürlich schneller gestalten wie du möchtest also 1/100 oder 1/200 nur nicht höher gehen

      um länger zu belichten und die gefahr einer überbelichtung zu minimieren empfiehlt sich die blende höher zu schliessren solltest du beim maximum deiner blende angekommen sein und doch überbelichtung haben kauf dir einen gescheiten graufilter :) ein graufilter empfiehlt sich auch wenn du mit offener blende und langer belichtungszeit fotografieren möchtest z.b. für den bokeh effekt und dynamischen motiven

    • » Minimum 1/10s oder kürzer (1/20s) «

      » Mich irritiert diese Wort Minimum total… «

      Klar. Mich auch. Es muß an dieser Stelle “Maximum” heißen. “Minimum” ist schlicht und einfach falsch.

  16. Blogartikel dazu: Die Blende verstehen (Teil 1) | KWERFELDEIN | Fotografie Magazin

  17. Sehr gute Erklärung! Ich möchte auch in das Fotografieren einsteigen und wusste davor gar nicht was Brennweite, Belichtungszeit usw. sind.
    Das ist hier sehr verständlich erklärt, dankeschön =)

  18. Erstmal Super Interessant.
    Fange Gerade mit einem Studium an “Digitale Fotografie”
    Ist alles echt Hilfreich.
    Danke

    Das andere hier gibt es Rechtschreibfehler “Das kann mich sich gut merken, finde ich.” :-)
    Sollte wohl heisen “Das kann man sich gut merken, finde ich”, ich wollte es nur mal erwähnen.

    mg

  19. Blogartikel dazu: Filmen mit DSLR: 5 Tipps für Spiegelreflex-Video-Einsteiger | webvideoblog

  20. Blogartikel dazu: Effekte auf Reisen: Langzeitbelichtung » Travelography

  21. Blogartikel dazu: Boys and High-speed photography | Boyart

  22. Blogartikel dazu: Grundlagen der Fotografie – Die Belichtungskorrektur - modelvita.com

  23. Blogartikel dazu: YouTube Video erstellen: So vloggen Sie vor dem Spiegel