kwerfeldein
25. Juni 2008 Lesezeit: ~2 Minuten

Nur eine Festbrennweite ?

Dies ist ein Gastbeitrag von Michael Blaut. Er ist 29, kommt ursprunglich aus Polen, lebt in Berlin und fotografiert seit ca. einem Jahr. Du kannst seine Arbeiten und sein Blog hier besuchen.

Woher kommt die Motivation, mit lediglich einer Festbrennweite loszuziehen? Auf Fotojagd zu gehen mit ständiger Angst, aufgrund fehlender Brennweiten einzigartige Motive zu verpassen? Mit einem „Turnschuhzoom“ müssen schon die Beine bewegt werden, um den gewünschten Bildausschnitt im Sucher zu erblicken.

Dabei gibt es Allroundzooms, die beträchtliche Brennweitenbereiche abdecken, und ein Bildstabilisator und Ultraschallmotor sind auch schon drin. Was bewegt einen Menschen mit einer einzigen Festbrennweite auf Motivsuche zu gehen?

Es erfordert eine andere Art des Fotografierens. Im Vordergrund steht die Auseinandersetzung mit dem Motiv, der Aufbau, die Bildkomposition. Welcher Standpunkt bietet die beste Perspektive auf das Motiv. Wie erreiche ich diese? Fotografieren mit Festbrennweiten erzeugt einen bewussten Umgang mit dem Motiv.
Im Gegensatz dazu verleiten Zoomobjektive einfach zu knipsen, anstatt zu fotografieren.

Festbrennweiten haben auch technisch gesehen Vorteile gegenüber Zoomoptiken. Sie sind meistens sehr lichtstark, wiegen wenig und sind klein. Eine Festbrennweite ist logischer weise auf eine fixe Brennweite optimiert. Dadurch sind sie in der Abbildungsleistung, in der höhere Auflösung, im Kontrast, der geringeren Vignettierung und der kaum vorhanden Verzeichnungen den Zoomoptiken überlegen. Auch das Bokeh ist bei einer Festbrennweite ansprechender. Optimal um Motive freizustellen.

Es liegt an jedem Einzelnen diesen Schritt zu wagen. Die Chance zu erkennen, neue Perspektiven zu erblicken. Mit einer Festbrennweite loszugehen, das ist die puristische Reduktion auf das nötigste. Es ist die Konzentration auf das Wesentliche. Auf das Einzige. Auf das Motiv.

Ähnliche Artikel


18 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Ich bin eigentlich recht gerne mit nur einer Festbrennweite unterwegs. Allerdings sollte man sich über die gesuchten Motive vorher einigermaßen im Klaren sein.
    Hat jemand eine Empfehlung für eine Festbrennweite im Normalobjektiv bis leichten WW für Canon mit 1,6er Crop?

  2. Ich ziehe Festbrennweiten auch immer vor – bei mir liegt das aber in erster Linie an der Lichtstärke und dem Bokeh. Außerdem ist beides bei Festbrennweiten sehr günstig zu bekommen, während man für ähnliche Qualität und oft schlechtere Lichtstärke bei Zoomobjektiven oft den Gegenwert eines Kleinwagens investieren muss.

  3. Festbrennweiten haben ihren unbestrittenen Vorteil. Nur somit die Konzentration auf das Wesentliche, Einzige, das Motiv realisieren zu können bestreite ich. Ebenso die dezente Suggestion es handle sich bei den Nutzern von Zoomobjektiven tendentiell eher um Knipser…
    Insbesondere wenn sich die Frage nach Gepäckvolumen stellt, mehrtägige Trips anstehen, in möglicherweise Nicht- Reinraumbedingungen Objektivwechsel anstehen, spielen die Superzooms ihre Stärke aus. Aber klar, sie haben ihre eindeutigen Schwächen.
    Trotzdem: guter Artikel, der inspiriert sich mit Frestbrennweiten und ihren Möglichkeiten zu beschäftigen.

  4. Vielen Dank für eure Kommentare.

    @Hannes Trapp
    Dem kann ich nur zustimmen. Z.B. hat meine 50mm Festbrennweite mit der Lichtstärke 1.8 neu 100 Euro gekostet.

    @Wir
    Ich denke Festbrennweiten UND Zoomobjektive haben ihre Darseinsberechtigung, natürlich auch im Profi-Bereich. Besonders die neuen Zooms haben immer weniger Vereichnungen usw… Ich würde aber nie das Können eines Fotografen anhand seines Objekives beurteilen. Wie Du schon richtig erkannt hast, versuche ich mit meinem Artikel, den Einen oder Anderen dazu zu bewegen, sich mit Festbrennweiten auseinander zu setzen.

  5. Manchmal, wenn ich einfach mal Lust habe, dann schnappe ich mir meine Kamera und das 1,8/50 und benutze nur diese Kombination. Ist schon erstaunlich, in wie die Welt völlig anders sieht, wenn man nur auf diese eine Brennweite beschränkt ist.

  6. Seit einiger Zeit habe ich nun nach vielen Jahren der verschiedensten Zoomobjektive endlich mein 1.4/50-Objektiv so richtig entdeckt. Der Gewichtsunterschied und vor allem der unauffällige Eindruck bei potenziellen Modellen ist für mich das Killerargument. Vom Schärfespielraum ganz zu schweigen.

  7. Danke Michael für diesen Beitrag. Sehr schöner Bericht.
    Ich habe neben meinem 18-70 Zoom noch ein 1.8er 50mm Objektiv. Aber ich benutze es leider viel zu selten, obwohl es besser abbildet als mein Zoom. Und das nur, weil ich das Zoom bequemer finde.
    Aber dein Beitrag hat mich motiviert, meine Festbrennweite mehr zu benutzen.

  8. „Im Gegensatz dazu verleiten Zoomobjektive einfach zu knipsen, anstatt zu fotografieren.“
    Nur zu gerne hätte ich dem widersprochen, aber leider triffst Du voll ins Schwarze. Wenn ich an meine Anfangszeit zurückdenke, dann graut es mir noch immer – was ich damals nicht alles fotografiert, streich das, geknipst habe…
    Leider erwische ich mich noch immer dabei, mir nicht soviele Gedanken über die Komposition des Bildes zu machen, wie eigentlich von Nöten wäre. Aber ich denke es besteht noch eine Aussicht auf Besserung (spätestens wenn ich mein erstes Makro habe ;) )

  9. Blogartikel dazu: Mit einem Trick extreme Macro-Fotos machen | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel

  10. Da heute die Negative nur noch digital gelesen werden und „Fachvergrößerung“ irrwitzig teuer sind, trifft man sich im Web bei 1024 Pixel auf ziemlich gleicher Ebene. Die Vergleiche der Bildqualitäten haben mich bei einem Fotohandy landen lassen, dem SGH480i, mit dem ich die gleichen Aufnahmen mache, wie mit der manuellen, analogen Praktica MTL; Bilder beider Systeme habe ich schon verwechselt! Viele Recherchen waren für diese Entscheidung nötig, wo der Preis
    die geringste Rolle gespielt hatte- als vielmehr der Umstand,
    daß Festbrennweiten für mich das einzig ernsthafte Landschaftsfotografie – Equipment waren und weiterhin sind.
    Dieses winzige Ding steckt so manche DSRL in die Tasche !
    (Allerdings muß man damit- wie mit jeder Kamera- umgehen lernen – Makro’s mag es nicht..)
    Moderne Zeiten und moderne Gedanken- bei den alten Motiven,
    die niemals aufgepeppt werden sollen.
    (Wer zwischen beiden Daumen und Zeigefingern ein Rechteck macht und dadurch „fokusiert“ sieht überall „meine“ Bilder)
    Die Foren habe ich darum hinter mit gelassen, weil gefaked wird, daß sich die Balken biegen.