kwerfeldein
14. Juni 2008 Lesezeit: ~3 Minuten

Fokus in der Tasche

Dies ist ein Artikel von Hannes Trapp, dessen Fotos Du auf potograf.de besichtigen kannst. Hannes ist auch ein Blogger, dessen Texte er auf ipernity veröffentlicht.

Kleine Vorgeschichte :
Gestern hat die Frage ob man ein Objektiv im MF oder im AF – Modus transportieren soll einige Fragen aufgeworfen. Als ich daraufhin Hannes‘ Kommentar dazu gelesen hatte, dachte ich, dass seine Meinung bestimmt noch andere Leser interessieren könnte. Ich habe ihn gebeten, doch noch einmal näher auf das Thema einzugehen. Vielen Dank, Hannes !

Hannes TrappNachdem zum gestrigen Artikel die große Diskussion begonnen hat, ob es nun einen Sinn ergibt, ein Objektiv im MF-Modus (Manueller Fokus) zu transportieren, und ob es im AF-Modus (Autofokus) Schäden davon tragen könnte, möchte ich heute den Grund für diese Halbwahrheit aufdecken.

Zunächst: Der Ratschlag ein Objektiv nicht einfach im AF-Modus in die Tasche zu stecken ist durchaus begründet. Denn es gibt zwei Risikofaktoren, die gerade bei billigen Objektive häufig anzutreffen sind. Das eine ist eine sich verschiebende Frontlinse, sprich wenn das Objektiv beim Fokussieren länger und kürzer wird. Das andere ist eine billige Mechanik mit Kunststoffzahnrädern und -schneckentrieben und ein herkömmlicher Elektromotor. Bei USM-Objektiven (Objektive mit Ultraschallmotor) ist die Auswirkung nicht so tragisch.

Sind bei einem Objektiv beide Risikofaktoren vorhanden, liegt das Problem darin, dass das Objektiv in der Tasche “zusammengedrückt” werden kann, wenn es nicht schon in seinem “zusammengefahrensten” Zustand befindet. Dabei werden die Zahnräder, Gewindegänge, Schneckentriebe (…) gegen Ihre Auslegungsrichtung bewegt (Selbsthemmung) und der Elektromotor als Gegenkraft muss auch geschoben werden. Dass das nicht gut für die Mechanik ist, merkt man auch am verhältnismäßig großen Widerstand und am unangenehmen Geräusch, wenn man ein normale Autofokusobjektiv (nicht USM) manuell Fokussiert ohne auf MF zu stellen bzw. man die Frontlinse einfach (meist beim Deckel draufmachen) reindrückt.

Diese Belastung ist für keins der Bauteile besonders gut, und es erhöht extrem den Verschleiß; dadurch entsteht Spiel und es leidet sehr stark die Präzision. Das Resultat ist dann das bekannte Fokusschlackern – jeder der mit Offenblende Portraits macht, kennt das Spiel: Der Autofokus piept glücklich auf die Iris, und am Rechner stellt man später fest, dass sich der Fokus bei Ohrläppchen oder Nasenspitze befand. Und in Zeiten von Autofokus hat man auch keine Mattscheibe mit Schnittbildindikator mehr, in der man das sehen würde.

Demzufolge
ist es nich in erster Linie entscheidend, ob das Objektiv auf AF oder MF seht, sondern ob es „eingefahren“ ist oder nicht. Mein Vorgehen vor dem einpacken ist 1. auf MF schalten, 2. Zoom und Fokus so einstellen, dass das Objektiv seinen “kürzesten” Zustand erreicht (also nicht mehr weiter zusammengeschoben werden kann), und 3. den AF wieder rein zu machen (zum fixieren, damit es sich auch nicht mehr ausfahren kann). Über den dritten Schritt kann man streiten, das sei jedem selbst überlassen.


8 Kommentare

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  1. Macht schon mehr Sinn – zumal das Umschalten zwischen AF und MF scheinbar etwas Canon-Spezifisches ist (jedenfalls haben meine Pentax-Objektive sowas nicht, da schaltet man AF/MF an der Kamera um).

  2. Vielen Dank Hannes! Habe da noch nie so genau drüber nachgedacht. Stelle zwar auch immer das Objektiv auf die kürzeste Länge, aber mache das meist bei eingeschaltetem AF Modus. Werde das demnächst beachten! :)

  3. Wenn ich mir den Umschalter zwischen AF und MF bei meinem 50mm 1,8 II von Canon ansehen, dann hab ich meist das Gefühl, dass ich beim Umschalten mehr kaputt wie ganz mache (fühlt sich entsprechend dem Objektivpreis extrem billig und instabil an). Ich weis nich, wie die Umschaltung im Objektiv mechanisch gelöst ist, daher die Frage – ist es bei diesem superbilligobjektiven auch zu empfehlen bei jedem Einpacken den Modus zu wechseln?
    Ich schraube bislang immer den Objektivdeckel auf das Objektiv und betätige dann den Autofokus, wodurch sich das Objektiv meist einzieht, da es keinen Fokus finden kann. Sollte dieselbe Wirkung haben oder?

  4. Das mit dem AF/MF-Umschalter ist weniger eine Frage der Marke sondern des Objektivs. Bei Nikon gibt es auch einige mit dem Umschalter. Wenn ich aber denke, dass ich vor dem Wegstecken auch noch daran denke muss, da riskiere ich es dann doch im AF wegzustecken. Mal davon abgesehen, ob der Schaler für so häufiges Umschalten ausgelegt ist….

  5. @Jack: Ja, wenn die Kamera noch an ist mach ich das genauso! Meistens hab ich sie aber irgendwann vorher ausgeschaltet, auf Seite gelegt und pack sie dann später weg. Und dann bin ich immer zu faul sie anzumachen, zu warten bis der Sensor genug geschüttelt wurde und dann zu fokussieren bis die Linse drin ist. Dann mach ichs mit dem Umschalter – der geht nämlich auch bei ausgeschalteter Kamera. Ich hab übrigens das gleiche Objekiv, und es eigentlich mein Immerdrauf, gerade in der Tasche – da passt die Kamera nämlich mit der Linse perfekt rein. Der Umschalter ist zwar echt megabillig und kracht bei jedem bewegen, aber er geht noch einwandfrei und hat sich kein bisschen verändert, seit ich die Kamera hab. Das Fokusschlackern ist aber ganz schlimm bei meinem Objektiv – daher bin ich auch dazu übergegangen jetzt wirklich IMMER alles einzufahren. Früher hab ich das auch nicht gemacht.

    Aber – um wieder zum Anfang zurückzukehren – gegen eine kontrastfreie Wand oder den aufgesetzten Deckel fokussieren ist die eleganteste Lösung, praktisch und perfekt geeignet, wenn man immer dran denkt bevor man die Kamera ausmacht.