kwerfeldein
26. Mai 2008 Lesezeit: ~3 Minuten

Fotografie ist … wie kochen

Dieser Gastartikel wurde wurde von Renee Hawk geschrieben, deren Bilder Du bei Flickr sehen und ihre Homepage hier entdecken kannst.

Sie kennen das Gefühl mit einem unstillbaren Hunger durch die Stadt zu laufen und vor lauter Magengrummeln an einer Wurstbude Pommes Rot/Weiß und eine Thüringer zu bestellen, nur um das Knurren zu bändigen. In erster Linie ging es darum, den brennen Hunger zu stillen.

Und dann gibt es noch eine andere Variante. Als Hobbykoch wollen Sie ein tolles Menü kredenzen und bereiten sich vor. Die Menüfolge wird einem Thema angepasst, die Zutatenliste erstellt, Besorgungen und Bestellungen gemacht, die Gäste werden eingeladen, das Menü in der richtigen Reihenfolge gekocht – das Dessert wird zu erst vorbereitet ;-)) – die Wohnung auf Fordermann gebracht, die Dekoration sorgt schließlich für die richtige Stimmung. Und das Menü findet Gourmetzungen und tosenden Beilfall.

Der Schnappschuss ist für mich wie Fastfood. Es macht im ersten Augenblick unglaublich glücklich und beim späteren Betrachten der Bilder huscht ein wohliges Gefühl durch den Körper, welches die Erinnerung des Augenblickes emporhebt und die Zeit zurückdreht. Ich kann diesen Moment wieder und wieder erleben, ohne dass es langweilig wird. Er lebt. Er ist mitten aus dem Leben gefischt und hängt an der Kühlschranktür und zaubert immer wieder ein Lächeln über die Lippen. Wie die Pommes Rot/Weiß und eine Currywurst.

Die semi-professionelle Fotografie ist das Menü für Freunde. Ein Genuss, der geteilt werden will.Die Idee steht fest. Auswahl der Lokation, Requisiten besorgen, Freunde zum Shooting einladen, Equipment einpacken und los geht’s.

Make-up, Licht, Kamera – alles passt. Über Stunden hinweg gibst du Anweisungen und die Luft fängt gar an zu knistern, doch du merkst es nicht. Was du merkst ist die Hitze der Baustrahler und der Blitze, dein schmerzender Rücken, die Sorge um die Akkus, das ständige hin- und herlaufen, um die Blitze oder die Haltung des Models zu korrigieren, etc.

Du hast kein Auge für den Augenblick.

Beim Betrachten des Ergebnisses gehe ich selbst mit mir ins Gericht und kritisiere da, wo das Model gern sagt, dass es doch gelungen ist. Ein Souffle, das zusammenfällt, ist warme Matschpampe. Zwar mit Geschmack allerdings ohne Ausdruck; und mit dem bitteren Beigeschmack der schlechten Erinnerung.

Da hilft nur üben, üben, üben …

Ich bin eine leidenschaftliche Köchin und esse auch gern an einer Pommesbude.

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10 Kommentare

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  1. Problem bei der Metapher ist nur leider die Tatsache, dass sowohl zum Kochen, als auch zum Fotografieren ein gewisses Vorwissen da sein sollte. Dieses gilt es langsam aufzubauen und durch trial-and-error, Recherche etc. zu erlernen.

    Eben dieses Vorwissen wird von vielen abgetan und durch Aktionen wie die 1414 von Bild noch unterstützt. Würden sich diese Leute mal ein wenig Zeit und Muße nehmen, würde es ihnen nicht nur mehr Spaß machen, sondern auch untern Strich zu mehr „brauchbaren“ Bildern führen.

    Ich geh jetzt mal die Messer wetzen, äh, Linsen putzen :)

    Schöner Artikel Renee!

  2. Blogartikel dazu: pictureArtist » Fotografie ist …

  3. vielen dank für die lieben worte ;-))
    alex *schmunzel* in 10 jahren werde ich dir einen artikel über den sternekoch und den profifotograf schreiben *lach* ;-))
    bis dahin habe ich noch einpaar erfahrungen gesammelt und kann über ein hervorragendes souffle quasseln ;-))

    Danke Martin, fürs bereit stellen und für deinen hervorragenden blog ;-))

    liebe Grüße
    Renee

  4. sehr interessant;)
    wobei ich sagen muss das es bei mir eher andersherum ist
    wenn ich mal wieder die courage habe eine idee umzusetzen dann könnte ich tage damit verbringen alle möglichkeiten durchzuspielen.. verschiedene settings, perspektiven und tricks auszuprobieren
    kommt aber sicher auch auf die umstände an – im studio ist es was anderes als alleine zuhause zu fotografieren oder wieder was anderes nachts unterwegs zu sein
    mfg jim