Kwerfeldein
30. April 2008 Lesezeit: ~5 Minuten

Wie ich Bäume fotografiere

Wie ich Bäume fotografiere

Folgendes Problem : Du stehst vor einem einzelnen Baum in der Landschaft und denkst : Wow, das muss ich fotografieren. Doch sobald Du durch den Sucher schaust, stellst Du fest, dass das alles auf einmal ganz anders aussieht. Was tun ? Welche Dinge kann man beachten, um das Beste aus solch einer Situation herauszuholen ? Ich werde heute einmal versuchen, auf diese Frage einzugehen – und Dir ein paar Tipps aus meiner Erfahrung im Bereich der Landschaftsfotografie zu geben.

Hierbei möchte ich anmerken, dass es sich in diesem Artikel nicht um das Fotografieren von Bäumen im Wald handelt sondern um sogenannte „Single – Tree“ – also Einzelaufnahmen von Bäumen in der Landschaft handelt. Ausserdem ist zu verstehen, dass meine Tipps weder als allgemeingültig noch als feststehendes Regelwerk zu betrachten sind.

Wirken lassen
In den ersten paar Sekunden und Minuten lasse ich in den meisten Fällen die Landschaft einfach auf mich wirken. Tief durchatmen. Dabei stelle ich mir ab und zu auch die Fragen : „Was sehe ich ?“ oder „Wo stehe ich ?“. Probier das einmal. Lass die Kamera ruhig ein bisschen in der Tasche. Lasse Dich von der Umgebung, in diesem Fall dem Baum mit dem Gras, dem Himmel, ggf. Wolken inspirieren. Denke dabei über mögliche Kompositionsmöglichkeiten nach.

Wie ich Bäume fotografiereEinmal drumherum

Um wirklich zu wissen, wie ein Baum am Besten wirkt, habe ich mir eine kleine Regel gemacht.

Diese benutze ich dann, wenn ein Baum aus der Ausgangsposition nicht so wirklich dolle wirkt.

Ich schnappe mir die Kamera und laufe ein oder sogar zweimal ganz um das begehrte Objekt herum.

Dabei bleibe ich immer wieder stehen, schaue durch die Linse und fühle ein bisschen mit, wie das Ganze wirkt. Wenn Du Dir diese Regel zu eigen machst, wirst Du Blickwinkel und Bildkompositionen entdecken, welche Du niemals erwartet hättest.

Wie ich Bäume fotografiereMit Stativ

In den seltensten Fällen fotografiere ich heute einen Baum  aus der Hand – es macht einfach keinen Sinn.

Denn entweder ist der Baum schön hell aber der Himmel brennt dabei aus. Oder andersrum : Tolle Details im Himmel aber keine mehr im Baum.

Deshalb benutze ich ein Stativ, um 3 unterschiedlich helle Fotos zu machen. Man nennt das auch Mehrfachbelichtungen. Aus diesen lässt sich dann im Nachhinein das zusammenfügen, wo das Licht am Besten passt.

Ein Stativ ist in den ersten Wochen und Monaten immer wieder unbequem, da es ein zusätzliches Element ist, das getragen werden will. Aber schon nach einer Weile hat man sich daran gewöhnt. Deshalb : Immer mitnehmen !

Wie ich Bäume fotografiereOhne Stativ

Ja, es gibt auch Ausnahmen, in welche ich ohne Stativ fotografiere.

Zwar habe ich es trotzdem dabei, aber in diesem Fall kommt es nicht zum Einsatz.

Dann, wenn die Sonne leicht schräg und mit voller Kraft in eine Landschaft knallt – dann benutze ich kein Stativ.

Denn dann sind die meisten Bereiche gut ausgeleuchtet und ich kann einfach abdrücken.


The Golden LandscapeIm Liegen

Bäume wirken dann besonders schön, wenn die Krone in den Himmel ragt und nur knapp den Horizont tangiert.

Um dies zu erreichen, lege ich mich gerne auch einmal auf den Boden und fotografiere so zu sagen nach oben.
Bei grossen und vollblütigen Bäumen wirkt das besonders dramatisch.

Keine Angst ! Wer einen Baum gut fotografieren will, der sollte keine Scheu davor haben, etwas dreckig zu werden.

Wie ich Bäume fotografiereMit dem Weitwinkel
Die volle Grösse und mächtige Ausstrahlung eines Baumes kann man mit einem Weitwinkel – Objektiv gut einfangen.

Ich selbst setze da meistens auch immer wieder mal mein Superweitwinkel ein, das ein Spektrum von 10-20 mm bedeckt.

Hierbei ist die Herausforderung die, Elemente welche man nicht im Bild haben will auszuschliessen und nur den Baum in seiner Umgebung einzufangen.

Wie ich Bäume fotografiereMit dem Teleobjektiv

Es gibt Fälle, in welchen man mal ein paar Meter bis zu Kilometer von einem Baum weg muss, um seine Schönheit auf die Linse zu bekommen.

Hierzu eignet sich ein Teleobjektiv mit bis zu 300 mm hervorragend.

Auch hier ist der Gebrauch eines Statives inclusive Mehrfachbelichtungen ratsam.

Wie ich Bäume fotografiereAlles
In den seltensten Fällen fotografiere ich Ausschnitte eines Baumen oder fotografiere in die Baumkrone hinein.

Für mich macht das einfach keinen Sinn, ausser ich portraitiere eine Person und möchte deshalb nur den unteren Bereich eines Baumes im Bild haben.

Denn das würde zu sehr ablenken. Dies ist aber auch die eine Ausnahme. Ansonsten versuch ich immer den Baum mit samt seiner Umgebung einzufangen, um ein räumliches Gefühl zu erzeugen.

Wie ich Bäume fotografiereGoldener Schnitt

Wie bei den meisten meiner Landschafts – Fotos versuche ich immer, den Horizont im oberen oder im unteren Drittel anzuordnen – Ausnahmen bestätigen die Regel. Klar.

Den Baum selbst setze ich ebenfalls meistens einwenig nach rechts oder nach links, und dabei achte ich meistens auch darauf, dass er in das Bild „hineinschaut“ und nicht herausschaut.

Manche Bäume haben ja eine Biegung in eine bestimmte Richtung. Wenn diese nun zur Bildmitte ist, dann schaut der Baum in das Bild hinein und nicht hinaus.

Für meine Bildkompositionen hat sich das als hilfreich herausgestellt.

Ich hoffe, dass Dir meine Tipps ein bisschen geholfen haben ! Falls ja, dann freue ich mich natürlich wie immer über Deinen Kommentar ;)

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37 Kommentare

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  1. Schöner Artikel mit vielen schönen Bildern, das macht das doch gleich viel interessanter fürs Auge. :) Ich denke besonders die Aufnahme im Liegen werde ich auf jedenfall versuchen! Ich habe ohnehin oft den Drang nah an den Boden zu gehen mit meiner Kamera. :D
    Danke Martin!

  2. Guter Artikel für Einsteiger, der vor allem durch seine „bildliche Untermalung“ punktet.
    Ursache – Wirkungsprinzipien einfach erklärt und dann gleich bildlich dokumentiert – so soll´s sein. Thumbs up!

  3. guter Artikel. um die meisten leute glücklich zu machen, musst du wahrscheinlich noch erklären, wie du die bilder zusammensetzt, denn deine bilder leben ja oft davon, dass dies passiert ist.

    beste grüße, jens

  4. Martin hat geschrieben:
    Hm, HDR’s nicht, eher zusammensetzen ;)Danke !

    Verfolge ja schon lange Deinen Flickrstream und hab ich mich schon oft gefragt wie Du die Bilder und nach welchen Kriterien zusammensetzt.

    Kannst Du mal ein Beispiel machen? Oder lässt Du Dir da nicht in die Karten schauen?

    Viele Grüsse

  5. Super Tipps. Ich sach nur: Mein Freund der Baum. :)

    Das mit dem Stativ würde ich mir allerdings nicht antun, wenn genügend Licht für kurze Belichtungszeiten da ist. Einfach eine unterbelichtete Aufnahme machen, in der nichts ausgefressen ist. Seine Belichtungsreihe kann man dann z.B. mit Lightroom machen.

  6. Mal wieder ein super Artikel, Martin!

    Ich muss wirklich mal wieder bewusst in meiner Umgebung nach einzelnen Bäumen ausschau halten, im Wald kommen die Einzelnen nie vollkommen zur Geltung, allein wegen den Lichtverhältnissen.

    Was mich übrigens wirklich mal freuen würde, wäre, wenn du vielleicht einmal erläutern würdest, wie du deine Fotos im einzelnen mit Photoshop etc. nachbearbeiten würdest, denn ich glaube, das verleiht deinen Bilder immer noch ein wirkliches Plus an Aussage!

    (PS: Was mir beim Lesen immer mal wieder auffällt ist deine Schreibweise mit Bindestrichen und Leerzeichen… Allgeimen benutzt man Binde-Striche ohne Leerzeichen und nur zwischen Gedankenstrichen — macht man welche. Aber das nur zum Formalen, deine Inhalte sind ja schon perfekt :))

  7. Hi Martin,
    der Tipp mit dem Stativ ist interessant – genau aus dem Grund, den Du beschrieben hast, lass ich es meistens zuhause: man hat mehr zu tragen, die Hände nicht frei, es ist sperrig etc. Aber ich denk, ich sollte es doch mal probieren.
    Grüße,
    gato

  8. Oh prima, ich war nämlich gerade an diesem Punkt – schöner Baum – langweiliges Bild. Für’s Wochenende werde ich gleich mal Deine Tips ausprobieren. Ganz herzlichen Dank dafür.
    Lieben Gruß vom Niederrhein, cony

  9. Wenns kein HDR ist, muss man doch nur den Himmel vom unterbelichteten Bild mit dem Rest vom richtig belichteten zusammenbringen, also am Horizont ausschneiden und kopieren, oder das Zeug auf mehrere Ebenen bringen und einfach die richtigen Stellen transparent machen damit das korrekt Belichtete von der anderen Ebene durchkommt.

  10. Ich bin wirklich sehr beeindruckt von den Bildern. Bäume sind für mich lebendige Wesen, deren Seele man durch ein Foto durchaus einfangen kann. Dir ist das gelungen. Werde bestimmt des öfteren mal vorbeischauen.

  11. @Christian : Beides ;) Danke !
    @cony : Cool – viel Spass damit !
    @Pascal : Jepp, danke für die Hinweise !
    @HappyBubbles : Ja, werde mir das mal vornehmen… Gruss !
    @Jens : Ebenso ;) Danke für den Hinweis !

  12. Blogartikel dazu: Das Beste aus dem Netz – April 2008

  13. Sehr guter Artikel, aber in einem stimme ich nicht ueberein: wenn ich ein Stativ schon dabei habe (und das ist meistens) benutze ich es auch. Wenn man ganz genau hin schaut gibt es einen Qualitaetsunterschied, ob ich ein Bild aus der Hand schiesse oder vom Stativ, selbst wenn alle Einstellungen dieselben sind, die Schaerfe ist einfach besser!

  14. Denk dran ein stabiles Stativ einzupacken!

    Bei mir hat der Küstenwind heute kräftig die Kamera gewackelt, mit Leichtbaustativen braucht man da gar nicht erst anfangen.

    (Ein Küstenbewohner)

  15. Blogartikel dazu: 10 Wege, Deine Fotografie zum nächsten Level zu bringen | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel

  16. Hallo,

    klasse Artikel. Auch ich fotografiere sehr gerne Landschaften und vor allem Bäume. Am besten geht das wirklich mit dem Stativ… wenn ich nur nicht so oft zu faul wäre, es mitzuschleppen…

    Allzeit gut Licht!
    Thomas

  17. Blogartikel dazu: pascals.webleben » Landschaftsfotografie: Erste Schritte

  18. Hallo Martin, wirklich tolle Tipps und noch tollere Fotos. Ein Problem ist noch (z.B. bei einer uralten Linde in der Nähe), dass irgendwelche Dinge störend in der Gegend herumstehen, z.B. das Schild „Naturdenkmal“. Hier weiß ich bisher noch keine Lösung. Eventuell hinterher retuschieren; ist aber schwierig – jedenfalls für mich.

    Schöne Grüße

    Werner

  19. Hallo Martin,
    ich möchte eine Blutbuche fotografieren, komme aber mit den Platzverhältnissen nicht hin. Es sind zu viele Gebäude in unmittelbarer Nähe, ich komme nicht weit genug zurück,max. 20 m, Baumhöhe: min. 35 – 40m, habe natürlich auch nur eine Kamera mit Normaloptik, Canon 500D, bevor ich jetzt losrenne und eine Linse kaufe, wollte ich mal nachfragen, was ich überhaupt brauche um das Schmuckstück in ganzer Größe aufzunehmen?

    Gruß
    Klaus

    • Hey Klaus, auf diesen über zehn Jahre alten Artikel wirst Du vermutlich leider keine Antwort mehr bekommen. Aber ich würde vorschlagen, Du versuchst es mal mit der Collage-/Panorama-/Brenizermethode, nimmst also systematisch mehrere Bilder vom gleichen Standpunkt auf, die verschiedene Teile des Baums zeigen und setzt diese dann hinterher zu einem großen Bild zusammen, das den ganzen Baum (und ggf. seine Umgebung) zeigt. Artikel dazu hier.