kwerfeldein
28. April 2008 Lesezeit: ~10 Minuten

Fotografieren : Tipps für Einsteiger

Oft werde ich gefragt, wie ich fotografieren gelernt habe, welche Kamera ich für einen Einsteiger empfehlen kann oder „wie man Bilder bearbeitet“. Die erste dieser Fragen kann ich noch leicht beantworten, aber danach wird das Antworten schwieriger bis unmöglich, denn die Wünsche und Vorstellungen für das fertige Bild sind ebenso unterschiedlich wie vielseitig.

Eine eierlegende Wollmilchsau unter den Kameras gibt es noch nicht und wird es wohl auch nie geben, die Vorstellungen über die Motive reichen lückenlos vom Landschaftsbild zum Portrait und darüber, was eine gute Bearbeitung ist, streiten sich die Geister.

Ein paar persönliche Tipps kann ich aber geben. Das solche Tipps immer persönlich sind und jeder über deren Sinn oder Unsinn meiner Tipps selbst entscheiden muss, möchte ich an dieser Stelle betonen.

Die Kamera

Die perfekte Kamera für jeden Zweck gibt es nicht. Das merkt man spätestens wenn man versucht die SLR mit Objektiv in der Hemdtasche zu verstauen. Aber Spaß beiseite – die Wahl der Kamera sollte in erster Linie vom zukünftigen Einsatzzweck und dem verfügbaren Budget abhängig sein.

An welcher Stelle man dann Abstriche machen möchte, muss jeder selbst entscheiden – einige Leute schaffen es mit billigen Knipskisten bessere Bilder zu zaubern als andere mit Profiausrüstung, andere haben kein Problem damit beim Wochenendbummel durch eine fremde Stadt eine Fototasche mit dem Gewicht eines Mittelklasse-PKW mit sich herumzutragen.

Wenn das Geld zur Verfügung steht, ist es natürlich schön sich eine (digitale) Spiegelreflexkamera mit wechselbaren Objektiven anzuschaffen, da hier die Bildqualität amtlich und die Flexibilität recht hoch ist. Das ist der Preis jedoch auch, bis ein flexibles System mit verschiedenen Objektiven, Blitzen und und und zusammengestellt ist.

Hier empfehle ich immer einen günstigen Body und lieber etwas bessere Objektive, weil das meines Erachtens mehr Sinn ergibt als andersrum. Die Wahl der Objektive ist absolute Geschmacksache – ich schwöre auf einige lichtstarke Festbrennweiten (mit hohem Wechselaufwand), anderen habe ich aber schon Superzoom-Scherben empfohlen; 18 bis 250mm Brennweite sind zwar optisch nicht optimal, aber bei einer Reise mitunter deutlich praktischer.

Die Marke ist reine Geschmacksache – Pentax, Nikon, Canon und Konsorten haben alle Ihre Vor- und Nachteile.

Ist das Geld etwas knapper bemessen, kann man sich auch mal bei den „großen“ Kompaktkameras umschauen. Diese Modelle (Fuji S9600, Sony R1, um mal zwei Vertreter der Klasse zu nennen) haben ungefähr D-SLR Ausmaße, aber keinen Spiegel, was die Mechanik einfacher hält und den Preis nach unten drückt.

Das Objektiv ist bei diesen Modellen nicht wechselbar, aber meist qualitativ brauchbar; das Preis-Leistungs-Verhältnis ist in der Regel fair.

Sollte das Geld wirklich schmal sein, finde ich auch nichts verwerfliches daran, sich bei den kleinen, kompakten Consumer-Kameras umzuschauen. Diese Massenware besticht durch Preise, die inzwischen wirklich erschwinglich sind. Bei diesen Kameras sollte man zum einen auf eine Auflösung von nicht mehr als 6 Megapixeln achten (hier steht warum) und außerdem darauf, dass es auf jeden Fall einen manuellen Modus gibt.

Denn wer nie mit Blende und Belichtungszeit gespielt hat, wird seine Kamera nie verstehen. Fotografieren im manuellen Modus empfehle ich übrigens bei jeder Kamera, denn so lernt man besser mit der Kamera umzugehen, ist besser in der Lage sich auf andere Kameras umzustellen und hat deutlich mehr Gestaltungsspielraum.

Zum Kameravergleich sind neben den Herstellerseiten auch diverse Foren oder z.B. dpreview hilfreich, um Bilder von der Kamera zu sehen lohnt sich die flickr Kameraübersicht. Der Besuch bei Fachhändlern ist in 50% der Fälle hilfreich.

Eine in der Anschaffung sehr günstige und vom Lernfaktor sehr effektive Alternative ist eine alte, analoge Spiegelreflexkamera (z.B. Canon AE-1 oder Praktica L). Diese Kameras sind natürlich nur auf dem Gebrauchtmarkt und extrem günstig sowie oft mit viel Zubehör zu bekommen, außerdem sind passende Objektive oft auch sehr preiswert.

Hier lohnt sich auch die Anschaffung eines Buches zur Kamera, die es damals zu nahezu jeder Kamera gab.

Motive, Stilistik und Ideen

Was man fotografieren möchte, weiß jeder am besten selber, und Ratschläge zu geben wäre wenig sinnvoll, da sie von den Motiven abhängig sind. Landschaften wollen anders fotografiert werden als Portraits, und wie ich ein klassisches Obststillleben oder einen Lüftungsschacht an einer roten Wand fotografieren möchte ist auch eine Frage des persönlichen Stils.

Und welcher Stil gefällt ist natürlich reine Geschmacksache. Um neue Motive, Stilistiken und Ideen zu entwickeln, empfehle ich das Durchstöbern der Fotocommunitys flickr oder ipernity. Bei der Vielfalt der dort zu findenden Bilder wird die eigene Kreativität angeregt, und neue, eigene Ideen kommen zahlreicher als es umsetzbar wäre.

Die Bearbeitung

Photoshop von Adobe ist ein mächtiges und leider auch sehr komplexes Werkzeug, an dem man nicht vorbei kommt, sollte man einen professionellerem Anspruch haben.

Bis man diesen Anspruch erreicht hat, tut es aber auch der Gimp (bzw. Gimpshop) oder eins von zahlreichen anderen Grafiktools die für schmales Geld oder gar umsonst zu haben sind.

Da ich selbst ausschließlich Photoshop verwende, kann ich leider nicht viele Empfehlungen geben. Neulich bin ich aber auf einen englischen Artikel, der fünf Alternativen zu Photoshop vorstellt gestoßen, der interessante Programme vorstellt.

Außerdem gefällt mir die Idee hinter LightZone sehr gut, jedoch habe ich mit diesem Tool noch nie gearbeitet. Wenn ich irgendwo unterwegs auf einem fremden Rechner etwas bearbeiten muss, installiere ich in der Regel Gimp, da es umsonst zu haben ist.

Sollte bei diesen Tipps nichts für den persönlichen Geschmack dabei sein, empfehle ich das Durchforsten verschiedener Foto-Foren oder diverser Gruppen bei flickr oder ipernity.

Veröffentlichung und Feedback

Die Fotocommunitys wie flickr oder ipernity habe ich nun schon öfters als Informations- oder Inspirationsquelle genannt, doch Ihr eigentlicher Nutzen ist die Möglichkeit, dort extrem einfach und preiswert Bilder zu veröffentlichen und Resonanz darauf zu bekommen.

Denn ein Feedback auf die eigenen Fotos zu bekommen steigert die Motivation und letztendlich die Qualität. Allein das Wissen, dass jemand die eigenen Bilder anschaut, gibt schon gleich ein gutes Gefühl, verneint die oft von Bekannten attestierte „Nutzlosigkeit“ (Zit: „Du musst ja Zeit haben.“) und verhindert mehr oder weniger unterbewusst, „jeden Scheiß“ hochzuladen.

Man lernt zu selektieren oder bewusst die Meinung der breiten Masse wirken zu lassen, um zu sehen was gut ankommt. Denn alle anderen haben die Möglichkeit, die Bilder zu kommentieren – was sowohl als konstruktive Kritik, als auch als Lob die Motivation steigert, neue und nach Möglichkeit bessere Bilder zu machen.

Außerdem bieten diese Fotoseiten vielseitige Möglichkeiten, die dort hochgeladenen Bilder auf anderen Seiten mit minimalem Aufwand einzubinden. Mein Photoblog zum Beispiel zeigt die Bilder aus flickr, die ich dort einer bestimmten Gruppe hinzufüge, automatisch an, und mein Portfolio ist lediglich ein Applet, welches eins meiner flickr-Sets zeigt.

Um in beiden der genannten Communitys teilzunehmen, reicht für den Anfang in jedem Fall der kostenlose Account. Sollte einem nach einiger Zeit des Probierens und Teilnehmens gefallen was man dort sieht, empfiehlt es sich, auf den kostenpflichtigen Account zu wechseln, da dann mehr Speicherplatz, mehr Ladekapazität und einige praktische Features zusätzlich zur Verfügung stehen.

Ein Tipp noch für volljährige flickr-Neulinge: Es empfiehlt sich, sich bei flickr einen amerikanischen Account anzulegen, da die bei flickr fest verankerten Jugendschutzfunktionen sich bei deutschen Accounts nicht ausschalten lassen. Als Inhaber eines amerikanischen Accounts kann man selbst die Stufe der Zensur wählen und die Zensur auch abschalten.

Kommunikation im Internet

Nachdem der Account bei flickr oder ipernity angelegt ist und die ersten Bilder hochgeladen sind, ziehen sich viele Neulinge sofort wieder zurück, da das erhoffte Feedback ausbleibt und die eigenen Bilder unkommentiert bleiben, während sich unter Bildern von anderen Nutzern die Kommentare stapeln.

Hier gilt es Sitzfleisch zu haben und diese erste Zeit zu überstehen – denn objektiv betrachtet: Wer soll sich das Zeug denn anschauen, wenn niemand die eigene Seite kennt? Um kein solch einsames Dasein zu fristen, hilft es nur, andere Leute auf die eigene Seite zu führen. Dazu eignen sich vorzüglich Streifzüge durch die Community bei denen reich kommentiert und angefreundet werden sollte, außerdem sollte man einigen Gruppen beitreten und auch dort seine Bilder zeigen.

Meistens findet man nach wenigen Klicks bereits das erste Portfolio, dass einen total umhaut und es leicht macht, nette Kommentare zu schreiben – was man dann auch tun sollte. Den Besitzer eines solchen Portfolios als Freund hinzuzufügen wird einem niemand krumm nehmen und bringt regelmäßig tolle neue Fotos von dieser Person auf die eigene Startseite.

Klickt man bei einem solch großartigen Fotografen dann auf die Favoriten, öffnet sich meist der Weg zu unzähligen anderen mindestens genau so großartigen Fotografen. Wenn man dann erst richtig im Kommentieren drin ist, fällt es leichter weiterzumachen als aufzuhören – man muss nur damit anfangen. In zweiter Instanz kann man auch neue Gruppen gemäß der eigenen Interessen gründen und Gleichgesinnte ansprechen und einladen. Bei ipernity besteht auch die Möglichkeit ein Blog direkt auf der Seite anzufangen.

Natürlich kann man bei einem solchen Querschnitt durch die Anfänge des Fotografierens nicht auf alle Aspekte im einzelnen eingehen. Trotzdem hoffe ich, dem ein oder anderen eine Hand gereicht haben und den ein oder anderen Tipp gegeben haben zu können.

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6 Kommentare

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  1. Ich denke zwar, dass ich über das Stadium langsam hinaus bin, dennoch danke für den schönen Gastbeitrag.
    Aber ich habe auch einen Kritikpunkt; du sagst am Anfang, wie du fotografieren gelernt hast, wäre einfach zu beantworten. Allerdings finde ich die Antwort in deinem Beitrag nicht so richtig. Man kann zwar etwas zwischen den Zeilen lesen, aber so richtig explizit hast du es nicht beschrieben. Du gehst ja doch eher auf die anderen Fragen, bzw. die Veröffentlichung der Bilder und das eigene „Bekanntwerden“ ein. Was natürlich auch sehr interessant ist, keine Frage. ;)

    Grüße,
    Martin

  2. Stimmt völlig – die Antwort bleibe ich in diesem Artikel schuldig. Das war aber so gewollt, denn die Darlegung meines Werdegangs hatte ich jetzt als belanglos angesehen, weil man daraus keine Tipps entnehmen kann. Aber wenn danach gefragt wird kann ich gerne ein bisschen erzählen!

    Geknipst habe ich seit ich denken kann – und den Bildern nach zu Urteilen auch schon davor – aber das erste mal wirklich mit fotografieren auseinandergesetzt habe ich mich mit 16; damals mit der analogen Spiegelreflex von meinem Vater. Was mir aber fehlte war die Möglichkeit die Bilder auf dem Rechner bearbeiten zu können und das Geld für Filme, Entwicklung und Abzüge.

    Daher bin ich dann 2002 auf eine HP 318 umgestiegen. Das war zwar eine schreckliche Knipskiste, aber sie war billig, digital und konnte, wenn man viel Zeit hatte, auch damals amtliche 3 Megapixel. Mit dieser Kamera habe ich viel experimentelles gemacht, das Zeug ist teilweise noch auf meiner Homepage zu finden. Die Kamera konnte nichts, daher habe ich damals gelernt mit den wenigen Fähigkeiten der Kamera umzugehen und zu spielen. Damals habe ich auch viel „einfach draufgedrückt“ – denn das war das einzige was damit sinnvoll möglich war, und so zu einem Stil gefunden, den ich auch heute noch pflege und hier beschrieben habe.

    2004 hat es mir dann gereicht, und die erste große Kompakte (Fuji FinePix S7000) kam ins Haus. Diese Kamera war wieder voll manuell steuerbar – auch wenn das aufgrund der die Einstellungen ausführenden Servomotoren für Zoom und Fokus keine Freude war. Was aber eine Freude war, war das Stellrad für Blende und Belichtungszeit, was sehr schnell mein Freund wurde. Diese Kamera stand nur auf „M“, was sich danach auch auf jeder anderen Kamera fortgesetzt hat. Mit dieser Kamera habe ich mich viel mit der Materie an sich, Blenden, Belichtungszeiten, Bokeh, Tiefenschärfe, Fokus, Beleuchtung und so weiter auseinandergesetzt und viel gelernt. Neben dem üblichen Probieren und Reisefotos habe ich mit dieser Kamera zunächst viel für die Nutmountain-Partygalerie auf Partys und in Discos fotografiert, das wurde mir aber mit der Zeit zu blöd und ich bin langsam zur Modelfotografie geschliddert.

    Anfang 2007 war es dann so weit, ich hatte von Auslöseverzögerungen, eingebauten und ausfahrenden Objektiven und vor allen Dingen Servomotoren die Schnauze voll und habe mir die Canon EOS 400D nach reichlicher Internetrecherche mit den beiden Kit-Objektiven, dem Canon 50mm f1,8 und dem Sigma 10-20 zugelegt.

    Wie und ob ich es dabei gelernt habe liegt irgendwo in diesem Werdegang versteckt – ich selbst würde sagen ich bin noch dabei. Die Antwort auf die explizite Frage, wie ich es gelernt habe, ist wie gesagt leicht. Außerdem kurz, prägnant und irgendwie banal. Durch probieren, lesen, ganz viel selber denken, verstehen und weiter probieren.

  3. dankeschön für diesen artikel – ich hab auch noch eine AE! hier liegen – dadurch bin ich überhaupt auf die digitale fotografie gestossen ;o) – und mit der *alten* macht das auch noch sehr viel spass (nur schwer ists eben).

  4. Zum Thema „Motive, Stilistiken und Ideen“ – Es ist wirklich nicht leicht einen eigenen Stil in die Fotos zu bekommen, gerade für Anfänger. Daher ist es schon ein guter Tipp erstmal bei den Profis zu sehen was geht und wie man bestimmte Motive am besten angeht. Mit der Zeit lernt man die wichtigsten Techniken und Stilmittel, welche sich dann hoffentlich zu einem eigenen Stil formen. Das aber erst nach vielen hunderten (tausenden) Fotos ;)

  5. Sehr schöner Beitrag! Ich habe viele nützliche Tipps und Anregungen für mich daraus ziehen können! Danke!
    Allerdings war ich ein bisschen erschrocken über den Tipp zum Umgehen der Jugendschutzfunktion. Prima Plattform für Perverse und Kriminelle! (Damit meine ich niemanden, der ein ästhetisches Nackfoto hochladen möchte!)

  6. Eine gute Veröffentlichungsquelle ist auch noch deviantart.com. Vor allem weil man dort selbst entscheiden kann, was mit dem Bild von anderen Usern getan werden darf (Verkauf als Postkarte, Poster, etc.) und man behält seine Rechte am Bild als default-Einstellung. Ich persönlich habe als Einsteiger-Kamera eine Lumix FZ-18 genutzt und bin vor kurzem auf eine Nikon D5000 umgestiegen.
    Ich weiß nicht, ob ich einen Stil gefunden habe, aber er kommt auch von allein wenn man sich mit der Fotografie befasst und dementsprechend ausprobiert.