kwerfeldein
13. April 2008 Lesezeit: ~3 Minuten

Leid fotografieren ?

„Fotografie ist für mich ein Werkzeug, um soziale Bewusstheit zu schaffen. Deshalb bin ich Fotograf, dafür fotografiere ich.“ -James Nachtwey


Warum sollen wir Leid fotografieren ? Was ist der Sinn dahinter ? Kriegs – Fotograf James Nachtwey hat sich die Frage gestellt, warum er den Krieg fotografiert und gibt in diesem Video Antworten, welche ich bemerkenswert finde. Zwar sind seine Worte auf den Krieg abgestimmt, aber sie sind meiner Meinung nach auch passend zu dem Leid, welches direkt vor unserer Haustür, in unserer Community, Stadt, Umgebung passiert.



[youtube x3VoyjUP8hg nolink]

Why photograph war

„… For me the strength of photography lies in its ability to envoke a sense of humanity …

… In a way if an individual assumes the risk of placing himself in the middle of a war in order to communicate to the rest of the world what is happening – he is trying to negotiate for peace…

… If everyone could be the to see for themselves the fear and the grief just one time than they would understand that nothing is worth letting things get to the point where that happens to even one person, let alone thousands. But everyone cannot be there and that is why photographers go there, to show them, to reach out and grab them and make them stop what they are doing and pay attention for what is going on. To create pictures powerful enough to overcome the dilluting effects of the mass media and shake people out of their indifference. To protest and by the strength of that protest to make others protest …“


Und hier bei uns ?


Ich habe bis heute noch keine Möglichkeit gefunden, Leid in irgendeiner Weise zu fotografiern. Je komplexer Leid in seiner Erscheinung ist, umso schwieriger ist es auch, dies in einem Foto, welches Aussage und Qualität hat einzufangen. Manche Szenen müssen sogar nachgestellt werden, um überhaupt fotografisch festgehalten zu werden.

Aber Videos und Texte wie dieser regen mich in regelmässigen Abständen dazu an, weiter darüber nachzudenken, zu forschen und Ideen zu sammeln, was man denn tatsächlich fotografieren könnte. Themen wie Gewalt in der Familie, Rassismus und Unterdrückung (in jeglicher Form), Frauenfeindlichkeit und viele andere kommen mir dabei in den Sinn.

Ich möchte Dich jetzt einladen, gemeinsam Themen zu finden, welche man fotografisch umsetzen könnte. Dabei geht es noch nicht darum, diese auch umzusetzen, niemand erwartet das. Es handelt sich lediglich um ein Brainstorming.

Hast Du Ideen ? Falls ja, freue ich mich über Deinen Kommentar !

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5 Kommentare

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  1. Hallo Martin!
    Ich sehe in der Streetfotografie gute Möglichkeiten, Leid und Lust festzuhalten. Leute die auf der Strasse leben lassen sich oft gut und nicht mal ungern fotografieren, wenn ich sie zuvor freundlich anspreche und m Erlaubnis frage (siehe u.a. auch http://www.100strangers.com). Gute Sache, die Du hier anstößt.
    LG
    Carsten

  2. Hallo Martin,

    gefühle zu fotografieren ist schon was anderes als gänseblümchen und co ;-)). ich denke auch, die 100strangers sind für den einstieg eine gute sache sich der thematik zu nähern. nicht jeder ist zum berichterstatter geboren und kann das festhalten wovor andere die augen schließen.

    liebe Grüße
    Renee

  3. Ich finde Porträtfotografie hervirragend dazu geeignet, um tiefe menschliche Gefühle festzuhalten. Die Augen sind der Spiegel der Seele. Und Falten erzählen auch eine Menge. Auf diese Weise wirken die Sachen nicht so plakativ. Kriegsfotografie muss aber wohl plakativ sein, um die Menschen aufzuschrecken.

  4. Leid steckt in allen Dingen, genauso wie Glück – man muss es nur sehen (wollen).
    Daher denke ich, dass auch viele alltägliche Szenen für dieses Thema geeignet sind, ohne jetzt Beispiele zu nennen.

    Letztens habe ich mein erstes Foto der Reihe „Unbekannte“ veröffentlicht (http://flickr.com/photos/besimo/2390159264/).
    Hierbei wollte ich sowohl das Leid des Straßenlebens dokumentieren als auch die Lebensfreude. Diese Dinge schließen sich nicht unbedingt aus.
    Jedoch ist es immer schwierig, wenn man als sozusagen Außenstehender in ein System, wie es eine Kinderkrebsstation ist, einzudringen – man muss viel Zeit aufbringen, um sich mit der Situation der Betroffenen vertraut zu machen und um nicht einfach Fotos zu machen, die Leid dokumentieren, sondern den Betroffenen – ich sage es jetzt mal so – gefallen. Denn die haben immerhin eine Geschichte zu erzählen, in der sie sich später fotografisch wiederfinden möchten.

    Ach ja, es gibt viele Gedanken, die man dazu ausführen und verfolgen könnte…