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20. Februar 2008 Lesezeit: ~1 Minute

Kann man das fotografieren ?

“Kann man das fotograieren ?“ ist ein Gastbeitrag von Matthias Koch – dessen Arbeiten Du auf seiner Site www.skizzenbuch.net finden kannst.

Nikaragua im Sommer, um die Mittagszeit in Granada. Ich habe Hunger und setze mich auf dem Platz in die Nähe einer kleinen Imbissbude. Warten bis eine Bedienung kommt und fragt was ich essen möchte. Fisch mit Bananen und Reis. Un eine Coca Cola por favor.

Es schmeckt, bis eine Junge neben mir steht. 6 Jahre alt ? Er fragt nicht nach Geld. Er fragt ob er meine Reste essen könnte. Ich reiche ihm den Teller. Er wickelt die Reste in ein Bananenblatt. Trauriges Lächeln und Gracias. Er setzt sich ein Stück weiter auf den Boden und isst.

Kann man das fotografieren ?

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17 Kommentare

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  1. Mir würde es schwer fallen, aber eigentlich sollte man es doch machen, gerade um solche miserablen Zustände zu zeigen. Nur den Jungen zu fragen wäre sicherlich der Situation angemessen. Ich denke das Problem stellt sich immer, wenn man soziale Unterschiede dokumentieren möchte um das Elend mancher Länder und/oder Menschen in die Welt hinauszutragen um dann evtl etwas ändern zu können, oder wenigstens darauf aufmerksam zu machen.

  2. sehe ich ähnlich, Foto ist ok, aber es sollte darstellen wie schlecht die Situation des Jungen.
    Damit man sieht warum man so etwas dokumentiert, aber als Künstlerisch würde ich das nicht gerne sehen. Eher eine Reportage über die Zustände.

  3. in anlehnung an die ersten zwei kommentare:
    ich glaube der hund liegt schon in der frage begraben:
    „Kann man _das_ fotografieren?“
    wie martin sagt: es geht hier um einen menschen und es gelten die gleichen ‚regeln‘ wie sonst auch. kommunikation und einverständnis vor einem evtl. photo. ehrliches interesse daran etwas zu lernen und möglicherweise zu verändern.

  4. Ich denke, die Frage, ob man es fotografieren _darf_, ist wie üblich zu beantworten: Einverständnis des Fotografierten, vielleicht entwickelt sich daraus sogar ein kurzes Gespräch und weitere, charaktertypischere Fotos.
    Ob man es fotografieren _kann_… die Szene einfangen? Die Situation des Jungen festhalten? Sicher nicht einfach, vermutlich beweist sich hier das Talent des Fotografen ;-)

  5. Ich glaube, der Punkt ist, dass man es fotografieren kann aber dann nur Zeigen sollte, wenn man es geschafft hat, die Traurigkeit der Szene so einzufangen, wie man es in dieser Situation tun wollte. Evtl. sollte ein solches Bild dann aber nicht ohne Kontext stehen, dass heißt ein Text wie der von Dir würde gut dazu passen. Letzt endlich ist das aber die Ethik-Frage der Fotografie, nicht was darf ich fotografieren (im rechtlichen Sinn), sondern was darf ich fotografieren und es mit meinem eigenen Gewissen vereinbaren.

  6. Es heisst ja immer dass ein Bild mehr aussagen kann als 1000 Worte. Der Artikel hat also 120 Worte und am Anfang denkt man der arme Junge. Aber morgen ist das schon wieder vergessen. Das Bild, wenn es denn aussagekräftig ist, brennt sich ein. Und Bilder sind International, dafür muss man nicht lesen und schreiben können, nur sehen. Was das Rechtliche angeht und ob man das mit seinem Gewissen vereinbaren kann ist wiederum was anderes.

  7. Das muss jeder für sich selber entscheide. Schaut euch Capa an, er hat genau das täglich gemacht und damit die Leute zum nachdenken angeregt. Es gibt genug Kriegsfotografen die mit täglich mit dieser Frage konfrontiert werden/wurden und am ende aufgrund solcher problem ihr leben genommen haben oder zumindest ihren beruf. Wie zum Beispiel Kevin Carter. Ist jetzt was extrem, aber im entdefekt ist es das selbe. Einerseits zeigt man der Menschheit was abgeht in solche region und andereseits ist es eine starke überwindung für ein selber.

  8. Ohne hier jemandem zu nahe treten zu wollen: das „kann“ hängt ganz klar von den beiden involvierten Personen ab. Das „darf“ jedoch halte ich für eine viel zu verkopfte Frage, die aus unserer westlichen „ach das arme kindchen“ Haltung heraus gestellt wird. Wie weiter oben gesagt wurde: wenn der Junge dafür ein vollständiges Mittagessen bekommt, sich beim Essen fotografieren zu lassen?
    Ich habe schon in zu vielen „armen“ Ländern ähnliche Schuldgefühle gehabt, woraufhin Einheimische mich für „bekloppt“ erklärt haben. Eventuell ist auch genau ein solchen „hungrig dreinschauen“ eine erfolgreiche Methode um dem doofen Nordländer etwas aus der Tasche zu leiern. Nicht daß es uns Nordländlern schaden würde so etwas zu machen oder zahlen, aber wir haben in solchen Ländern einfach nicht den Einblick und das „Recht“, unsere Ethik auf diese Leute zu übertragen…

  9. Ich hatte einmal eine ähnliche Situation in Dublin. Eine Frau saß, in eine Decke eingehült und ihrer jungen Tochter auf dem Schoß, bei eisiger Kälte bettelnd neben einer dunkelen Toreinfahrt. Ein sehr beeindruckendes Motiv insgesamt. Ich konnte mich dann aber auch nicht dazu durchringen sie zu fotografieren. Hier ist das Argument der Ethinkübertragung (joe rady) wohl auch weniger gegeben. Ich fand es einfach irgendwie menschenunwürdig…

  10. Blogartikel dazu: stefan.waidele.info » Emotionsdichte - Gefühl pro Byte

  11. Ich fotografieren ist etwas sehr intimes. Man sollte die Abhänigkeit andere Menschen nicht nutzen um Intimität mit Ihnen zu erzwingen.
    Ich habe mich letzte Woche in einen Waisenkinderheim auch dagegen entschieden.

  12. Ich würde auch wie Helmut sagen : Die Abhängigkeit anderer nicht ausnutzen.

    Erste Regel für mich beim Photographieren von Menschen ist Respekt. Und das kann man man einfach fühlen ob man eine Beziehung geschaffen hat die Photographieren erlaubt.