kwerfeldein
30. Januar 2008 Lesezeit: ~5 Minuten

Die Arroganz und ihre Opfer

Eine Kritik an der deutschen (Hobby-) Fotografiecommunity.

Kwerfeldein.de ist nicht gerade bekannt für offene Kritik an Organisationen und schon gar nicht an Personen – mit denselben werden Problematiken persönlich geklärt und die Stimmung meines Weblogs galt auf bisherigem Weg der positiven Seite der Fotografie. Und dennoch möchte ich heute eine Sache ansprechen, welche mir schon länger „auf der Seele brennt“. Wundere Dich nicht über meine Argumentation, sie ist sehr geprägt von meiner pädagogischen Bildung – was nicht bedeuted, dass ich hier heute den MoralErzieher raushängen lassen möchte, nein ich möchte einfach mal den Finger in eine Wunde legen, welche ich schon lange als „schmerzlich“ empfunden habe. Auch sehe ich mich nicht als jemand, der folgendem Misstand überhoben ist und selbst damit keine Probleme hat. Nein, ich sehe mich als ein Beobachter in der Gruppe. Wohlbemerkt lassen sich meine Feststellungen nicht auf alle Fotografen übertragen (ich kenne einige Gegenbeispiele und habe grossen Respekt vor ihnen)- aber dennoch auf viele,mich selbst mit eingeschlossen.

Nun aber mal Klartext.
Meiner Meinung nach ist eins der grössten Probleme, welches wir, die deutsche (Hobby-) Fotografiecommunity haben das, dass wir uns im persönlichen Umgang miteinander und ganz besonders mit „Aussenseitern“ äussererst schwer tun. Immer wieder zeichnet sich vor meinen Augen ein Szenario ab, bei welchem ich mich a) selbst als Mitwirkender sehe und b) nach distanzierter Reflexion nur den Kopf schütteln kann.

Ein Beispiel.
Es fällt uns äusserst leicht, unser Know-How über technische Details preiszugeben und das in allem Möglichen Formen. Es gibt Fotografen, die können Dir alles erkären : Von der Entstehung der Lochkamera, den technischen Rafinessen der Chipsätze vom Morgen bis hin zur perfektionierten Retusche in 3 Minuten. Alles in allem eine lobenswerte Sache. Die Frage die sich mir dabei stellt ist aber : Wen interessierts ?

Ja genau, WEN interessierts habe ich gesagt. Diese Frage hängt mir schon seit Monaten im Ohr und genau an das erinnere ich mich, wenn ich die meinige Klappe aufmache und mit jemandem spreche, der gerade am Anfang steht zu fotografieren oder gar mit der Fotografie nur bedingt zu tun hat. Denn diese sind es, wenn ich von Opfern spreche. Denn bei denen kommt auf der Emfängerseite nur eines an : %$:<^Y“Ä$;X`Y?D. Und nicht nur das, was man im deutschen Volkesmunde den verehrten Bahnhof nennt erreicht mein Gegenüber. Sondern auch : Ich Chef, Du nix. Ich bins, Du nicht. Ich oben, Du ganz unten. Ich Guru, Du Vollidiot. (1)

Die Grenze

Das alles ist ja noch schön und gut, solange wir innerhalb unseres Gettos mit Gleichgesinnten über die Auswirkung eines 10tel Blendenwertes bei Mittnacht philosophieren. Damit habe ich ein geringeres Problem. Es wird – so denke ich – besonders schwierig, wenn wir mit Leuten Umgang haben, die eben nicht so ticken, wie wir – die einen anderen Wissensstand sowie noch nicht den gleichen Erfahrungsstand haben wie wir.

Es gibt Menschen, die können mit einem solchen Verhalten gut umgehen. Die drehen sich auf dem Absatz um und wir Fachidioten fragen uns warum wir so verdammt alleine sind. Andere können damit eben nicht gut Umgehen, und das sind – ich wiederhole mich – die Opfer, welche mir leid tun. Denn die glauben wirklich : Ich nix, ich ganz unten. Das sind die verunsicherten, oft hochbegabten Fotografen, die sich trauen zu sagen was sie können, denn sie rechnen schon mit einem Gegenwind von Technikgeschwalle und Luftblasengefurze bis die Schwarte kracht (1).

Wir sind die Nerds
Vielleicht bin ich einer der wenigen, die es so versteht, aber genau damit verbinde ich das Wort „Nerd“. Klar, jede Gruppe von Spezialisten hat ihre Fachidioten, das ist nichts neues. Was es aber unter uns Fotografen so schlimm macht ist dummerweise das, dass wir uns als „Künstler“ verstehen und somit die Nase sowieso dort tragen, in der Mitte des Irokesenschnittes. Ganz weit oben (1).

Ich selbst bin dieser Schwäche schon zu häufig verfallen und weiss auch, wie schwierig es ist, aus diesen so bequemen und sicheren Stifeln herauszutreten und mal in die Schuhe des anderen zu schlüpfen. Sich zu fragen, wie er denn die Sache sieht – wie das, was ich sage auf IHN wirkt. Aber dennoch glaube ich, dass dies eins der wenigen Heilmittel für unsrere Krankheit ist : Empathie, Einfühlungsvermögen.

Fragen, die wir uns stellen können

und um welche wir mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht herumkommen, wenn wir uns veränden wollen: Was geht gerade in meinem Gegenüber ab ? Was sind seine Bedürfnisse ? Rede ich evtl. an ihm komplett vorbei ? Habe ich mich schon wieder in den Himmel gelobt ? Wie wirkt das auf ihn / sie ? War ich evtl. etwas verletzend ? Kann mein Gesprächspartner das verstehen, was ich gerade gesagt habe ?

Zum Abschluss möchte ich noch ewähnen, dass dieser Text meine persönliche und keinenfalls perfekte Sicht der Dinge darstellt. Ich beanspruche nicht, alles in diesem Bereich verstanden zu haben noch die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Und dennoch glaube ich, dass wir weiterdenken müssen, und uns fragen müssen wer wir sind, wie wir auf andere wirken und wo wir hinwollen – nicht nur als Einzelne, sondern auf als Kollektiv.

(1) : Übertriebe Bildsprache zur Verdeutlichung des Problems. Kein wörtliche Interpretation empfohlen.

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