kwerfeldein
27. Oktober 2007 Lesezeit: ~6 Minuten

Fotos bei Flickr präsentieren

Dies ist ein Gastbeitrag von Tobias.

Online-Fotoalben sind in den letzten Jahren aus dem Boden geschossen wie das sprichwörtliche Unkraut. Von günstig bis billig (manchmal auch beides), bis hin zu „uiii…teuer!“ ist alles dabei, was den Hobbyfotografen in der weiten Welt bekannt machen könnte. Quantität anstatt Qualität heißt dabei oft die Devise. Als ‚Volkswagen unter den Anbietern‘ darf man wohl zurecht das Zugpferd dieser Sparte nennen…Flickr!

Flickrs Beginn

War das Hochladen von Fotos 2002 noch als Nebensache eines anderen Projekts gedacht, stellte sich schnell das Potential eines solchen Portals heraus und mit dem Kauf durch Yahoo zog Flickr seinen maginären Schweif am Fotocommunity-Himmel – gefolgt von vielen kleinen Sternschnuppen.

Der aktuelle Stand

Inzwischen sind wir bei etwa 5000 Seitenzugriffen pro Minute, mehr als 1,2 Milliarden eingestellten Fotos und weit mehr als 8 Millionen registrierten Benutzern. Alleine diese Zahlen zeigen, welche Kraft
hinter dem Motor steckt, um – wenn man weiß damit umzugehen – seine geliebten Aufnahmen der breiten Masse zu präsentieren.

Mein „Lebenslauf“ …

… schaut derzeit wie folgt aus: Über 700 Fotos in 25 Alben sind online, etwa 3000 warten noch auf eine Veröffentlichung, mehr als 16000 Besucher waren auf meiner Einstiegsseite und grob geschätzte 60000 Einzel-Abrufe haben die Aufnahmen zu verzeichnen. Und das für (in meinen Augen) ’schnöde‘ Landschafts-, Natur- und Tierfotos! Anbieter von Erotikware können darüber nur laut lachen und werden 10x häufiger und mehr angeklickt.

Wohin solls gehen ?

Seien es nun diese pikanteren Aufnahmen seiner Liebsten oder ein Abbild der ausgelatschten Turnschuhe – auf Flickr ist im Grunde alles zu finden, was man auch nur ansatzweise in Megapixel bannen kann. An diese Stelle sollte man entscheiden, ob man sich zum Schnappschussjecken oder zu einem oft und gerne besuchten Online-Fotografen wandeln möchte. Daher ein paar Hinweise für diejenigen, denen zum Namen „Flickr“ bis dato nur der sprichwörtliche Bahnhof eingefallen ist:

Die Sprache

Zuallererst: Man redet englisch! Natürlich gibt es auch eine Menge deutscher Teilnehmer, doch wer mehr als ein „Please can I become a steak!?“ rausbringen kann, sollte sich von vorherein auf diese Fremdsprache einschießen. Die weltweiten Besucher werden dankbar sein.

Massenware

Häufiger Fehler von Einsteigern ist z.B. das Massenhochladen, von dessen ‚Sünde‘ auch ich mich in meiner Anfangszeit nicht ausschließen kann. Zum Teil 20 oder 30 Aufnahmen auf einmal zeugten von Unwissen und schnell wurden daraus 2 bis 4 Fotos über den Tag verteilt und einzeln hochgeladen. Man muss sich vorstellen, dass pro Minute einige tausend Fotos bei Flickr durchrauschen – Massenware bekommt dort selten eine Chance auf Anerkennung.

Tags

Ein weiterer Dorn im Auge ist die (meist nicht bedachte) Vergabe von Datei/Fotonamen. Wo wurde die Aufnahme gemacht? Was stellt sie dar? Oder habt ihr ein tolles stimmiges Wort für euer Foto? Zusammen mit den Stichworten (=Tags), welche zu jedem Foto angegeben werden können, steckt hier ebenfalls viel Potential drin. Denn diese Begriffe können später gezielt von Leuten gesucht werden – eine Datei namens „DCF1763.jpg“ kommt wohl selten zu der Ehre, dass nach ihr Ausschau gehalten wird.

Der Community Gedanke

Da Flickr ein typisches Web2.0-Kind ist – gefüttert durch den so genannten ‚user generated content‘ – sollte man diesen Leitsatz auch für sein neu gewonnenes Dasein als Online-Fotograf nutzen und sich den Community-Gedanken angewöhnen. Einzelkämpfer haben es schwer, so dass eine weitere treibende Kraft das Anmelden in Themengruppen und vor allem das Kommentieren anderer Fotos ist. Pures Hochladen von Fotos beschert einem oftmals 0 Besucher, wenn man nicht auch bereit ist seine Aufnahme in einer oder mehreren Gruppen zu teilen.

Partizipation

Neben dieser Massenverbreitung sind ‚persönliche Kontakte‘ auf Flickr ebenfalls nicht wegzudenken. Durch das Hinzufügen von Teilnehmern werden neue Fotos oftmals viel eher wahrgenommen und mit der Zeit baut sich ein kleines Netzwerk auf, da jeder jeden über ein paar Ecken hinweg ‚kennt‘. Zusammen mit den Gruppen bildet die Kontaktliste das stärkste Zugpferd in diesem Gespann.

Die Frage nach der Qualität

Mal abgesehen von dieser technischen Seite sollte man sich ggf. auch Gedanken machen über das Motiv und die Qualität seiner ‚Schnappschüsse‘. Wenn jemand so wie ich eine komplette Fotoserie hochladen MÖCHTE(derzeit über eine USA-Reise) sind Kommentare schön, aber nicht zwingend – das Ziel ist die komplette Veröffentlichung der Reisefotos. Manch ein Neuling auf Flickr knipst jedoch besagtes Paar Turnschuhe – am besten noch schön unscharf, unter- oder überbelichtet und wundert sich, dass keiner ein paar nette Worte dazu sagen möchte.

Lobhudeleien

Leider hat sich Flickr auch zu einem Bebauchpinselungs-Portal entwickelt, da 99% der Kommentare durchweg positiv sind. Man wird selten eine harrsche Kritik erhalten (auch nicht für dieses Turnschuhbild) und nach einiger Zeit ist man so gesättigt durch die immer wiederkehrenden Lobhudeleien, dass man schon gar nicht mehr ‚Danke‘ sagen mag.

Und dennoch :

Hat man den Dreh raus und sich an die Gegebenheiten von Flickr angepasst, erwartet einen eine riesengroße Gesellschaft von wirklich netten Leuten, die einfach nur Spaß am Ablichten der sie umgebenden Welt haben. So lockerflockig sollte man dies auch sehen und zusammen mit den angesprochenen Anfängerhinweisen gelangt man schnell zu seiner eigenen Bandbreite von Ehre und Ruhm – und wer weiß, ob nicht doch mal die eine oder andere wichtige Persönlichkeit unter den Besuchern weilt, die genau nach DEM Foto des Jahres Ausschau halten, welches man selber gerade hochgeladen hat.

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3 Kommentare

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  1. tach, eine kleine ergänzung zum massenupload. ich benutze als zahlender flickr-pro-kunde den massenupload ständig, auch um anderen einfach zugriff auf meine original-dateien zu geben und die dateien überall verfügbar zu haben. wie du schon schreibst ist das für den „ruf“ nicht allzugut. ich habe mir überlegt, noch einen zweiten „schmuck-account“ zuzulegen, der dann in der basis-variante, auf den ich dann nur die tollen und ausgewählten bilder hochlade. wenn jemand gerade anfängt, ist das vielleicht ne idee, seine bilderfluten sinnvoller zu organisieren.

  2. Ich denke mit der Zeit wird da jeder seine eigene Art von ‚Verwaltung‘ draus entwickeln. So wie es Leute gibt, die einige Dutzend Fotos von beinahe ein und dem selben Motiv hochladen, gibt es welche, die nur eins pro Woche veröffentlichen.

    So wie ich Flickr (und die anderen Portale) bislang kennengelernt habe, gibt es die Art von Benutzern, denen es egal ist welcher Senf zu ihren Uploads beigesteuert wird – Hauptsache die Fotos sind online – und eben die, die daraus eine kleine Online-Gallerie machen möchten.

    Ich persönlich tendiere zu letzterem, da es in meinen Augen nicht die Mühe wert ist Hunderte von Bildern hochzuladen und dann nicht so zu „vermarkten“, dass auch mal ein paar Betrachter vorbeischauen. :-)

  3. Blogartikel dazu: Paraflyer's Blog