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10. Oktober 2007 Lesezeit: ~5 Minuten

Warum das Stativ Dein ständiger Begleiter sein sollte

Pressefotografen hassen Stative, Sportfotografen arbeiten am liebsten mit Einbeinstativen – aber Naturfotografie ohne Stative ist leider unmöglich. Knipsen geht ohne, aber nicht fotografieren.“ – Fritz Pölking

Stative sind sperrig und schwer. Für den ein oder anderen sind sie häufig ein weiterer Gegenstand, der das Fotografieren in der Natur zu einem Kraftakt werden lässt. Da stellt man sich recht schnell die Frage, ob denn dieser Aufwand wirklich lohnend ist. Ich habe 6 Gründe zusammengefasst, dieses Problem von einer anderen Seite beleuchten und Dich vom Neuem ermutigen können, das Stativ als ständigen Begleiter bei Dir zu haben.

1. Abendlicht
Mit zunehmender Dunkelheit wird es immer schwieriger, Fotos aus der Hand zu schiessen. Die Lichtkraft der Sonne nimmt in den letzten Momenten vor Sonnenuntergang rapide ab und Du wirst beim Überpruefen des Bildes feststellen, dass ohne Stativ Schärfe nicht mehr länger gewährleistet ist. Die wenigen Minuten vor und nach Sonnenuntergang sind meistens die Schönsten und es ist schade, gerade dann festzustellen, dass das Stativ zu Hause liegt. Der Griff ins Menü, um ISO-Werte zu erhöhen wird zum Verhängnis, da dadurch entscheidende Bildqualität verloren geht.



2. Hartes Licht

An einem sonnigen Nachmittag fotografieren die wenigsten Fotografen mit dem Stativ. Warum ? Weil man glaubt, dass hier nun zureichend Licht vorhanden ist, und man mit Sicherheit kein einziges Bild verwackeln wird, selbst bei Blende 22. Ich kenne diese Angewohnheit zu gut von mir selbst und kann aus eigener Erfahrung sagen, dass dies nicht immer, aber in manchen Fällen ein Trugschluss ist. Denn ein Stativ hat ja nicht nur den Vorteil, dass Bildverwackelungen vermeidbar sind. Bei vollem Sonnenschein sind zwar wichtige Bereiche der Natur voll ausgeleuchtet, und trotzdem entstehen Schatten, welche im Vergleich häufig dunkel und detaillos ausfallen. Möchte man deshalb nun eine Mehrfachbelichtung machen, ist das aus der Hand zwar nicht unmöglich, aber mit feinen Abweichungen der einzelnen Belichtungen verbunden. Hierbei bietet sich ein Stativ an, auch mittags um 14 Uhr bei knallender Sonne.

3. Nachtfotografie
Eigentlich klar, oder ? Nun, auch ich habe schon um 23 Uhr aus der Hand mit ISO 3200 und Blende 2,8 fotografiert. Die Ergebnisse waren wirklich schick (hässlich). So manch künstlerische Effekte kann man mit diesen Einstellungen durchaus erzeugen, ernstzunehmene Landschaftsaufnahmen aber nicht. Sprechen wir von Startrailaufnahmen oder Wasserbelichtungen, brauchen wir ohne Stativ die Kamera erst gar nicht auspacken. Die allseits beliebten Autobahnaufnahmen mit langen, roten und weissen Linien würden aus der Hand abenteuerlich aussehen. Hierbei habe ich selbst schon zu der Oberkante des Brückengitters als Unterlage gegriffen, eine Methode, von der ich Dir stark abraten möchte. Denn falls Deine Kamera den Sturz auf die Autobahn überleben sollte (was mehr als unwarscheinlich ist), wird es dennoch schwierig , sie wieder herauszufischen ohne selbst dabei drauf zu gehen ;).



4. Fotografieren mit dem Graufilter

Je nach Verlängerungsfaktor des Filters wirst Du gezwungen sein, eben längere Belichtungszeiten einzustellen. Damit gleichst Du die Dunkelheit des Filters aus und kannst auch tagsüber z.B. vorbeiziehende Wolken verwischen lassen. Aus der Hand ? Keine Chance. Ein Blick auf den LCD wird reichen, um sofort nach dem Stativ greifen zu wollen. Graufilter und Stative sind miteinander verheiratet. Der Graufilter ist hierbei der Treue, der ohne das Stativ kein einziges Bild macht, das Stativ geht dagegen auch mal ohne Filter fotografieren ;).

5. Fotografieren mit dem Teleobjektiv
… kann sehr schnell zu einem Tanz mit dem „Feuer“ werden, da diese Objektive eine wesentlich kuerzere Verschlusszeit in Anspruch nehmen, um nicht zu verwackeln. Liegt nun das Stativ noch im Auto hat man die Qual der Wahl : Hohe ISO-Werte(Bildrauschen) oder weite Blendenöffnungen (Verlust der Tiefenschärfe). Da Landschaftsaufnahmen im Schnitt bei Blende 8-11 liegen, und der Fotograf nicht auf Schärfe verzichten möchte, hat ein Stativ definitiv die „Nase vorn“.

6. Architektur – Innenaufnahmen
Wenn wir schon beim Thema sind, möchte ich diesen Punkt noch hinzufügen. Da die meisten öffentlichen Gebäude ohne Genehmigung nicht zu fotografieren sind, hast Du Dir diese eingeholt und stehst nun in einem riesigen Komplex voller interessanter Linien und Stellen, die fotografiert werden wollen. Meistens sind Gebäude hell genug, um genügend zu sehen und sich sicher fortzubewegen. Für die kurze Belichtungszeiten reicht dies aber oft nicht aus . Falls nun zuguterletzt das Wetter Dir einen Streich spielt und Wolken das von aussen eindringende Sonnenlicht verdecken, ist ein Stativ Gold werd. Hinzu kommt, dass Innenaufnahmen in vielen Fällen Blenden ab 9,0 erfordern und somit ohnehin mit längeren Belichtungszeiten zu rechnen ist.

Fällt Dir noch ein weiterer Punkt ein, bei welchem das Stativ unverzichtbar ist ? Falls ja, freue ich mich auf Deinen Kommentar !

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