kwerfeldein
25. Juni 2007 Lesezeit: ~3 Minuten

Meine Burnout-Falle : Es gibt nichts Neues mehr

Die ersten Monate, in denen ich die Fotografie kennenlernte, waren die einfachsten. Voller Neugier und Enthusiasmus entdeckte ich eine Welt, wie ich sie vorher noch nie gesehen hatte – durch die Linse. Ich wollte alles fotografieren und meine Powershot war mein ständiger Begleiter. Am Rechner ging der Spass dann weiter – Weissableich setzen, 17 Filter drüberlaufen lassen und somit den Weissabgleich völlig unnötig zu machen. Bildbearbeitung war der Sandkasten eines frisch verliebten Fotofanatikers geworden.

Doch von Zeit zu Zeit kamen – und kommen immer wieder – Denkweisen zum Vorschein, welche ich gar nicht mochte und welche mich eher zurückwarfen. Da war auf einmal alle Motivation verschwunden und der frische Wind des Neu-Entdeckens hatte sich verzogen. In Gesprächen mit anderen Fotografen stellte ich fast erschrocken fest, dass ich nicht der Einzige war, der mit Problemen dieser Art konfrontiert war.

Es gibt nichts Neues mehr.
Nachdem ich die Landschaftsfotografie zu meinem Thema gemacht hatte, erkundete ich mit meiner Kamera die Umgebung in der ich wohne. In diesem Fall Karlsruhe und somit den Nordschwarzwald. Tagtäglich fotografierte ich Hütten, Häuser, Wasserfälle und Seen. Doch irgendwann hatte ich das Gefühl, dass sich die Natur wiederholt und ich immer wieder auf dieselbe Natur traf. „Oh Gott, fotografieren wird etwas gewöhnliches ! Ich kenne ja alles!“ … Dachte ich.

Um einen Ausweg zu suchen, besuchte ich Lieblingstellen zu unterschiedlichen Tageszeiten. Nach einem halben Jahr half auch das nicht mehr. Ich war mit meiner Angst vor dem Gewohnten konfrontiert und hatte das Gefühl, nichts Neues in der Landschaft finden zu können. Burnout.

Der Architektur-Quickie
So leicht wollte ich nicht aufgeben. „Ich suche mir etwas anderes“, war die Devise und die Architekturfotografie kam da gerade recht. Teleobjektiv drauf, Gebäude und Häuser fotografieren. Es hat Spass gemacht. 2 Wochen lang. Das Gefühl „am falschen Ort zu sein“ beschlich mich immer wieder. Die Natur lag mir einfach zu nah am Herzen und deshalb kehrte ich umgehend zu Landschaftsfotografie zurück. Und war somit mit meinen alten Problemen konfrontiert. An diesem Punkt stehe ich heute.

Ich habe bis heute keine wirkliche Lösung für dieses Problem gefunden. Natürlich ist mir bewusst, das dieses Paradigma überhaupt kein produktives ist. Es ist mir durchaus klar, dass ich falsch liege, denn die Natur ist voller Wunder und jeder Tag ist anders als der davor. Aber das zu wissen, heisst noch lange nicht, sich auch darauf einzulassen und es als solches zu erleben.

Zulassen
Momentan tue ich eins, was mir sehr gut tut. Ich empfinde genau das, – was ich oben beschrieben habe – bewusst. Ich habe aufgehört, mich dagegen zu wehren. Zulassen ist meine Devise. Zulassen von dem, was ich im Grunde als das Schlimmste gesehen habe : Burnout, es gibt nichts Neues mehr. Mit Sicherheit ist das nicht der Punkt, an welchem ich bleiben möchte, dennoch möchte ich ihn bewusst erleben. Denn so habe ich die Möglichkeit, damit umzugehen.

Update
Villeicht frägst du dich nun : Mensch Martin, du hast doch erst vor ein paar Wochen die „9 Wege, um ein motivierter Fotograf zu bleiben“ geschrieben ! Ja, und ich habe sie mir heute wieder neu vor Augen geführt und einiges daraus gelernt. Aber ich habe auch ein Update geschrieben, denn nun sind es 10 Punkte ;) .

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3 Kommentare

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  1. Ich kann dieses Gefühl sehr, sehr gut nachvollziehen. Ich hatte letztes Jahr zwei Monate so eine Phase – die Kamera war trotzdem mit dabei aber alle Arbeiten die ich gemacht habe, waren lieblos und langweilig.

    Wie ich da rausgekommen bin? ;-)

    Einfach abgewartet und mich mit gänzlich anderen Sachen beschäftigt.

  2. Hallo Martin,
    klasse ehrlicher Bericht. Selten in der Branche zu lesen / zu hören. Eine Thematik, die ich kenne und die auch viele betrifft. Man sucht dann etwas Neues, den neuen Kick. Ist nur nicht so einfach. Vielleicht kann es auch ein anderes Feld sein, das in einem die Flamme wieder entzünden könnte.