Artikel04.01.2012 / 09:39

Wenn es etwas länger dauert — Die Standentwicklung

Oliver fotografiert seit 2004 autodidaktisch-dilettantisch und lernt weiterhin bei jedem Film dazu. Er schwört auf lichtstarke Festbrennweiten und ergibt sich nur peu à peu dem digitalen Zeitgeist. Vorzeigbare Arbeitsnachweise sind bei deviantart und in seinem Blog zu begutachten.

Ein vertrautes Bild, es bewegt sich nur die Uhr

Außenstehenden mag die Entwicklung von fotografischem Film und der eigentliche Prozess, der aus Licht Bilder macht, stellenweise oder gar komplett wie Hexenwerk, zumindest aber wie uraltes und kryptisches Geheimwissen von Alchimisten vorkommen.

Männer und Frauen, die mit stinkenden Brühen panschen, die — mit an Pedanterie grenzender Genauigkeit — auf Temperaturen achten, verschiedenste Verdünnungen anlegen und unbekannte Zutaten zu selbigen geben, um am Ende das heiligste und zufriedenstellenste überhaupt zu bekommen: Ein Negativ.

Die Entwicklungstanks werden gekippt, geschüttelt oder gleich in Maschinen gespannt und unter genausten Temperaturen vollautomatisch rotiert. Entwicklertypen gibt es fast wie Sand am Meer, ob Feinkornentwickler, Feinstkornentwickler, Schnellentwickler, Ausgleichsentwickler oder Zwei-Komponenten-Entwickler.

Ja, selbst mit Instantkaffee und Waschsoda lassen sich Filme entwickeln. Es gibt schier endlose Tabellen mit Entwicklungszeiten für jeden erdenklichen Entwickler, jeden erdenklichen Film und jede erdenkliche Filmempfindlichkeit. Die Entwicklungszeiten reichen dabei von einigen bis zu zwanzig oder mehr Minuten.

Ich möchte in diesem Artikel eine etwas andere Entwicklungsmöglichkeit beschreiben, die neben einer universellen Entwicklungszeit und einer ausgleichenden Wirkung auch relativ temperaturunabhängig ist: Die Standentwicklung mit Agfa Rodinal, dem 1891 patentierten und damit ältesten photochemischen Produkt der Welt.


Ilford HP5+ gepusht auf 1600 Iso

Bereits zu Beginn der Rodinal-Produktion warb Agfa mit der Möglichkeit zur Standentwicklung in Verdünnung 1+100. Trotzdem blieb diese wohl eher eine Spielwiese für Eigenbrödler und Notlösung für unbekannte Filmtypen oder für Filme, die mit ungenauen bzw. unbekannten Belichtungszeiten verschossen wurden. Die lange Entwicklungszeit von ein oder zwei Stunden schreckt die meisten aber wohl eher kategorisch ab.

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Redaktioneller Beitrag03.01.2012 / 07:35

Wie ich fremde Menschen portraitiere

Neulich hatte ich ein Gespräch, in dem mein Gegenüber mich ordentlich darüber ausfragte, wie ich fotografiere. Dabei ging es gar nicht um die Technik, sondern das Drumherum. Und mir wurde bewusst, dass mein Vorgehen bei Portraits eine Philosophie hat und einigen Grundregeln folgt.

Fremde Menschen, die mir gefallen, spreche ich an. Manchmal sogar ganz fremde, in der Straßenbahn oder auf der Straße. Ohne sie zu fragen, wie sie heißen, wie alt sie sind oder woher sie kommen. Das ist für mich in diesem Moment unerheblich. Ich möchte nur den Kontakt herstellen, bevor sie vielleicht für immer um die nächste Hausecke verschwinden.

Modell: Sylwia K.

Oder der Kontakt entsteht über das Internet aus meiner Motivation oder der des Modells, einer mag die Arbeiten des anderen. Dann ist man sich zwar näher, kennt den Namen und die Fotos des anderen und hat eine Ahnung von der Person, mit der man arbeiten möchte, weil man in der Vorbereitung Nachrichten hin und her schreibt – ist sich aber eigentlich immer noch fremd.

Auf dieser Basis arbeite ich und von dieser Fremdheit ausgehend muss ich so agieren, dass am Ende Fotos entstehen, mit denen wir beide zufrieden sind. Dazu bedarf es viel Vertrauen, das aufgebaut werden muss, damit überhaupt erst Fotos möglich werden, welche die Distanz überbrücken, die anfangs noch zwischen uns besteht.

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Redaktioneller Beitrag02.01.2012 / 08:06

Hallo 2012.

Wir hoffen, Ihr habt nicht nur die weihnachtlichen Feiertage, sondern auch den Rutsch ins neue Jahr gut hinter Euch gebracht. Wir freuen uns auf ein weiteres interessantes Jahr rund um die Fotografie und wagen einen kurzen Rück- und Ausblick.

Im letzten Jahr ist auf KWERFELDEIN viel passiert. Die Redaktion ist inzwischen auf zehn fleißige Redakteure angewachsen, sodass wir Euch ein immer breiteres Themenspektrum und viele verschiedene, persönliche Perspektiven auf die Fotografie bieten können.

Foto: Christof Schoppa

Dadurch hatten wir spannende Diskussionen, jede Menge atemberaubende Bilder, Einblicke in fotografische Gedankengänge und Techniken. Gemeinsam mit Euch haben wir mehrere Exposés mit Euren Fotos und die erste Doppelbelichtungs-Aktion veranstaltet. Soviel sei schon verraten: Beide Formate kommen auch 2012 wieder.

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Redaktioneller Beitrag31.12.2011 / 10:56

Ein Jahr schwarzweiß, Quadrat & Straße.

 
 

Zugegeben: Es ist keine neue Idee, ein Jahr rückblickend zu beschreiben. Interessanterweise habe ich jedoch vor fast exakt zwölf Monaten ein Projekt begonnen, das ich bis heute verfolge. So bietet es sich erst recht an, zu reflektieren, was sich mir in einem Jahr Fotografieren erschlossen hat, respektive welche Fragen sich neu gebildet haben oder sogar unbeantwortet blieben.

Ich habe hin und her überlegt, ob ich meine Gedanken hier der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen soll. Ob es einen Mehrwert haben wird für den Leser, der Neues über die Fotografie wissen will, denn ich habe im letzten Jahr das Rad ganz sicher nicht neu erfunden.

So drängte sich die Frage auf: Was ist schon ein Jahr? Ein Jahr ist doch gar nix, eigentlich.

Zeit ist jedoch nur ein Faktor in dieser Rechnung. Ein weiterer – und in meinen Augen wesentlicher – ist der, wie viel man in dieser Zeit fotografiert. Und ich kann sagen: So viel und so häufig wie in den letzten zwölf Monaten habe ich bisher noch nie fotografiert. Dabei vergleiche ich mich nicht mit anderen, sondern lediglich mit mir selbst.

So viel war es nicht nur allein nach Klickzahlen in Form von Auslösungen, sondern auch die effektive Zeit an der Kamera: In Momenten stillen Erwartens neuer Fotografien, der Freude über einen Treffer oder das Herumtrotten in der Karlsruher Fußgängerzone, die Kamera am Anschlag. Ungefähr 600+ Bilder habe ich auf Flickr geladen und alle gehören für mich – ich betone: für mich – in die Kategorie tauglich.

~

Doch nun mache ich einen Sprung in die Vergangenheit und zwar in den November 2010. Ich hatte ein Burnout hinter mir und das auch im Bereich der Fotografie. 2010 war das Jahr, in dem ich keine Lust mehr auf Landschaften hatte, aber auch keine neuen Ideen. Ich wollte weitermachen, wusste aber nicht wie oder wo. Und ich hatte keinen Bock mehr darauf, das fünhunderachtundsiebzigste Bild eines einzelnen Baumes im Sonnenuntergang zu machen – für die versierten Leser dieses Magazines keine Neuigkeit.

Doch dann kam der Umzug. Weg vom Land, rein in die Stadt. Tapetenwechsel, ein Neuanfang, der mir gut tat. Und alles andere als Landschaft, nämlich: Stadt. Buntes Leben auf der Straße, Autolärm, Vielfalt der Hautfarben, Sprachen und Akzente. Chaos, Schnelligkeit und vor allem: Menschen, Menschen, Menschen.

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Artikel30.12.2011 / 08:14

Bildvorstellung: nass sein

Dies ist ein Artikel von Laura Zalenga. Sie ist 21 Jahre alt und studiert Architektur in München. Jede Minute ihrer Freizeit widmet sie dem Geschichtenerzählen durch Selbstportraits. Ihre fotografischen Arbeiten können auf Flickr und Facebook besichtigt werden.

Zum Fotografieren bleibt mir seitdem ich studiere leider fast keine Zeit mehr. Jede freie Minute muss also genutzt werden – wenn das Wetter mitspielt.

Es ist einer dieser seltenen Sonntagmittage: Der Akku geladen, das Stativ steht, meine Kamera verlangt nach mir. Dass meine Schwester mir nachruft, dass es nach Regen aussieht, höre ich nur mit einem Ohr. Außerdem strahlt der Himmel in wunderschön konstantem Einheitsgrau. Nein, es wird nicht regnen.

Fünfzehn Fahrradminuten später – gerade habe ich das Stativ aufgebaut – fallen die ersten dicken Tropfen. Das ist dann der Moment, in dem ich mich entscheiden kann, ob ich im Regen nach Hause radle oder einfach so tue als gäbe es den Regen gar nicht. Ich überlege nicht lange.

Also volle Konzentration auf das Bild.

Die Geschichten meiner Bilder sollen nie Exaktes abbilden. Viel mehr soll das Bild den Betrachter anregen, seine eigene Geschichte zu erfinden. Mir war es wichtig, eine ‚sprechende Stille’ zu erzeugen. Durch die Blickrichtung und die Handhaltung, den blickführenden Weg und den aufgefächerten Rock.

Es soll nicht surreal sein, aber trotzdem ein wenig verwundern. Dazu fand ich es genügend, das Mädchen in der Mitte eines Weges sitzen zu lassen und ihre Arm- und Handhaltung ungewöhnlich zu gestalten.

Doch jeder soll sich selbst überlegen, ob sie eine Tänzerin ist, die an der frischen Luft geübt hat und sich gerade ausruht oder ob sie nur ein Mädchen ist, das gerade spazieren ging, der Platz sie zum verweilen einlud und der Regen ihr nichts ausmachte. Deshalb hat das Mädchen auch kein Gesicht, sondern nur einen Rücken. Ohne Gesicht gibt es mehr Eigene-Geschichte-Spielraum.

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