Redaktioneller Beitrag13.02.2012 / 08:15

Buchrezension: emerge 011

Seit Beginn des Jahres gibt es erstmalig in gedruckter Form eine Auswahl von 26 der besten journalistischen und dokumentarischen Arbeiten junger deutscher Fotografinnen und Fotografen.

Der Bildband emerge 011 zeigt ihre Sicht auf diverse Themen und präsentiert vielfach ausgezeichnete Geschichten aus internationalen Kriegs- und Krisengebieten – aber auch aus Deutschland.

Herausgeber der Publikation sind die Gründer des Onlinemagazins emerge, das 2011 als einer unserer Mitstreiter für den Grimme Online Award nominiert wurde.

Als Plattform für qualitätvolle Fotoreportagen und Multimedia-Erzählungen bietet emerge aufstrebenden Fotojournalisten und Dokumentarfotografen eine Präsentationsmöglichkeit für ihre Arbeiten.

Junge Fotojournalisten müssen heute mehr als je zuvor mit viel Eigeninitiative an ihre Themen herangehen. Meist müssen sie ihre Geschichten ohne Auftrag, also ohne garantierte Veröffentlichungsmöglichkeiten produzieren.

Von der zweifelsfrei guten Qualität der Reportagen im Buch kann man sich bereits online ein Bild machen. Zusätzlich zu den digitalen Bildstrecken aber verschafft das Buch als abschließende Publikationsform den gezeigten Arbeiten einmal mehr verdiente Anerkennung.

Eine sehr vielschichtige Arbeit ist “The terrible city” von Heinrich Völkel. Im kriegszerstörten Gazastreifen untersucht er, was eine Stadt ausmacht.

Mit Verblüffung betrachtet er den lakonischen Pragmatismus der Menschen dort im Umgang mit ihrer Notsituation und kommt zu dem Schluss, dass eine Stadt nicht unbedingt kaputt sein muss, wenn sie zerstört ist.

Mit ihrer Porträtreihe “Frauen in der Mongolei” sucht Mareike Günsche ein zeitgenössisches Frauenbild wie es in diesem Land zum einen durch die nomadische Tradition, aber auch durch den Sozialismus und die derzeitige Demokratisierung beeinflusst wurde und wird.

Kirill Golovchenko erzählt mit “7km – Field of Wonders” vom größten Markt Europas. Nicht weit von Odessa in der Ukraine liegt das vier Hektar große Feld, auf dem seit 1989 eine ganze Containerstadt entstanden ist.

Ehemals der größte Trödelmarkt der Sowjetunion, ist das “Feld der Wunder” heute ein Handelsplatz mit einem Warenumschlag, der den Vergleich mit den größten Einkaufszentren des Planeten nicht scheuen muss. Golovchenkos Bilder führen uns an diesen Ort und zeigen ihn echt, ungeschminkt und ein bisschen romantisierend.

In Deutschland sind seit der Wende etwa 10% der Bevölkerung aus den neuen Bundesländern abgewandert, darunter zur Hälfte Frauen. Eine demografische Entwicklung, die vor allem einen Bodensatz wenig ausgebildeter junger Männer in der ostdeutschen Provinz hinterlassen hat.

Die Portraitserie “Was tun – Frauenmangel in Ostdeutschland” von Gesche Jäger zeigt partnerlose Männer. Ganz unaufgeregt vermitteln die Bilder die Sehnsucht dieser Männer und zeugen von einer großen, in ihre Hoffnungslosigkeit investierten Empathie.

Diese und alle anderen in emerge 011 abgebildeten Arbeiten sind eine gelungene Sammlung von Bilderzählungen. So unterschiedlich die Themen der einzelnen Fotografen auch sind, gemein ist ihnen allen der dokumentarische Ansatz gegenüber gesellschaftlich relevanten Themen. So ist das Buch auch ein Stück weit Themenkatalog für massenmedial unterrepräsentiertes Zeitgeschehen.

Das Buch im Softcover hat 276 Seiten und kostet 39,00 EUR, zzgl. Versandkosten (ISBN 978-3-00-036295-8). Am einfachsten lässt es sich direkt bei emerge bestellen.

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Dies ist ein Artikel von Robert Herrmann.

Robert interessiert sich besonders für Reisereportage, Streetfotografie und den urbanen Raum. Für KWERFELDEIN berichtet er über Interessantes aus der Fotobuchwelt und führt Interviews mit inspirierenden Künstlern.

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Kommentare

  1. [...] Rezension des Buches ist wieder nachzulesen auf KWERFELDEIN. Ein herzliches Dankeschön an Thomas Lobenwein von emerge, der mir freundlicherweise ein [...]

  2. thomas sagt:

    und wo ist da die rezension?
    (mal abgesehen von der PR-Mitteilung zwecks Eigenwerbung)

    Thomas

    • Hallo Thomas,

      Die Trackbacks von auf den Artikel linkenden Fremdblogs werden automatisch generiert. Bis ich deinen Kommentar gelesen habe, war mir nicht bewusst, dass der Trackback – in diesem Fall zu meinem eigenen Blog – als Eigenwerbung betrachtet werden kann, aber ich verstehe jetzt warum. Ich finde deinen Einwand gut und nachvollziehbar. Ich kann dem nur gegenüberstellen, dass ich hier Werbung im eigenen Interesse nicht beabsichtigt habe.

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