Redaktioneller Beitrag05.05.2011 / 12:14

100 leerstehende Häuser

Der Titel ist eine glatte Untertreibung. Denn allein auf der Seite zur Serie “100 Abandoned Houses” von Kevin Bauman finden sich momentan schon 103. Und es werden noch viel mehr werden, denn Kevin fotografiert leerstehende Häuser in Detroit. Und dort gibt es etwa um die 12.000 davon, weil die Bevölkerung in der Region seit 1950 um mehr als die Hälfte geschrumpft ist.

Kevin Bauman

Die Serie entwickelte sich eher zufällig in den 90er Jahren, als Kevin begann, seine Nachbarschaft fotografisch zu erkunden. Dabei ging es um Neugierde und ein kreatives Ventil. Inzwischen ist daraus aber eine eingehende Beschäftigung mit den soziografischen Problemen seiner Heimat geworden.

Kevin Bauman

Wer hatte nicht schon einmal den Eindruck, dass die Fassade eines Hauses durch die spezifische Anordnung der Fenster und Türen wie ein Gesicht wirkt? Jedes hat einen eigenen Charakter, gerade so wie wir Menschen. Die verlassenen Häuser in Kevins Fotos sehen einen leer und traurig an, wenn sie überhaupt noch schauen können, denn viele haben verbarrikadierte, blinde Augen oder Narben von Bränden und Einstürzen.

Kevin Bauman

Kevin arbeitet mit einer alten Hasselblad und einem einzigen Objektiv sowie einen Fuji-Farbfilm. Diese Kombination hat sich nach einer gewissen Zeit für ihn herauskristallisiert, als die Serie einen dokumentarischen Charakter entwickelt hat.

Kevin Bauman

Die Arbeiten kann man in Form von Drucken in limitierter Auflage auch erwerben, dabei geht ein Teil der Einnahmen aus dem Verkauf an gemeinnützige Organisationen, die daran arbeiten, Detroit wieder aufzubauen.

Außerdem arbeitet Kevin Bauman auch an weiteren Serien und Projekten, in denen er sich winzigen Kirchengebäuden, Türen oder Nebel widmet – meistens ebenfalls mit direktem örtlichen Bezug zu Detroit.

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Dies ist ein Artikel von Aileen Wessely.

Aileen durchforstet für KWERFELDEIN die unüberschaubare Masse von Fotos, Fotografen und Projekten und stellt den Lesern einige besondere Arbeiten vor. Außerdem berichtet sie über ihre eigenen Erfahrungen mit der analogen Fotografie, in die sie sich gerade vortastet.

10

Kommentare

  1. Zamir sagt:

    sehr interessant. Was für idee man kommen kann.

  2. Martin sagt:

    Sehr schöne Serie mit netter Idee dahinter. War dort mal vor Jahren und kann mich an einige solcher Häuser erinnern. Schade.

    Gruß

  3. Als gelegentlicher Urban Explorer finde ich das superinteressant. Ich finde es fast schon schade, dass man gerade bei mir in NRW nicht so einfach Leerstehendes findet. Entweder wird gleich abgerissen und überbaut oder die Grundstück sind noch wertvoll genug, dass Zaun und Wachschutz darum sind.

  4. Svenja sagt:

    Eigentlich eine sehr “einfache” Idee, aber absolut interessant.

  5. mazekraemer sagt:

    Es lohnt sich wirklich dem Link zu folgen und sich die komplette Serie anzuschauen. Mann kann schier unendlich viele details entdecken und zusammen erzählen die Fotografien wirklich eine raurige Geschichte.

    Die Umsetzung, mit einer Kamera, einem Objektiv und dann später mit nur noch einem Film finde ich interessant und werde ich auch mal für ein Projekt planen.

    Ich finde es auch gut hier immer wieder Inspiration zu finden und fast würde ich mir für meine Heimat auch ein paar mehr verlassene Gebäude wünschen.

  6. JJ sagt:

    Ganz interessante Idee. Auch wenn nichts für mich.

  7. peter sagt:

    ich finde sowas unglaublich gut, das hat einen unbezahlbaren dokumentationswert und lässt auf einiges rückschließen!

  8. Die Idee gefällt mir sehr – und die Aufnahmen sind, genau wie die Häuser, jede für sich ein Unikat. Super!

  9. martin sagt:

    echt gut!
    verlassene orte haben immer etwas faszinierendes!

  10. Klasse Beitrag! Danke für den Hinweis! Habe viel Spaß gehbat beim betrachten der Bilder. Dieses urbane gefällt mir sehr. Bin selber auch immer wieder auf der Suche nach solchen Motiven hier bei uns im Norden!

    frank

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