Redaktioneller Beitrag11.03.2011 / 09:12

Vivian Maier erstmals in Deutschland ausgestellt

Die unglaublichsten Geschichten schreibt das Leben: 2009 ersteigert der Immobilienmakler John Maloof bei einer Lagerauflösung einige Kartons, die gefüllt sind mit hunderttausenden Negativen, Dias und unentwickelten Filmen.

Untitled, 1953, New York, NY © Vivian Maier, Galerie Hilaneh von Kories, John Maloof Collection
Untitled, 1953, New York, NY

Beim Entwickeln und Sichten der Bilder (sowie Nachfragen auf flickr) stellt sich heraus, dass hier die fünf Jahrzehnte umfassende Arbeit einer völlig unbekannten Street-Fotografin zufällig ihren Weg in die Öffentlichkeit findet. Maloof stürzt sich leidenschaftlich in die Aufarbeitung dieses Schatzes: Er entwickelt und sortiert die Unmengen von Fotos, zeigt ausgewählte Arbeiten und schafft es auch, erste biografische Details der Künstlerin aufzuspüren.

Untitled, Undated © Vivian Maier, Galerie Hilaneh von Kories, John Maloof Collection
Untitled, Undated

Vivian Maier wurde 1926 als Kind französischer Einwanderer geboren und lebte die meiste Zeit in New York und Chicago, wo sie das Leben und die Menschen auf den Straßen fotografierte. Sie arbeitete als Kindermädchen, doch ihre wahre Erfüllung muss sie in der Fotografie gefunden haben. Die Einzelgängerin scheint für die von ihr abgebildeten Personen oft unsichtbar geworden zu sein, so unmittelbar zeigen ihre Arbeiten die Szenerie. Vor allem die Kinder sind es, die ihr direkt in die Augen bzw. Kamera schauen.

Untitled, Undated, New York, NY © Vivian Maier, Galerie Hilaneh von Kories, John Maloof Collection
Untitled, Undated, New York, NY

Noch bis zum 28. April sind 80 ihrer Arbeiten in der Ausstellung “Twinkle, twinkle, little star…” der Galerie Hilaneh von Kories in Hamburg zu sehen. Der glückliche Finder Maloof plant derweil ein Buch sowie einen Film.

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Dies ist ein Artikel von Aileen Wessely.

Aileen durchforstet für KWERFELDEIN die unüberschaubare Masse von Fotos, Fotografen und Projekten und stellt den Lesern einige besondere Arbeiten vor. Außerdem berichtet sie über ihre eigenen Erfahrungen mit der analogen Fotografie, in die sie sich gerade vortastet.

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Kommentare

    • Aileen sagt:

      Die Geschichte ist schon vor einiger Zeit durch ungefähr alle Blogs, Zeitungen und was es sonst noch so gibt, gegangen. Wir haben sie jetzt anlässlich der Ausstellung doch noch einmal aufgegriffen. :)

      • Sven sagt:

        Zurecht, wie ich finde!
        Das ist schon ein echter Schatz, der da entdeckt wurde..
        Mal sehen, ob ich’s nochmal rechtzeitig nach HH schaffe . . .

  1. Alex sagt:

    Wow. Da werde ich nachher mal hinfahren! :)

  2. René sagt:

    Wirklich großartig, was ich mir eben mal kurz angeschaut habe. Schön, dass diese Arbeiten den Weg in die weite Welt finden.

  3. Lukas sagt:

    Macht Lust auf Kartons öffnen, und Geheimnisse zu entdecken.

    Die Fotos von Vivian Maier sind echt inspirierend, und vor allem das sie wohl alle Fotos einfach nur für sich selbst geschossen hat.

    Viel Dank für den Artikel.

  4. Markus L sagt:

    Oh sehr cool, nur schade das es soweit weg ist. Ich hab den Blog schon ne weile im RSS wo fast täglich bilder hochgeladen wurden.

    toll!. Danke.

  5. Catherina sagt:

    Hab den Blog über Vivian Maier auch schon seit ein paar Monaten in meinen Lesezeichen – unbedingte Empfehlung! Tolle Bilder.
    Besonders fasziniert mich die geheimnisvoll-anmutende Aura der Fotografin.
    Danke für’s daran erinnern. n_n

  6. Sven sagt:

    Ich war vor ein paar Tagen da und ich kann nur sagen, die Bilder sind gut. Machen an der Wand einen noch besserer Eindruck als auf dem Bildschirm. Die nette Dame in der Galerie hat mir auch ein paar Fragen beantwortet. Sie hatte eine ganze Menge Bilder Bilder zur Auswahl und hat die Ausgestellten selbst ausgesucht. Die Bilder sind in thematischen Gruppen gehängt und besonders beeindruckt haben mich die Kinderportraits. Die Bilder sind fast alle ca. 30 x30 cm groß und nicht ausbelichtet, sondern hochwertige, limitierte Prints von gereinigten Scans. Die Preise haben mich allerdings etwas verstört, da haben der finder und die Galerien eine echte Goldgrube aufgetan.

    Noch ein weiterer Tipp für Hamburgs Residents und Reisende. Steve McCurry in der Galerie Flo Peters im Chilehaus. Großformatige Bilder aus vielen Jahren, bekannte und auch nicht so bekannte Bilder von McCurry. Auch sehr beeindruckend.

    LG, Sven

    • Die Diskrepanz zwischen einem ausgeschriebenen Preis und dem eigenen Empfinden, was man für ein Kunstwerk ausgeben möchte, um es sich aufzuhängen, klafft ja leider immer wieder auseinander. Das ist ärgerlich und wenn man nicht genau weiß, wie ein Preis zustande kommt, vermutet man schnell eine große Gewinnspanne.
      Ich kenne die Preise der Prints nicht und will sie auch gar nicht pauschal in Schutz nehmen, aber an diesem Beispiel hier ein Denkansatz:

      John Maloof hat vorher als Immobilienmakler gearbeitet. Das tut er jetzt nicht mehr, sondern widmet sich die ganze Zeit diesem Fund. Erst durch diese Arbeit kann die Öffentlichkeit ja überhaupt erst in den Genuss der Bilder kommen. Irgendwie muss das natürlich auch finanzieren werden.

  7. Thomas sagt:

    Geniale Bilder! Genau mein Ding!

    Mir kam jetzt aber spontan ein Gedanke: was ist mit den Model Releases? Rein rechtlich gesehen könnte das doch Probleme geben (von wegen 100 Jahre nach dem Tod und so).
    Interessiert mich v.a. deshalb weil bei mir auch jede Menge Street-Fotos im Verborgenen schlummern, mit denen ich mich noch nicht “raus getraut” habe. Was meint denn ihr zu dem Thema?

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