Artikel18.08.2010 / 12:51

Food, Food, Food

Das ist ein Gastbeitrag von Tilo Gockel. Tilo lebt in Aschaffenburg, arbeitet dort an der Hochschule und lehrt industrielle Bildverarbeitung. Nebenbei schreibt er immer einmal wieder Artikel über Themen aus der Fotografie oder Bildbearbeitung in psd.photoshop, Docma oder DigitalPhoto oder tüftelt an neuen Fotoprojekten oder Workshops.

Weil er auch sehr gerne kocht und isst, ist eines seiner Lieblinsmotive
„Food, Food, Food“ …! :-)

Also für mich gibt es kaum etwas entspannenderes, als am Wochenende loszuziehen, in unserer Haus-und-Hofkonditorei „Der Süsse Löwer“ ein paar Edeltörtchen einzukaufen, in der Gärtnerei nebenan noch ein paar Requisiten zu besorgen und mir einen schönen Tag mit einer Food-Session zu machen. So sind auch die Fotos unten entstanden, und im weiteren Text möchte ich hierzu den Hintergrund zu Licht und Beleuchtung, Optik und Photoshop erklären.

Food ist oft nicht einfach zu beleuchten, weil es je nach Art transparent, reflektierend oder lichtschluckend sein kann. Manche Früchte brauchen Gegenlicht, andere eher frontales Licht oder Licht von der Seite. Diffuses Licht wie Tageslicht von einem Nordfenster ist besonders schön, aber nicht immer verfügbar. Mit Blitzlicht wird das Essen entweder totgeblitzt, oder der Aufbau wird schnell relativ komplex und teuer (Schirmchen, Softboxen).

Nicht so im Beispiel: Auch wenn man es den Fotos nicht ansieht, so kam ein ganz normaler E-TTL-Aufsteckblitz zum Einsatz, nicht entfesselt, sondern einfach auf der Kamera. Der Blitz war rund 45 Grad zur Seite geneigt, fürs erste Foto nach links, für das zweite nach rechts, und hat dort eine Styroporplatte als Reflektor angeblitzt. Dadurch wird dieser Reflektor zu einer großen und wunderbar weichen Lichtquelle, die in der Wirkung einer Softbox recht nahekommt.

Als weitere Lichtquellen finden sich im Setup das Tageslicht durch einer Balkontür gegenüber der Kamera (zartes Gegenlicht) und ein Schminkspiegel, der hier als Aufhellreflektor auf der Seite gegenüber des Reflektors etwas aufhellt und ein paar Akzente setzt. Im Hintergrund stehen ein paar Gläser, um die begehrten Bokeh-Unschärfekreis’chen zu erzeugen.

Zur Optik und zu den Kameraeinstellungen: Hier habe ich die klassische Festbrennweite 50 mm f/1.4 verwendet und habe das Objektiv abgeblendet auf 2.8. Dies erzeugt eine schöne geringe Schärfentiefe, lässt aber den scharfen Bereich auch wirklich knackig werden. Ansonsten: Canon APS-C-Kamera, Raw-Format, Av-Modus, ISO 100 für geringes Rauschen. Das Verhältnis Blitzlichtanteil versus Tageslichtanteil kann man entweder im Av-Modus über die Belichtungskorrektur und Blitzbelichtungskorrektur oder auch, wenn die Werte nach ein paar Probeschüssen festliegen, im M-Modus vorgeben.
Das Licht ist grundsätzlich ausreichend für Fotos aus der Hand und ohne Stativ, bei einigen habe ich dann aber doch die ISO-Zahl auf 200 erhöht, um auf eine wackelfreie Belichtungszeit von 1/80tel Sekunde zu kommen.

Am Ende der Foto-Session steht der Raw-Import und ein dezentes Photoshop-Touch-up. Schick ist es, die Sättigung oder Dynamik leicht zu erhöhen, das Bild mit einem warmen Fotofilter etwas sonniger zu gestalten und nach dem goldenen Schnitt ins gewünschte Format (2:3, 3:4 …) zu croppen (hier hilft Atrise GoldenSection). Ein sehr vorsichtiger Einsatz des Abwedlers (Lichter, 2%) kann im Beispiel die Johannisbeeren noch leuchtender machen, aber weniger ist hier oft mehr.

Bis hier findet sich kaum etwas neues im Touch-up, jetzt folgen aber noch zwei kleine Tricks:
Einmal verstärkt eine ausgeprägte negative Vignette, ausmaskiert, nur für die Lichtseite wirkend, den Eindruck, dass dort ein helles Nordfenster leuchtet: Filter, Objektivkorrektur …, Wert ca. +35.

Abschließend wird noch geschärft. Entweder selektiv über Hochpass (Ebenenkopie, entsättigen, Hochpassfilter mit Wert um die 4, Verrechnungsmodus „Ineinanderkopieren“, Deckkraft ca 50 % , Ebenenmaske anlegen, nur relevante Teile einmaskieren) oder, schicker, über die frei verfügbare Photoshop-Penum-Scharfzeichnungsaktion.

Wer noch mehr zu Tricks und Links und Quellen zur Food-Fotografie lesen möchte, der findet unter fotopraxis.net in der Workshop-Rubrik einige weitere Workshops zu Sushi, Limonade, Sahne-Splashes, Toast und Keksen.

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Kommentare

  1. dorisa sagt:

    Vielen Dank für diesen sehr interessanten, gut geschriebenen und informativen Beitrag. Ich frage mich ja immer wieder, wie man Nahrungsmittel richtig in Szene setzen kann. Dieses Setup ist so einfach wie überzeugend. Ich werde gleich mal dem Link folgen- da kann ich sicher noch mehr lernen..

  2. *mmmjam* (gilt für technik und motiv) – danke tilo.

  3. dogwatcher sagt:

    Wow.. sehr schöner Artikel!!! Mal wieder richtig was zum Umsetzen!

    Also, ich sag mal, bisher gefallen mir die Gastbeiträge richtig gut, Kompliment!

  4. manne sagt:

    toll geschrieben und gut erklärt.
    vielen dank!

  5. Alex sagt:

    Die Idee mit dem Schminkspiegel finde ich sehr cool! Wieder ein Tipp den ich zukünftig umsetzen kann!

    (Jetzt weiß ich auch warum meine Bilder, etwas düster waren…. ich habe damals eine Halogen Lampe als Lichtquelle verwendet!)

    Danke!!

  6. hAnnes sagt:

    Gefällt mir auch gut. Bei fstoppers habe ich einmal einen Bericht über ein Live-Shooting gesehen. In diesem kam auch nur eine Lichtquelle (große Softbox von schräg oben) zum Einsatz. Die Bilder sahen toll aus, auch das Essen (welches ganz frisch gekocht wurde) war herrlich.

    Danke für die Erklärung. Persönlich würde ich aber eher zum 100mm Makro greifen – es lässt einfach mehr Spielraum zum Abblenden, eine schöne Tiefenunschärfe erzeugt es dennoch. :)

  7. Florian sagt:

    Toller Beitrag, der wunderbar erklärt, wie man mit wenig Aufwand viel erreichen kann!

  8. Ruben sagt:

    muss sagen, das essen sieht richtig schön natürlich :)
    durfte mal ein food-shooting für nen großen deutschen fischhandel beobachten.
    das brötchen wurde mit nem kleinen gasbrenner gebräunt, der fisch mit gelantine eingeschmiert, das er auch schön glänzt, und der salat war aus plastik :D
    aber hier.. würde ich – im gegensatz zu dem fischbrötchen – sofort die törtchen vernichten wollen!

  9. wulhlm sagt:

    Sehr interessanter Artikel und leckere Fotos ;)

    wulhlm

  10. Bjoern sagt:

    Sehr beeindruckender Artikel der einmal mehr zeigt wie mit verhältnismäßig wenig Aufwand sehr gute Bilder entstehen können. Die Foodfotografie empfinde ich oft als kleine Königsdisziplin.
    Ich stelle es mir schon schwierig vor, Essen so abzulichten dass es hinterher auf dem Foto auch noch wirklich schmackhaft aussieht.

  11. ca.gi sagt:

    FOOD mhhh! …Sehr schön & sehr lecker (leider nur optisch :D )!!! Interessante Ideen – wie zum Beispiel: Gläser für das Bokeh. Schöner Beitrag! gruss

  12. Jörg Engelbrecht sagt:

    toller Beitrag, gut erklärt und verständlich, super

  13. Kai Schwab sagt:

    Sehr reizvoll, auch die Törtchen! :-)

    Angeblich soll die fließende Schokolade in der Storck Schokoladen-Riesen-Werbung gar keine Schokolade sein, sondern Motoröl…

  14. Sehr schöner und interessanter Beitrag und die Törtchen sind ne Wucht! Wo bitte ist dieser Konditor? In Aschaffenburg?

  15. Frank sagt:

    Eine Unverschämtheit …… sowas leckeres so appetitlich zu Fotografieren, ich bekomme Hunger! ;-)
    Mal ohne Witz, einfach aber effektiv, danke fürs zeigen.

  16. revontulet sagt:

    Ich fotografiere schon seit einiger Zeit (aus reinen Dokumentationsgründen) hin und wieder von mir gekochtes Essen. Dass es auch so funktioniert, sprich sich etwas beim Konditor zu holen, darauf bin ich noch gar nicht gekommen.
    Ein schöner Artikel, vielen Dank für die Anregungen. Der einzige Nachteil: ich will jetzt so ein Törtchen ;D

  17. Chrissy sagt:

    Ach kommt, so nen Törtchen zu machen is einfach :D ;)
    (Einfach mal Mürbeteig, Vanillecreme und Tortenguss googlen… *G*)

  18. Holger sagt:

    Hi, wer sich mit Foodfotos auseinandersetzen will, dem empfehle ich folgende Bücher:

    Food Styling for Photographers: A Guide to Creating Your Own Appetizing Art
    ISBN-10: 0240810066

    Digital Food Photography
    ISBN-10: 1592008208

    Die sind zwar auf englisch, aber die großen “Geheimnisse” werden gelüftet. Wer einmal einen Blick ins Buch geworfen hat, der wird alles anders sehen NICHTS ist echt – Eiscreme ist aus Kartoffelpüree usw.

  19. Vicco sagt:

    Hi Holger,
    ja, da war zumindest früher schon was dran. Motoröl, statt Ahornsirup, Cool Whip statt Sahne usw usf. Die Bücher hab ich auch, die sind auch echt nicht schlecht. Hier noch eine etwas ausführlichere Quellensammlung, viele Links usw:

    http://fotopraxis.wordpress.com/workshops-2/food-food-food-iii/

    Mittlerweile gehen die Stars der Szene, David Loftus u.a., aber zu folgendem Motto über:

    “Shoot it, eat it!” :-)

    Grüße, Vicco

  20. tina bauer sagt:

    mmmmmmh, lecker, und vielen Dank für die tolle Erklärung und die hilfreichen Tipps… ich bin grad am Backen ;-) wenn die Blaubeer-Muffins was werden gibt es vielleicht auf meinem Blog auch ein paar Fotos …. Danke jedenfalls nochmal für die Inspiration.

  21. [...] von einem Gastbeitrag bei kwerfeldein.de, bei dem der Autor mit relativ einfachen Mitteln ein paar superschöne Bilder gezaubert hat, habe [...]

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Ich, das Team und die Gastautoren freuen uns somit sehr auf anregende Diskussionen, Austausch und natürlich auch kritische und hinterfragenden Kommentare. Wir sind hier in dem Bewusstsein, Lernende zu sein und uns gegenseitig mit neuen Ansichten in einem fortlaufendem Prozess zu bereichern und Horizonte zu erweitern.

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