Es folgt ein Gastartikel von Matthias Pabst (Twitter). Matthias lebt in Karlsruhe und arbeitet als Webdesigner und -entwickler für verschiedene Unternehmen. Hin und wieder ist er als Hochzeitsfotograf tätig und fotografiert privat gern in der Natur.Hallo liebe Kwerfeldein-Leserinnen und -Leser! Heute möchte ich euch ein Foto vorstellen und euch erzählen, wie das Bild entstanden ist. Bei dem Foto handelt es sich um eine Langzeitbelichtung, die ich bei Vollmond aufgenommen habe. Das besondere an solchen Aufnahmen ist, dass der Vollmond eine hervorragende Lichtquelle ist, die es ermöglicht, an Orten fotografieren, an denen es nachts normalerweise stockfinster ist.
Das Bild zeigt eine Szene mit einer Wiese und ein paar Bäumen. Ich mag diesen Ort sehr und habe dort auch schon oft Sonnenaufgangsszenen fotografiert. Diese Aufnahme habe ich an einem Tag im Januar um ca. 23:00 Uhr gemacht. Zu dieser Jahreszeit ist es also ohne den Mond ziemlich dunkel. Auch gibt es in dieser Gegend keine unnatürlichen Lichtquellen, die die Szene erleuchten könnten.
Aber in dieser Nacht war Vollmond und glücklicherweise war es auch nur leicht bewölkt, sodass das Mondlicht gut zwischen den Wolken hindurch scheinen konnte um die Wiese und die Bäume zu erhellen. Die dünnen Wolken erwiesen sich sogar als äußerst vorteilhaft. Zum einen wurden sie vom Mond angestrahlt und verstärkten somit dessen Licht und dienten selbst als zusätzliche Lichtquelle. Zum anderen waren die Wolken ein hervorragendes gestalterisches Element.
Wer meine Langzeitbelichtungen kennt, weiß, dass ich gern die Bewegungen der Wolken aufnehme. Im besten Fall natürlich so, dass sich die Wolken entweder in meine Richtung oder von mir weg bewegen. Somit hat man bei Weitwinkelaufnahmen ein Element, dass den Blick von den Rändern des Bildes in die Mitte zum Hauptelement führt.
Die Aufnahme
Nachdem ich ein schönes Motiv gefunden hatte, ging es an die Komposition und den ganzen technischen Kram. Bei der Wahl des Bildausschnittes musste ich mehrere Dinge beachten. Auf jeden Fall wollte ich die Bewegung der Wolken wie oben beschrieben, auf dem Foto haben. Ich habe also erst einmal geschaut, in welche Richtung die Wolken ziehen und die Kamera entsprechend positioniert.
Jetzt musste ich nur noch aufpassen, dass ich den Mond nicht im Bild habe, da dieser aufgrund seiner Helligkeit sehr schnell ausgebrannt wäre. Und nun ging’s ans Eingemachte: Blende, ISO, Belichtungszeit. Für so eine Szene würde ich am Tag f8 wählen, um eine möglichst große Tiefenschärfe zu erreichen. Nachts ist das aber zu viel des Guten, da hätte ich ewig belichten müssen. Also wählte ich f6.3.
Nach einer Testaufnahme mit ISO 100 wurde mir schnell klar, dass die Belichtungszeit immer noch sehr lang sein würde (>250 sec.). Nicht dass ich keine Zeit gehabt hätte, aber bei einer zu langen Belichtungszeit wäre von den Wolken nicht mehr viel übrig geblieben. Also wählte ich ISO 200, was bei meiner Kamera immer noch ein verträglicher Wert ist. Ich machte 2-3 Aufnahmen mit 120-130 Sekunden und war zufrieden mit dem Ergebnis.
Die finalen Werte: 17mm, f6.3, 130 Sek., ISO 200. In der Nachbearbeitung in Lightroom hab ich dann noch ein wenig die Kontraste angepasst und die hellen Bereiche noch weiter aufgehellt. Ein bisschen Schärfen, Sättigen und Rauschen reduzieren: fertig war das Bild.
Ach ja, fast hätte ich es vergessen: während ich da in der kalten Nacht stand und bibbernd und mit nassen Füßen den Mond anstarrte, schallten hinter mir Eulenrufe durch die Stille und ließen mich ein wenig erschaudern. Und genau solche Momente sind es, die die Landschaftsfotografie für mich zu einem Erlebnis (mit allen Sinnen) machen.









Mich fazinieren solche Fotos immer wieder. Als ich das erste Bild mit solchen Wolken gesehen hatte, fragte ich mich, wie man es hinbekommt, dass bei so einer langen Belichtung das Bild nicht weiß wird. Klar, man geht Nachts fotografieren. Danke für diesen interessanten Artikel. Mich hat jetzt die Neugierde geweckt um sowas auch auszuprobieren.
Marcus
Schöne Bilder. Solche Situation hatte ich auch schon. Wollte schön Nachtbilder machen, aber das sah alles aus als wäre bei Tag fotografiert worden. Fand ich persönlich nicht so schön.
spannende Bildbeschreibung! sowohl die Beschreibung der Entstehung als auch das Foto selbst gefallen mir sehr gut!
Hättest Du nicht erwähnt, dass es sich um eine Nachtaufnahme handelt .. würde ich glatt vom Tag ausgehen :) Schönes Bild.
Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung zur Entstehung der Aufnahme.
wow.. sehr inspiriender artikel. danke!
lg,
kadda
Das Bild ist super. Beim ersten (unerfahrenen) Blick hab ich gedankt, na eine Frühlingswiese mit künstlichem Himmel – aber nachdem lesen des Artikels – der Hammer ! Super !
ziemlich genialer artikel, der lust auf mehr macht. wer weiß, vllt geh ich ja heut nacht auch mal auf die jagd.^^
Ich hätte eher auf einen Graufilter getippt.
Danke für die tolle Beschreibung!
Danke für die Isnpiration .. werde ich mir merken und selber mal ausprobieren ;)
Und wieder ein keiner Tritt ins Kreativitätszentrum! Super Arbeit und ein Klasse Artikel!
… tolle Aufnahme – wäre nicht auf eine Nachtaufnahme gekommen, wenn du es nicht geschrieben hättest.
Hab mir auch nicht groß Gedanken darüber gemacht, aber bei deiner Aufnahme sieht man das sogar, daß das Mondlicht ausreicht um Schatten zu erzeugen.
Da bekommt der Begriff “Nachtschattengewächs” ja gleich eine andere Bedeutung *grins* ;)
Aber es stimmt, mann sollte öfters Probieren – man sieht es kommen tolle Ergebnisse dabei raus!
Gr.
Roland
Es freut mich, wenn ich einige von euch mit diesem Artikel inspirieren konnte. Kleiner Tipp: am kommenden Samstag (26.06.) ist Vollmond. ;-)
Danke für die schöne Erklärung.
Die Wolken wirken echt sehr gelungen.
Wie berechnest du denn die Belichtungszeit, wenn es über die maximalen 30Sekunden an der Kamera hinausgeht. Im Bulb geht es da bei mir meist nach Gefühl (und auch oft genug daneben) :-)
Danke dir!
Martin
Ich berechne bei solchen Aufnahmen die Belichtungszeit eigentlich nicht. Ich orientiere mich da an Erfahrungswerten und mache dann mehrere Testaufnahmen bis ich eine Belichtungszeit habe, die passt.
Hi Matthias,
Deine kreative Anregung vorhandene Wolken bei Nachtaufnahmen doch einmal bewusst zu berücksichtigen, werde ich mir merken… ;-)
Die interessanten und außergewöhnlichen Momente die Du bei nächtlichen Aufnahmen beschreibst kann ich nur bestätigen :-)
In der Stille der Nacht und allgemein zur späten Stunde kommen gänzlich andere Töne zum Vorschein…
Viele Grüße
Sascha
Tolles Bild und tolle Erklärung, danke!
Vielleicht probier ich’s auch mal aber erst wenn es a bisserl früher dunkel wird ;-).
Hallo Matthias,
das Bild gefällt mir sehr gut, die Herleitung äusserst interessant und unterhaltsam.
Was mir jetzt nur noch fehlt, ist die Info, wie du die Belichtungszeit ermittelt hast?
Wie bist du auf die 250+Sek. und 120-130 Sek gekommen?
Liebe Grüße,
Kurt
Intuition, Erfahrung und Ausprobieren. Vor allem Letzteres. :-)
Die 250+ bei ISO100 habe ich geschätzt und ausprobiert. Die 130 Sek. habe dann natürlich anhand der ISO-Erhöhung errechnet (doppelte ISO = halbe Belichtungszeit).
Hehe… hab beim ersten Hinschauen auch gedacht: “Hm… wie stark der Graufilter wohl war?” ;)
Aber cooles Bild – muss ich glaub mal selbst probieren. Danke dafür.
Grüße
Ich steh auf Nachtbilder! :)
Was mich noch interessieren würde:
Wie hast Du denn Scharfgestellt? Ich finde das besonders Nachts sehr schwer, wenn man kaum was vom Motiv sieht?
Wie kommst Du auf so eine Belichtungszeit? Geraten? Gemessen? Erfahrung? Probieren?
Persönlich hätte ich noch die restlichen Sterne (zwei rechts, zwei Links oben) wegretuschiert um die Bildwirkung etwas länger aufrecht zu erhalten.
Ansonsten ein super Bild!
Wie ich fokussiert habe, weiß ich leider nicht mehr. Vermutlich habe ich einfach auf “kurz vor unendlich” gestellt. Bei dem Weitwinkel und der Blende kann man da fast nichts falsch machen. Manchmal verwende ich aber auch eine Taschenlampe, die vor dem Motiv platziere. Auf diese stell ich dann scharf, schalte auf manuell um, nehme die Lampe wieder weg und mache dann das Bild.
Belichtungszeit: siehe Kommentar bei Kurt.
Ah ja, sowas dachte ich mir fast.
Danke für die Antwort!
Sehr schönes Bild, das vor allem durch die ziehenden Wolken lebt.
Bei Nacht und Mondschein habe ich bisher so (mit Langzeitbelichtung) auch noch nicht fotografiert. Habe bislang auch nur Erfahrungen bei Tage und mit Graufilter … Muss ich auch mal probieren …
genial gemacht. hat mir echt gut gefallen.
Hallo, das Bild gefällt mir.
Wie ist es mit dem Rauschen in 100% Ansicht?
Wenn ich länger belichte, sind die Bilder immer verrauscht.
Liegt das an meiner Nikon D200 oder muß ich nachbearbeiten?
Gruß, Reiner
Hallo Reiner,
das Rauschen hält sich in Grenzen. Hab es in LR noch ein wenig reduziert (beide Regler auf 40). Die Kamera ist eine 5D.
Hier hab ich mal einen Ausschnitt aus der 100%-Ansicht hochgeladen:
http://drp.ly/1fLM6U
Wow, sehr tolles Bild! Muss ich unbedingt auch mal probieren! (Wenn es denn ein wenig dunkler wird)
Thore
Ein gigantisches Bild! Durch die Beschreibung habe ich wieder was dazugelernt.
Welche Kamera hast Du denn verwendet?
vg Benjamin
Canon EOS 5D.
Hallo,
ich selbst habe mich zwar inzwischen auf Bildbearbeitung und Menschenfotografie spezialiert, mache aber nebenbei immer mal wieder auch andere Aufnahmen und muss sagen, dass ich so eine Landschaftsaufnahme nur mit Neid betrachten kann! Wirklich geniale Aufnahme!!
130sec…. Wow, das ist schon ne Weile! Das längste was ich mal hatte waren glaube ich 30sec…
Aber ich muss zu meiner Schande auch gestehen, dass ich bisher erst ein einziges wirklich gutes Landschaftsbild erstellt habe…
Nochmal: Geile Aufnahme!
Lieben Gruß,
Kate
cooles Bild und eine super Beschreibung :)
muss ich auch ausprobieren!
Hallo Matthias,
ein sehr ausdrucksstarkes Bild nebst “Making off” was du hier präsentierst ! Ich wäre bislang nie auf die Idee gekommen, das Nachts so eine Aufnahme möglich ist ! Vor allem hätte ich nicht an die Richtung gedacht, in der die Wolken ziehen ! Ich werde das ganze mal in einer der nächsten Vollmondnächte ausprobieren !
Danke für den Tip !
Viele Grüße
Frank U.
Tolle Aufnahme so mitten in der Nacht. Und da können 130 Sekunden schon ganz schön lang sein. Sehr beeindruckend und auch deine Beschreibung gefällt mir echt gut.
Gruß
Andreas
ich nennen ihn jetzt nur noch den lichtsammler . Wahnsinn , geile Idee
Eine schöne ausführliche Beschreibung zu einem Foto lässt das Foto ganz anders wirken, man schaut viel genauer hin. Die Aufnahme ist phantastisch und der Artikel liest sich sehr angenehm. Danke
Vielen Dank für die vielen Kommentare. Freut mich, wenn ich den/die eine(n) oder andere(n) hier inspirieren konnte.
Danke auch an Martin.
Da bekommt man direkt Lust, das auch auszuprobieren!
Was ich noch interessant fände wären Vergleichsaufnahmen, wenn man die Blende etwas verkleinert oder die ISO dann doch auf 100 stellt (und wie lange das dann dauert und was es aus den Wolken macht, etc). Aber das kann ich ja dann selbst mal in Angriff nehmen…
Auf jeden Fall guter Artikel!
Wenn man noch länger belichtet, ziehen noch mehr Wolken durch das Bild und irgendwann hat man dann nur noch einen einheitlich weißen Himmel. Dann ist das Blau halt weg.
Danke für die ausführliche Beschreibung der Bildentstehung!
Auf solch eine Idee muß man erst einmal kommen.
Das Foto gefällt mir sehr gut.
Hallo Matthias,
wirklich ein super inspirierendes Bild. Macht direkt Lust auf einen nächtlichen Ausflug ;-)
Ich hätte bei diesem Bild auch nicht auf eine Nachtaufnahme getippt, doch wenn man genau hinsieht, bemerkt man doch einige Sterne am Himmel zwischen den Wolken.
Dein Beitrag ist sehr interessant verfasst und mach wirklich Lust das Ganze mal auszuprobieren. Ich werde dafür aber eher auf eine kalte Jännernacht verzichten und das mal in einer lauen Sommernacht versuchen.
Habe selber auch schon viele Fotos bei Vollmond gemacht, unter anderem auch welche die dann wie bei Dir eher nach einer Tagaufnahme aussahen. Finde so etwas sehr faszinierend. Und ja, Landschaftsfotografie ist wirklich teilweise sehr aufregend, besonders Nachts.
toll gefällt mir wirlich sehr gut. gruß mika
[...] Wie macht man bei Vollmond die Nacht zum Tage? http://kwerfeldein.de/index.php/2010/06/24/matthias-pabst-night-of-the-owls-oder-wie-man-die-nacht-z… [...]